Wie schreiben andere? Interview mit Ursula Hahnenberg

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich euch in meinem aktuellen Interview eine sympathische Autorin vorstellen, auf die ich durch eine gemeinsame Bekannte aufmerksam geworden bin. Ich lese gerade ihr aktuelles Buch „Wolfstanz“, das am 17. April ganz frisch im Goldmann-Verlag erschienen ist.

In ihrem Buch ermittelt die Försterin Julia Sommer. Eine Försterin, die ermittelt? Ja. Und zwar richtig gut! Warum sich Ursula Hahnenberg für eine Försterin als Protagonistin entschieden hat und wie sie beim Schreiben vorgeht, erfahrt ihr in meinem Interview mit ihr. Dieses Interview gehört zur Reihe „Wie schreiben andere?“.

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Ursula Hahnenberg, Jahrgang 1974, lebt mit Mann, zwei Jungs und zwei Katzen in einem kleinen Dorf in der Nähe von München. Sie studierte Forstwissenschaften, arbeitete bei einer Baumaschinenfirma, einem Autohersteller und einer Unternehmensberatung, hatte einen Laden für Modelleisenbahnen und einen für Kinderbekleidung. Heute ist sie als freie Autorin tätig und schreibt neben Büchern auch Artikel und Kolumnen. Außerdem korrigiert und lektoriert sie Texte.

Liebe Uschi, wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich habe schon als Kind viel gelesen und als Jugendliche angefangen zu schreiben. Aber ich habe mich damals nicht wirklich getraut, das jemand anderem zu lesen zu geben. Erst viele Jahre später habe ich meinen Traum wahrgemacht, habe eine einjährige Belletristikausbildung absolviert und (wieder) angefangen zu schreiben.

Gibt es einen Autor, eine Autorin, der/die dich inspiriert?

Es gibt viele AutorInnen, die mich beeindruckt haben, aber in diesem Zusammenhang würde ich gerne Zoë Beck nennen. Ihre Kriminalromane sind spannend, toll recherchiert und brandaktuell.

Du arbeitest heute als freie Autorin und Lektorin. Was gefällt dir besonders gut an deiner Arbeit?

Am besten gefällt mir, dass ich mich den ganzen Tag mit Schreiben und Lesen, mit Geschichten beschäftigen darf. Das sind meine absolut liebsten Tätigkeiten: meinen eigenen und den Geschichten anderer AutorInnen ans Licht helfen.

Dein erster Krimi „Teufelsritt: Ein Fall für Julia Sommer“ erschien 2016. Was hat sich seitdem für dich verändert?

Ich schreibe mehr und zielgerichteter. Ich lese Rezensionen. Manchmal treffe ich Leute, die mein Buch gelesen haben. Aber die größte Veränderung ist wohl, dass ich meine Scheu, vor Publikum vorzulesen überwunden habe und es jetzt sogar richtig gerne mache.

Wie bist du auf die Idee zu dieser Geschichte gekommen?

Die Kernfrage war für mich: Was passiert, wenn eine Frau beschuldigt wird, ihren Chef ermordet zu haben. Und dann war mir recht schnell klar, dass die Hauptfigur Försterin sein soll. Also eine Frau, die sich in einem „Männerberuf“ durchsetzt. Die eine Waffe bedienen kann, obwohl sie keine Polizistin ist.

Wer ist deine Protagonistin Julia Sommer? Kannst du sie kurz beschreiben?

Julia ist Mitte dreißig, sie arbeitet als Försterin im Privatwald. Zusammen mit ihrer Großmutter und ihrem Sohn wohnt sie im Forsthaus. Julia hat früh ihre Eltern durch einen Autounfall verloren und ist dadurch sehr selbstständig und manchmal ein bisschen eigensinnig. Gerechtigkeit ist ihr wichtig, genauso wie der Wald und die Achtung vor der Natur. Aber an erster Stelle stehen ihr Sohn Florian und ihre Großmutter.

IMG_1913.JPGAm 17. April ist mit „Wolfstanz“ dein zweiter Julia-Sommer-Fall erschienen. Worum geht es darin?

Im „Wolfstanz“ verschwindet ein Mädchen beim Joggen. Zeitgleich taucht ein Wolf im Wald auf und die Menschen fragen sich, ob ein Zusammenhang besteht.

Wie gehst du beim Schreiben einer Geschichte vor? Planst du oder schreibst du einfach drauf los?

Ich plane sehr genau, mit Plot und Kapitelplan. Ich halte das gerade beim Krimi für sehr wichtig, um die verschiedenen Fäden nicht zu verlieren, sondern zu einem möglichst spannendem Ganzen zu verflechten. Aber auch bei Kurzgeschichten steht der Handlungsablauf vorher zumindest im Kopf schon fest.

Wie viele Stunden schreibst du täglich oder pro Woche? Hast du feste Schreibzeiten?

Wenn ich eine Schreibphase habe, nehme ich mir täglich eine bestimmte Anzahl von Seiten vor, das dauert an einem Tag mal länger, an anderen etwas kürzer. Insgesamt versuche ich, jeden Tag, auch wenn ich in andere Projekte eingespannt bin, mindestens eine Seite zu schreiben.

Und wie beginnst du eine Schreibphase?

Ich recherchiere. Meist gestalte ich ein Notizbuch für das Projekt, in dem notiere ich passende Namen, Orte, mache Skizzen oder klebe Zeitungsausschnitte ein. Damit finde ich mich in meine Figuren und in die Geschichte ein. Wenn ich zwischendurch ins Stocken gerate, nehme ich das Notizbuch wieder zur Hand.

Was hast du während des Schreibens deiner beiden Krimis über dich als Autorin gelernt?

Schreiben lernt man nur dadurch, dass man es tut. In meinem Fall heißt das auch, dass ich mich immer wieder gegen meine innere Kritikerin durchsetzen muss. Die Erkenntnis, dass ich auch als Lektorin tauge, hilft mir dabei, auch wenn ich damit nicht sagen will, dass man die eigenen Texte lektorieren könnte.

Du wirst durch eine Verlagsagentur vertreten. Wie lange hat die Suche nach einer passenden Agentur gedauert und wie bist du vorgegangen.

Ich habe mich bei der Agentur gemeldet und mit Leseprobe und Exposé beworben. Beides hat gefallen und nachdem die Agentin den ganzen Roman gelesen hat, haben wir einen Vertrag abgeschlossen. Das dauerte insgesamt ein paar Monate.

Was ist dein nächstes Projekt?

Zuallererst werde ich jetzt eine Kurzgeschichte schreiben, die ich bei einem Wettbewerb einreichen möchte. Danach werde ich mich entweder um den dritten Band um Julia Sommer kümmern oder einen Stand-Alone Thriller schreiben. Und dazwischen möchte ich mich noch um die Veröffentlichung einer Sammlung von Kolumnen, die ich in den vergangen Jahren für eine Zeitschrift geschrieben habe, kümmern. Und natürlich werde ich jetzt anfangen, für die anstehenden Lesungen zu üben.

Vielen lieben Dank für deine Fragen! Das Interview hat mir großen Spaß gemacht

Weitere Informationen zu Ursula Hahnenberg findet ihr auf ihrer Homepage!

 

 



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