Rezension: Blake Snyder: Rette die Katze. Das ultimative Buch übers Drehbuchschreiben.

Blake Snyder: Rette die Katze. Das ultimative Buch übers Drehbuchschreiben. Autorenhaus Verlag, Berlin, 2015, 208 Seiten (19,99 Euro). ISBN: 978-3-86671-128-0.

(Diese Rezension habe ich für die aktuelle Ausgabe der QWERTZ, dem Mitgliedermagazin des BVjA, geschrieben.)

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„Rette die Katze“ ist in den USA das Buch zum Thema Drehbuchschreiben. Der Bestseller, der bereits 2005 erschien, ist, wie David Steinitz ihm in der Süddeutschen Zeitung bescheinigt, eine „Art Heilige Schrift der Hollywood-Drehbuchautoren“.
US-Drehbuchautor und Filmproduzent Blake Snyder (1957-2009) erklärt in diesem praxisnahen und gleichzeitig unkonventionellen Ratgeber die Regeln und Methoden, um ein 110-seitiges Drehbuch zu schreiben. Der ungewöhnliche Titel „Rette die Katze“ leitet sich aus einer der wichtigsten Drehbuchregeln Snyders ab: Eine Story ist erst dann erfolgreich, wenn der Zuschauer Sympathien für die Hauptfigur entwickelt, beispielsweise indem diese eine Katze rettet.

Blake Snyder versteht sein Handwerk: Er arbeitete bereits seit dem achten Lebensjahr für seinen Vater, den erfolgreichen Filmproduzenten Ken Snyder, und wuchs somit mit und in der Filmindustrie auf. Schon früh spezialisierte er sich erfolgreich auf das Drehbuchschreiben: er schrieb die Bücher zu berühmten Filmen wie Stop! Oder meine Mami schießt sowie Mac Millionär.

Mit „Rette die Katze“ verfolgt der Snyder den Anspruch, Autoren einen Weg zu zeigen, wie sie Geschichten schreiben und analysieren können. In typischer Hollywoodmanier hat es keinen akademischen Anspruch, sondern will beim Lesen unterhalten – was ihm zweifelsohne gelingt. Der lockere Sprachstil ermöglicht ein kurzweiliges Lesevergnügen, ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.

Snyder spricht Anfänger wie professionelle Drehbuchschreiber gleichermaßen an und gibt   in acht Kapiteln viele praktische Tipps und Einblicke in das Drehbuchschreiben: Mit dem „Blake Snyder Beatsheet“ erläutert Snyder die typische Struktur eines Drehbuchs in 15 Beats. An dieser simplen Gliederung kann sich der Leser orientieren, während er an seinem eigenen Drehbuch schreibt.
Zum Verständnis dieser theoretischen Auseinandersetzung mit der Drehbuchgliederung, analysiert Snyder anschaulich die 15 Beats der Komödie Miss Undercover mit Sandra Bullock in der Hauptrolle (weitere Beispiele findet man hier: http://www.savethecat.com). Wie wichtig die Überarbeitung des Drehbuchs ist, zeigt Snyder in seinem vorletzten Kapitel. Hier bietet er sechs erprobte Hilfen für die typischen Fehler beim Drehbuchschreiben.

Ergänzt werden die Kapitel am Ende durch eine Zusammenfassung und hilfreiche Übungen, die den Leser ermutigen, sich direkt mit dem Gelesenen auseinanderzusetzen und Filme aus Sicht eines Drehbuchautors zu analysieren. Die Übungen sind jedoch eher für Anfänger denn für Fortgeschrittene geeignet.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass nicht nur Drehbuch- sondern auch Romanautoren von von den praktischen Tipps in „Rette die Katze“ profitieren: so beispielsweise bei der Erstellung der Prämisse, bei der Erarbeitung der Hauptfigur oder bei der Arbeit mit einem Storyboard. Synder nutzt das Board als eine Art Visualisierungstafel, um Szenen, Handlungsbögen und andere Elemente auszuprobieren, Fehler zu erkennen und auszumerzen. Insbesondere für Autoren, die ihren Plot erst einmal planen statt drauflos zu schreiben, lohnt sich Snyders Einblick in die Arbeit mit einem Storyboard.

Snyders Ratgeber „Rette die Katze“ ist ein empfehlenswerter Ratgeber für angehende Drehbuchautoren und bietet darüber hinaus auch Romanautoren zahlreiche Anregungen, Tipps und Informationen. Spannend ist, dass es mir seit dem Lesen des Buches gelingt, in Filmen die strukturierenden Elemente nach Snyder zu identifizieren.
Allerdings sind handwerkliche Erläuterungen an einigen Stellen etwas zu kurz gekommen: sei es bei der Darstellung der Beats, der Hilfen oder der Dialoge. Hier hätte der Autor durchaus tiefer einsteigen können. Vergleicht man Snyders Typisierung der zehn Filmgenres zudem mit denen weiterer Drehbuchexperten, fällt auf, dass er nicht dem üblichen Gebrauch der Genrenamen folgt. Das ist etwas ungünstig, wenn man sich mit dem Drehbuchschreiben umfassend beschäftigen möchte.

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