Autoreninterview mit Ralf Gebhardt, Autor von „Ich schenke dir den Tod“

 

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(c) Sören Bley

Ralf, schön, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Dein Debütroman „Ich schenke dir den Tod“ ist erst vor wenigen Tagen erschienen. Worum geht es in deinem Krimi? Kannst du ihn in max. fünf Sätzen zusammenfassen?

Mein Kriminalhauptkommissar Störmer jagt einen Psychopaten und Serientäter. Dabei stellt er den Zusammenhang zwischen Leichenfunden und aktuellen Entführungen während eines Klassentreffens auf einem Jungendherbergsschloss her. An diesem Fall droht er zu zerbrechen, denn als ein Freund von ihm grausam ermordet und der Fall damit höchstpersönlich wird, gerät er selbst in tödliche Gefahr.

Du hast dich für Halle (Sachsen-Anhalt) als Schauplatz deines Krimis entschieden. Welche Besonderheiten bietet die Stadt bzw. das Umland für dich als Krimi-Autor?

Ein großer Teil der Handlung findet auch auf Schloss Mansfeld (heute Jugendherberge und Seminarhotel) und im umliegenden Mansfelder Land statt. Dort bin ich aufgewachsen und kenne sozusagen Land und Leute. Heute arbeite ich in Halle und wohne gleich nebenan. Das ist meine Heimat, und diese besondere Regionalität der Menschen und der Gegend ist mir wichtig.

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Richard Störmer ermittelt in „Ich schenke dir den Tod“. Kannst du ihn näher beschreiben? Was ist er für ein Typ?

Störmer ist eckig, manchmal vielleicht schroff, ein Einzelgänger, verletzlich (was er nie zugeben würde), will eigentlich seine Ruhe haben, hasst Fremdbestimmung und hat sich zu wenig um seine Tochter gekümmert. Er ist ein bodenständiger Polizist mit Herzblut und plötzlich frisch verliebt … Ach ja, und er mag Cola mit Kirschgeschmack … ☺

Nun möchte ich noch etwas mehr über dich als Autor erfahren. Seit wann schreibst du etwa?

Als Schüler ging es los, mit Kurzgeschichten. Damals habe ich natürlich niemandem verraten, wie sehr ich die Aufsätze in Deutsch gemocht habe. Lesen und Schreiben waren von da an auch wichtige Freizeitbeschäftigungen für mich.

Wie hast du dir das Schreiben beigebracht? Hast du Kurse besucht?

Zu Beginn habe ich einfach drauflosgeschrieben, später dann unendliche Regalmeter Schreibratgeber und Fachzeitschriften gelesen. Für jeden Autor ist es meiner Meinung nach wichtig, auch im realen Leben vernetzt zu sein, Mitglied einer Schreibgruppe zu sein, vielleicht einer Interessengemeinschaft oder einem Verein anzugehören, Hauptsache, man kann sich austauschen. Online und Offline. Ein Netzwerk aus Schreibfreunden ist großartig. Zurück zur Frage: Ich habe auch ca. 2 Jahre im Rahmen eines Fernstudiums die Romanwerkstatt an der Schule des Schreibens besucht. Hierbei habe ich am meisten über das Schreibhandwerk gelernt.

Wie viel Zeit bleibt dir neben deinem Beruf für das Schreiben? Wie oft schreibst du? Wie sieht dein Zeitplan für das Schreiben aus?

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, im Schnitt sind es wohl 30 Minuten bis eine Stunde am Tag. Ich versuche, jeden Tag zu schreiben, und sei es nur, Ideen im Notizbuch festzuhalten. Klar, man muss auf etwas anderes verzichten, das fiel mir aber z. B. beim Fernsehprogramm nicht schwer. Schön ist es, dass ich ein Zimmer habe, wo ich auch mal die Tür schließen und ungestört schreiben kann.

Je öfter man regelmäßig schreibt, je eher weiß man, dass man immer schreiben kann, dass es „die Inspiration“ etc., auf die man warten muss, so nicht gibt. Ich bin übrigens Fan vom Plotten geworden. Bevor es losgeht, gibt’s den detaillierten Plan, schon grob in Kapitel aufgeteilt. Daran kann ich mich festhalten, ich weiß, wie es ausgeht, kann egal wann und wo immer zu meinem Plan zurückkommen.

Kannst du überall schreiben oder brauchst du eine spezielle Umgebung, um zu schreiben?

Prinzipiell überall, ich brauche nur etwas Ruhe und meinem PC. Am liebsten schreibe ich im Arbeitszimmer. Wichtig ist, sich wohlfühlen und einen Rückzugsort zu haben, wo man auch mal Notizen rumliegen oder an eine Wäscheleine hängen kann. Was ich noch nicht probiert habe, ist, in einem Café zu schreiben. Vielleicht wäre das einen Versuch wert.

Hast du mentale Unterstützung während des Schreibens? Von wem?

Ich kann mich auf mein Netzwerk verlassen, meine Schreibfreunde und Kollegen. Im richtigen Leben, wie es so schön heißt, treffen wir uns meist auf Messen oder Seminaren. Online ist das aber auch möglich, über Foren und Gruppen usw. Es ist wirklich toll, sich gegenseitig zu unterstützen. Die Freunde haben während des Schreibens oft mehr an mich geglaubt, als ich selbst. Dafür empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit.

Planst du oder schreibst du deine Romane einfach drauflos?

Ich plane. Am Anfang ist die Idee. Alles, was mir einfällt, wird erst mal in Stichpunkten zusammengetragen. Gut dabei ist, dass auch in Momenten, in denen ich nicht schreibe, das Unterbewusstsein weiterarbeitet. Irgendwann versuche ich, eine Einteilung in Anfang, Mitte und Schluss zu finden. Ich muss das Ende immer kennen. Dann kann ich nachdenken über Dinge, die ich noch recherchieren muss, über Wendepunkte, falsche Spuren … Aber alles passt dann eben ins Ganze.

Welche Vorteile hat das Planen für dich?

Es gibt mir Sicherheit. Egal wann, ich kann zu jeder Zeit zurückkommen, mich festhalten, weitermachen. Vielleicht ist es ein wenig, als würde man nach Hause kommen. Früher habe ich übrigens einfach drauflos geschrieben, wollte gucken, wie sich was entwickelt. Aber irgendwann kam dann der Klassiker, hoffnungslos verhungert, verstrickt und verloren rund um Seite 100 … Mit dem Plot, dem Plan, sieht es anders aus, da weiß ich, dass ich mein Ziel erreiche. Das heißt nicht, dass man den nicht ändern kann, im Gegenteil, wenn es klare und gut überlegte Gründe gibt, dann auf jeden Fall. Ich könnte jetzt sagen: Der Plot ist für mich nicht heilig, aber nahe dran … ☺

Setzt du dir Schreibziele? Welcher Art?

Mein Plan ist es, in einem Jahr die Rohfassung des Manuskriptes fertig zu haben. Dieses Jahressoll, also die geplanten Kapitel, versuche ich mir in Monatsscheiben zu zerlegen. Dann rechne ist die geschafften Kapitel in Prozent um, damit ich weiß, wo ich stehe. Betriebswirtschaftler eben …

Setzt du dir Schreibtermine oder schreibst du zwischendurch?

Meist abends, wie gesagt, wenn nicht gerade ein Krimi kommt, geht’s auch ohne Fernseher. Während der Schreibzeit verzichte ich auf Mails oder Facebook etc. Meistens gelingt das auch. Offene Fragen notiere ich altmodisch erst mal auf einem Zettel, das schützt vor Ablenkungen, um nicht in den Weiten des Internets zu versinken. Schön ist es, wenn ich ab und zu ein paar Stunden am Stück am Wochenende schreiben kann, da schaffe ich dann deutlich mehr. Wichtig ist, die Familie und die Freunde nicht zu vergessen.

Hast du Rituale oder Herangehensweisen, die dir dabei helfen, regelmäßig zu schreiben?

Der Plot hängt an der Magnettafel, geschaffte Kapitel werden durchgestrichen und die erledigte Prozentzahl daneben geschrieben. Eine Lieblingstasse für den Tee schadet nicht (bei mir ist es eine vom „Tatort“, die ich mal auf der Buchmesse in Frankfurt gekauft habe). Ebenso wichtig ist es, immer ein Notizbuch in Reichweite zu haben. Alle Unterlagen, die ich brauche, will ich erreichen können, ohne vom Schreibtisch aufzustehen.

 

Wie gehst du bei der Entwicklung deiner Figuren vor? Hast du eine bestimmte Vorgehensweise?

Ich habe meist zuerst ein Bild bzw. das Gesicht eines realen Menschen vor mir. Dann suche ich nach Namen. Die Hauptfiguren bekommen ein eigens Figurenblatt (selbst zusammengestellt aus gelesenen Büchern oder besuchten Kursen, man findet auch welche im Internet). Nicht alles, was ich über die Figur weiß, kommt auch später im Buch vor. Um mal kurz zu übertreiben: Die schlanke Schwarzhaarige mit den grünen Augen soll auch auf Seite 200 nicht anders aussehen. Nebenfiguren schreibe ich in eine Liste, wenn sie dann im Manuskript beschrieben werden, schreibe ich die besondere Eigenschaft dort als Stichpunkt einfach dazu, um das später noch zu wissen. Diese wenigen Blätter liegen dann in einer einfachen Mappe neben dem Laptop.

Wie lief die Verlagssuche zu „Ich schenke dir den Tod“? 

Ich wusste zwei Dinge von Anfang an: Es wird schwer und ich gebe nicht auf. An Exposé, Anschreiben und Leseprobe habe ich gründlich gefeilt, dann zuerst Agenturen angeschrieben. Dann wieder die nächsten Agenturen… Das heutige „Nein“ ist wohl die Nichtantwort geworden. Wer auf die Suche geht, darf das alles auf keinen Fall persönlich nehmen. Man braucht mehr Geduld, als man denkt und hat. Anschließend habe ich mich an einige Verlage gewandt. Ich habe mir die ausgesucht, bei denen das Programm passt und mir die Bücher gefallen. Wichtig ist, vorher auf den Internetseiten der Agenturen bzw. Verlage nach den Anforderungen zu schauen und sich exakt daran zu halten. Ich war mir sicher, dass der erste Verlag, der das Gesamtmanuskript anfordert und dann einen Vertrag schickt, der Richtige ist. Und so war es dann auch. Die gesamte Suche habe ich übrigens  immer mit dem Versuch des emotionalen Abstandes in einer Tabelle festgehalten. Wenn ich heute glücklich auf diese Tabelle schaue, bin ich froh, dass ich es mir noch schlimmer vorgestellt habe.

Hast du immer daran geglaubt, dass du es schaffen wirst, deine Bücher zu veröffentlichen?

Ja. Und wenn ich zwischendrin nicht dran geglaubt habe, dann haben das meine Schreibfreunde für mich getan.

Bist du in irgendwelchen Schriftstellerverbänden, zum Beispiel beim BVjA?

Ja, im BVjA, dem Bundesverband junger Autorinnen und Autoren und neu im SYNDIKAT, der deutschsprachigen Kriminalschriftstellervereinigung.

Hat dir deine Mitgliedschaft in diesem Verband messbare Vorteile als Autor gebracht?

Eine gute Frage, denn ich könnte keinen Nachteil nennen. Die Vorteile liegen z. B. in den persönlichen Kontakten, Seminaren, Publikationen, Messebesuchen, Freundschaften … Hier habe ich neben dem Fachlichen viele Gleichgesinnte gefunden. Mit meinem Debüt bin ich dann vor kurzem Mitglied im SYNDIKAT geworden, dessen Mitglieder ja alle Krimis mögen und schreiben …

Was sind deine nächsten Projekte?

Störmer wird wieder ermitteln. Er und ich kennen übrigens schon den fertigen Plot … ☺

Gibt es einen Tipp, den du Schreibenden mit Vollzeitjob mitgeben möchtest?

Auf die Gefahr hin, dass ich eine alte Weisheit zitiere: Man wird nur Autor, wenn man regelmäßig schreibt und den 24 Stunden des Tages persönliche Schreibminuten entführt. Es geht nicht in der Theorie, man muss es tun. Dazu gehört selbstverständlich auch Fachbücher lesen, Seminare und Kurse besuchen, Gleichgesinnte finden und ernsthaft loslegen. Für die Erfüllung des Traumes kann man auf anderes verzichten, wenn man wirklich will.

Sind Lesungen geplant?

Ja, zunächst in meiner direkten Heimat. Es gibt auch schon die ersten Termine.

Wo können dich die Leser im Netz finden?

Auf meiner Seite, auf Youtube mit dem Trailer, auf Facebook und vielleicht auch bald auf Instagram. Für Letzteres müsste ich aber auf ein paar Schreibminuten verzichten ☺

https://www.ralf-gebhardt.de/

https://youtu.be/xsUIU0x05zo

https://www.facebook.com/RalfGebhardtAutor

Ganz herzlichen Dank für das Interview und Dir alles Gute für Deine Projekte sowie immer ganz viel Kraft und Kreativität!

Wie schreiben andere? Interview mit Ursula Hahnenberg

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich euch in meinem aktuellen Interview eine sympathische Autorin vorstellen, auf die ich durch eine gemeinsame Bekannte aufmerksam geworden bin. Ich lese gerade ihr aktuelles Buch „Wolfstanz“, das am 17. April ganz frisch im Goldmann-Verlag erschienen ist.

In ihrem Buch ermittelt die Försterin Julia Sommer. Eine Försterin, die ermittelt? Ja. Und zwar richtig gut! Warum sich Ursula Hahnenberg für eine Försterin als Protagonistin entschieden hat und wie sie beim Schreiben vorgeht, erfahrt ihr in meinem Interview mit ihr. Dieses Interview gehört zur Reihe „Wie schreiben andere?“.

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Ursula Hahnenberg, Jahrgang 1974, lebt mit Mann, zwei Jungs und zwei Katzen in einem kleinen Dorf in der Nähe von München. Sie studierte Forstwissenschaften, arbeitete bei einer Baumaschinenfirma, einem Autohersteller und einer Unternehmensberatung, hatte einen Laden für Modelleisenbahnen und einen für Kinderbekleidung. Heute ist sie als freie Autorin tätig und schreibt neben Büchern auch Artikel und Kolumnen. Außerdem korrigiert und lektoriert sie Texte.

Liebe Uschi, wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich habe schon als Kind viel gelesen und als Jugendliche angefangen zu schreiben. Aber ich habe mich damals nicht wirklich getraut, das jemand anderem zu lesen zu geben. Erst viele Jahre später habe ich meinen Traum wahrgemacht, habe eine einjährige Belletristikausbildung absolviert und (wieder) angefangen zu schreiben.

Gibt es einen Autor, eine Autorin, der/die dich inspiriert?

Es gibt viele AutorInnen, die mich beeindruckt haben, aber in diesem Zusammenhang würde ich gerne Zoë Beck nennen. Ihre Kriminalromane sind spannend, toll recherchiert und brandaktuell.

Du arbeitest heute als freie Autorin und Lektorin. Was gefällt dir besonders gut an deiner Arbeit?

Am besten gefällt mir, dass ich mich den ganzen Tag mit Schreiben und Lesen, mit Geschichten beschäftigen darf. Das sind meine absolut liebsten Tätigkeiten: meinen eigenen und den Geschichten anderer AutorInnen ans Licht helfen.

Dein erster Krimi „Teufelsritt: Ein Fall für Julia Sommer“ erschien 2016. Was hat sich seitdem für dich verändert?

Ich schreibe mehr und zielgerichteter. Ich lese Rezensionen. Manchmal treffe ich Leute, die mein Buch gelesen haben. Aber die größte Veränderung ist wohl, dass ich meine Scheu, vor Publikum vorzulesen überwunden habe und es jetzt sogar richtig gerne mache.

Wie bist du auf die Idee zu dieser Geschichte gekommen?

Die Kernfrage war für mich: Was passiert, wenn eine Frau beschuldigt wird, ihren Chef ermordet zu haben. Und dann war mir recht schnell klar, dass die Hauptfigur Försterin sein soll. Also eine Frau, die sich in einem „Männerberuf“ durchsetzt. Die eine Waffe bedienen kann, obwohl sie keine Polizistin ist.

Wer ist deine Protagonistin Julia Sommer? Kannst du sie kurz beschreiben?

Julia ist Mitte dreißig, sie arbeitet als Försterin im Privatwald. Zusammen mit ihrer Großmutter und ihrem Sohn wohnt sie im Forsthaus. Julia hat früh ihre Eltern durch einen Autounfall verloren und ist dadurch sehr selbstständig und manchmal ein bisschen eigensinnig. Gerechtigkeit ist ihr wichtig, genauso wie der Wald und die Achtung vor der Natur. Aber an erster Stelle stehen ihr Sohn Florian und ihre Großmutter.

IMG_1913.JPGAm 17. April ist mit „Wolfstanz“ dein zweiter Julia-Sommer-Fall erschienen. Worum geht es darin?

Im „Wolfstanz“ verschwindet ein Mädchen beim Joggen. Zeitgleich taucht ein Wolf im Wald auf und die Menschen fragen sich, ob ein Zusammenhang besteht.

Wie gehst du beim Schreiben einer Geschichte vor? Planst du oder schreibst du einfach drauf los?

Ich plane sehr genau, mit Plot und Kapitelplan. Ich halte das gerade beim Krimi für sehr wichtig, um die verschiedenen Fäden nicht zu verlieren, sondern zu einem möglichst spannendem Ganzen zu verflechten. Aber auch bei Kurzgeschichten steht der Handlungsablauf vorher zumindest im Kopf schon fest.

Wie viele Stunden schreibst du täglich oder pro Woche? Hast du feste Schreibzeiten?

Wenn ich eine Schreibphase habe, nehme ich mir täglich eine bestimmte Anzahl von Seiten vor, das dauert an einem Tag mal länger, an anderen etwas kürzer. Insgesamt versuche ich, jeden Tag, auch wenn ich in andere Projekte eingespannt bin, mindestens eine Seite zu schreiben.

Und wie beginnst du eine Schreibphase?

Ich recherchiere. Meist gestalte ich ein Notizbuch für das Projekt, in dem notiere ich passende Namen, Orte, mache Skizzen oder klebe Zeitungsausschnitte ein. Damit finde ich mich in meine Figuren und in die Geschichte ein. Wenn ich zwischendurch ins Stocken gerate, nehme ich das Notizbuch wieder zur Hand.

Was hast du während des Schreibens deiner beiden Krimis über dich als Autorin gelernt?

Schreiben lernt man nur dadurch, dass man es tut. In meinem Fall heißt das auch, dass ich mich immer wieder gegen meine innere Kritikerin durchsetzen muss. Die Erkenntnis, dass ich auch als Lektorin tauge, hilft mir dabei, auch wenn ich damit nicht sagen will, dass man die eigenen Texte lektorieren könnte.

Du wirst durch eine Verlagsagentur vertreten. Wie lange hat die Suche nach einer passenden Agentur gedauert und wie bist du vorgegangen.

Ich habe mich bei der Agentur gemeldet und mit Leseprobe und Exposé beworben. Beides hat gefallen und nachdem die Agentin den ganzen Roman gelesen hat, haben wir einen Vertrag abgeschlossen. Das dauerte insgesamt ein paar Monate.

Was ist dein nächstes Projekt?

Zuallererst werde ich jetzt eine Kurzgeschichte schreiben, die ich bei einem Wettbewerb einreichen möchte. Danach werde ich mich entweder um den dritten Band um Julia Sommer kümmern oder einen Stand-Alone Thriller schreiben. Und dazwischen möchte ich mich noch um die Veröffentlichung einer Sammlung von Kolumnen, die ich in den vergangen Jahren für eine Zeitschrift geschrieben habe, kümmern. Und natürlich werde ich jetzt anfangen, für die anstehenden Lesungen zu üben.

Vielen lieben Dank für deine Fragen! Das Interview hat mir großen Spaß gemacht

Weitere Informationen zu Ursula Hahnenberg findet ihr auf ihrer Homepage!

 

 



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Du möchtest auch endlich dein Buch veröffentlichen, findest aber nicht in den Schreibflow? Mein aktueller Schreibratgeber „Schreib täglich!“ hilft dir auf die Sprünge! Oder möchtest du dich etwas unter Druck setzen lassen? 🙂 Kein Problem! Mein neues E-Mail-Seminar „SCHREIB DEINEN ROMAN! – Ein etwas anderer E-Mailkurs“ beginnt am 13. Mai.

Printbuch: Schreib täglich!

Hallo ihr Lieben,

es ist momentan etwas still auf dem Blog, aber das hat seine Gründe: Im Hintergrund arbeite ich an neuen Projekten und Seminaren für euch! 🙂

Heute möchte ich euch mein neues altes Buch zeigen, das seit Montag im Handel ist. Ich habe die beiden E-Books „Schreib täglich!“ und „365 kreative Schreibimpulse“ überarbeitet und zu einer Printausgabe zusammengeführt (für alle, die keine E-Books mögen und sich lieber durch echtes Papier arbeiten …).

Ihr könnt das Buch in jeder Buchhandlung – online oder lokal – erwerben und direkt mit eurem Schreibprogramm loslegen! Nutzt den Frühling, um neue Ideen zu kreieren!

Hier sind ein paar Fakten über das „Schreib täglich!„:

228 Seiten
12,99 Euro
ISBN-13: 978-3743195257

Liebe Grüße,

Denise

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Darum geht es in „Schreib täglich!“:

Mit diesem Buch erhalten Sie zwei praxiserprobte Bände aus der Reihe „Selbstcoaching für Autoren“, die Sie dazu motivieren, täglich zu schreiben:

Band 1: Schreib täglich!: Ein 30 x 15 Minuten Schreibprogramm für Autoren
Band 2: 365 kreative Schreibimpulse: Finde Tag für Tag Inspirationen für deine Geschichten
„Schreib täglich!“ ist ein Praxisbuch, das Sie bei der Entwicklung einer täglichen Schreibroutine unterstützt. Es ist ideal für Einsteiger, aber auch Fortgeschrittene profitieren von den über 30 kreativen Schreibübungen. Mit der Zielsetzung, maximal 15 Minuten täglich zu schreiben, überwinden Sie Ihren inneren Schweinehund und etablieren das Schreiben in Ihrem Alltag. Mit Hilfe der sechs zusätzlichen Aufgaben beobachten und analysieren Sie Ihr eigenes Schreibverhalten, treten in Kontakt mit Ihrem inneren Kritiker und lernen, sich selbst zu motivieren.

In nur sechs Wochen
– entwickeln Sie eine tägliche Schreibroutine
– werden Sie als Autor oder Autorin selbstbewusster
– fördern Sie Ihren sprachlichen Ausdruck
– überwinden Sie Ihre Angst vor jedem Schreibbeginn
– werden Sie schneller, freier schreiben als zuvor
– lernen Sie, weniger perfektionistisch zu sein und die Worte einfach fließen zu lassen
– lernen Sie inspirierende Schreibaufgaben kennen, mit denen Sie
– jederzeit experimentieren können
– erhalten Sie ein großes Portfolio an Aufgaben, die Sie auch
– zukünftig in Schreibstimmung versetzen
– reflektieren Sie Ihr eigenes Schreibverhalten
– setzen Sie Ihre Kreativität frei

Im zweiten Teil werden Sie die 365 Schreibimpulse über das Schreibprogramm hinaus zum Schreiben anregen. Schreibimpulse sind das ideale Werkzeug, um neue Ideen zu generieren, entspannt in einen Schreibprozess einzusteigen oder Schreibblockaden zu verhindern. Wenn Sie auf der Suche nach frischen Ideen für einen neuen Roman oder eine Kurzgeschichte sind, werden Sie mit Hilfe dieser 365 Schreibanregungen schnell fündig. Sie aktivieren Ihre Kreativität auf der Stelle!

„Ich habe zwei Wochen Tagebuch geschrieben – aus der Sicht des Mörders.“ – Interview mit der Autorin Barbara Steuten

_dsc8367Hallo ihr Lieben,

heute darf ich euch in einem Interview Barbara Steuten vorstellen, deren Krimi-Debüt „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“ in am 17. November im edition Oberkassel Verlag in Düsseldorf erscheint!

Wie ihr wisst, geht es in meinen Interviews mit Autorinnen und Autoren (Kategorie: Wie schreiben andere?) immer um die Frage, wie der Schreibprozess gestaltet wurde. Ebenso interessiert es mich, wie sie das Schreiben in den Alltag integrieren. Ich finde es furchtbar spannend, wie andere arbeiten, wie sie es schaffen, den normalen Familienalltag mit dem Schreiballtag zu vereinbaren. Denn daraus kann man selbst so viel mitnehmen! Und wie unterschiedlich die Ideen und Herangehensweisen sind! Das ist doch toll, oder?

Auch Barbara Steuten hat mir in dem folgenden Interview davon erzählt, wie sie bei ihrem Krimi vorgegangen ist, wie sie recherchiert hat und wie die Verlagssuche lief. Außerdem gibt sie Einblicke, wie sie ihre Protagonistin Kati Küppers entwickelt hat. Und natürlich fehlen auch keine Schreibtipps! Ich bin mir sicher, dass ihr nach dem Lesen des Interviews wie ich auch Lust habt, ihren Krimi „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“ zu lesen. 🙂

Hier findet ihr Barbara Steuten übrigens im Internet: www.barbara-steuten.de. Schaut doch mal bei ihr rein – aber lest erst das Interview, in Ordnung? Danke! 🙂

Liebe Grüße,

Denise

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(c) Barbara Steuten

„Ich habe zwei Wochen Tagebuch geschrieben – aus der Sicht des Mörders.“ – Interview mit der Autorin Barbara Steuten

Barbara, seit wann schreibst du?

Ich habe schon als Kind gerne Geschichten und Berichte geschrieben. Als Jugendliche habe ich die Geduld meiner Freunde mit Gedichten strapaziert. Aber als freie Autorin schreibe ich seit 2010.

Du hast drei Kinder, wie alt sind sie? Ab wann war etwa der Zeitpunkt, als du als Mutter wieder mehr Zeit zum Schreiben hattest?

Die Älteste wird 20, studiert bereits und wohnt daher in Düsseldorf. Der Mittlere wird dieses Jahr 18 und der Jüngste ist 11 Jahre alt.
Den Zeitpunkt suche ich immer noch. Nein, im Ernst. Dass ich Schriftstellerin werden wollte, habe ich erst realisiert, als unser Jüngster bereits in den Kindergarten ging. Da hatte ich übrigens mehr und verlässlicher Zeit zum Schreiben, als später in der Schulzeit. Und Mutter bleibe ich mein Leben lang. Auch wenn ich jetzt keine Windeln mehr wechseln muss, ist es mir wichtig, bei Problemen in der Schule, an der Uni, mit den Freunden, im Sport … ansprechbar zu sein. Krank sind Kinder auch, wenn sie fast volljährig sind.

Am 17. November erscheint unter dem Titel „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“ im edition oberkassel Verlag, Düsseldorf, dein Debüt-Roman. Worum geht es?

Im idyllischen Niederbroich, einem typischen (aber fiktiven) Dorf im Rheinland, düst die Küsterin Kati Küppers mit ihrem apfelsinenfarbenen Hollandrad zwischen Kirche und Kapelle hin und her und verwandelt das Pfarrzentrum auch schon mal in eine Disco für die Jugend. Hier ist die Welt noch in Ordnung, bis eines Tages der Kaplan die Kirchenkellertreppe hinunterstürzt und Kati Küppers plötzlich unter Mordverdacht steht. Mit der Unterstützung ihres Enkels und diverser Heiliger macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder.

Wie ist die Idee zu deiner letzten Geschichte entstanden?

Elke Pistor (schreibt vor allem Eifel-Krimis) stellte uns im Seminar „Von Anfangen bis Zuspitzen – wie man plottet“ die Aufgabe, eine Figur zu beschreiben, die lange vor ihrem Wecker aufwacht … und so wurde Kati Küppers „geboren“.

Erzähl mir ein wenig von deiner Protagonistin Kathi Küppers. Wer ist sie und wie bist du vorgegangen, um sie zu entwickeln?

Kati Küppers hat den Spürsinn einer Miss Marple, den Humor eines Don Camillos und die Neugier einer Pippi Langstrumpf. Ursprünglich hieß sie Katharina, wurde schnell zu Käthe, was sie aber zu alt machte. Mittlerweile schreibt sie sich sogar ohne H. Ich habe sie, ihr Äußeres und ihr Handeln in verschiedenen Szenen beschrieben und diese Szenen drei Freundinnen vorgestellt. Die deckten schonungslos Widersprüche und Ungereimtheiten auf. Gemeinsam legten wir Verhaltensweisen fest, bis Kati Küppers die Ermittlerin war, die ich haben wollte. Als ich mir die Haare abschneiden ließ, musste sich Kati noch ein bisschen mehr verändern, damit keiner auf die Idee kommt, Figur und Autorin zu verwechseln oder irgendwelche autobiografischen Vermutungen anzustellen.

Kannst du beschreiben, wie du beim Planen deines letzten Romans vorgegangen bist? Planst du oder schreibst du deine Romane einfach drauflos?

Vom Kurzgeschichten- zum Roman-Schreiben war für mich ein großer Schritt. Denn die Kurzgeschichten schreibe ich aus dem Bauch heraus, aus einem Gefühl. Das funktioniert beim Roman nicht gut und beim Krimi kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen.

Ich habe mir einen groben Plan gemacht: Wer ist der Mörder? Was ist sein Motiv? Am Ende muss Kati den Mörder überführen. Wie macht sie das? Dann habe ich zwei Wochen Tagebuch geschrieben aus der Sicht des Mörders – und mehr erfahren, als mir lieb war. Doch wusste ich jetzt, wie der Mörder tickt. Als nächstes hab ich mir das Opfer vorgeknöpft, allerdings nicht ganz so ausführlich wie den Mörder. Jetzt brauchte ich noch ein ganzes Dorf voller Verdächtiger und eine Polizei, die aber nicht tumb daher kommen sollte. Dabei entstanden automatisch Szenen in meinem Kopf, die ich unbedingt zu Papier bringen wollte. Das war der Moment, in dem ich vom Planen zum Schreiben wechselte. Den groben Plan im Kopf bzw. im Ordner, durfte ich meine Fantasien davon galoppieren lassen. Bis sie sich lahm gelaufen hatten. Dann kehrte ich zum Planen zurück.

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Dazu hängt in meinem Arbeitszimmer ein Whiteboard, auf dem ich beispielsweise Szene für Szene in Stichpunkten notiert habe. Ich habe geschoben und neu gegliedert und hatte doch den ganzen Roman im Blick.

Schließlich wanderte der Szenenplan in einen Ordner, in dem ich immer wieder nachschlagen konnte, wie es weitergehen sollte, wenn die Fantasie erlahmte. Ich hatte also eine Reiseroute für meinen Krimi.

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(c) Barbara Steuten

Welche Vorteile hat das Planen für dich?

Das Planen hilft mir, mich nicht zu verrennen und nach 80 Seiten das Manuskript in die Ecke zu pfeffern, weil ich in einer Sackgasse stecke.

Und das Nicht-Planen?

Das Drauf-los-schreiben entfesselt die Kreativität in mir und wenn es läuft, schwebe ich in anderen Sphären. Aus Spaß an der Freud verlasse ich dann schon mal die geplante Reiseroute und klettere den Berg hoch, um die Aussicht zu genießen, oder raste im Schatten eines Baumes und schaue den Bienen bei der Arbeit zu. Dabei muss die Szene jedoch einen Sinn haben: sie zeigt die Figur bei einer Tätigkeit, lässt den Leser tiefer in die Atmosphäre eintauchen oder führt direkt zum nächsten Konflikt.

Kannst du den Lesern einen Einblick in deinen Rechercheprozess geben? Recherchierst du vor oder während des Schreibens?

Der Rechercheprozess ist bei mir nie abgeschlossen. Da stehe ich mir mit meinem Perfektionismus leider manchmal selber im Wege. Ich hatte bei meinem Krimi von Anfang an die Idee, dass der Messwein vergiftet sein sollte. Doch womit? Darüber habe ich mich mit der Apothekerin aus meiner Gemeinde beraten – bei der Organisation des Weihnachtsbasars. Allerdings führte das dazu, dass der ein oder andere Bedenken hatte, an meinem Stand Plätzchen zu kaufen.

Außerdem findet sich in meinem Bücherregal neben Schreibratgebern auch Bücher über Polizeiarbeit, Verhörtechniken und Psychologische Abhandlungen. Wenn mir beim Schreiben nicht klar ist, wie etwas funktioniert, schlage ich dort nach. Bringt mich das nicht weiter, suche ich mir einen Experten.

Manche Rechercheergebnisse muss man aber auch wieder streichen. Ich weiß zwar, dass Kriminaltechniker die Spuren am Tatort sichern, aber ich nenne sie weiterhin „Spurensicherung“ oder „Spusi“. Das ist dem Krimileser vertraut.

Wann schreibst du? Zu welchen Tageszeiten? Täglich? Wöchentlich? Wie viele Stunden?

Während des Roman-Projektes habe ich täglich geschrieben. Vorzugsweise morgens, wenn alle aus dem Haus waren. Das Schreibprogramm Papyrus Autor, mit dem ich gearbeitet habe, zeigte mir jeden Tag an, ob ich mein bewusst niedrig gehaltenes Soll erfüllt hatte und wie viel Zeit mir bis zur Fertigstellung blieb.

Hast du mentale Unterstützung während des Schreibens? Von wem?

Ich habe einigen guten Freundinnen und Kollegen von meinem Roman-Projekt erzählt und sie sogar gebeten, mich ab und zu nach den Fortschritten zu fragen. Das hat mir geholfen, selber das Projekt ernst zu nehmen und dran zu bleiben. Die Gefahr ist groß, dass Wäscheberge, dreckiges Geschirr und dringende Termine die Zeit zum Schreiben auffressen. Aber wenn ab und zu mal jemand anruft und nachhakt, muss ich mich rechtfertigen, warum ich lieber Wäsche falte als schreibe.

Kennst du von dir Schreibblockaden? Wie gehst du vor, wenn du eine Blockade hast? Hast du Strategien entwickelt?

Ich nenne es nicht gerne Blockade, vielleicht, weil sie mir dann zu mächtig erscheint. Aber es gibt durchaus Zeiten, in denen ich nicht schreiben kann. Anfangs lag es daran, dass ich mich selbst unter Druck gesetzt und von meinen Rohtexten bereits literarische Brillanz erwartet habe. Mittlerweile bin ich gelassener und weiß, wie man überarbeitet bis es glänzt.

Aber es gibt auch Momente im Leben, in denen ich mir zugestehe, nicht zu schreiben. Seit November habe ich bewusst so viel Zeit wie möglich mit der weltallerbesten Schwiegermutter verbracht, weil sich der Krebs mehr Raum verschaffte, als ihm zustand. Als sie im Frühjahr starb, brauchte ich Zeit zum Trauern und Kraft, die Familie zusammenzuhalten. Ich habe in dieser Zeit viel gelesen und bin ganz bewusst zur Leipziger Buchmesse oder zum Nürnberger Autorentreffen gefahren, um mich mit KollegInnen und Verlegern auszutauschen, in der Hoffnung, die Freude am Schreiben wiederzufinden. Es hat funktioniert. Auch wenn ich noch nicht, wie ursprünglich geplant, mitten im nächsten Roman-Projekt stecke.

Wie lief die Verlagssuche? Wie viele Verlage hast du angeschrieben?

Ich habe mir im Vorfeld lange Gedanken gemacht, ob ich mein Manuskript in einem großen Verlag unterbringen will. Doch als unbekannte Autorin habe ich mich schließlich für einen kleinen Verlag aus Düsseldorf entschieden. Zum einen passt mein Krimi gut in sein Programm und spielt in der Region. Zum anderen habe ich nach vielen Gesprächen mit KollegInnen auf mein Bauchgefühl gehört. Ich kenne den Verleger persönlich, stehe mit meinen Kurzgeschichten bereits in mehreren Anthologien, die die edition oberkassel herausgebracht hat und saß auch schon für Anthologie-Ausschreibungen des Verlages in der Jury. Ich habe ihn also gefragt, ob er an meinem Manuskript interessiert ist, es ihm geschickt und hatte keine vier Wochen später den Vertrag im Briefkasten.

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(C) Barbara Steuten

Wie ich weiß, besuchst du Schreibworkshops, um dich stetig zu verbessern. Welcher Schreibkurs hat dich besonders beeindruckt und warum?

Es sind sehr viele Kurse und Seminare, die alle ein Stück mein Schreiben beeinflusst haben. Ein ganz besonderer Kurs war das „Figurenensemble stellen“ mit Bestseller-Autorin Nina George. Diese tolle Schriftstellerin hautnah zu erleben war spannend. Die Arbeit mit ihr und den teilnehmenden Profi-Autoren (u. a. Jutta Profijt, Sabine Klewe und Martin Conrath) war für mich ein Glücksfall, der schließlich dazu führte, dass ich jetzt Krimis schreibe. Obwohl ich das nie wollte, weil es schon so viele tolle Krimi-AutorInnen gibt.

Bist du in Schriftstellerverbänden? Was bringt dir die Mitgliedschaft persönlich?

Ich bin im Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. – kurz BVjA und habe darüber u.a. meinen Verleger kennengelernt. Ich schätze am BVjA vor allem die hervorragende Lobbyarbeit, die der Vorstand mit viel Engagement leistet. Der Fairlag-Vertrag trägt seine Handschrift. Er bietet tolle Seminare zu bezahlbaren Konditionen und trumpft mit Ideen wie dem Speed-Dating zwischen Autor und Verlag auf der Leipziger Buchmesse. Mit anderen Mitgliedern kommt man schnell in Kontakt, lernt sich kennen und schätzen. Denn wer heute nicht netzwerkt, hängt durch.

Hast du immer daran geglaubt, dass du es schaffen wirst, deine Bücher zu veröffentlichen?

Als ich 2010 mit dem Schreiben von Kurzgeschichten angefangen habe, habe ich nicht einmal geglaubt, dass ich überhaupt ein ganzes Buch selbst schreiben könnte. Deshalb habe ich mir 2012 einen Coach gesucht, der mich bei der Konzept-Erstellung meines ersten Roman-Projekts unterstützte. Rainer Wekwerth hat dies mit viel Lob, Wohlwollen und Charme getan. Dabei hat er mir das nötige Rüstzeug an die Hand gegeben, mit dem nach zwölf Schreibaufgaben ein Romankonzept stand, bei dem ich wusste, was in jedem Kapitel vorkommen soll und mich so von einem Kapitel zum anderen hangeln konnte. Dieses Gerüst lässt sich auf jedes neue Projekt anwenden.

Doch mit der Veröffentlichung ist die Arbeit eines Schriftstellers noch lange nicht getan. Heute muss man sich selbst um Lesungen kümmern und Ideen entwickeln, wie man auf angenehme Weise auf sein Buch aufmerksam machen kann.

Welche Tipps kannst du Schreibenden, die einen Vollzeitjob und/oder Kinder haben, mit auf den Weg geben kannst?

  • Nimm dir Zeit für eine Kosten-Nutzen-Aufstellung. Was bist du bereit zu investieren (Zeit, Nerven und Geld), um Autor zu werden? Worauf wirst du unter keinen Umständen verzichten?
  • Wenn du erst Schreiben kannst, wenn das Haus perfekt aufgeräumt ist, wenn die Kinder mit selbstgemachter Vollwertkost versorgt und bei den Hausaufgaben unterstützt worden sind, wenn das Abendbüffet für die Doppelkopfrunde hausgemacht ist … dann schreibe lieber Postkarten an deine Freunde aus dem Urlaub.
  • Wenn du weißt, dass du das Schreiben brauchst, um deinen Alltag zu meistern oder deine Gedanken zu sortieren, wirst du größere Anstrengungen auf dich nehmen, um Zeit dafür zu finden. Schicke das schlechte Gewissen in die Wüste, dass deine Kinder Fast-Food essen und ein paar Tage auf ihr Lieblings-T-Shirt warten müssen, weil du schreibst. Mache dir bewusst, dass das dein (zweiter) Beruf ist. Nimm ihn ernst. Dann schaffst du es auch, dich an Tagen zum Schreiben zu motivieren, an denen du nichts Brauchbares aufs Papier zu bekommen scheinst.
  • Ich habe bereits viele getroffen, die vom eigenen Buch träumen, aber nicht die Disziplin aufbringen, ihr Projekt konsequent durchzuziehen. Als Autor musst du dich immer wieder selbst motivieren und antreiben. Dennoch bleibt es ein Spagat zwischen leben und arbeiten.

Barbara, ich danke dir für dieses ausführliche, wunderbare Interview!

coverkatik01Wollt ihr noch mehr von Barbara Steuten wissen? Besucht sie auf ihrer Homepage: www.barbara-steuten.de oder besorgt euch den Krimi „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“, der am 17. November im Handel erscheint.

Die QWERTZ ist da! Warum ich euch den BVjA empfehle

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Am Wochenende erhielt ich wieder eine kleine Lektüre, auf die ich mich immer besonders freue. Nicht nur, weil ich selbst dafür schreibe. 🙂 Nein, vor allem wegen der vielen interessanten Informationen für Autorinnen und Autoren. Ich spreche von der QWERTZ, dem Mitgliedermagazin des BVjA. Der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. verfolgt seit 1987 das Ziel, „Autoren jeden Alters durch Informationen und Kontakte den Weg ins Literaturgeschäft zu erleichtern„. Heute möchte ich euch eine Mitgliedschaft im BVjA ans Herz legen, da ihr dort als junge Autorinnen und Autoren wirklich tolle Chancen bekommt, euch zu etablieren.

Ich kenne den BVjA seit 2012. Ich wurde von einem ehemaligen Studienkollegen angesprochen, ob ich nicht ein Seminar für die Mitglieder organisieren könnte. Dieses fand im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt. Ich habe auf diesem Seminar, wunderbare Autorinnen und Autoren getroffen, mit denen ich teilweise heute noch Kontakt habe. Viele von Ihnen haben es, nicht zuletzt durch den BVjA, tatsächlich geschafft, von einem Verlag veröffentlicht zu werden. Sie haben ihre Chancen genutzt, die ihnen der Bundesverband bietet.

Zunächst aber zur Mitgliedszeitschrift, die viermal im Jahr erscheint:
In der QWERTZ gibt es immer etwas, das mich als Autorin ein Stück weiterbringt. Sei es ein spannendes Interview, der Verweis auf ein neues Buch (Mitgliederbücher werden kurz vorgestellt), eine Ausschreibung oder auch ein Erfahrungsbericht. In der aktuellen Ausgabe (02/16) gibt es beispielsweise den spannenden Bericht von Tatjana Flade über ihre Erfahrungen mit der Lovelybooks-Plattform. Jasmin Zipperling stellt im Rahmen eines Interviews den Verlag 3.0 vor und Brina Stein das Literaturprojekt „Clue Writing“. Sehr interessant ist auch die Rubrik „Recht und Wissen“, wo BVjA-Vorstandssprecher und Rechtsanwalt Tobias Kiwitt diesmal auf das Urheberrecht und das VG Wort-Urteil eingeht. Mein Artikel „7 Schritte, um sein Selbstbewusstsein als Autor zu steigern“ findet ihr ebenfalls in der aktuellen QWERTZ.

Ihr seht, dass bereits das Mitgliedermagazin voller spannender Infos ist. Aber der Bundesverband hat noch mehr zu bieten: Die Bandbreite an Hilfen, Informationen und Kontakten, die der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. für seine Mitglieder bereit hält, ist enorm.

Mit Hilfe des BVjA kann man als Autor/in Kontakte zur Verlagswelt knüpfen. So beispielsweise auf  dem traditionellen Hauptseminar zur Frankfurter Buchmesse, das die Mitglieder mit wichtigen Personen des Literaturgeschäfts zusammenbringt (das nächste Buchmessenseminar findet vom 20. bis 23. Oktober statt). Vorträge, Workshops und der Austausch der Autoren untereinander bieten eine tolle Gelegenheit, sich als Autor/in weiterzuentwickeln und sich zu vernetzen!

Bücher von Mitgliedern können nicht nur in der QWERTZ vorgestellt werden: der Verband ist auf Buch- oder Autorenmessen oft mit einem Stand vertreten, wo die Mitglieder ebenfalls ihre Bücher präsentieren können. Gemeinsame Lesungen, die beispielsweise im Rahmen der regionalen Autorenstammtische organisiert werden können, bieten eine weitere Möglichkeit, sich als Autor/in zu etablieren. Auf der Homepage findet ihr darüberhinaus ein Forum, in dem sich Autoren ebenfalls austauschen können.

Vor einiger Zeit habe ich Tatjana Flade interviewt, die Geschäftsführerin des Vereins ist und für die Mitgliederzeitschrift Qwertz verantwortlich ist. Darin spricht sie einige Punkte an, die für eine Mitgliedschaft im BVjA sprechen. Wichtig ist aber auch ihr letzter Punkt, was die Voraussetzungen für die Mitgliedschaft angeht; sie sagt:

 

„Und noch ein Punkt: Jeder kann im BVjA Mitglied werden. Wir schotten uns nicht ab, es gibt keine Eingangsvoraussetzungen wie eine Veröffentlichung. Diese Offenheit ist uns sehr wichtig. Das Alter spielt keine Rolle, auch wenn wir das Wort „jung“ im Namen tragen. Der kürzlich verstorbene Umberto Eco hat seine Karriere als Schriftsteller relativ spät begonnen und sagte, von daher sei er noch ein „junger“ Autor.“

Seid ihr bereits Mitglied im BVjA? Oder kanntet ihr den Autorenverband noch nicht und seid neugierig geworden?

Schaut euch doch mal auf der Webseite um: http://bvja-online.de!

 

Liebe Grüße, Denise

 

 

Gastartikel von Susanne Drothler: Parklücken im Milchschaum

Ein großer Traum von mir ist es, einmal in einem traditionellen, alten Wiener Kaffeehaus zu schreiben. Diese besondere Atmosphäre, die dort herrscht, hat mich schon als Kind erfasst, als ich mit meiner Familie ein solches Kaffeehaus in Wien besucht habe. Natürlich gibt es die Kaffeehauskultur auch in anderen europäischen Städten, auch in Deutschland, doch ich verbinde ein Kaffeehaus immer mit Wien.
Knarrzende Holzdielen, alte Schwarzweißfotografien, der Duft von frisch gemahlenem Kaffee. Alte Erinnerungen. Ich möchte stundenlang an einem nostaligischen Tisch sitzen, meinen Blick umherschweifen lassen, andere Menschen, vielleicht sogar Autoren beobachten, einen Latte Macchiato nach dem anderen trinken und schreiben und schreiben und schreiben. Besonders toll ist an einem Kaffeehaus ja, dass man sitzen darf. Man muss nicht aufspringen, sobald man ausgetrunken und aufgegessen hat. Sondern man darf sitzen und bleiben. Oh, was für eine schöne Vorstellung, oder?

Für viele Schriftsteller sind Kaffeehäuser das zweite Zuhause geworden. Es gibt sogar die Bezeichnung „Kaffeehausliteratur“ für die literarischen Werke, die überwiegend in einer solch gemütlichen Institution verfasst wurden. Es gibt viele Autorinnen und Autoren, die ihr tristes Zimmerlein gegen die heimeliggeschäftige Atmosphäre eines Kaffeehauses eingetauscht haben. Ich kann es verstehen. Aber dazu später vielleicht einmal mehr. 🙂

Eigentlich wollte ich ja den Gastbeitrag von Susanne Drothler einleiten. Susanne hat mir in einer Mail eher beiläufig erzählt, dass sie gern in Kaffeehäusern schreibt. Sie trifft sich dort „regelmäßig mit ein paar anderen Schreibbegeisterten in einen Café, wir tauschen dabei Gedanken und Erfahrungen aus, diskutieren Schreibstile und Genres, wir trinken Kaffee, beobachten und plaudern … und wir schreiben.“ Da habe ich natürlich gleich aufgehorcht und mal angefragt, ob sie für Schreibretreat einen kleinen Erfahrungstext schreiben würden. Und siehe da, sie hat es gemacht! Und darüber freue ich mich wirklich außerordentlich. Für mich, weil ich kurz in die Welt der Kaffeehäuser eintauchen kann, für euch, dass ich es mit euch teilen darf.
Susanne lebt im österreichischen Graz und schreibt ohne beruflichen Zweck, dafür mit viel Leidenschaft, „Leidenschaft an Sprache, an Worten, an geschriebenen Bildern.“

Wenn ihr mehr von Susanne Drothler lesen möchtet, schaut doch einmal auf ihrer Homepage vorbei! Oder folgt ihr bei twitter @SusanneDrothler

Nun geht es los, viel Spaß beim Lesen!

Parklücken im Milchschaum

Menschen und Gespräche im Kaffeehaus.

Menschen in Kaffeehäusern sind etwas ganz besonders Faszinierendes. Kaum jemand ist rein zufällig da. Alle suchen was zu finden. Ruhe, Zuflucht, Stärkung, Inspiration, Erholung, Energie …

Es gibt die Kommunikativen und die Schweigsamen. Die Zeitungsleser und die Netzsurfer. Die Großeltern und die Enkelkinder. Die Businessmenschen und die Tagträumer. Die Dichter und Denker.

Die faszinierendste Spezies im Kaffeehaus sind jedoch die geparkten Ehemänner. Ich nenne sie Ehemänner, auch wenn sie vielleicht formal nie diesen Schritt gesetzt haben. Auch ohne Formalität finden sie sich früher oder später in diesen Parklücken des Milchschaums wieder.

Und auch wenn es politisch völlig inkorrekt sein mag, so ist es doch immer wieder dieses bestimmte Szenario, das mich so besonders zu faszinieren vermag. Ein Mann, eine Frau und die Notwendigkeit etwas einzukaufen. Zumindest aus ihrer Sicht ist es notwendig. Aus seiner Sicht ist es etwas, dass nur durch eine James-Bond-taugliche Chakren-Folter übertroffen werden kann. Doch auch James Bond würde zustimmen, dass diese Qual durch ein gerüttelt Maß des Extraktes gerösteter Bohnen und mehr oder weniger qualitätsvoll bedrucktes Papier adäquat gemildert auf die Größe eines ganz kleinen Übelchens reduziert werden kann.

Ich bin immer hocherfreut, wenn ich Zeuge einer solchen Parkraumbewirtschaftung werden darf. Und manchmal ergeben sich da Kleinodien der koffeinhaltigen Beobachtungen.

Man stelle sich folgende Versuchsanordnung vor. Ein großes Einkaufszentrum während der Vorweihnachtszeit. Mittendrin eine Bäckerei mit zwei großen einladenden Tischen, wo man nebst frisch gebackenen Köstlichkeiten bei Cappuccino & Co innehalten und den Trubel an sich vorbeiziehen lassen kann.

Meine Aufmerksamkeit bleibt an einem Mann hängen, der hastend auf den Tisch zustrebt. Seine Brille fräst sich den Weg über meine Netzhaut in mein Gedächtnis. Es ist dieses Modell, das Michael Douglas in „Falling Down“ trug und das seither unmittelbar mit einer gewissen From der Manie untrennbar verbunden ist. Der Falling-Down-Mann setzt sich an den großen Tisch, fasst zielsicher nach einem Exemplar der »Kleinen Zeitung« und gibt seiner Frau Instruktionen, welche Art des Kaffees er zu sich nehmen möchte.

Während ich der Erinnerung an den Falling-Down-Mann nachhänge und nach den passenden Worten suche, um der Szene in allen Facetten gerecht zu werden, sehe ich mich um. Auch diese Erinnerungsfindung hat mich in ein Kaffeehaus geführt. Ein anderes Kaffeehaus. „Griesgasse. Kulturhauptstraße“ steht am Anfang der Gasse, gleich beim Südtiroler Platz. Es ist ein strahlend sonniger und dennoch klirrend kalter Nachmittag. Das Öffnen der Kaffeehaustür verströmt wohlige Wärme.

Das Café ist noch wenig gefüllt. Dunkle Holztische und kunterbunt zusammengewürfelte Stühle strahlen kreative Gemütlichkeit aus. Vor mir am Tisch steht ein orangefarbener Blumentopf mit Heidekraut. Orange und Lila, eine Farbexplosion.

Die Barhocker am großen Tisch in der Mitte gefallen mir besonders gut. Die würden doch auch gut an unsere Küchentheke passen. Der Falling-Down-Mann rückt immer weiter in den Hinterkopf. Am Tisch rechts beim Fenster sitzen zwei junge Frauen, die laut und angeregt reden, mehr gegeneinander als miteinander.

Die Tasse des dritten Espresso steht mittlerweile leer vor mir und unvermittelt vermeldet mir mein Magen, dass er an diesem Tag noch keine Beschäftigung hatte. Am Abend wollen wir uns Lasagne machen. Oder aber wir verschieben die Lasagne. Mir ist nach diesen köstlichen, französischen Sardinen mit Olivenöl, Zitrone, frisch gemahlenem, schwarzen Pfeffer und ordentlich Tabasco. Der Kaffeeduft wird kurzfristig durch den Gedanken an den Rotwein im Weinkeller verdrängt. Eine kräftige Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot gewinnt kurzfristig gegen den Espresso und auch gegen den Falling-Down-Mann.

Meine Gedanken kehren vom Weinkeller wieder ins Kaffeehaus zurück. Der Mann am Nebentisch versucht mit galaktischer Hilfe des Smartphones seine Gesprächspartnerin von seinen Ideen zu überzeugen. Eine junge Frau nähert sich zielstrebig und anstelle einer Begrüßung erklärt sie, dass sie Theodor nicht dazu überreden konnte mitzukommen. Theodor ist ihr Hund. An dieser Stelle bedauere ich es zutiefst, dass ich bis dato noch nicht gelernt habe, die nativ steirische Sprache angemessen zu Papier zu bringen, ohne dass ihr die akustischen Besonderheiten abhanden kommen. Ich bewundere maßlos, wie Steirer es schaffen, jeden Vokal in nahezu jedem Wort mehrfach unterzubringen, ohne an diesem alphabetischen Auffahrunfall zu ersticken. Wie dem auch sei, Hund Theodor hat verweigert und sein Frauchen ordert energisch einen Caffè Latte, „aber bitte schon laktosefrei“. Der galaktische Berater befummelt nervös sein Bier und man merkt ihm an, dass er krampfhaft überlegt, wie er das Gespräch wieder an sich reißen könnte. Sein Smartphone ist ihm dabei keine Hilfe. Während die Laktosefreie einen ebensolchen Caffè Latte serviert bekommt, entdeckt sie am Handgelenk der anderen Frau ein neues Tattoo. Voll der Bewunderung für das Kunstwerk fragt sie, was das denn genau darstellen würde. Die folgende Antwort schafft es, dass der Falling-Down-Mann für diesen Nachmittag endgültig Pause hat. Die Tattooverziehrte erklärt nämlich voller Stolz, dass es sich dabei um das Abbild eines künstlichen Hüftgelenkes aus den Sechzigerjahren handelt. Leider kann ich das Tattoo nicht sehen, aber alleine die Beschreibung reicht aus, um bei mir einen lachkrampfbegleiteten Erstickungsanfall hervorzurufen. Diese beinahe lebensbedrohliche Situation kann ich gerade noch durch Umklammerung meines Bleistiftes verbunden mit sinnloser Wortaneinanderreihung im Notizbuch abwenden.

Der Gedanke an die französischen Sardinen mit einer Überdosis Tabasco drängt sich wieder auf. Ich packe Bleistift und schwarzes Notizbuch in meine Tasche und beschließe dem Falling-Down-Mann in seiner Milchschaum-Parklücke sehr bald eine neue Chance zu geben. Künstliche Hüftgelenke in Tattooform werden wohl nicht jeden Tag in Kaffeehäusern herumschwirren.

Ich freue mich jetzt schon auf einen Parkplatz in der ersten Reihe.

Copyright Susanne Drothler

Autorin und BVjA-Geschäftsführerin Tatjana Flade im Interview

Tatjana Flade arbeitet als freie Sportjournalistin mit dem Schwerpunkt Eiskunstlauf und wohnt mit ihrer Katze in Bonn, wenn sie nicht bei Wettbewerben in aller Welt unterwegs ist. Tatjana engagiert sich außerdem seit vielen Jahren im Bundesverband junger Autoren und Autorinnen. Ihre ersten Geschichten über einen Indianer krakelte sie zum Entsetzen der Lehrerin mit rotem Kugelschreiber in die Schulhefte. Heute sind nicht mehr Indianer das Thema, sondern Krimi, Fantasy, Science-Fiction oder Sport. Unter dem Pseudonym Tatjana Mária hat sie im September 2015 den Fantasyroman „Im Zeitschatten von Mondthal“ veröffentlicht.

Tatjana, im April erscheint dein aktuelles Buch „Herz im Fadenkreuz“ im Verlag edition Oberkassel. Das Buch behandelt ein sehr aktuelles Thema: Rechtsradikalismus in Deutschland. Wie ist dir die Idee dazu gekommen?
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Die Idee für diese Geschichte kam mir vor vielen Jahren und ich habe vor ca. 15 Jahren begonnen, an diesem Projekt zu arbeiten. Die Geschichte war zunächst allerdings etwas anders und spielte auch mehr in der Zukunft, der Kern aber ist ähnlich.

Der Idee liegen die Verhältnisse in der Weimarer Republik zugrunde, als sich Rechte und Linke offen bekämpften. Ich habe Geschichte studiert und mich immer sehr für Geschichte interessiert. Viele Entwicklungen wiederholen sich  in ähnlicher Weise, leider, muss man sagen.

Als ich noch an dem Roman arbeitete, flog der NSU auf (das war 2011), und da hatte ich das Gefühl, dass die Wirklichkeit meiner Geschichte schon sehr nahe gekommen ist.

Du bist als Sportjournalistin viel unterwegs, unter anderem in Russland und China. Verarbeitest du Eindrücke aus diesen Ländern in deinen Geschichten?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe z. B. einen Fantasyroman geschrieben, der von Reisen nach China, Tibet und in die Mongolei beeinflusst wurde. Ich lasse mich gerne von Landschaften und Erlebnissen inspirieren, die ich dann verfremde.

Lys ist ein ungewöhnlicher Vorname. Wie bist du auf den Namen deines Protagonisten gekommen? Kannst du mir mehr über diese Figur erzählen?

Lys heißt eigentlich Lysander. 🙂 Auch hier kommt mein Interesse an Geschichte durch. Lysander hieß ein Feldherr der Spartaner, der im antiken Griechenland die Athener bekämpfte. Den Namen fand ich immer sehr schön und wollte ihn für eine besondere Figur verwenden. Er passt meiner Meinung nach perfekt, denn einerseits handelt es sich um einen Krieger, andererseits aber finde ich, dass dieser Name sanft und harmonisch klingt, das ist die andere Seite dieser Figur.

Wie bist du bei deiner Recherche vorgegangen?

Da ich mich mit Waffen nicht auskenne, habe ich einen Fachmann dazu befragt. Der ist Polizist und auch im BVjA.

Kannst du mir mehr über deinen Schreibprozess erzählen? Bist du ein Drauflosschreiber oder plottest du vorher?

Sagen wir, von beidem etwas. 🙂 Ich habe meistens die Eckpfeiler der Geschichte im Kopf: Anfang, Mitte, Ende. Beim Schreiben fülle ich aus, was dazwischen kommt, und natürlich ändert sich während des Schreibens auch mal etwas. Oft habe ich eine Idee oder eine Geschichte lange im Kopf, bevor ich mit dem Schreiben anfange. Bei einem neuen Projekt habe ich vorab ein Exposé für meine Geschichte geschrieben, quasi für mich selbst. Aber es haben sich bereits einige Abweichungen ergeben. Manche Figuren entwickeln ein Eigenleben ;-).

Kannst du noch etwas aus deinem Schreiballtag erzählen? Ich frage mich, woher du all die Energie nimmst, noch ein Buch zu schreiben, während du so viel unterwegs bist – und ja auch noch beruflich schreibst! Wann und wie regelmäßig schreibst du an deinen Romanen?

Ich habe in den vergangenen Jahren leider nicht sehr regelmäßig geschrieben, sondern immer nur mal so zwischendurch, meist abends, wenn ich mal zu Hause war. Ein Grund war der Fantasyroman, der mir sehr am Herzen lag und eigentlich schon lange fertig war, aber den ich irgendwann veröffentlichen wollte und immer wieder überarbeitet habe. Deswegen hatte keine Zeit, wirklich an anderen Projekten zu arbeiten.

Beim „Herz im Fadenkreuz“ hatte ich das Problem, dass ich immer schon überarbeitet habe, statt weiterzuschreiben. Das hat mir übrigens einer Deiner Artikel in der „Qwertz“ deutlich vor Augen geführt, so dass ich das nun vermeiden will.

Äußere Faktoren kamen dazu,  z. B. war das Projekt eine Zeitlang bei einer Literaturagentur, was super anfing, aber dann verließ die Frau, die sich um mein Buch kümmerte, die Agentur, und es ging nicht mehr weiter. Deshalb hatte ich keine rechte Motivation weiterzuschreiben. Erst als die Agentur und ich den Vertrag einvernehmlich auflösten, war ich wieder „frei“ und habe endlich das Buch zu Ende gebracht.

Kennst du aus eigener Erfahrung Schreibblockaden? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Zum Glück kenne ich die eigentlich nicht. Da ich immer viele Ideen und Geschichten im Kopf habe (was auch ein Nachteil sein kann, weil man sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren kann), kann ich an einer anderen Geschichte weiterschreiben, wenn es bei einer mal haken sollte.

Wie lange hat es von der ersten Idee bis zur Manuskriptannahme durch den Verlag gedauert?

In diesem Fall ca. 15 Jahre. Aber nachdem ich das Manuskript fertiggestellt hatte, hat es bis zur Vertragsunterzeichnung nur ein halbes Jahr gedauert und die edition Oberkassel war der erste Verlag, dem ich das Manuskript angeboten hatte (wenn man die Agentur nicht mitzählt, die hatte es wohl auch Verlagen angeboten, allerdings wollten sie ins Segment Jugendbuch gehen, und das war meiner Meinung nach nicht richtig und hat auch nicht funktioniert).  Aber es kann auch viel schneller gehen, bei der Eislauf-Biographie ist von der Idee (Ende 2013) bis zur Umsetzung inklusive Recherche (Frühjahr 2014 bis Herbst 2015) und Vertragsunterzeichnung bei einer Agentur (Juli 2015) viel weniger Zeit vergangen. Im Dezember 2015 kam dann die Zusage des Verlags, den ich allerdings selbst angesprochen hatte.

Was war dein größter Lerneffekt während des Schreibens? Gibt es etwas, was du heute im Nachhinein anders machen würdest?

Ja, wie oben erwähnt, darf ich nicht zu perfektionistisch sein und mit der Überarbeitung beginnen, bevor ich nicht das Buch zu Ende geschrieben habe.

Tanja, du engagierst dich auch sehr für den Bundesverband junger Autoren und Autorinnen. Du bist sogar Gründungsmitglied, soweit ich mich erinnere, oder? Was genau machst du?

Ich bin in der Tat seit Anfang an im BVjA dabei, in verschiedenen Funktionen. Aktuell bin ich Geschäftsführerin des Vereins und für die Mitgliederzeitschrift Qwertz verantwortlich. Als Geschäftsführerin verwalte ich die Finanzen des Vereins (Mitgliedsbeiträge einziehen, Rechnungen bezahlen, Steuererklärung machen etc) und bin in den meisten Fällen für die Mitgliederbetreuung zuständig (Begrüßungs- und Infosendungen verschicken, Anfragen beantworten, Rundsendungen verschicken). Als Chefredakteurin der Qwertz sammele ich das Material ein, redigiere es, schreibe auch selbst Beiträge, spreche mich mit der Layouterin ab.

Kannst du den Leserinnen und Lesern, die den BVjA nicht kennen, ein paar Punkte nennen, weshalb sich eine Mitgliedschaft für junge Autoren lohnt?

Ich halte es für sehr wichtig, dass sich Autoren vernetzen. Jeder kann von jedem lernen. Dieser Austausch ist es, der uns weiterbringt und das finde ich im BVjA. Im BVjA fand ich Freunde, Testleser, Leute, die ich etwas fragen kann. Wir haben ganz unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichem Wissen und Qualifikationen im Verein. Ein unverbindliches Internetforum, in dem man nicht mal den echten Namen von vielen Leuten kennt, ist meiner Meinung nach da nicht gleichwertig. Wer weiß, wer das ist und was er mit meinen Informationen macht.

Der BVjA bietet auch viele Möglichkeiten, Kontakte außerhalb des Vereins zu knüpfen. Es kommt aber auch immer darauf an, was man aus seiner Mitgliedschaft macht. Ich habe durch den BVjA viel gelernt und viele Möglichkeiten entdeckt.

Und noch ein Punkt: Jeder kann im BVjA Mitglied werden. Wir schotten uns nicht ab, es gibt keine Eingangsvoraussetzungen wie eine Veröffentlichung. Diese Offenheit ist uns sehr wichtig. Das Alter spielt keine Rolle, auch wenn wir das Wort „jung“ im Namen tragen. Der kürzlich verstorbene Umberto Eco hat seine Karriere als Schriftsteller relativ spät begonnen und sagte, von daher sei er noch ein „junger“ Autor.

Was ist dein nächstes Projekt?

Aktuell steht die Veröffentlichung der Eislauf-Biographie über die Karriere der fünffachen Paarlaufweltmeister Aljona Savchenko/Robin Szolkowy bevor. Hier geht es gerade ums Layout und die Beschriftung der Photos.

Mein nächstes Projekt habe ich schon begonnen – es ist ein Roman, der in der Welt des Eiskunstlaufs spielt. Marjana, eine erfolgreiche deutsche Paarläuferin, verliebt sich ausgerechnet in den größten Konkurrenten, einen Paarläufer aus Russland. 🙂 Und es wird eine Fortsetzung von „Herz im Fadenkreuz“ geben, damit beginne ich, sobald die Biographie durch ist. Und diesmal wird es nicht 15 Jahre dauern. 😉

Die Biographie war bestimmt ein ganz spannendes Projekt!

Ja, die Biographie hat mir viel Spaß gemacht. Es war eine Mischung aus  journalistischer Arbeit (die Interviews und Recherche) und „literarischem“ Schreiben, weil es ja auch „schön“ geschrieben sein sollte, nicht zu „journalistisch“.

Tatjana, vielen vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg weiterhin!

Vielen Dank, dass ich mich bei Dir vorstellen durfte.

Möchtet ihr mehr über Tatjana erfahren? Schaut hier mal nach!

Website: www.tatjanaflade.de
Blog: Die Katze Lucinda (Themen Reisen, Schreiben u.a.): www.tatjana218.wordpress.com
Facebook: Tatjana Flade
Twitter: @Tatjana21

Herz im Fadenkreuz könnt ihr bereits als E-Book erhalten, als Printbuch kommt es am 18. April heraus!

Lesung „Herz im Fadenkreuz“
Wann: Sonntag, 17. April 2016, 14.30 Uhr
Wo: Café Voyager, Rheingasse 7, Bonn, Tel. 0228 85097316
Eintritt frei!

Und hier könnt ihr mehr über den BVjA, den Bundesverband junger Autoren und Autorinnen, erfahren!