Die Werkzeuge des Autors: der innere Monolog

Im Gegensatz zum Bewusstseinsstrom spricht sich eine Figur im inneren Monolog selbst an; einen Gesprächspartner gibt es nicht. Die Selbstansprache findet in der Regel gedanklich statt, kann aber durchaus auch laut geschehen. Häufig stellt sich eine Figur im inneren Monolog Fragen, macht sich Vorwürfe oder schmiedet Pläne. Dabei wird sie nicht von einer dritten Person oder dem Erzähler unterbrochen. Der Leser hat das Gefühl, direkt an der Gedankenwelt der Figur teilzuhaben.

Wann kann der innere Monolog eingesetzt werden?

Der innere Monolog hat sich in Konflikt- und Entscheidungssituationen bewährt. Es kann beispielsweise darum gehen, Probleme zu analysieren oder Entscheidungen abzuwägen.

Was muss ich beim beim inneren Monolog beachten?

  • Der innere Monolog beginnt unmittelbar und wird nicht durch „sagte er zu sich“ oder „dachte sie“ eingeleitet.
  • Gedankensprünge sind in einem inneren Monolog erlaubt, jedoch werden sie nicht so extrem genutzt wie bei der Methode des Bewusstseinsstroms.
  • Der innere Monolog wird im Präsens verfasst.

Beispiel: Arthur Schnitzlers „Leutnant Gustl“

Ein Beispiel für einen gelungenen inneren Monolog ist der Anfang der Erzählung „Leutnant Gustl“ (Arthur Schnitzler, 1901):

„Wie lang‘ wird denn das noch dauern? Ich muss auf die Uhr schauen … schickt sich wahrscheinlich nicht in einem so ernsten Konzert. Aber wer sieht’s denn? Wenn’s einer sieht, so passt er gerade so wenig auf wie ich, und vor dem brauch‘ ich mich nicht zu genieren … Erst viertel auf zehn? … Mir kommt’s vor, ich sitz‘ schon drei Stunden in dem Konzert. Ich bin’s halt nicht gewohnt … Was ist es denn eigentlich? Ich muss das Programm anschauen … Ja, richtig: Oratorium! Ich hab‘ gemeint: Messe. Solche Sachen gehören doch nur in die Kirche! Die Kirche hat auch das Gute, dass man jeden Augenblick fortgehen kann …“

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