Interview mit der Autorin Carmen Mayer, Teil 1

© Edition Oberkassel

© Edition Oberkassel

Carmen Mayer wurde in Baden-Württemberg geboren, und lebt seit über 30 Jahren in Ingolstadt/Bayern. Sie hat im Laufe der vergangenen Jahre mehrere Kurzgeschichten und Romane geschrieben, die inzwischen alle veröffentlicht wurden. Im Februar 2013 wurde ihr 2011 im Verlag Edition Oberkassel veröffentlichter Roman „Die Rose von Angelâme“ als E-Book herausgegeben.

Carmen, worum geht es in deinem aktuellen Roman „Die Rose von Angelâme“?

Es geht vordergründig um zwei völlig sinnlos scheinende Morde, denen ein Versicherungsagent auf die Spur kommt. Ziemlich schnell findet er heraus, dass die Gründe für diese Verbrechen mit einem Gemälde zusammenhängen, das vor fast sechshundert Jahren in Frankreich entstanden ist. Dort beginnt der eigentliche Roman und begleitet ein unglaubliches, tödliches Geheimnis über die Jahrhunderte hinweg in die Gegenwart.

Was hat dich zu dieser Geschichte inspiriert?

Mir fiel in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts eine Zeitungsnotiz auf, derzufolge einigen handverlesenen Journalisten Einblick in die geheimen Archive des Vatikan gewährt werden sollte. Thema waren die Visionen einiger inzwischen heilig gesprochener Frauen des 19. Jahrhunderts. Das machte mich neugierig. Ich überlegte mir, warum die Kirche diese Weissagungen geheim hielt, und was wohl geschehen würde, wenn sie publik würden. Eine faszinierende Idee, die ich unbedingt ausarbeiten wollte.

Wie lange hast du an diesem Roman gearbeitet – von der Idee bis zur Abgabe des Manuskripts?

Sehr lange. Ich begann in den 80ern des vorigen Jahrhunderts, wo man noch nicht im Internet recherchieren konnte. Es war spannend, in der Stadtbücherei zu sitzen und in alten Büchern zu stöbern, per Fernausleihe uralte französische Enzyklopädien in die Hand und Einblick in Zusammenhänge zu bekommen, über die ich mir zuvor keine Gedanken gemacht hatte. Von einem befreundeten Pfarrer erhielt ich außerdem mehrere Bände zur europäischen Kirchengeschichte. Drei, vier Jahre lang recherchierte ich auf diese Weise, wie mir eben Zeit dafür blieb, bis ich meinen Rohentwurf endlich fertig hatte und mich an die Ausarbeitung machen konnte. Dann blieb das Manuskript erst einmal liegen, weil mir die mutig angeschriebenen Verlage mitteilten, dass historische Romane keine Leser fänden und somit uninteressant für sie seien. Nur ein Lektor machte mir Mut, dranzubleiben und einige seiner Meinung nach wichtige Dinge mit einzubringen. Aber ich hatte keine Lust mehr, das Buch zum gefühlt hundertsten Mal zu überarbeiten. Als ich das doch eines Tages wieder in Angriff nahm, gab es längst den Beweis dafür, dass historische Romane sehr wohl interessant waren und auf den Bestseller-Listen ihren Platz finden konnten. Es gab inzwischen bessere Möglichkeiten der Recherche, und ich arbeitete ein weiteres gutes Jahr daran, ein vorzeigbares Manuskript zu erstellen. Das landete dann 2011 bei meinem Verleger Detlef Knut, und wurde nach nochmaliger gründlicher Überarbeitung schließlich veröffentlicht.

Wie hast du zum Schreiben gefunden?

Ich habe mir schon immer gern Geschichten ausgedacht und mich auf jede Aufsatzstunde in der Schule gefreut. Mein Traum war damals, einen Roman zu schreiben und damit die jüngste Autorin der Welt zu werden. Daraus wurde leider nichts, denn als ich ernsthaft mit dem Schreiben begann, war ich deutlich über meine Kindheit hinausgewachsen.

Wie viele Stunden schreibst du täglich/in der Woche?

Kommt ganz darauf an, wie weit ich mit meinem Text/meinen Recherchen gekommen bin. Wenn ich einen richtig guten Lauf, gut recherchierte Vorlagen und genügend Zeit habe, dann schreibe ich teilweise fünf, sechs Stunden am Tag, mehrere Tage hintereinander. Sonst komme ich auf eine oder zwei Stunden in der Woche.

Wie beginnst du deine Schreibphase? Hast du ein Ritual?

Ich weiß nicht, ob man das ein Ritual nennen kann. Jedenfalls räume ich erst einmal alles vom Schreibtisch, was nicht zu meiner aktuellen Schreibarbeit gehört. Außerdem achte ich darauf, dass keine dringend zu erledigenden Dinge im Hintergrund darauf lauern, mich schnell wieder von meiner Arbeit abzubringen. Dann lese ich mir erst einmal die letzten zwei, drei Seiten durch, überarbeite, was mir auffällt und schreibe dort weiter, wo ich mich danach wiederfinde.

Hier geht es zu Teil 2 des Interviews, in dem Carmen Mayer über ihre Vorgehensweise beim Schreiben und Recherchieren erzählt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s