Michael Schäfer: Der „Stadt der Geister“-Autor im Interview (2/2)

IMG_20160119_172140-1Wie versprochen, folgt heute der zweite Teil des Interviews mit Michael Schäfer. Ihr erfahrt darin, wie er zum Schreiben gekommen ist und wie sein Schreiballtag aussieht. Ich wünsche euch viel Spaß! (Hier geht es noch einmal zum ersten Teil …)

Nun würde ich gern noch etwas über dich als Autor erfahren. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Viel Fantasie hatte ich schon immer, das drückte sich zuerst in Schulaufsätzen auf, die sehr fantasievoll waren, aber meist am Thema vorbeigingen. Ab und an habe ich dann Kurzgeschichten geschrieben, ganz früh sogar noch auf einer Schreibmaschine, die Älteren werden sich an diese Geräte erinnern, dann auf meinem ersten PC mit Windows 3.1., den ich mir vom ersten Lehrlingsgehalt kaufte.

Ich habe aber selten etwas zu Ende gebracht, da ich oft nur Ideen für eine Szene hatte, und keine Ausdauer. Dann gingen viele Jahre ins Land, durch Beruf und Familie verlagerten sich die Interessen, ich las sehr viel und schrieb gar nicht mehr. Dann las ich ich vor ein paar Jahren den Roman ,Kriegsklingen‘ von Joe Abercrombie. Er hatte einen ganz neuen Stil, eine harte, schmutzige Art, Fantasy zu schreiben. Das löste irgendwas in mir aus, jedenfalls bekam ich plötzlich eine Idee zu einer Geschichte. Ich schrieb einige Kapitel, mit einem sarkastischem Helden wie Abercrombie, aber diesmal wollte ich mich nicht damit zufriedengeben, es nur anzufangen und wieder wegzulegen.
Die Geschichte arbeitete in meinem Kopf und ich dachte: Vielleicht fehlt mir nur das nötige Handwerk, um richtig zu schreiben. Daher buchte aus Zeitgründen einen Onlinekurs bei der Akademie für modernes Schreiben. Der lief drei Monate und war sehr nützlich: Ich lerne erste Techniken für die Planung, wie z. B. das Clustern, oder was ein Spannungsbogen ist. Dazwischen nahm mein Romanprojekt, das nun ,Lothus´ Weg‘ heißt, immer mehr Gestalt an.
Ich las einige Schreibratgeber und buchte dann im September 2012 ein Seminar für kreatives Schreiben. Es fand in der Eiffel in einem alten Kloster statt und dort „zwang“ man mich, ein Exposé für mein Projekt zu schreiben. Plötzlich hatte ich eine Geschichte mit Anfang und Ende, dazu bekam ich dort positives Feedback zu meinen bereits fertigen Kapiteln. Das alles motivierte mich, endlich einen wirklichen Roman zu schreiben – und es schaffen zu können! Inzwischen änderte ich nach einer Lesung mit dem Autor Klaus-Peter Wolf auch meine Schreibtechnik. Er schreibt seine Krimis mit Füller in Collegeblöcke. Das probierte ich aus und merkte, das liegt mir.
Auf der Buchmesse 2014 lernte ich das Lyx-Storyboard des Egmont-Verlages kennen, dort kann man seine Texte auf eine Plattform stellen und von anderen Lesern/Autoren beurteilen lassen. Ich hatte inzwischen gut dreihundert Seiten, stellte die ersten Kapitel dort online und wartete ab, was passierte. Bald bekam ich erste Anmerkungen über Schreibfehler – aber auch Reaktionen der Begeisterung. Die Leute dort mochten meinen Text und ich schrieb weiter. So motiviert versuchte ich nebenbei auch andere Geschichten zu schreiben und dort einzustellen – und bekam ebenfalls sehr konstruktive Kritik. Inzwischen ist ,Lothus´ Weg‘ ziemlich angewachsen und wird bei ca. 800 Seiten beendet werden – in diesem oder im nächsten Jahr.

Kannst du dich noch an deine erste Veröffentlichung erinnern?

Oh ja, ich probierte vor zwei Jahren verschiedene Selfpublisher-Plattformen aus, u. a. Bookrix. Um zu testen, wie man dort veröffentlicht, nahm ich eine alte Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte von mir und schickte diese in die Welt. Sie ist harmlos und nichts Besonderes, aber ausversehen haben sie sogar ein paar Leute gekauft.

Was motiviert dich zum Schreiben?

Ich möchte einfach Geschichten erzählen, und zwar so viele wie möglich. Und sie nicht mehr für mich behalten, sondern veröffentlichen. Ich versuche zu lernen und besser zu werden, um noch besser schreiben zu können. Befreundete Autoren sagen zu mir, ich hätte einen besonderen Stil, und normalerweise glaube ich sowas nicht. Aber wenn dem so ist, will ich das nutzen, um die Dinge zu schreiben, die ich selber gerne lesen möchte. Da ich mich für sehr vieles interessiere (ich bin wohl eine Scanner-Persönlichkeit), habe ich Ideen für Science-Fiction, Dark Fantasy, Historische Fantasy, Jugend- und Kinderbücher, Frauenunterhaltung und Krimis in der Schublade. Ich möchte jedes Genre einmal ausprobieren und herausfinden, ob ich es kann, dort eine gute Story abzuliefern. In Fantasy bin ich bereits dabei, mit meinem historischen Krimi habe ich es schon geschafft. Aber inzwischen lasse ich keine Idee mehr ungenutzt – ich habe in früheren Jahren schon zu viele verschwendet.

Wie schreibst du? Kannst du etwas aus deinem Schreiballtag erzählen? Schreibst du drauf los oder planst du?

Planen – argh. Ich bin auf keinem Fall ein Plotter. Wenn ich eine Geschichte anfange, dann habe ich immer Anfang und Ende im Kopf. Dazwischen gibt es einen Roten Faden, mit Wegepunkten, die erreicht werden müssen. Alles andere kommt einfach. Ich denke dabei szenisch, ich stelle mir Szenen vor – die müssen nicht in der Reihenfolge sein, wie sie später in der Geschichte auftauchen – schreibe sie in mein Projekt-Notizbuch und später dann per Hand in das eigentliche Buch. Meist nutze ich A5-Ringblöcke mit achtzig Blatt und neunzig Gramm Papier. Nur kleine Kurzgeschichten tippe ich direkt in den PC oder das Handy über Word Mobil. Ich habe schon mal den Fehler gemacht, etwas ganz genau zu planen – ich hatte plötzlich keine Lust mehr, die Geschichte zu schreiben, denn für mich war sie damit bereits erzählt! Ich brauche den roten Faden und das Ende, das Ziel der Geschichte, dieses zu erreichen motiviert mich.
Aber ein wenig Organisation gibt es schon. Für ,Lothus´ Weg‘ habe ich z. B. eine Pinnwand benutzt, um mir die einzelnen Stationen der Geschichte zu visualisieren, außerdem habe ich mir Landkarten gezeichnet, um zu wissen, wo ich mit den Figuren bin. Allerdings ist es bei Fantasy eh etwas komplexer, da man hier neue Welten erfinden, bei Stadt der Geister habe ich so etwas nicht gemacht, die Welt dort ist überschaubarer. Bei Schreibblockaden schreibe ich oft mit etwas anderem weiter, oder fange etwas ganz Neues an, in einem anderen Gerne, das bringt mich auf andere Gedanken und bald wieder auf die Geschichte zurück, bei der es nicht weitergehen wollte. Aber das sind alles Dinge, die man nach und nach lernt. Man lernt sich selbst als Autor besser kennen, schließlich fällt man, entgegen landläufiger Annahme, nicht als fertiger Schriftsteller vom Himmel.

Wie viel Zeit nimmst du dir zum Schreiben?

Dazu muss ich sagen, das reine Schreiben und die Zeit, die man Drumherum als Schreibzeit braucht, etwas Unterschiedliches sind. Ich versuche jeden Tag mindestens eine Stunde intensiv zu schreiben oder abzutippen. Die restliche Zeit, die man als Autor braucht, geht meist für anderes drauf. Die wenigsten Autoren, die ich kenne, setzen sich einfach hin und schreiben sofort. Man braucht immer eine gewisse Rüstzeit, um in die Geschichte reinzukommen, um die richtigen Szenen abzurufen, die passende Stimmung zu finden. Dazu muss man oft viel recherchieren oder man hat Fragen zur Grammatik oder Rechtschreibung und tauscht sich mit anderen Autoren aus. Wenn man sich abends hinsetzt und hat vier Stunden Zeit, gehen davon oft drei nur für anderes drauf. Das ist auch ein Grund für mich gewesen, mobil von unterwegs zu schreiben, um wenigstens Tipparbeit oder Korrekturzeit einzusparen. Manchmal sitzt man auch einfach nur rum – und arbeitet, was Angehörige oft irritiert, die denken „der macht doch gar nix“! Aber man überlegt und ruft die Szenen ab, die wie ein Film vor dem inneren Auge ablaufen. Diese dann genau zu beschreiben, ist dann der eigentliche Schreibprozess.

Was ist dein nächstes Projekt?

Ich schreibe zurzeit am nächsten Band der Reihe „Ein Fall für Gregory Low“, außerdem einer Dark-Fantasy-Geschichte mit Dämonen und einer Rockband und einem humorvollen Hexen-Krimi mit mehreren Teilen. Und natürlich wartet mein erster Fantasy-Roman noch auf Vollendung.

Michael, ich danke dir für deine Zeit und für das tolle Interview! Viel Erfolg weiterhin beim Schreiben!

Gewinnt ein E-Book von „Stadt der Geister“! Bis zum 28. Februar 2016 könnt ihr noch mitmachen. Hier geht es zum Gewinnspiel!

Lesung: Wenn ihr Michael persönlich kennenlernen wollt, habt ihr am 17. April 2016 die Gelegenheit dazu. Im Café Voyager in Bonn liest er aus „Stadt der Geister“. Mit dabei ist auch die Autorin Tatjana Flade, die aus ihrem Thriller „Herz im Fadenkreuz“ liest. Der Eintritt ist frei! www.voyager-bonn.de

Mehr über Michael Schäfer erfahrt ihr hier:

Webseite: http://michaelschaeferasb.wix.com/schreibtischtaeter
Link zum Buch: http://midnight.ullstein.de/ebook/stadt-der-geister/
facebook: https://www.facebook.com/Schreibtischtaeter-1568225070095412/
twitter: @MichaelSchfer71
Pinterest: https://de.pinterest.com/michaels1699/die-gregory-low-serie/

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