Autorin und BVjA-Geschäftsführerin Tatjana Flade im Interview

Tatjana Flade arbeitet als freie Sportjournalistin mit dem Schwerpunkt Eiskunstlauf und wohnt mit ihrer Katze in Bonn, wenn sie nicht bei Wettbewerben in aller Welt unterwegs ist. Tatjana engagiert sich außerdem seit vielen Jahren im Bundesverband junger Autoren und Autorinnen. Ihre ersten Geschichten über einen Indianer krakelte sie zum Entsetzen der Lehrerin mit rotem Kugelschreiber in die Schulhefte. Heute sind nicht mehr Indianer das Thema, sondern Krimi, Fantasy, Science-Fiction oder Sport. Unter dem Pseudonym Tatjana Mária hat sie im September 2015 den Fantasyroman „Im Zeitschatten von Mondthal“ veröffentlicht.

Tatjana, im April erscheint dein aktuelles Buch „Herz im Fadenkreuz“ im Verlag edition Oberkassel. Das Buch behandelt ein sehr aktuelles Thema: Rechtsradikalismus in Deutschland. Wie ist dir die Idee dazu gekommen?
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Die Idee für diese Geschichte kam mir vor vielen Jahren und ich habe vor ca. 15 Jahren begonnen, an diesem Projekt zu arbeiten. Die Geschichte war zunächst allerdings etwas anders und spielte auch mehr in der Zukunft, der Kern aber ist ähnlich.

Der Idee liegen die Verhältnisse in der Weimarer Republik zugrunde, als sich Rechte und Linke offen bekämpften. Ich habe Geschichte studiert und mich immer sehr für Geschichte interessiert. Viele Entwicklungen wiederholen sich  in ähnlicher Weise, leider, muss man sagen.

Als ich noch an dem Roman arbeitete, flog der NSU auf (das war 2011), und da hatte ich das Gefühl, dass die Wirklichkeit meiner Geschichte schon sehr nahe gekommen ist.

Du bist als Sportjournalistin viel unterwegs, unter anderem in Russland und China. Verarbeitest du Eindrücke aus diesen Ländern in deinen Geschichten?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe z. B. einen Fantasyroman geschrieben, der von Reisen nach China, Tibet und in die Mongolei beeinflusst wurde. Ich lasse mich gerne von Landschaften und Erlebnissen inspirieren, die ich dann verfremde.

Lys ist ein ungewöhnlicher Vorname. Wie bist du auf den Namen deines Protagonisten gekommen? Kannst du mir mehr über diese Figur erzählen?

Lys heißt eigentlich Lysander. 🙂 Auch hier kommt mein Interesse an Geschichte durch. Lysander hieß ein Feldherr der Spartaner, der im antiken Griechenland die Athener bekämpfte. Den Namen fand ich immer sehr schön und wollte ihn für eine besondere Figur verwenden. Er passt meiner Meinung nach perfekt, denn einerseits handelt es sich um einen Krieger, andererseits aber finde ich, dass dieser Name sanft und harmonisch klingt, das ist die andere Seite dieser Figur.

Wie bist du bei deiner Recherche vorgegangen?

Da ich mich mit Waffen nicht auskenne, habe ich einen Fachmann dazu befragt. Der ist Polizist und auch im BVjA.

Kannst du mir mehr über deinen Schreibprozess erzählen? Bist du ein Drauflosschreiber oder plottest du vorher?

Sagen wir, von beidem etwas. 🙂 Ich habe meistens die Eckpfeiler der Geschichte im Kopf: Anfang, Mitte, Ende. Beim Schreiben fülle ich aus, was dazwischen kommt, und natürlich ändert sich während des Schreibens auch mal etwas. Oft habe ich eine Idee oder eine Geschichte lange im Kopf, bevor ich mit dem Schreiben anfange. Bei einem neuen Projekt habe ich vorab ein Exposé für meine Geschichte geschrieben, quasi für mich selbst. Aber es haben sich bereits einige Abweichungen ergeben. Manche Figuren entwickeln ein Eigenleben ;-).

Kannst du noch etwas aus deinem Schreiballtag erzählen? Ich frage mich, woher du all die Energie nimmst, noch ein Buch zu schreiben, während du so viel unterwegs bist – und ja auch noch beruflich schreibst! Wann und wie regelmäßig schreibst du an deinen Romanen?

Ich habe in den vergangenen Jahren leider nicht sehr regelmäßig geschrieben, sondern immer nur mal so zwischendurch, meist abends, wenn ich mal zu Hause war. Ein Grund war der Fantasyroman, der mir sehr am Herzen lag und eigentlich schon lange fertig war, aber den ich irgendwann veröffentlichen wollte und immer wieder überarbeitet habe. Deswegen hatte keine Zeit, wirklich an anderen Projekten zu arbeiten.

Beim „Herz im Fadenkreuz“ hatte ich das Problem, dass ich immer schon überarbeitet habe, statt weiterzuschreiben. Das hat mir übrigens einer Deiner Artikel in der „Qwertz“ deutlich vor Augen geführt, so dass ich das nun vermeiden will.

Äußere Faktoren kamen dazu,  z. B. war das Projekt eine Zeitlang bei einer Literaturagentur, was super anfing, aber dann verließ die Frau, die sich um mein Buch kümmerte, die Agentur, und es ging nicht mehr weiter. Deshalb hatte ich keine rechte Motivation weiterzuschreiben. Erst als die Agentur und ich den Vertrag einvernehmlich auflösten, war ich wieder „frei“ und habe endlich das Buch zu Ende gebracht.

Kennst du aus eigener Erfahrung Schreibblockaden? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Zum Glück kenne ich die eigentlich nicht. Da ich immer viele Ideen und Geschichten im Kopf habe (was auch ein Nachteil sein kann, weil man sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren kann), kann ich an einer anderen Geschichte weiterschreiben, wenn es bei einer mal haken sollte.

Wie lange hat es von der ersten Idee bis zur Manuskriptannahme durch den Verlag gedauert?

In diesem Fall ca. 15 Jahre. Aber nachdem ich das Manuskript fertiggestellt hatte, hat es bis zur Vertragsunterzeichnung nur ein halbes Jahr gedauert und die edition Oberkassel war der erste Verlag, dem ich das Manuskript angeboten hatte (wenn man die Agentur nicht mitzählt, die hatte es wohl auch Verlagen angeboten, allerdings wollten sie ins Segment Jugendbuch gehen, und das war meiner Meinung nach nicht richtig und hat auch nicht funktioniert).  Aber es kann auch viel schneller gehen, bei der Eislauf-Biographie ist von der Idee (Ende 2013) bis zur Umsetzung inklusive Recherche (Frühjahr 2014 bis Herbst 2015) und Vertragsunterzeichnung bei einer Agentur (Juli 2015) viel weniger Zeit vergangen. Im Dezember 2015 kam dann die Zusage des Verlags, den ich allerdings selbst angesprochen hatte.

Was war dein größter Lerneffekt während des Schreibens? Gibt es etwas, was du heute im Nachhinein anders machen würdest?

Ja, wie oben erwähnt, darf ich nicht zu perfektionistisch sein und mit der Überarbeitung beginnen, bevor ich nicht das Buch zu Ende geschrieben habe.

Tanja, du engagierst dich auch sehr für den Bundesverband junger Autoren und Autorinnen. Du bist sogar Gründungsmitglied, soweit ich mich erinnere, oder? Was genau machst du?

Ich bin in der Tat seit Anfang an im BVjA dabei, in verschiedenen Funktionen. Aktuell bin ich Geschäftsführerin des Vereins und für die Mitgliederzeitschrift Qwertz verantwortlich. Als Geschäftsführerin verwalte ich die Finanzen des Vereins (Mitgliedsbeiträge einziehen, Rechnungen bezahlen, Steuererklärung machen etc) und bin in den meisten Fällen für die Mitgliederbetreuung zuständig (Begrüßungs- und Infosendungen verschicken, Anfragen beantworten, Rundsendungen verschicken). Als Chefredakteurin der Qwertz sammele ich das Material ein, redigiere es, schreibe auch selbst Beiträge, spreche mich mit der Layouterin ab.

Kannst du den Leserinnen und Lesern, die den BVjA nicht kennen, ein paar Punkte nennen, weshalb sich eine Mitgliedschaft für junge Autoren lohnt?

Ich halte es für sehr wichtig, dass sich Autoren vernetzen. Jeder kann von jedem lernen. Dieser Austausch ist es, der uns weiterbringt und das finde ich im BVjA. Im BVjA fand ich Freunde, Testleser, Leute, die ich etwas fragen kann. Wir haben ganz unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichem Wissen und Qualifikationen im Verein. Ein unverbindliches Internetforum, in dem man nicht mal den echten Namen von vielen Leuten kennt, ist meiner Meinung nach da nicht gleichwertig. Wer weiß, wer das ist und was er mit meinen Informationen macht.

Der BVjA bietet auch viele Möglichkeiten, Kontakte außerhalb des Vereins zu knüpfen. Es kommt aber auch immer darauf an, was man aus seiner Mitgliedschaft macht. Ich habe durch den BVjA viel gelernt und viele Möglichkeiten entdeckt.

Und noch ein Punkt: Jeder kann im BVjA Mitglied werden. Wir schotten uns nicht ab, es gibt keine Eingangsvoraussetzungen wie eine Veröffentlichung. Diese Offenheit ist uns sehr wichtig. Das Alter spielt keine Rolle, auch wenn wir das Wort „jung“ im Namen tragen. Der kürzlich verstorbene Umberto Eco hat seine Karriere als Schriftsteller relativ spät begonnen und sagte, von daher sei er noch ein „junger“ Autor.

Was ist dein nächstes Projekt?

Aktuell steht die Veröffentlichung der Eislauf-Biographie über die Karriere der fünffachen Paarlaufweltmeister Aljona Savchenko/Robin Szolkowy bevor. Hier geht es gerade ums Layout und die Beschriftung der Photos.

Mein nächstes Projekt habe ich schon begonnen – es ist ein Roman, der in der Welt des Eiskunstlaufs spielt. Marjana, eine erfolgreiche deutsche Paarläuferin, verliebt sich ausgerechnet in den größten Konkurrenten, einen Paarläufer aus Russland. 🙂 Und es wird eine Fortsetzung von „Herz im Fadenkreuz“ geben, damit beginne ich, sobald die Biographie durch ist. Und diesmal wird es nicht 15 Jahre dauern. 😉

Die Biographie war bestimmt ein ganz spannendes Projekt!

Ja, die Biographie hat mir viel Spaß gemacht. Es war eine Mischung aus  journalistischer Arbeit (die Interviews und Recherche) und „literarischem“ Schreiben, weil es ja auch „schön“ geschrieben sein sollte, nicht zu „journalistisch“.

Tatjana, vielen vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg weiterhin!

Vielen Dank, dass ich mich bei Dir vorstellen durfte.

Möchtet ihr mehr über Tatjana erfahren? Schaut hier mal nach!

Website: www.tatjanaflade.de
Blog: Die Katze Lucinda (Themen Reisen, Schreiben u.a.): www.tatjana218.wordpress.com
Facebook: Tatjana Flade
Twitter: @Tatjana21

Herz im Fadenkreuz könnt ihr bereits als E-Book erhalten, als Printbuch kommt es am 18. April heraus!

Lesung „Herz im Fadenkreuz“
Wann: Sonntag, 17. April 2016, 14.30 Uhr
Wo: Café Voyager, Rheingasse 7, Bonn, Tel. 0228 85097316
Eintritt frei!

Und hier könnt ihr mehr über den BVjA, den Bundesverband junger Autoren und Autorinnen, erfahren!

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