5 No-Go-Satzanfänge in Kurzgeschichten

Der erste Satz in Kurzgeschichten ist der Türöffner schlechthin – oder nicht: Er ist es, der den Leser entscheiden lässt, ob er eure Geschichte lesen wird – oder nicht. Grund genug also, dem Anfang eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn ihr also einen langweiligen, monotonen, unattraktiven, uninspirierenden ersten Satz schreibt, wird euer Leser nicht mehr euer Leser sein (es sei denn, eure Mama liest den Text ;-)). Er wird die Geschichte weglegen. So einfach ist das Geschäft. Bei Kurzgeschichten ist es besonders hart – eben wegen der Kürze.

Leider gibt es zahlreiche Beispiele für schlechte erste Sätze. Als Juror in Kurzgeschichtenwettbewerben war der Prosa-Autor Joe Konrath eines Tages derart genervt von den wiederholten Anfängerfehlern in den Kurzgeschichten der Teilnehmer, dass er kurzerhand eine interessante Liste erstellte, welche erste Sätze man als Kurzgeschichtenautor unbedingt vermeiden sollte. Diese Liste möchte ich euch nicht vorenthalten, da ich sie sehr gelungen finde. Die fünf wichtigsten No-Go-Satzanfänge nach Joe Konrath sind m. E. diese:

Startet den ersten Satz nicht …

1. … mit dem Wetter, zumindest nicht allzu detailliert.

Erste Sätze, die mit dem Wetter in all seinen Einzelheiten beginnen, sind ermüdend. Stellt euch doch einmal vor, ihr würdet eine Kurzgeschichte lesen, die so anfängt:

„So heiß war es schon lange nicht mehr im Spätsommer gewesen: 32 Grad Celsius im Schatten!“

Übel, oder? So springt der Funken garantiert nicht über!

2. … mit einer Beschreibung einer Figur.

Auch ein No-Go: detaillierte Beschreibungen! Ein knackiger, erfrischender Anfang beginnt nicht damit, wie Josefs Nase aussieht oder wie sich Tina kleidet. Beschreibungen sind für den Anfang definitiv zu langatmig. Der Leser will einen Hinweis, worum es in der Kurzgeschichte geht. Und das möglichst schnell!

3. … mit Beschreibungen überhaupt!

Vermeidet Beschreibungen jeder Art am Anfang eurer Kurzgeschichte. Sinniere nicht über Leonhardts Leberfleck an der rechten Wange, der dem von Cindy Crawford unglaublich ähnlich sieht und der ihn in seiner Familie zu einer Besonderheit macht. Der Schauplatz in eurer Geschichte ist ein Park, in der die Figur gerade sitzt? Schmückt nicht detailliert aus, wie dieser aussieht, welche Blumen im Park blühen, wie viele Enten auf dem See schwimmen.
Alle Informationen, die ihr als wichtig für den Verlauf eurer Kurzgeschichte erachtet, könnt ihr in der Handlung unterbringen. Aber nicht am Anfang!
Kurzgeschichten müssen zügig in das Geschehen einsteigen, um den Leser in den Bann zu ziehen.

4. … mit Erzählen statt Zeigen.

Erinnert ihr euch an das geläufige Mantra „Show, don‘t tell“? Hier gilt es besonders: Wenn ihr ausschließlich erzählt, dass sich Lisa unwohl fühlt, Rita verliebt ist und Torben sich freut, werdet ihr bei euren Lesern keine Emotionen wecken. Er wird sich kein Bild von dieser „Tatsache“ machen können. Wie auch? Unsere Wahrnehmung ist subjektiv. Freuen, verliebt sein, sich unwohl fühlen kann für jeden anders aussehen. Diese Worte transportieren nicht, wie sich diese Gefühle anfühlen, wie die Charaktere sich verhalten etc.:

„Lisa ging es seit einigen Tagen richtig schlecht. …“
„Rita ist schwer verliebt in Simon. …“
„Torben freut sich sehr über den Tennisschläger. …“

Und? Hast du ein Bild vor Augen, wie sich die drei fühlen? Ich nicht …

5. … mit Klischees

„Es war einmal …“, „Vor langer Zeit …“ – vermeidet Klischees jeder Art. Sie sind langatmig und vergraulen den Leser auf der Stelle.

Die dramaturgische Regel für einen guten Anfang lautet also: Steigt direkt in das Geschehen ein! Fesselt euren Leser, anstatt langatmig einzuleiten. Erklärt nicht! Und werft dabei Fragen auf, die in der Handlung gelöst werden: Die Andeutung des Konflikts ist dazu ein sehr hilfreiches Mittel.

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