Interview mit der Autorin Carina Bartsch, Teil 2

Welche drei Schreibtipps kannst du unerfahrenen Autoren mit auf den Weg geben?

  1. Schreiben, schreiben, schreiben – lesen, lesen, lesen! Schreiben ist ein Handwerk, das man lernen muss. Talent ist die wichtigste Voraussetzung, der Rest ist harte Arbeit. Kein Meister ist vom Himmel gefallen, man braucht viel Geduld mit sich selbst und stets die Bereitschaft, sich verbessern zu wollen.
  2. Ruhen lassen! Mir hat die Erfahrung gezeigt, dass es sehr wichtig ist, eine fertige Geschichte mehrere Wochen ruhen zu lassen. Solange man keinen Abstand zu der Geschichte hat, ist man in dem „wie will ich es umsetzen“-Modus, kennt jeden Satz in- und auswendig und leidet unter Betriebsblindheit. Um herauszufinden, wie die Geschichte aber tatsächlich wirkt, muss man neutraler werden, und das schafft man dadurch, in dem man sich eine Weile gedanklich von dem Geschriebenen distanziert. Am besten macht man etwas komplett anderes in dieser Zeit. Je mehr Abstand, desto besser.
  3. Natürlich ist es wichtig, sich über das Schreiben zu informieren, Ratgeber zu lesen, Workshops zu besuchen, Schreibgruppen beizutreten und sich mit dem Thema Literatur auseinanderzusetzen. Ich habe jedoch für mich herausgefunden, dass man sich sehr schnell in diesen Dingen verrennen kann. Man will es schließlich „richtig“ machen, alle Regeln und Richtlinien beachten und ein guter Autor sein. Je mehr man sich aber auf die Theorie des Schreibens versteift, desto weniger bleibt im Schreibstil am Ende von einem selbst, von der eigenen Person übrig. Kreativität muss fließen, die kann man nicht in Ketten sperren. Deswegen würde ich jedem angehenden Autor raten, eine Mischung aus „wie sollte man es machen“ und „wie will ich es eigentlich machen“ zu finden. Vergesst euch selbst nicht beim Schreiben, das wäre mein wichtigster Tipp. Bücher brauchen eine Seele, und die kann ihm nur der Autor geben.

Fast 900 amazon-Rezensionen bei „Kirschroter Sommer“, über 700 bei „Türkisgrüner Winter“! Herzlichen Glückwunsch! Das ist wahnsinnig viel! Verrätst du uns ein wenig von deiner offenbar sehr erfolgreichen Marketingstrategie? 😉

Ja, das ist tatsächlich wahnsinnig viel, mich zumindest erschlagen diese Zahlen. Kirschroter Sommer hat inzwischen sogar die 1000er Marke überschritten.
Eine richtige Strategie, oder zumindest das, was man unter einer richtigen Strategie versteht, hatte ich nie. Schreiben ist meine Leidenschaft, mir war es nicht möglich, eiskalt durchkalkuliert und berechnend an die Sache heranzugehen. Ich habe Marketing weniger strategisch, als vielmehr intuitiv und ehrlich betrieben.
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder Weg nur einmal funktioniert. Ich habe mich weniger auf das „wie machen es die anderen“ konzentriert, sondern stattdessen versucht, meinen eigenen Weg zu finden. Das ist auch genau das, was ich jedem empfehlen kann. Bleibt euch selbst treu und zieht euer eigenes Ding durch.

Du bist nicht nur Autorin, sondern auch Verlegerin. Wie kam es dazu?

Mir wird inzwischen ein bisschen die J. K. Rowling Geschichte angedichtet. Wir waren beide zuvor nicht unbedingt das, was man erfolgreich nennt, haben uns auf brotlose Kunst konzentriert und ein Manuskript geschrieben, das kein Verlag haben wollte. Bei der Frau Rowling hat es mit dem Verlag doch noch irgendwann geklappt, bei mir zogen sich die Absagen resolut bis zum Ende durch. Ich habe damals sehr lange überlegt, was ich tun soll. Ganz tief in meinem Herzen habe ich irgendwo immer an Kirschroter Sommer und Türkisgrüner Winter geglaubt, auch wenn die Verlage etwas anderes sagten. Mir stellte sich die Frage, ob ein Buch bei einem Verlag zu veröffentlichen überhaupt meine Welt wäre, auf mich wirkte es so, als ginge es kein bisschen um die Leidenschaft beim Schreiben, sondern lediglich um „Namen“ oder „Kontakte“. Ich setzte mich mit der Idee auseinander, meinen eigenen Verlag zu gründen. Die Vorstellung, alles selbst zu machen, die absolute Freiheit zu haben, und aktiv an meinem Lebenstraum zu arbeiten, gefiel mir mehr und mehr. Nur der Mut fehlte mir noch ein bisschen. Letztendlich habe ich mich aber überwunden, begann im Bereich Verlagswesen zu recherchieren, setzte mich mit dieser neuen Welt auseinander, arbeitete mich autodidaktisch ein und gründete schließlich 2011 den Schandtaten Verlag. Mir ging es darum, dass Menschen meine Bücher lesen, und dieses Ziel war so viel schneller erreicht, als ich gedacht hätte. Dass 2012, ein Jahr nach der Veröffentlichung, so ein großer Erfolg eintritt, hätte ich mir nicht mal in den naivsten Träumereien ausgemalt. Meine eBooks wurden zu Bestsellern und ich habe die besten Leser der Welt bekommen.

Arbeitest du derzeit schon an einem neuen Buch?

Ja, das tue ich.

Worum geht es? Wann wird es erscheinen?

Als nächstes, am 8.8.13, werde ich erst mal eine Ansammlung von kleinen Geschichten von mir veröffentlichen. Veröffentlichungen sind nichts für meinen Nerven; auch wenn es kein ganzer Roman ist, liegen meine Nerven jetzt schon blank. Der Titel lautet „Dreimal Liebe“ und der Klappentext steht auch bereits:

»Liebe ist nicht nur rosa Zuckerguss oder eine dramatische Trennung. Liebe ist Entscheidungen treffen, auch wenn sie einem das Genick brechen; Liebe ist der Moment, den man auf den ersten Blick nicht sieht, weil er in dunklen Gassen verborgen in einer kalten Nacht beginnt; Liebe ist die Welt in ihrer vollen Farbenpracht wahrnehmen zu können, obwohl die Augen verbunden sind.
Liebe verändert dich. Liebe ist nicht immer gleich. Sie ist überraschend und dankbar, wunderschön und melancholisch zugleich.
Dreimal Leben. 3x Liebe.«

Parallel schreibe ich an einem neuen Roman. Worum es geht, kann ich natürlich noch nicht verraten, aber es wird ebenfalls eine Liebesgeschichte sein. Da ich das Projekt noch nicht beendet und noch viel Arbeit vor mir habe, kann ich zu dem genauen Veröffentlichungstermin noch nichts sagen, ich gebe aber mein Bestes.

Herzlichen Dank, Carina!

Hier geht es zurück zum ersten Teil des Interviews! Und hier zu Carinas Homepage!

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Ein Gedanke zu “Interview mit der Autorin Carina Bartsch, Teil 2

  1. R. M. Beyer schreibt:

    Reblogged this on Die Belletristen and commented:
    Ein sehr lesenswertes Interview über Hand- und Kunstwerk des Schreibens. Carina Bartsch beschreibt ihren Werdegang, wie sie den Ablehnungen der Verlage zum Trotz einen eigenen Verlag gründete und mittlerweile erstaunlich erfolgreich publiziert. Auch die praktischen Ratschläge sind differenziert formuliert. Klare Empfehlung für alle, die sich für die Arbeit hinter den Kulissen der Bücher interessieren.

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