Interview mit der Autorin Carina Bartsch, Teil 1

"Dreimal Liebe" © Carina Bartsch

„Dreimal Liebe“ © Carina Bartsch

Carina Bartsch wurde 1985 im fränkischen Erlangen geboren und lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe ihrer Geburtsstadt. Sie brach die Realschule, dann die Wirtschaftsschule und eine Lehre ab. Erst nach diversen Kleinjobs fand sie mit Anfang zwanzig ihre wahre Bestimmung: das Schreiben. Mit ersten Kurzgeschichten gewann sie mehrere Schreibwettbewerbe. Dann wagte sie sich 2008 an ihr Romandebüt, «Kirschroter Sommer», mit dem sie 2012 zur erfolgreichsten deutschen Liebesromanautorin im Netz wurde. Auch der Nachfolgeband «Türkisgrüner Winter» avancierte zum E-Book-Bestseller.

Carina, worum geht es in deinem Roman „Türkisgrüner Winter“?

„Türkisgrüner Winter“ ist die Fortsetzung von „Kirschroter Sommer“. In den Büchern geht es darum, dass Emely nach sieben Jahren wieder auf ihre erste große Liebe Elyas Schwarz trifft – eine Begegnung, auf die sie bestens hätte verzichten können. Damals nahm es kein gutes Ende zwischen den beiden, und die Verletzung sitzt immer noch tief.

Was hat dich zu der Geschichte um Emely und Elyas inspiriert?

Liebe ist ein wunderschönes Thema, leider gab es aber bisher sehr wenige Liebesromane, die mich für sich begeistern konnten. Ich möchte nicht nur lesen, dass sich zwei Menschen ineinander verlieben (weil das eben gerade so ist und sie schließlich die Hauptprotagonisten des Buches sind), sondern ich möchte wissen, warum das so ist, und noch viel wichtiger: Ich möchte es spüren. Liebe wird in Büchern viel zu wenig durch Persönlichkeit erklärt, stattdessen wird die Begründung „Liebe auf den ersten Blick“ eingeworfen, und damit konnte ich mich als Leser einfach nie abfinden. Das hat mich dazu motiviert, selbst einen Liebesroman zu schreiben.

Wie hat es sich angefühlt, als du deinen Debütroman „Kirschroter Sommer“ das erste Mal in den Händen gehalten hast?

Der Moment war sehr bewegend. Ich hatte ein Jahr an der Verlagsgründung und der Veröffentlichung gearbeitet (Schreiben der Geschichte nicht inklusive), und hielt zum ersten Mal ein handfestes Resultat in den Händen. Das Buch lag so schwer in meiner Hand, als würde es zehn Kilo wiegen. In diesem Moment ist mein Lebenstraum, Schriftsteller zu sein, zum ersten Mal greifbar geworden.

Wie lange arbeitest du durchschnittlich an einem Roman – von der Idee bis zum Druck?

Das ist bei mir sehr unterschiedlich. Im kompletten Schreibwahn und akutem Schlafmangel habe ich auch schon Geschichten innerhalb von fünf Monaten beendet, an anderen wiederum schreibe ich mehrere Jahre. Für „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ brauchte ich zum Schreiben ca. 12 Monate. Von der Entstehung (2008) dauerte es bis zur Veröffentlichung (2011) drei Jahre. So lange wird es bei meinem nächsten Buch aber nicht mehr dauern.

Wie gehst du beim Schreiben eines neuen Romans vor?

Dass eine Idee es wert ist, sie zu nieder zu schreiben, merke ich daran, dass ich Anfangs in einen euphorischen Schreibwahn verfalle. Schlafen? Privatleben? Tz, wer braucht das schon! Mein Umfeld erklärt mich in diesen Zeiten gerne für verrückt. Ich nutze wirklich jede freie Minute, an der Geschichte weiterzuschreiben – auch wenn die Zeit nur für zwei Sätze reicht. Ich kann in dieser Phase einfach nicht anders; all das, was ich mir ausgedacht habe und was ich für die Geschichte spüre, muss verbalisiert werden und aufs Papier. Diesen Flow versuche ich so lange es geht mitzunehmen, meistens hält er über die Länge von ca. sechs bis acht Kapiteln an. Dann kommt in der Regel leider immer der Punkt, an dem ich die ganze Geschichte komplett in Frage stelle. Selbstzweifel sind eine bekannte Autorenkrankheit, und ich bin ebenfalls davon betroffen. Die Zweifel sorgen dafür, dass die Euphorie einen langsamen, qualvollen Tod stirbt, und es folgt eine lange Zeit von Unsicherheit, Frust, immer wieder gegenlesen, überarbeiten, noch mehr Unsicherheit, Blockiertheit … und so weiter. Es ist nicht leicht, diese Krisen zu überwinden. Bei manchen Geschichten habe ich sie bis heute nicht überwunden, sie liegen in der Schublade und es ist unklar, ob ich sie jemals beenden werde.

Planst du deinen Roman oder schreibst du einfach drauflos? Wie sieht deine Planung aus?

Ich muss beim Schreiben wissen, worauf ich am Ende – und auch zwischendrin – hinauswill – deswegen muss eine gewisse Planung definitiv sein. Das brauche ich, um Logikfehler zu vermeiden und einen durchgehenden roten Faden zu schaffen. Allerdings plane ich nicht bis ins kleinste Detail, das würde mir den Spaß nehmen und fast schon in Richtung Bürokratie gehen. Ich plane das gesamte Gerüst, und beim Schreiben selbst baue ich die kleinen Backsteine aufeinander, bis die Fassade komplett ist. Schreiben hat für mich sehr viel mit „fühlen“ zu tun, und einen straff durchorganisierten Plan kann man einfach nicht fühlen.

Wie viele Stunden schreibst du täglich bzw. in der Woche?

Das ist sehr unterschiedlich. Immer dann, wenn es mich überkommt und ich den Kopf frei habe, mich in die Geschichte und die Charaktere einzufühlen. Das können manchmal sechzig Stunden in der Woche sein, oder, wenn es blöd läuft, dreißig Minuten. Ich habe inzwischen eingesehen, dass ich das Schreiben nicht erzwingen kann. Versuche ich es doch, kommt am Ende nichts dabei heraus, mit dem ich zufrieden wäre.

Führst du ein besonderes Ritual aus, bevor du schreibst? Oder kannst du sofort mit dem Schreiben starten?

Ein richtiges Ritual habe ich nicht. Ich lese die letzten Absätze durch, versuche mich wieder in die Köpfe der Charaktere einzudenken, die Geschichte zu fühlen, und dann … Dann kommt es ganz darauf an. An dem einem Tag geht es sofort los, meine Finger gleiten nur so über die Tastatur, und an dem anderen Tag sitze ich drei Stunden später immer noch am zweiten Satz und starre auf das leere Blatt auf dem Bildschirm.

Hast du Testleser, die deinen Roman vorab lesen dürfen?

Glücklicherweise ja. Ich habe jahrelang Geschichten im Internet veröffentlicht und dadurch eine kleine Gruppe von Autoren kennengelernt, davon zählen einige inzwischen zu meinen Freunden. Von ihnen bekomme ich Kritik par excellence.

In welcher Phase dürfen deine Testleser das erste Mal dein Manuskript lesen?

Wenn ich frustriert bis auf die Knochen bin und das Ding am liebsten aus dem Fenster werfen würde.

Hier geht es weiter zum zweiten Teil des Interviews, in dem Carina Bartsch u. a. drei hilfreiche Schreibtipps nennt und von ihrem Weg zur Verlegerin erzählt.

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