Schreibstimuli für mehr Kreativität: Schreiben mit der schwächeren Hand

Schreiben mit schreibungewohnter Hand

Schreiben mit schreibungewohnter Hand

Wenn man an manchen Tagen nicht mit dem Schreiben vorankommt, sind sogenannte Schreibstimuli, Schreibimpulse oder Schreibanregungen kleine Helferlein, die die Kreativität wieder anregen. Regelmäßig stelle ich in meinem Blog Methoden vor, die vor Blockaden bewahren und neue, kreative Ideen entstehen lassen. Die wöchentlichen Schreibanregungen sind ein Beispiel dafür. In meinen Seminaren schlage ich den Teilnehmern aber auch gern körperbetontere Methoden vor, wie das Schreiben mit der schwächeren, schreibungewohnten Hand – ein Schreibstimuli, das sich mit ungeahnten Kräften auf unsere Wahrnehmung auswirkt. (Kleine Notiz am Rande: Für den Rechtshänder ist die schreibungewohnte Hand die linke, für den Linkshänder die rechte Hand ;-)).


Die Methode: Das Schreiben mit der schreibungewohnten Hand

Wenn der Ideenfluss plötzlich stockt, nichts mehr weiterzugehen scheint oder du unkonzentriert bist, nimm dir einfach ein Blatt Papier und einen Stift und schreibe alles auf, was dir zu dem Thema, an du gerade arbeitest, einfällt. Allerdings nimmst du den Stift nicht in die Hand, mit der du normalerweise schreibst – sondern in die andere. Nun fängst du an zu schreiben. Ja, es geht langsam voran. Aber das ist ok. Lass deinen Ideen freien Lauf und schreibe all deine Eingebungen ohne Zensur auf das Blatt; mögen die Worte und Formulierungen noch so seltsam oder unbrauchbar klingen – schreibe sie einfach auf.

Was passiert?

Indem du mit deiner schwächeren Hand schreibst, regst du die Koordination deiner beiden Hirnhälften – und damit deine Kreativität – an.

Warum? Unser Gehirn ist in zwei Hemisphären, Hälften geteilt. Beide Seiten haben spezielle Aufgaben und Fähigkeiten: während die linke Seite insbesondere für das rationelle Denken und die Logik zuständig ist, ist die Aufgabe der rechten Hirnhälfte komplexer. Sie denkt in Bildern und Farben, intuitiv und ganzheitlich. Obwohl natürlich beide Gehirnhälften benutzet werden, gibt es bei jedem Menschen eine Seite, die bevorzugt und damit stärker eingesetzt wird.

Für das Schreiben bedeutet das: Da Hände und Hirnhälften überkreuz koordiniert werden, wird bei Rechtshändern die linke Hemisphäre mehr beansprucht als die rechte und vice versa. Wenn wir bei dieser Übung dazu übergehen, mit unserer schreibungewohnten Hand zu schreiben, sorgen wir dafür, dass die bisher vernachlässigte Hirnhälfte mehr genutzt wird. Oft entstehen auf diese Weise ganz neue, ungeahnte Ideen und Bilder.

Darüber hinaus geschieht das Schreiben mit der schwächeren Hand langsamer als das Schreiben mit der gewohnten Hand. Für die Bilder und Ideen, die in unseren Gedanken entstehen, bedeutet diese aufgezwungene Langsamkeit, dass sie Zeit haben, sich zu entfalten. Die Kreativität ist wieder im Fluss. Wer möchte, kann bei einem sich aufdrängenden Bilder- und Ideenstrom wieder zur schreibgewohnten Hand wechseln, um alle Einfälle in einem freien Schreiben schneller auf Papier bannen zu können.

Literaturquellen:
Werder, von/Schulte-Steinicke 2008: Schreiben von Tag zu Tag. Düsseldorf: Patmos-Verlag.

Seiwert, Lothar J. 2011: Wenn du es eilig hast, gehe langsam. 15. durchgesehene Auflage, Frankfurt/Main: Campus Verlag.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s