Nachtrag Seminar „Schreib dich frei“: Schreibt jeder für sich – oder nicht?

Heute hat mich eine E-Mail mit einer wichtigen Frage zu meinem E-Mail-Seminar „Schreib dich frei“ erreicht. Es geht darum, ob die Texte, die in den 6 Wochen geschrieben werden, für alle Teilnehmer sichtbar sind und kommentiert werden oder nicht.

Meine Antwort:

Tatsächlich ist es so, dass jeder für sich selbst schreibt. Es geht in dem Kurs darum, durch die täglichen Übungen in einen eigenen Schreibrhythmus zu finden, inspiriert zu werden, sich schreibend auszuprobieren. Dabei werdet ihr ganz sicher eurem inneren Kritiker begegnen – und einen Weg finden, euch gegen ihn zu behaupten. Das reicht dann aber auch. Positive oder negative Kritik von Seiten der Teilnehmer oder von mir bleibt deshalb außen vor. Wenn alle Teilnehmer einverstanden sind, können wir gern am Ende des Kurses einen Austausch machen.

Wenn ihr noch Fragen habt, meldet euch bitte!

Liebe Grüße,

Denise

Den inneren Kritiker bezwingen

Schreibblockaden entstehen oft, wenn der Autor beim Schreiben der Rohfassung permanent durch die übermäßige Missbilligung und Anfeindung seines inneren Kritikers behindert wird. Der innere Kritiker ist ein unangenehmer Zeitgenosse. Er macht sich durch kritische Gedanken in unserem Kopf bemerkbar: „Wie kann man nur so einen Blödsinn schreiben?“ „Lass es besser sein; aus dir wird ohnehin kein Schriftsteller!“  Kennen Sie auch diese aufdringlichen Gedanken beim Schreiben? Unser innerer Kritiker vermittelt uns immer wieder, dass wir beispielsweise nicht gut genug sind, kein Talent zum Schreiben hätten oder dass wir uns nicht ausreichend anstrengen.

Der Antrieb des inneren Kritikers ist unsere Angst

Angetrieben wird unser innerer Kritiker durch unsere Angst. Unsere Angst vor der Reaktion der Leser, unsere Angst, etwas Sinnloses zu schreiben, unsere Angst, das Buch nie zu Ende zu schreiben … Die aufdringliche Stimme stichelt uns also nicht wahllos: unser Kritiker weiß genau, wo unsere Schwachpunkte sind – und genau dort schreitet er zur Tat. Er überschüttet uns gnadenlos mit negativen Gedanken.
Überkritische Gedanken nehmen vielen Schreibenden den Mut, ihre Story, wirklich aufzuschreiben oder zu beenden. Das Handeln wird blockiert, der Schreibende wird unzufrieden und kommt nicht voran.

Methode: Der Dialog mit dem inneren Kritiker

Der innere Kritiker kann jedoch gezähmt werden! Dazu müssen wir uns bewusst machen, welche kritischen Gedanken uns tatsächlich belasten und immer wieder auftauchen. Die Methode „Dialog mit dem inneren Kritiker“ ist eine sinnvolle Maßnahme, um sich zukünftig vor dem negativen Gedankenstrom zu schützen. Imaginieren Sie Ihren inneren Kritiker und treten Sie mit ihm schreibend in einen Dialog: nehmen Sie ihn als Gesprächspartner war, stellen Sie ihm Fragen und lassen Sie ihn antworten. Das dialogische Schreiben hilft dabei, Problemzusammenhänge zu erkennen und wahrzunehmen.

Treten Sie mit Ihrem inneren Kritiker in einen Dialog, in dem Sie beispielsweise mit der Frage „Wovor habe ich Angst?“ beginnen. Oder probieren Sie es mit dem direkten Einstieg: „Lieber Kritiker, ich möchte, dass du mich in Ruhe lässt – ich will endlich schreiben!“ Fragen Sie ihn, warum er Sie ständig kritisiert, was er damit bezweckt. Bitten Sie ihn, Ihnen zukünftig mit positiv formulierten Aussagen zu helfen. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen in den Sinn kommt, und lassen Sie den Dialog einfach fließen. Mit den Erkenntnissen aus den Antworten Ihres inneren Kritikers, arbeiten Sie anschließend weiter. Sie können die Aussagen umwandeln und Ihren Nutzen daraus ziehen oder Sie nehmen die Aussagen einfach an und greifen sie später auf.

Umwandlung der negativen Gedanken

Es gibt Studien, die zeigen, dass positive Gedanken das Handeln erleichtern, während negative Gedanken Erfolge behindern. Um Erfolg im Schreiben zu haben, sollten die negativen Gedanken Ihres inneren Kritikers also verbannt werden. Eine mögliche Methode ist die Umwandlung der negativen in positive Gedanken: Wie Sie Ihre negativen Gedanken abstellen, können Sie hier nachlesen.

Weitere Methoden, wie Sie Ihrem inneren Kritiker begegnen können, lernen Sie in einem individuellen Schreibcoaching. Ich zeigen Ihnen, wie Ihr innerer Kritiker zu Ihrem Helfer und Freund wird, anstatt Sie zu blockieren.

Denken Sie daran: Um zukünftig negative Handlungsmuster zu vermeiden, ist es wichtig, dass Sie in die Offensive gehen und sich nicht blockieren lassen. Verbünden Sie sich mit Ihrem inneren Kritiker!

Nutzen Sie die Kraft der Affirmationen, um als Schriftsteller Erfolg zu haben

So manchen (angehenden) Schriftsteller plagt der innere Kritiker. Während des Schreibens meldet dieser sich häufig mit wenig ermunternden Bewertungen über den Schreibstil, über die Schreibfähigkeit etc. zu Wort, zum Beispiel auf diese Weise: „Ich kann nicht schreiben.“, „Ich werde nie ein erfolgreicher Schriftsteller sein.“ „Das hört sich doch alles lächerlich an.“, „Ich schreibe so langweilig – wer will das lesen?“

Verinnerlichte negative Gedanken blockieren und verunsichern den Schreibenden. Sie sind vielleicht gar nicht wahr, doch der Schreibende glaubt zunehmend daran. Die Verunsicherung führt dazu, dass der Schreibende seine Projekte aufgibt, bevor er richtig angefangen hat. Ein erfolgreicher Autor wird aus diesem Schreibenden nicht.

Negative Gedanken überwinden

Um die negativen Gedanken zu überwinden und den Kreislauf zu unterbrechen, ist es notwendig, sich über die Einstellung, die einen behindert, bewusst zu werden. Nach der Bewusstwerdung wird das Negative durch eine positive innere Haltung ersetzt. Dazu wird die Autosuggestion angewendet. Bei der Autosuggestion suggeriert man eine positive Botschaft in Form von Affirmationen an sich selbst. Affirmationen sind positive Leitsätze, die dabei helfen können, das eigene Verhalten zu ändern und seine Ziele zu erreichen. Die Idee dahinter ist, dass das Unterbewusstsein gereinigt wird und durch ein bewusstes Gegensteuern in eine positive Denkrichtung gelenkt wird. Mit einer positiven Einstellung rückt der Erfolg näher.

„Positive Gedanken ziehen positive Gedanken an; negatives Denken verstrickt unweigerlich in die Negation des eigenen Daseins.“ (Prentice Mulford)

Wie finde ich meine persönliche Affirmation?

Aus den negativen Aussagen des inneren Kritikers lassen sich hervorragend persönliche Affirmationen entwickeln. Formulieren Sie einfach die negativste Botschaft über sich als Schreibende/r  in einen positiven Glaubenssatz um:

Aus „Ich kann nicht schreiben.“ wird „Ich schreibe von Tag zu Tag besser.“
      
Aus „Meine Texte klingen so öde.“ wird „Ich schreibe kreative Texte.“



Eine weitere Möglichkeit, einen persönlichen Glaubenssatz zu entwickeln, ist, das Ziel, das erreicht werden soll, zu definieren und daraus anschließend eine positive Botschaft zu entwerfen. Fragen Sie sich: „Was ist mein Ziel? Was will ich erreichen?“

Beispiel: „Mein Ziel ist es, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen.“
Eine mögliche Affirmation ist: „Ich habe das Talent und die Ausdauer, um ein Buch zu schreiben.“



Regeln für die Formulierung Ihrer persönlichen Affirmation

  • Positive Formulierung – Verneinungen wie „Ich bin nicht mehr …“, sind tabu, ebenso negativ besetzte Wörter: Wenn Sie Wörter wie „Angst“ (z. B. „Ich habe keine Angst mehr vor …“) in ihrem positiven Glaubenssatz verwenden, bleibt in Ihrem Unterbewusstsein ausschließlich das Wort Angst hängen. Eine positive Wirkung stellt sich dadurch nicht ein.
  • Kurz und prägnant Formulieren Sie Ihre Affirmation kurz und prägnant, damit Sie sie sich gut einprägen und problemlos wiederholen können. Mehr als zwei Sätze sollte Ihre Affirmation deshalb auf keinen Fall beinhalten.
  • Verwenden Sie ausschließlich die 1. Person: „Ich …“
  • Verfassen Sie Ihre positive Botschaft im Präsens. Statt „Ich werde nächstes Jahr …“ schreiben Sie also „Ich bin …“.
  • Damit Ihre Affirmation wirkt, sollten Sie sie über einen längeren Zeitraum hinweg täglich aufsagen/aufschreiben.

Steigern Sie die Wirkung Ihrer Affirmation

Um die Wirkung Ihrer Affirmation zu steigern, empfiehlt der Begründer der Autosuggestion, Émile Coué, die positive Botschaft etwa 20 x vor dem Schlafengehen sowie nach dem Aufwachen halblaut auszusprechen. Oder verinnerlichen Sie Ihre Affirmation, indem Sie sie vor und nach Ihrem Schreibprozess aussprechen bzw. aufschreiben.

Da sich Ihre selbst gewählte Formel bei regelmäßiger Anwendung in Ihrem Unterbewussten verankern wird, wird sich Ihr Schreibverhalten langfristig verbessern.

Tipp: Schreiben Sie Ihre persönliche positive Botschaft mit einem Lackstift auf einen Stein und stellen Sie ihn an einem Ort auf, den Sie mehrmals täglich aufsuchen. Dadurch bleibt Ihre Affirmation ständig präsent.

Quellen:
Long, Aljoscha; Schweppe, Ronald (2012): Das Coué Praxisbuch. Kindle Edition
Cameron, Julia (2009): Der Weg des Künstlers.  Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität. München: Knaur.
Wikipedia: Émile Coué