Interview mit der Autorin Helen Endemann, Teil 2

Wie viele Stunden schreibst du täglich/in der Woche?

Sagen wir mal so: Ich habe zum Schreiben einen ganzen Vormittag (mein freier Tag) und ab und zu Zeit am Wochenende, je nachdem, welches Familienprogramm ansteht. In dieser Zeit schaffe ich zwei bis fünf Din A4-Seiten. Netto brauche ich dafür nur zwei bis drei Stunden. Aber ich brauche viel Zeit und Ruhe zum Überlegen. Anders ist es, wenn ich „im Rausch“ bin, wenn das Buch richtig gute Fortschritte macht, bald fertig wird. Dann schreibe ich jeden Abend und fast das ganze Wochenende. Da schaffe ich dann richtig viel.

Wie vereinbarst du das Schreiben mit deiner Rolle als Mutter, Ehefrau und Berufstätige?

Normalerweise geht alles andere dem Schreiben vor. Nur wenn ich, wie schon oben gesagt, „im Rausch“ bin, dann sitzen die Kinder den ganzen Tag im Schlafanzug vorm Fernseher und essen Pizza aus dem Karton und hoffen, dass das Buch noch lange nicht fertig wird.

Wie beginnst du deine Schreibphase?


Neuerdings mit dem „freewriting“, das ich von dir gelernt habe. Das brauche ich vor allem dann, wenn ich noch nicht so richtig weiß, wie die Szene aussehen soll, was ich in ihr eigentlich aussagen möchte. Oder wenn ich einfach keine Lust zum Schreiben habe. Oft mache ich auch noch eine Sensu-Mind-Map, das war auch ein toller Tipp.

Hast du Testleser, die deinen Roman vorab lesen dürfen? 


Ich habe ein paar sehr gute, alte Freundinnen, die hervorragende Erst-Lektoren sind. Mein Mann gehört meistens zu den allerersten Lesern, ihn brauche ich auch unbedingt für die Rechtsschreibung. Ich glaube, er ist überhaupt der einzige, der die Rechtschreibung heute noch beherrscht. Meine Eltern und meine Schwester gehören auch zu den ersten Lesern, die mir gute Tipps geben. Und die Experten. Bei „Operation Unsichtbar“ spielen die Anti-Mobbing-Methoden „Farsta“, „Staffelrad“, „No-Blame-Approach“ eine Rolle. Hier habe ich den Mediator und Schulberater Dr. Peter Rosenkranz gebeten, mich zu beraten. Das war der, dessen Vortrag ich gehört habe. Ich habe ihn einfach angesprochen und er hat mir seine Hilfe zugesagt.

In welcher Phase dürfen deine Testleser das erste Mal dein Manuskript lesen?


Wenn die Geschichte halbwegs rund und abgeschlossen ist und mir beim besten Willen nichts mehr einfällt, was die Geschichte weiterbringt.

Welche drei Tipps möchtest du unerfahrenen Autoren mit auf den Weg geben?

Eine Methode finden, die zu dir passt. Immer wenn es stockt, kannst du dich auf die Methode besinnen und sehen, wo du ansetzen kannst, damit es weitergeht. 
Wenn du nicht mit meinem Mann verheiratet bist, würde ich mir einen Lektor suchen oder jemanden, der zumindest die Rechtschreibung sehr gut beherrscht. Die Chance, dass ein ungebeten eingereichtes Manuskript angenommen wird, ist ohnehin sehr gering. Wenn es noch voller Fehler ist, hat kein Lektor Lust, sich damit herumzuschlagen. Bestseller werden heute wie am laufenden Band und immer unter dem Gesichtspunkt produziert, was sich hoffentlich gut verkauft. Wenn du eine richtig starke Geschichte zu erzählen hast, ist das bestimmt interessanter als die Massenproduktion. Erzähl sie.

Arbeitest du derzeit schon an einem neuen Buch?

Ja. Nachdem ich zwei Krimis und ein Jugendbuch geschrieben habe, möchte ich einen Liebesroman schreiben. Das ist ganz schön schwer, aber ich freue mich auf die Herausforderung.

Herzlichen Dank für das Interview!

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.

Ähnliche Artikel:

Möchten Sie noch mehr spannende Autoreninterviews lesen? Hier finden Sie regelmäßig neue Interviews.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s