Kreative Schreibmethoden – das Freewriting

Ich habe schon einige Male im Blog von Freewriting gesprochen. Und ich kann es euch gar nicht oft genug sagen: Nutzt es, um euch vor der Arbeit an einem strukturierten Schreibprojekt erst einmal warm zu schreiben. Da es in den kommenden Wochen darum geht, welche Methoden und Dinge das Schreiben erleichtern, möchte ich an dieser Stelle noch einmal kurz auf das „Freewriting“ eingehen.

Locker und leicht schreiben mit dem Freewriting

Denn ein Freewriting ist ein idealer Einstieg in den Schreibprozess. Ihr könnt das Freewriting als Lockerungsübung nutzen, um euch im wahrsten Sinne des Wortes „frei“ zu schreiben, euch von eurem Alltagsballast zu befreien. Von vielen Autoren wird das Freewriting gern genutzt, um ihren Schreibfluss vor ihrer Arbeit am Manuskript anzuregen. Das Freewriting ist also ideal, um die täglichen Belastungen, Gedanken, Ideen, Gefühle erst einmal abzuschütteln und das Hirn leer zu schreiben.

Dass ein Freewriting einen Flow freisetzt, liegt daran, dass es auf diejenigen Hirnarreale Einfluss nimmt, die für die Produktion innerer Bilder zuständig sind. Freewriting wirkt also insbesondere auf die rechte Hirnhälfte, die nach der Theorie des Zusammenwirkens beider Hirnhälften im kreativen Prozess für die Bilder und Emotionen zuständig ist.

Schneller, schneller – nicht absetzen!

Im Freewriting wird der Schreibfluss beschleunigt, wir schreiben immer schneller, ohne innezuhalten, ohne den Stift abzusetzen. Uns gelingt es damit, die Innere Zensur des Über-Ichs auszustellen und die Gedanken fließen zu lassen. Schreibregeln und -muster spielen keine Rolle, da der Text nicht während des Schreibens bewertet und kontrolliert wird.

Der amerikanische Schreibforscher Peter Elbow empfiehlt, dass man für einen begrenzten Zeitraum (ca. fünf bis zehn Minuten) vollkommen unzensiert, themen- und ziellos seine eigenen Gedanken niederschreibt – ohne dabei die Hand abzusetzen. Das unzensierte Schreiben bewirkt, dass ihr erst einmal unbefangen in den Schreibprozess einsteigen könnt, bevor ihr wieder strukturiert schreiben „müssen“. Der Vorteil: Beim Freewriting ist alles erlaubt, ihr dürft chaotisch schreiben, Halbsätze niederschreiben, Wörter wiederholen. Sobald jedoch der Timer Alarm schlägt, hört ihr auf. Bis hierhin und nicht weiter!

„Mir fällt nichts ein.“

Wer das Freewriting, das freie Schreiben nicht kennt, wird jetzt wahrscheinlich denken „Was ist, wenn mir nichts einfällt“? Meine Antwort ist ganz einfach: Denkt ihr im Alltag auch immer darüber nach, worüber ihr sprecht? Ordnet ihr eure Gedanken, bevor ihr etwas sagt? In mindestens 90 Prozent der Fälle bestimmt nicht!

Wenn eure Uhr läuft und ihr habt tatsächlich nur den Gedanken „Mir fällt nichts ein“ im Kopf – dann schreibt ihn auf. Und zwar sooft, bis ein anderer Impuls auf euch einströmt. Oder schreibt sinnlose Buchstabenkombinationen, bis der nächste Schreibimpuls auf euch einströmt. Ihr werdet sehen: Der Schreibfluss kommt ganz von selbst. Und dann steht auf dem Papier noch mehr als „“Mir fällt nichts ein“ … garantiert!

Die Grenzen des Freewritings

Die Grenzen des Freewritings liegen in der Qualität und in dem Sinn des entstehenden Textes. Ein Freewritingtext kann durchaus lebendig und in einigen Teilen auch überzeugend wirken, aber veröffentlichungswürdig ist wohl kein Freewritingtext. Meist wird nicht einmal die innere Logik stimmen. Aber das ist auch nicht die Aufgabe der rechten Hirnhälfte: Sie liefert uns die Lebendigkeit, die für einen Autor unabdingbar ist. Um jedoch einen gelingenden Text zu schreiben, muss später auch die linke Hirnhälfte dazukommen. Aber das ist ein anderes Thema. Bei dieser Art des freien Schreibens geht es einzig und allein um das Loslassen.

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