Interview mit der Autorin Helen Endemann, Teil 1

© Brunnen Verlag

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Helen Endemann wurde 1970 in Frankfurt am Main geboren. Sie ist Mutter von drei Kindern, Frau eines evangelischen Pfarrers und Juristin bei der Deutschen Bahn. Das Schreiben hilft ihr, damit klarzukommen. Im Februar 2013 wurde ihr Roman „Operation Unsichtbar“ im Brunnen Verlag veröffentlicht.

Helen, worum geht es in deinem aktuellen Roman „Operation Unsichtbar“?

Der zwölfjährige Nikolas wird von einem Moment zum anderen unsichtbar. Für seine Eltern, Mitschüler, Lehrer hat er aufgehört zu existieren. Es ist so, als hätte es ihn nie gegeben. Es gibt nichts, was er tun kann, um auf sich aufmerksam zu machen. Nachdem er das akzeptiert hat, tut er das einzige, was ihm einfällt: Er macht weiter wie bisher. Er geht zur Schule und nach einiger Zeit merkt er, dass es dort noch mehr unsichtbare Kinder gibt. Er freundet sich mit Alice und der Musikkeller-Clique an und gemeinsam suchen sie nach einem Weg, wieder sichtbar zu werden.

Was hat dich zu dieser Geschichte inspiriert?


Der Ursprung war die Idee einer „Parallelgesellschaft“ in der Schule, eine aus der Not geborene Gemeinschaft. Dann habe ich einen Vortrag über Mobbing in der Schule und vor allen die Methoden zur Bekämpfung des Mobbings gehört. Damit war die Idee rund. Die unsichtbaren Kinder haben gemeinsam, dass sie Mobbing-Opfer sind und dafür kämpfen, wieder gesehen und respektiert zu werden.

Wie lange hast du an deinem Roman gearbeitet – von der Idee bis zur Abgabe des Manuskripts? 
Ca. fünf Monate.

Wie gehst du beim Schreiben eines neuen Romans vor? 


Ich folge im Wesentlichen der Technik, die Elisabeth George in „Wort für Wort“ beschreibt. D. h., am Anfang muss der Kern einer Idee da sein. Bei „Operation Unsichtbar“ also diese Parallelgesellschaft/Notgemeinschaft der unsichtbaren Kinder. Dann entwickle ich einen groben Handlungsbogen, in diesem Fall anhand der „Heldenreise“. Da die Geschichte in der Schule spielt, habe ich außerdem das Schuljahr als Rahmen für die Handlung genommen. Die Ferien, Jahreszeiten, Feiertage geben Anlass für bestimmte Handlungselemente, wie z. B. die gemeinsame Weihnachtsfeier. Dann entwickle ich die Hauptpersonen. Alle, die eine gewisse Tiefe haben müssen, brauchen einen „Sprechzettel“, in dem sie mir mitteilen, wer sie sind, was sie antreibt. Danach überlege ich mir im Groben die einzelnen Szenen und schreibe ein Gerüst. Und dann kommt das eigentliche Schreiben.

Planst du deine Romane oder schreibst du einfach drauflos?


Bei meinem ersten Roman habe ich einfach so drauflos geschrieben. Irgendwie ging das auch. Aber dann habe ich so viel Zeit darauf verwendet, die Geschichte zu verbessern, weitere Handlungsstränge einzubinden, die Logik herzustellen, das war viel anstrengender, als ein geplantes Vorgehen.

Hier geht es weiter zu Teil 2 des Interviews, in dem Helen Endemann aus ihrer eigenen Schreibpraxis erzählt.

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