Buchtipp – Gail Sher verbindet Yoga und Schreiben

Seit einigen Jahren beginne ich meine Tage mit einer frühmorgendlichen Yogasession. In dieser Stunde schalte ich ab, tanke Energien für den Tag. Ohne Yoga wären zumindest meine Wochentage unvollständig (am Wochenende sehe ich es nicht so eng ;-)). Meist übe ich die selben Asanas (so nennt man die Körperstellungen im Yoga), doch ich freue mich immer über neue Anregungen, die mich voranbringen und meinen Yogahorizont erweitern. Bei einer Recherche entdeckte ich vor einiger Zeit das Buch „Writing the Fire. Yoga and the Art of Making Your Words Come Alive“ von Gail Sher. Die amerikanische Psychotherapeutin, Dozentin, Autorin und Yoga-Praktizierende hat in ihrem Buch zwei ihrer (und meiner :-)) Leidenschaften zusammengebracht: Yoga und Schreiben.

Mit diesem Buch lässt sich der kreative Prozess, die Schreibpraxis neu beleben: Gail Sher ist überzeugt, dass Schreibende, die regelmäßig Yoga praktizieren, eine neue Form der Aufmerksamkeit/Wachsamkeit kultivieren. In gedankenanregenden Essays erläutert sie, wie Yoga und Schreiben zusammenpassen und welche Auswirkungen die Yogapraxis auf das Schreiben hat. Sie ist sich bewusst darüber, dass yogapraktizierende Autoren und Schriftsteller nicht automatisch Bestseller schreiben werden – dennoch glaubt sie, dass Yoga ein Weg ist, um zu mehr Klarheit, Präsenz und Inspiration im Schreibprozess zu gelangen. Asanas, die auf das eigene Schreiben unterstützend wirken, werden natürlich auch angesprochen: z. B. Uttanasana, die stehende Vorwärtsbeuge, die Körper und Geist in Einklang bringt; Tadasana, die Bergstellung, der Sonnegruß u. v. m.

„Writing the Fire“ ist sicher nicht für jeden Autoren/Schriftsteller, der nach Methoden sucht, um seinen Kreativitätsprozess anzuregen, geeignet. Doch insbesondere für spirituell und Yoga-Interessierte gibt es in dem einen oder anderen Kapitel Inspirationen für die eigene Schreib- und Yogapraxis.

Hinzufügen möchte ich allerdings, dass das Format und die Gestaltung des Buches nicht unbedingt zu einem Wohlfühl-Lesen einladen: Auch wenn ich mich über die Entdeckung dieses Buches gefreut und mir vorgenommen habe, es sofort zu lesen und auszuprobieren – als ich es in den Händen hielt, war ich aufgrund der unbebilderten, gräulichen Seiten und der leserunfreundlichen Schrift etwas ernüchtert. Es lag ein paar Wochen auf meinem Schreibtisch, bevor ich mich tatsächlich „überwunden“ habe, es zu lesen. Dennoch empfehle ich das Buch weiter, denn die Anregungen, welche Asanas sich positiv auf das Schreiben auswirken, finde ich durchaus gelungen: In meiner Schreibberatungspraxis und in meinen Seminaren rate ich meinen Teilnehmern oft, sich ein individuelles Ritual zum Einstieg in den Schreibprozess auszudenken – „Writing the Fire“ liefert Ideen dafür.

Gail Sher: Writing the Fire. Yoga and the Art of Making Your Words Yome Alive. New York: Bell Tower.

 

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