Exkurs: Interview mit der frisch gebackenen Verlegerin Petra Winkler, Teil 1

© Petra Winkler

© Petra Winkler

Petra, Du bist Verlegerin des Verlags tausend&eins, den du 2012 gegründet hast. Wie ist es zur Gründung gekommen?

Mein Hauptberuf ist das Schreiben von Texten für Marketing und PR. Das mache ich nun schon einige Jahre. In den letzten Jahren machte sich ab und zu der Wunsch bemerkbar, auch außerhalb dieser Sphäre zu schreiben. Aber als Autor einen Verlag zu finden, kostet viel Zeit und Mühe und deshalb dachte ich, dann stecke ich diese Zeit und Mühe einfach in den Aufbau eines eigenen kleinen Verlags. Deshalb habe ich vor wenigen Monaten das Unternehmen in Form einer haftungsbeschränkten UG gegründet.

Hast Du Erfahrung in der Branche?

Ein Faible für Bücher hatte ich schon von jeher und vor meiner Selbständigkeit, als ich noch als angestellte Texterin gearbeitet habe, war ich auch im Marketing eines kleinen Unternehmens angestellt, das im Buchhandel tätig war. In dieser Zeit habe ich die Branche ein bisschen kennengelernt. Aber jetzt nicht so intensiv, dass ich dreist behaupten würde, ich käme aus der Branche. Mein Hintergrund ist eher das Studium der Sprach- und Literaturwissenschaft, das ich Mitte der 1990-er Jahre absolviert habe.

Wie sieht die tägliche Arbeit in einem Klein-Verlag aus?

Da ich noch immer meine Brötchen als Texterin verdiene, arbeite ich nicht täglich an der Verlagsgeschichte. Das läuft derzeit nebenbei. Zur Zeit bin ich auch weniger mit dem Vermarkten eines Verlagsprogramms beschäftigt, sondern momentan arbeite ich erst einmal daran, überhaupt ein Verlagsprogramm aufzubauen.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte verfolgt der Verlag tausend&eins? Neben Sachbüchern sollen ja auch belletristische Bücher verlegt werden.

Ich selbst arbeite zunächst noch an zwei oder drei Ratgeberbüchern rund ums Schreiben beziehungsweise zum Marketing für kleine Unternehmen und Selbständige. Geplant ist zwar, diese Titel im Lauf des Jahres fertigzustellen, aber da ich immer noch meinem Broterwerb nachgehe und im Kundenauftrag schreibe, kann ich gar nicht richtig planen, wann zwischendurch Zeit bleibt fürs eigene Schreiben. Jedenfalls will ich beim Verlag mit Ratgeber- oder Sachliteratur für berufliche und auch für private Fragen beginnen, also von Marketing oder Management oder Finanzfragen bis zu besonderen Hobbys oder anderen Fragen aus dem privaten Alltag. Wenn sich ein Autor findet, der hierzu etwas beitragen kann, würde es gut passen.
Unabhängig vom Ratgeber- bzw. Sachbuchprogramm möchte ich langfristig auch belletristische Werke ins Programm aufnehmen. Ein bestimmtes Genre habe ich dabei nicht im Kopf. Das kann von Kinder- oder Jugendliteratur reichen bis zu literarisch gut aufbereiteten Lebensgeschichten. Vor kurzem kam ich in losen Kontakt mit jemandem, der über seine Erlebnisse im Berufsleben schreiben will, weil ihm in seinem Berufsleben schon ganz abstruse Sachen passiert sind, aber da derjenige noch mitten im Berufsleben steht und nur wenig Zeit bleibt zum Schreiben, ist hier nicht sicher, wann dieses Buch fertig sein wird. Der Kontakt zu weiteren Autoren, die publizieren möchten, ist daher sehr willkommen.

Warum sollte sich ein Autor an dich und den Verlag tausend&eins wenden?

Es gibt klare Vorteile und klare Nachteile. Der klare Nachteil ist: so lange der Verlag so klein ist, kann ich keine Vorschusshonorare zahlen. Ein Vorteil ist: es ist auch nicht umgekehrt wie bei einem Zuschussverlag, wo ein Autor zahlen muss, um überhaupt ins Verlagsprogramm aufgenommen zu werden. Mein Ziel ist, gemeinsam mit dem Autor ein Buch marktfähig zu machen und sich dann die Einnahmen gemessen am Einsatz zu teilen.

Nach welchen Kriterien suchst du Bücher aus, die du veröffentlichen wirst?

Da greife ich gern auf das bewährte Leitbild „prodesse et delectare“ zurück, also nützen und erfreuen. Bei Sachliteratur möchte ich einen echten Nutzen für den Leser sehen können, bei Belletristik ist die Frage, ob es schön oder spannend oder lehrreich oder amüsant ist. Oder eine andere Eigenschaft, die den Leser nützt und erfreut.

Wirst du zukünftig auch E-Books in deinem Verlag aufnehmen?
Das ist prinzipiell angedacht, aber bislang noch nicht umgesetzt.

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews.

Ähnliche Artikel:

Möchten Sie noch mehr spannende Autoreninterviews lesen? Hier finden Sie regelmäßig neue Interviews.

Interview mit der Autorin Katharina V. Haderer, Teil 1

Interview mit der Autorin Katharina V. Haderer, Teil 2

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s