Abschreiben erlaubt! Wie man sprachliches Feingefühl entwickelt

Vielen Schreibanfängern fehlt das sprachliche Feingefühl. Was sie schreiben, hört sich nicht rund an. Zu viele Adverbien, zu viel Geplänkel, zu viel von allem. Oder zu wenig. Es ist ein weiter Weg, bis man seine eigene Schreibstimme trainiert hat. Unerlässlich auf diesem Weg: schreiben, schreiben, schreiben. In erster Linie geht es dabei natürlich um eigene Schreibprodukte. Doch es gibt noch eine weitere Möglichkeit, sich als Autor weiterzuentwickeln:

Wie man sich sprachliches Feingefühl antrainiert
Im Grunde ist es ganz einfach: Indem man Textpassagen, zu denen man sich hingezogen fühlt, abschreibt. Abschreiben? Ja, ich weiß, das Wort ist in der heutigen Zeit negativ besetzt. Zu viele Autor(inn)en haben sich in letzter Zeit mit fremden Federn geschmückt. Das ist eine traurige Entwicklung. Aber vielleicht fällt es heute nur mehr auf?! Vielleicht waren die Autor(inn)en früher genauso dreist? Nunja, Abschreiben, Plagiieren hin oder her. Dazu möchte ich euch keinesfalls anstiften. Denn ihr sollt zwar abschreiben, aber nichts speichern, nichts zu eurem Gedankengut erklären. Ok? Nichts speichern und hinterher vergessen, dass es ein Übungstext war! Nichts speichern!!!

Ihr sollt abschreiben, um zu lernen.
Auch Hemingway soll am Anfang seiner Schriftstellerkarriere Texte, die ihm gefielen, abgeschrieben haben, um ein Gefühl für das Schreiben zu bekommen. Und er war ganz sicher nicht der einzige Schriftsteller, denn das Abschreiben ist keine einzigartige Idee.

Ich kann mich erinnern, dass auch ich schon in meiner Schulzeit Übungsklausuren in Deutsch und Geschichte abgeschrieben habe, um mir auf diese Weise den Aufbau, die Struktur und die Sprache eines Textes anzueignen. Und es hat ganz wunderbar funktioniert! Während viele meiner Mitschüler insbesondere am Anfang der Oberstufe noch irritiert vor ihren Klausuren saßen und sich fragten, wie sie über Thema X drei oder vier Stunden schreiben sollten, fiel es mir unglaublich leicht, 14, 15 Seiten zu verfassen. Dabei haben sich meine Texte nicht nach denen anderer Autoren angehört. Im Gegenteil: ich habe verschiedene Schreibstile kennengelernt und daraus meinen eigenen entwickelt.

In der Grundschule wird das Abschreiben übrigens auch praktiziert, erinnert ihr euch? Denn das Abschreiben hat noch einen weiteren Vorteil: die Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik wird verbessert.

Zusammenfassung: Vorteile des Abschreibens:

  • man verinnerlicht sprachliche und stilistische Muster und Feinheiten guter Texte
  • man verinnerlicht den Aufbau von Texten, die man selbst gern schreiben möchte
  • man verbessert seine Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik
  • insbesondere für beginnende Journalisten, Texter oder Ratgeberautoren, ist das Abschreiben anderer Texte eine tolle Übung, um Satzfragmente, die beispielsweise Sätze einleiten oder Argumente hervorheben, kennenzulernen

Tipps für ein ideales Ergebnis:

  • mit der Hand schreiben … Wer meine Artikel liest bzw. an meinen Seminaren teilgenommen hat, weiß, dass ich das Schreiben mit der Hand immer und immer wieder empfehle. Das Schreiben mit der Hand ist ein ganz besonderes Gefühl, das mit dem Tippen nicht vergleichbar ist: wir (er)spüren die Buchstaben, die Sätze, können dem Inhalt viel leichter folgen. Beim Abschreiben mit der Hand müssen wir uns deutlich mehr konzentrieren als beim Tippen, was wiederum dazu führt, dass wir das Geschriebene besser behalten. Verinnerlichen! Ihr versteht?
  • nicht jeden x-beliebigen Text abschreiben: sucht euch Texte, die zu eurem Schreibprojekt passen! Das heißt: wenn ihr eine Reportage schreiben möchtet, schreibt eine Reportage ab, wenn ihr einen Liebesroman plant, sucht nach Liebesromanen, die euch gefallen etc.
  • eine Seite und mehr abschreiben … Gebt nicht schon nach dem ersten Absatz auf. Um wirklich von dem Schreibstil anderer zu profitieren und ein Gefühl für einen Text zu bekommen, müsst ihr euch etwas Zeit nehmen und mehrere Seiten abschreiben.
  • regelmäßiges Training bringt viel: Nutzt das Abschreiben als regelmäßige Übung, um eure Schreibstimme, euren eigenen Schreibstil zu entwickeln.

Literatur zum Weiterlesen:
James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt

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