Interview mit der Autorin Carmen Mayer, Teil 2

Wie gehst du beim Schreiben eines neuen historischen Romans vor?

Zuerst ist da ein Schlüsselwort, das mich fasziniert, und um das herum ich mir einen Plot ausdenke. Dann suche ich im Internet oder in Büchern nach Informationen dazu, und stoße meistens auf so viele interessante Nebenbereiche, dass ich beginne, mich gründlich mit der entsprechenden Zeit, politischen Zusammenhängen, religiösen Hintergründen, aber auch ganz profanen Dingen zu beschäftigen. Dazu gehören Kleidung, Haartracht, Lebensweisen, Essen, Getränke, Tagesabläufe oder gesellschaftliche Eigenarten ebenso, wie die Möglichkeit oder Unmöglichkeit für Mädchen, lesen und schreiben zu lernen, oder für Jungen Medizin studieren zu können oder einfacher Bauer zu bleiben.

Du schreibst auch Krimis. Wie gehst du beim Schreiben eines neuen Romans deiner Krimibuchreihe mit Kommissar Braunagel vor?

Ich merke ziemlich oft, dass mich ganz bestimmte Verbrechen, von denen ich in den Medien gehört oder gelesen habe, tagelang beschäftigen. Dabei überlege ich mir, was wohl einen potenziellen Täter dazu veranlasst haben mag, beispielsweise einen Mord zu begehen. Die Abgründe, die sich dabei vor mir auftun, sind der Anfang für Recherchen, bei denen ich immer beide Seiten im Auge behalte: Täter/Opfer und die Aufklärung des Verbrechens durch Hauptkommissar Braunagel. Sobald ich den Rohentwurf fertig habe, für den ich durchaus auch vor Ort nach Möglichkeiten suche, die zu meinem Roman passen könnten, bespreche ich mich mit meinem Berater aus dem Polizeipräsidium in Ingolstadt. Er hilft mir dabei, die Ermittlungsarbeiten von Kommissar Braunagel so realitätsnah wie möglich zu beschreiben. Dann arbeite ich den Rohentwurf aus und sitze bestimmt noch mehrere Wochen über der Endfassung.

Du gehst für deine Bücher auf Recherchereise. Hast du demnächst eine neue Reise geplant? Wohin geht es?

Ja, habe ich. Im Mai möchte ich zusammen mit meinem Mann den gedachten Weg meines Hauptprotagonisten ab der österreichisch-bayerischen Grenze über Passau/Regensburg bis Nürnberg entlangfahren. Ich möchte mich in den Städten entlang unserer Route eingehend über die Zeit des Dreißigjährigen Krieges informieren, während der mein Roman hauptsächlich spielt. Vor zwei Jahren sind wir auf den Spuren meines Protagonisten von Graz aus über Hieflau und das Ennstal entlang bis Enns/Linz  und weiter nach Griesbach und dann zur Grenze gefahren. Wir haben erstaunlich viele Leute kennengelernt, die uns bereitwillig Informationen über jene Zeit gegeben haben. So etwas erhoffe ich mir von unserer Reise im Mai auch und freue mich darauf, Einblicke in eine Zeit zu bekommen, die mein Protagonist durchleben wird.

Sprichst du gezielt Menschen an, d. h. suchst du schon vorab nach Interviewpartnern? Oder lässt du die Begegnungen einfach auf dich zukommen?

Die Gespräche mit meinen Interviewpartnern haben sich alle ohne vorherige Absprache ergeben. Wir sind in den besuchten Orten entlang unserer Route in Museen, Ausstellungen oder Touristenbüros gegangen und haben gefragt, wer Auskunft über eine bestimmte Zeit, ein bestimmtes Ereignis oder die Geschichte des Landstrichs geben kann, die für mein Buch von Interesse waren. Es hat mich jedes Mal überrascht, wie begeistert meine Ansprechpartner über das gesprochen haben, was sie zu ihren speziellen Themen wussten. Sie telefonierten teilweise noch mit anderen Leuten, von denen sie wussten, dass sie noch mehr erzählen konnten, und gaben mir dann deren Adressen. So wird es bei der geplanten Reise im Mai auch werden. Spannend.

Wie bereitest du dich auf eine Recherchereise vor?

Ich suche mir die Strecke auf Landkarten und im Internet heraus, die ich kennenlernen möchte, mache mir Notizen zu historischen Begebenheiten in unmittelbarer Nähe, lege fest, welche Landstriche und Städte ich unbedingt ansehen möchte. Dann überlasse ich es meinem Mann, die teilweise recht abenteuerlichen Wege zu finden, auf denen meine Protagonisten gewandelt sein mochten.

Hast du Testleser, die deinen Roman vorab lesen dürfen?

Schon, ja. Wobei es sich meistens um das Lesen einzelner Passagen handelt, bei denen ich mir nicht im Klaren darüber bin, wie sie beim Leser ankommen oder wie ich sie ausarbeiten soll. Außerdem hab ich dich …

In welcher Phase dürfen deine Testleser das erste Mal dein Manuskript lesen?

Das ist unterschiedlich, da ich meine Texte meistens Leuten zum Lesen gebe, die sich mit dem einen oder anderen Thema besonders gut auskennen. Ich habe einen Testleser, der in Fragen zum Mittelalter sehr bewandert ist, und dem ich von der ‚Rose‘ fortlaufend zwanzig, dreißig Seiten geschickt habe, wie sie gerade fertig wurden. Oder dann eben bei meinen Krimis mein Ingolstädter Kommissar: Er bekommt die Passagen zu lesen, in denen Polizeiarbeit im Vordergrund steht. Mein Mann liest das Roh-Manuskript um herauszufinden, ob sich alles logisch aufbaut und keine Patzer drin sind. Das ganze Buch wollen aber alle erst haben, wenn sie es gedruckt in der Hand halten können.

Welche drei Tipps würdest du unerfahrenen Autoren mit auf den Weg geben?

(1) Erst einmal alles schreiben, was und wie es einem in den Kopf kommt. Herausstreichen und ändern kann man später noch. Gedachtes ist oft ganz schnell weg, wenn es nicht zeitnah notiert wird.
(2) Dann unbedingt darauf achten, dass die Rechtschreibung stimmt und Normseiten eingehalten werden – das ist für die Einsendung an Verlage absolutes Muss. Lektoren haben keine Lust, sich durch grammatikalische Ungereimtheiten und unübersichtliche Seitenaufteilungen zu wühlen und lehnen solche Arbeiten meistens generell ab.
(3) Und ganz wichtig: Das Baby auf gar keinen Fall einem Zuschussverlag in die Hände geben! Wenn Manuskripte abgelehnt werden, ist das zwar enttäuschend, sollte aber nicht entmutigend sein. Zuschussverlage kümmern sich nicht um die Vermarktung der Bücher ihrer Autoren, sie sind ausschließlich an ihrem Geld interessiert.

Arbeitest du derzeit schon an einem neuen Buch?

Ich möchte in diesem Jahr noch meinen zweiten historischen Roman fertig schreiben, auf dessen Spuren ich mich im Mai befinde, und dann meinen angedachten vierten Band um Hauptkommissar Braunagel in Angriff nehmen.

Herzlichen Dank für das Interview!

Carmen Mayer liest … aktuelle Termine für Lesungen finden Sie auf ihrer Homepage.

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.

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