Autoreninterview mit Ralf Gebhardt, Autor von „Ich schenke dir den Tod“

 

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(c) Sören Bley

Ralf, schön, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Dein Debütroman „Ich schenke dir den Tod“ ist erst vor wenigen Tagen erschienen. Worum geht es in deinem Krimi? Kannst du ihn in max. fünf Sätzen zusammenfassen?

Mein Kriminalhauptkommissar Störmer jagt einen Psychopaten und Serientäter. Dabei stellt er den Zusammenhang zwischen Leichenfunden und aktuellen Entführungen während eines Klassentreffens auf einem Jungendherbergsschloss her. An diesem Fall droht er zu zerbrechen, denn als ein Freund von ihm grausam ermordet und der Fall damit höchstpersönlich wird, gerät er selbst in tödliche Gefahr.

Du hast dich für Halle (Sachsen-Anhalt) als Schauplatz deines Krimis entschieden. Welche Besonderheiten bietet die Stadt bzw. das Umland für dich als Krimi-Autor?

Ein großer Teil der Handlung findet auch auf Schloss Mansfeld (heute Jugendherberge und Seminarhotel) und im umliegenden Mansfelder Land statt. Dort bin ich aufgewachsen und kenne sozusagen Land und Leute. Heute arbeite ich in Halle und wohne gleich nebenan. Das ist meine Heimat, und diese besondere Regionalität der Menschen und der Gegend ist mir wichtig.

Cover

Richard Störmer ermittelt in „Ich schenke dir den Tod“. Kannst du ihn näher beschreiben? Was ist er für ein Typ?

Störmer ist eckig, manchmal vielleicht schroff, ein Einzelgänger, verletzlich (was er nie zugeben würde), will eigentlich seine Ruhe haben, hasst Fremdbestimmung und hat sich zu wenig um seine Tochter gekümmert. Er ist ein bodenständiger Polizist mit Herzblut und plötzlich frisch verliebt … Ach ja, und er mag Cola mit Kirschgeschmack … ☺

Nun möchte ich noch etwas mehr über dich als Autor erfahren. Seit wann schreibst du etwa?

Als Schüler ging es los, mit Kurzgeschichten. Damals habe ich natürlich niemandem verraten, wie sehr ich die Aufsätze in Deutsch gemocht habe. Lesen und Schreiben waren von da an auch wichtige Freizeitbeschäftigungen für mich.

Wie hast du dir das Schreiben beigebracht? Hast du Kurse besucht?

Zu Beginn habe ich einfach drauflosgeschrieben, später dann unendliche Regalmeter Schreibratgeber und Fachzeitschriften gelesen. Für jeden Autor ist es meiner Meinung nach wichtig, auch im realen Leben vernetzt zu sein, Mitglied einer Schreibgruppe zu sein, vielleicht einer Interessengemeinschaft oder einem Verein anzugehören, Hauptsache, man kann sich austauschen. Online und Offline. Ein Netzwerk aus Schreibfreunden ist großartig. Zurück zur Frage: Ich habe auch ca. 2 Jahre im Rahmen eines Fernstudiums die Romanwerkstatt an der Schule des Schreibens besucht. Hierbei habe ich am meisten über das Schreibhandwerk gelernt.

Wie viel Zeit bleibt dir neben deinem Beruf für das Schreiben? Wie oft schreibst du? Wie sieht dein Zeitplan für das Schreiben aus?

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, im Schnitt sind es wohl 30 Minuten bis eine Stunde am Tag. Ich versuche, jeden Tag zu schreiben, und sei es nur, Ideen im Notizbuch festzuhalten. Klar, man muss auf etwas anderes verzichten, das fiel mir aber z. B. beim Fernsehprogramm nicht schwer. Schön ist es, dass ich ein Zimmer habe, wo ich auch mal die Tür schließen und ungestört schreiben kann.

Je öfter man regelmäßig schreibt, je eher weiß man, dass man immer schreiben kann, dass es „die Inspiration“ etc., auf die man warten muss, so nicht gibt. Ich bin übrigens Fan vom Plotten geworden. Bevor es losgeht, gibt’s den detaillierten Plan, schon grob in Kapitel aufgeteilt. Daran kann ich mich festhalten, ich weiß, wie es ausgeht, kann egal wann und wo immer zu meinem Plan zurückkommen.

Kannst du überall schreiben oder brauchst du eine spezielle Umgebung, um zu schreiben?

Prinzipiell überall, ich brauche nur etwas Ruhe und meinem PC. Am liebsten schreibe ich im Arbeitszimmer. Wichtig ist, sich wohlfühlen und einen Rückzugsort zu haben, wo man auch mal Notizen rumliegen oder an eine Wäscheleine hängen kann. Was ich noch nicht probiert habe, ist, in einem Café zu schreiben. Vielleicht wäre das einen Versuch wert.

Hast du mentale Unterstützung während des Schreibens? Von wem?

Ich kann mich auf mein Netzwerk verlassen, meine Schreibfreunde und Kollegen. Im richtigen Leben, wie es so schön heißt, treffen wir uns meist auf Messen oder Seminaren. Online ist das aber auch möglich, über Foren und Gruppen usw. Es ist wirklich toll, sich gegenseitig zu unterstützen. Die Freunde haben während des Schreibens oft mehr an mich geglaubt, als ich selbst. Dafür empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit.

Planst du oder schreibst du deine Romane einfach drauflos?

Ich plane. Am Anfang ist die Idee. Alles, was mir einfällt, wird erst mal in Stichpunkten zusammengetragen. Gut dabei ist, dass auch in Momenten, in denen ich nicht schreibe, das Unterbewusstsein weiterarbeitet. Irgendwann versuche ich, eine Einteilung in Anfang, Mitte und Schluss zu finden. Ich muss das Ende immer kennen. Dann kann ich nachdenken über Dinge, die ich noch recherchieren muss, über Wendepunkte, falsche Spuren … Aber alles passt dann eben ins Ganze.

Welche Vorteile hat das Planen für dich?

Es gibt mir Sicherheit. Egal wann, ich kann zu jeder Zeit zurückkommen, mich festhalten, weitermachen. Vielleicht ist es ein wenig, als würde man nach Hause kommen. Früher habe ich übrigens einfach drauflos geschrieben, wollte gucken, wie sich was entwickelt. Aber irgendwann kam dann der Klassiker, hoffnungslos verhungert, verstrickt und verloren rund um Seite 100 … Mit dem Plot, dem Plan, sieht es anders aus, da weiß ich, dass ich mein Ziel erreiche. Das heißt nicht, dass man den nicht ändern kann, im Gegenteil, wenn es klare und gut überlegte Gründe gibt, dann auf jeden Fall. Ich könnte jetzt sagen: Der Plot ist für mich nicht heilig, aber nahe dran … ☺

Setzt du dir Schreibziele? Welcher Art?

Mein Plan ist es, in einem Jahr die Rohfassung des Manuskriptes fertig zu haben. Dieses Jahressoll, also die geplanten Kapitel, versuche ich mir in Monatsscheiben zu zerlegen. Dann rechne ist die geschafften Kapitel in Prozent um, damit ich weiß, wo ich stehe. Betriebswirtschaftler eben …

Setzt du dir Schreibtermine oder schreibst du zwischendurch?

Meist abends, wie gesagt, wenn nicht gerade ein Krimi kommt, geht’s auch ohne Fernseher. Während der Schreibzeit verzichte ich auf Mails oder Facebook etc. Meistens gelingt das auch. Offene Fragen notiere ich altmodisch erst mal auf einem Zettel, das schützt vor Ablenkungen, um nicht in den Weiten des Internets zu versinken. Schön ist es, wenn ich ab und zu ein paar Stunden am Stück am Wochenende schreiben kann, da schaffe ich dann deutlich mehr. Wichtig ist, die Familie und die Freunde nicht zu vergessen.

Hast du Rituale oder Herangehensweisen, die dir dabei helfen, regelmäßig zu schreiben?

Der Plot hängt an der Magnettafel, geschaffte Kapitel werden durchgestrichen und die erledigte Prozentzahl daneben geschrieben. Eine Lieblingstasse für den Tee schadet nicht (bei mir ist es eine vom „Tatort“, die ich mal auf der Buchmesse in Frankfurt gekauft habe). Ebenso wichtig ist es, immer ein Notizbuch in Reichweite zu haben. Alle Unterlagen, die ich brauche, will ich erreichen können, ohne vom Schreibtisch aufzustehen.

 

Wie gehst du bei der Entwicklung deiner Figuren vor? Hast du eine bestimmte Vorgehensweise?

Ich habe meist zuerst ein Bild bzw. das Gesicht eines realen Menschen vor mir. Dann suche ich nach Namen. Die Hauptfiguren bekommen ein eigens Figurenblatt (selbst zusammengestellt aus gelesenen Büchern oder besuchten Kursen, man findet auch welche im Internet). Nicht alles, was ich über die Figur weiß, kommt auch später im Buch vor. Um mal kurz zu übertreiben: Die schlanke Schwarzhaarige mit den grünen Augen soll auch auf Seite 200 nicht anders aussehen. Nebenfiguren schreibe ich in eine Liste, wenn sie dann im Manuskript beschrieben werden, schreibe ich die besondere Eigenschaft dort als Stichpunkt einfach dazu, um das später noch zu wissen. Diese wenigen Blätter liegen dann in einer einfachen Mappe neben dem Laptop.

Wie lief die Verlagssuche zu „Ich schenke dir den Tod“? 

Ich wusste zwei Dinge von Anfang an: Es wird schwer und ich gebe nicht auf. An Exposé, Anschreiben und Leseprobe habe ich gründlich gefeilt, dann zuerst Agenturen angeschrieben. Dann wieder die nächsten Agenturen… Das heutige „Nein“ ist wohl die Nichtantwort geworden. Wer auf die Suche geht, darf das alles auf keinen Fall persönlich nehmen. Man braucht mehr Geduld, als man denkt und hat. Anschließend habe ich mich an einige Verlage gewandt. Ich habe mir die ausgesucht, bei denen das Programm passt und mir die Bücher gefallen. Wichtig ist, vorher auf den Internetseiten der Agenturen bzw. Verlage nach den Anforderungen zu schauen und sich exakt daran zu halten. Ich war mir sicher, dass der erste Verlag, der das Gesamtmanuskript anfordert und dann einen Vertrag schickt, der Richtige ist. Und so war es dann auch. Die gesamte Suche habe ich übrigens  immer mit dem Versuch des emotionalen Abstandes in einer Tabelle festgehalten. Wenn ich heute glücklich auf diese Tabelle schaue, bin ich froh, dass ich es mir noch schlimmer vorgestellt habe.

Hast du immer daran geglaubt, dass du es schaffen wirst, deine Bücher zu veröffentlichen?

Ja. Und wenn ich zwischendrin nicht dran geglaubt habe, dann haben das meine Schreibfreunde für mich getan.

Bist du in irgendwelchen Schriftstellerverbänden, zum Beispiel beim BVjA?

Ja, im BVjA, dem Bundesverband junger Autorinnen und Autoren und neu im SYNDIKAT, der deutschsprachigen Kriminalschriftstellervereinigung.

Hat dir deine Mitgliedschaft in diesem Verband messbare Vorteile als Autor gebracht?

Eine gute Frage, denn ich könnte keinen Nachteil nennen. Die Vorteile liegen z. B. in den persönlichen Kontakten, Seminaren, Publikationen, Messebesuchen, Freundschaften … Hier habe ich neben dem Fachlichen viele Gleichgesinnte gefunden. Mit meinem Debüt bin ich dann vor kurzem Mitglied im SYNDIKAT geworden, dessen Mitglieder ja alle Krimis mögen und schreiben …

Was sind deine nächsten Projekte?

Störmer wird wieder ermitteln. Er und ich kennen übrigens schon den fertigen Plot … ☺

Gibt es einen Tipp, den du Schreibenden mit Vollzeitjob mitgeben möchtest?

Auf die Gefahr hin, dass ich eine alte Weisheit zitiere: Man wird nur Autor, wenn man regelmäßig schreibt und den 24 Stunden des Tages persönliche Schreibminuten entführt. Es geht nicht in der Theorie, man muss es tun. Dazu gehört selbstverständlich auch Fachbücher lesen, Seminare und Kurse besuchen, Gleichgesinnte finden und ernsthaft loslegen. Für die Erfüllung des Traumes kann man auf anderes verzichten, wenn man wirklich will.

Sind Lesungen geplant?

Ja, zunächst in meiner direkten Heimat. Es gibt auch schon die ersten Termine.

Wo können dich die Leser im Netz finden?

Auf meiner Seite, auf Youtube mit dem Trailer, auf Facebook und vielleicht auch bald auf Instagram. Für Letzteres müsste ich aber auf ein paar Schreibminuten verzichten ☺

https://www.ralf-gebhardt.de/

https://youtu.be/xsUIU0x05zo

https://www.facebook.com/RalfGebhardtAutor

Ganz herzlichen Dank für das Interview und Dir alles Gute für Deine Projekte sowie immer ganz viel Kraft und Kreativität!

„Blut gegen Blut“-Autor Benjamin Spang im Interview

© by Mark Lissmann

© by Mark Lissmann

Benjamin Spang wurde 1984 in Dudweiler/Saar geboren. Nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter arbeitete er kurze Zeit in der Videospielbranche in Köln sowie Saarbrücken. Neben seinem Hauptberuf setzte er stets eigene, kreative Projekte um, und entdeckte 2011 das Schreiben für sich. Nach mehreren Kurzgeschichtenbänden begann er 2013 mit der Arbeit an seinem Debütroman „Blut gegen Blut“, der im Januar 2016 erschien.

 

 

 

 

 

 

Im heutigen Autoreninterview darf ich euch Benjamin Spang vorstellen. Er hat im Januar seinen Debütroman herausgebracht und erzählt euch nun etwas über die Entstehung seiner Fantasywelt. Viel Spaß beim Lesen!

Benjamin, im Januar hast du dein E-Book „Blut gegen Blut“ veröffentlicht. Herzlichen Glückwunsch! Kannst du dein Gefühl beschreiben, als dein Buch endlich gekauft werden konnte?
Danke! Ich war glaube ich zu müde, um diesen erhabenen Moment wirklich genießen zu können, da ich die Post an meine Crowdfunding-Unterstützer fertiggestellt habe, was nicht gerade wenig war. Ich war und bin aber natürlich überglücklich, das Buch endlich an meine Leser geben zu können.

Wie lange hast du an „Blut gegen Blut“ gearbeitet?
Ungefähr drei Jahre. Im April 2013 habe ich im „Camp NaNoWriMo“ die Erstfassung geschrieben und diese dann kontinuierlich verbessert. Dann kam die Arbeit an der Crowdfundingkampagne und ein Jahr später, also jetzt, die Veröffentlichung.

Deine Geschichten spielen in einer dunklen, düsteren Welt, in der die Figuren ums Überleben kämpfen. Woher nimmst du deine Inspirationen?
Von überall her. Man möchte jetzt meinen, dass ich nur düstere Fantasy lese oder düstere Filme gucke, und daher meine Inspriation nehme, aber dem ist nicht so. Ich konsumiere schon viel in die Richtung, aber Inspiration kann von überall herkommen. Aus Musikvideos, aus anderen Büchern, aus einfachen Überlegungen. Letztens hatte ich durch den Hashtag #verdrehtemärchen auf Twitter die Storyidee, dass eine Prinzessin ihren Prinzen retten muss, der im Koma liegt. Mit Gegenwart-Setting bzw. alles recht düster und mit Schusswaffen, in Richtung „Kill Bill“. Sowas reicht eigentlich schon als Funke, der dann die eigentliche Arbeit an einer Story in Gang bringt.

Wie hast du deine Fantasywelt Nuun erschaffen? Hast du sie dir aufgezeichnet?
Auch, aber nicht nur. Die Arbeit an der Fantasywelt geschah schon im Jahre 2004. Da habe ich sie entworfen als Setting für ein Computerspiel, das ich zusammen mit anderen entwickeln wollte. Aus dem Spiel wurde leider nichts, aber meine Welt und die Charaktere blieben.
Damals hatte ich viele gute Zeichner im Team, die maßgeblich am Entstehen der Welt durch ihre Zeichnungen beigetragen haben. Ich selbst habe viel geschrieben, mir Dinge überlegt wie die Währung der drei Völker (Menschen, Vampire, Werwölfe) oder deren Kultur, deren Städte usw. Es macht unheimlich viel Spaß eine eigene Welt zu erfinden, aber es ist auch jede Menge Arbeit.

Wie gehst du beim Schreiben einer Geschichte vor? Planst du oder schreibst du einfach drauf los?
Ich bin ein extremer Planer. Bei mir muss alles festgelegt sein, bevor ich mit dem eigentlichen Schreiben beginne: Was passiert wann und warum? Wie endet die Geschichte? Ich muss das einfach wissen, um eine gute Geschichte schreiben zu können. Letztendlich ist eine gute Geschichte ein gut erdachtes Konstrukt, das bestimmten Regeln folgt.

Wie viele Stunden schreibst du täglich oder pro Woche? Hast du feste Schreibzeiten?
Am liebsten schreibe ich früh morgens um 5 Uhr, wenn alles ruhig ist. Zwei Stunden später muss ich dann auch schon los zu meinem Brotjob. Aber dann habe ich das gute Gewissen, bereits das Wichtigste des Tages erledigt zu haben.
Dieses frühe Aufstehen zum Schreiben ist aber Formabhängig. Oft schreibe ich auch nach der Arbeit, was mir aber wesentlich schwerer fällt, weil schon 8 Stunden Computerarbeit hinter mir liegen.
Täglich schreibe ich mindestens eine Stunde. In der Woche mindestens 8 Stunden. Wenn es gut läuft schaffe ich auch schon mal 30+ Schreibstunden.

Und wie beginnst du eine Schreibphase?
Ich setze mich hin und schreibe, ganz einfach. Oder ich plane die Handlung, schreibe Charakterisierungen, etc.
Ich habe kein Ritual, falls du das damit meinst. Ich setze mich hin und ziehe das durch, was getan werden muss.

Was treibt dich überhaupt an, zu schreiben?
Der innere Drang, andere Menschen gut zu unterhalten. Der innere Drang, tolle Dinge zu erschaffen, die mein Dasein auf der Erde überdauern werden. Der innere Drang, irgendwann vom Schreiben leben zu können.

Was hast du beim Schreiben von „Blut gegen Blut“ über dich selbst als Autor gelernt?Ich sollte aufpassen, wann ich Ausrufezeichen am Ende von Dialogen benutze. Meistens macht das keinen Sinn :).
Ansonsten wurde mir sehr stark bewusst, wie viel von einem selbst in die Geschichte einfließt, die man schreibt. Nach einer längeren Pause vor einer Überarbeitung ist mir aufgefallen, wie viel von meinem Leben in dieser Geschichte steckt. Das hat mich sehr verblüfft, um ehrlich zu sein. Damit hätte ich nie gerechnet.

Was ist dein nächstes Projekt?
Mehrere neue Romane stehen an. Die Arbeiten daran habe ich schon begonnen.

Benjamin, vielen Dank für das inspirierende Interview und weiterhin viel Erfolg beim Schreiben! 

Hier erfahrt ihr mehr über Benjamin Spang, schaut doch mal vorbei!

Website:
www.dowppelmondsaga.de

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https://www.facebook.com/benjaminspang.autor

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http://instagram.com/benjaminspang

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Michael Schäfer: Der „Stadt der Geister“-Autor im Interview (2/2)

IMG_20160119_172140-1Wie versprochen, folgt heute der zweite Teil des Interviews mit Michael Schäfer. Ihr erfahrt darin, wie er zum Schreiben gekommen ist und wie sein Schreiballtag aussieht. Ich wünsche euch viel Spaß! (Hier geht es noch einmal zum ersten Teil …)

Nun würde ich gern noch etwas über dich als Autor erfahren. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Viel Fantasie hatte ich schon immer, das drückte sich zuerst in Schulaufsätzen auf, die sehr fantasievoll waren, aber meist am Thema vorbeigingen. Ab und an habe ich dann Kurzgeschichten geschrieben, ganz früh sogar noch auf einer Schreibmaschine, die Älteren werden sich an diese Geräte erinnern, dann auf meinem ersten PC mit Windows 3.1., den ich mir vom ersten Lehrlingsgehalt kaufte.

Ich habe aber selten etwas zu Ende gebracht, da ich oft nur Ideen für eine Szene hatte, und keine Ausdauer. Dann gingen viele Jahre ins Land, durch Beruf und Familie verlagerten sich die Interessen, ich las sehr viel und schrieb gar nicht mehr. Dann las ich ich vor ein paar Jahren den Roman ,Kriegsklingen‘ von Joe Abercrombie. Er hatte einen ganz neuen Stil, eine harte, schmutzige Art, Fantasy zu schreiben. Das löste irgendwas in mir aus, jedenfalls bekam ich plötzlich eine Idee zu einer Geschichte. Ich schrieb einige Kapitel, mit einem sarkastischem Helden wie Abercrombie, aber diesmal wollte ich mich nicht damit zufriedengeben, es nur anzufangen und wieder wegzulegen.
Die Geschichte arbeitete in meinem Kopf und ich dachte: Vielleicht fehlt mir nur das nötige Handwerk, um richtig zu schreiben. Daher buchte aus Zeitgründen einen Onlinekurs bei der Akademie für modernes Schreiben. Der lief drei Monate und war sehr nützlich: Ich lerne erste Techniken für die Planung, wie z. B. das Clustern, oder was ein Spannungsbogen ist. Dazwischen nahm mein Romanprojekt, das nun ,Lothus´ Weg‘ heißt, immer mehr Gestalt an.
Ich las einige Schreibratgeber und buchte dann im September 2012 ein Seminar für kreatives Schreiben. Es fand in der Eiffel in einem alten Kloster statt und dort „zwang“ man mich, ein Exposé für mein Projekt zu schreiben. Plötzlich hatte ich eine Geschichte mit Anfang und Ende, dazu bekam ich dort positives Feedback zu meinen bereits fertigen Kapiteln. Das alles motivierte mich, endlich einen wirklichen Roman zu schreiben – und es schaffen zu können! Inzwischen änderte ich nach einer Lesung mit dem Autor Klaus-Peter Wolf auch meine Schreibtechnik. Er schreibt seine Krimis mit Füller in Collegeblöcke. Das probierte ich aus und merkte, das liegt mir.
Auf der Buchmesse 2014 lernte ich das Lyx-Storyboard des Egmont-Verlages kennen, dort kann man seine Texte auf eine Plattform stellen und von anderen Lesern/Autoren beurteilen lassen. Ich hatte inzwischen gut dreihundert Seiten, stellte die ersten Kapitel dort online und wartete ab, was passierte. Bald bekam ich erste Anmerkungen über Schreibfehler – aber auch Reaktionen der Begeisterung. Die Leute dort mochten meinen Text und ich schrieb weiter. So motiviert versuchte ich nebenbei auch andere Geschichten zu schreiben und dort einzustellen – und bekam ebenfalls sehr konstruktive Kritik. Inzwischen ist ,Lothus´ Weg‘ ziemlich angewachsen und wird bei ca. 800 Seiten beendet werden – in diesem oder im nächsten Jahr.

Kannst du dich noch an deine erste Veröffentlichung erinnern?

Oh ja, ich probierte vor zwei Jahren verschiedene Selfpublisher-Plattformen aus, u. a. Bookrix. Um zu testen, wie man dort veröffentlicht, nahm ich eine alte Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte von mir und schickte diese in die Welt. Sie ist harmlos und nichts Besonderes, aber ausversehen haben sie sogar ein paar Leute gekauft.

Was motiviert dich zum Schreiben?

Ich möchte einfach Geschichten erzählen, und zwar so viele wie möglich. Und sie nicht mehr für mich behalten, sondern veröffentlichen. Ich versuche zu lernen und besser zu werden, um noch besser schreiben zu können. Befreundete Autoren sagen zu mir, ich hätte einen besonderen Stil, und normalerweise glaube ich sowas nicht. Aber wenn dem so ist, will ich das nutzen, um die Dinge zu schreiben, die ich selber gerne lesen möchte. Da ich mich für sehr vieles interessiere (ich bin wohl eine Scanner-Persönlichkeit), habe ich Ideen für Science-Fiction, Dark Fantasy, Historische Fantasy, Jugend- und Kinderbücher, Frauenunterhaltung und Krimis in der Schublade. Ich möchte jedes Genre einmal ausprobieren und herausfinden, ob ich es kann, dort eine gute Story abzuliefern. In Fantasy bin ich bereits dabei, mit meinem historischen Krimi habe ich es schon geschafft. Aber inzwischen lasse ich keine Idee mehr ungenutzt – ich habe in früheren Jahren schon zu viele verschwendet.

Wie schreibst du? Kannst du etwas aus deinem Schreiballtag erzählen? Schreibst du drauf los oder planst du?

Planen – argh. Ich bin auf keinem Fall ein Plotter. Wenn ich eine Geschichte anfange, dann habe ich immer Anfang und Ende im Kopf. Dazwischen gibt es einen Roten Faden, mit Wegepunkten, die erreicht werden müssen. Alles andere kommt einfach. Ich denke dabei szenisch, ich stelle mir Szenen vor – die müssen nicht in der Reihenfolge sein, wie sie später in der Geschichte auftauchen – schreibe sie in mein Projekt-Notizbuch und später dann per Hand in das eigentliche Buch. Meist nutze ich A5-Ringblöcke mit achtzig Blatt und neunzig Gramm Papier. Nur kleine Kurzgeschichten tippe ich direkt in den PC oder das Handy über Word Mobil. Ich habe schon mal den Fehler gemacht, etwas ganz genau zu planen – ich hatte plötzlich keine Lust mehr, die Geschichte zu schreiben, denn für mich war sie damit bereits erzählt! Ich brauche den roten Faden und das Ende, das Ziel der Geschichte, dieses zu erreichen motiviert mich.
Aber ein wenig Organisation gibt es schon. Für ,Lothus´ Weg‘ habe ich z. B. eine Pinnwand benutzt, um mir die einzelnen Stationen der Geschichte zu visualisieren, außerdem habe ich mir Landkarten gezeichnet, um zu wissen, wo ich mit den Figuren bin. Allerdings ist es bei Fantasy eh etwas komplexer, da man hier neue Welten erfinden, bei Stadt der Geister habe ich so etwas nicht gemacht, die Welt dort ist überschaubarer. Bei Schreibblockaden schreibe ich oft mit etwas anderem weiter, oder fange etwas ganz Neues an, in einem anderen Gerne, das bringt mich auf andere Gedanken und bald wieder auf die Geschichte zurück, bei der es nicht weitergehen wollte. Aber das sind alles Dinge, die man nach und nach lernt. Man lernt sich selbst als Autor besser kennen, schließlich fällt man, entgegen landläufiger Annahme, nicht als fertiger Schriftsteller vom Himmel.

Wie viel Zeit nimmst du dir zum Schreiben?

Dazu muss ich sagen, das reine Schreiben und die Zeit, die man Drumherum als Schreibzeit braucht, etwas Unterschiedliches sind. Ich versuche jeden Tag mindestens eine Stunde intensiv zu schreiben oder abzutippen. Die restliche Zeit, die man als Autor braucht, geht meist für anderes drauf. Die wenigsten Autoren, die ich kenne, setzen sich einfach hin und schreiben sofort. Man braucht immer eine gewisse Rüstzeit, um in die Geschichte reinzukommen, um die richtigen Szenen abzurufen, die passende Stimmung zu finden. Dazu muss man oft viel recherchieren oder man hat Fragen zur Grammatik oder Rechtschreibung und tauscht sich mit anderen Autoren aus. Wenn man sich abends hinsetzt und hat vier Stunden Zeit, gehen davon oft drei nur für anderes drauf. Das ist auch ein Grund für mich gewesen, mobil von unterwegs zu schreiben, um wenigstens Tipparbeit oder Korrekturzeit einzusparen. Manchmal sitzt man auch einfach nur rum – und arbeitet, was Angehörige oft irritiert, die denken „der macht doch gar nix“! Aber man überlegt und ruft die Szenen ab, die wie ein Film vor dem inneren Auge ablaufen. Diese dann genau zu beschreiben, ist dann der eigentliche Schreibprozess.

Was ist dein nächstes Projekt?

Ich schreibe zurzeit am nächsten Band der Reihe „Ein Fall für Gregory Low“, außerdem einer Dark-Fantasy-Geschichte mit Dämonen und einer Rockband und einem humorvollen Hexen-Krimi mit mehreren Teilen. Und natürlich wartet mein erster Fantasy-Roman noch auf Vollendung.

Michael, ich danke dir für deine Zeit und für das tolle Interview! Viel Erfolg weiterhin beim Schreiben!

Gewinnt ein E-Book von „Stadt der Geister“! Bis zum 28. Februar 2016 könnt ihr noch mitmachen. Hier geht es zum Gewinnspiel!

Lesung: Wenn ihr Michael persönlich kennenlernen wollt, habt ihr am 17. April 2016 die Gelegenheit dazu. Im Café Voyager in Bonn liest er aus „Stadt der Geister“. Mit dabei ist auch die Autorin Tatjana Flade, die aus ihrem Thriller „Herz im Fadenkreuz“ liest. Der Eintritt ist frei! www.voyager-bonn.de

Mehr über Michael Schäfer erfahrt ihr hier:

Webseite: http://michaelschaeferasb.wix.com/schreibtischtaeter
Link zum Buch: http://midnight.ullstein.de/ebook/stadt-der-geister/
facebook: https://www.facebook.com/Schreibtischtaeter-1568225070095412/
twitter: @MichaelSchfer71
Pinterest: https://de.pinterest.com/michaels1699/die-gregory-low-serie/

Michael Schäfer: Der „Stadt der Geister“-Autor im Interview (1/2)

IMG_20160119_172140-1Michael Schäfer wurde in Troisdorf bei Bonn geboren und lebt zur Zeit in Sankt Augustin. Nach Jobs im KFZ-Handel, Umzugsunternehmen und der Unterhaltungselektronik arbeitet er heute im Vertrieb eines Fliesenherstellers. Schon als Kind konnte er tagelang in die Welt der Bücher abtauchen. Ein Seminar für kreatives Schreiben gab 2012 den Anstoß, seinen Traum zu verwirklichen und Autor zu werden. Bisher sind mehrere Kurzgeschichten von ihm erschienen, vor kurzem auch sein Debütroman.

 

 

Ich freue mich, euch heute den ersten Teil des Autoreninterviews mit Michael Schäfer vorstellen zu dürfen. Meine Interviews, die ich mit Autorinnen und Autoren führe, haben immer das Ziel, einen Einblick in deren persönliches Vorgehen zu bekommen. Ich finde es selbst unheimlich inspirierend, wie andere beim Schreiben vorgehen und wie sie es geschafft haben, ihr Buch auf den Markt zu bringen. Michael hat sich extra viel Zeit genommen, um meine Fragen zu beantworten. Das Interview besteht aus zwei Teilen. Im heutigen ersten Teil erfahrt ihr, wie sein Debütroman entstanden ist. Ich wünsche euch viel Spaß! Lasst euch inspirieren!

Zunächst möchte ich dir zu deiner neuen Buchveröffentlichung gratulieren! „Stadt der Geister. Ein Fall für Gregory Low“ ist am 12. Februar bei Midnight/Ullstein erschienen. Wie fühlst du dich, jetzt, nachdem es endlich auf dem Markt ist?

Vielen Dank! Ich bin erstmal erleichtert. Selbst mit einem Verlag im Rücken ist es nicht ganz einfach, ein Buch herauszubringen. Es gibt Termine, die einzuhalten sind, man muss sich mit dem Lektorat absprechen, es müssen Entscheidungen über das Cover oder den Titel getroffen werden… das alles kostet Zeit und Nerven.
Vor allem wenn man es in seiner Freizeit regeln muss, da ich ja kein Vollzeit-Autor bin und einen normalen Beruf habe. Die Zusammenarbeit mit Ullstein ist aber ausgesprochen gut und konstruktiv. Nach dem Korrektorat wurde es ruhiger und ich konnte mich um erste Werbemaßnahmen kümmern, diese sind jetzt größtenteils abgeschlossen. Jetzt dominiert die Erleichterung, das mein Buch endlich erschienen ist und langsam kommt die Angst hoch, die jeder Autor kennt: Wird mein Buch gefallen? Wie kommt es beim Leser an? Wird man mich in der Luft zerreißen? Aber ich denke, das ist normal (hoffe ich).

Ja, diese Angst kennt sicherlich jeder Autor. Deine Romanfigur Gregory Low ist ein Privatdetektiv im Los Angeles der 1940er Jahre. Wer hat dich zu dieser Figur inspiriert?

Die kurze Fassung ist, ich wurde auf eine Anthologie-Ausschreibung des Art-Skript-Verlages aufmerksam, der Kurzgeschichten suchte, in denen Fantasy, Film Noir und Krimi miteinander kombiniert werden. Das inspirierte mich zu einem klassischen Film-Noir-Detektiv, der mit Geistern zu tun haben sollte. Eine Art Sam Spade oder Philip Marlowe wie in den alten Filmen aus den 40er/50er Jahren, kombiniert mit modernen Fantasy- und Mystery-Elementen, wie man sie aus TV-Serien wie Supernatural, Grimm oder den Büchern von Jim Butcher kennt.
Leider wurde meine Kurzgeschichte nicht angenommen, die Beschränkung auf 20 Seiten tat dem Ganzen eben auch nicht gut, daher fing ich an, eine zweite, längere Geschichte zu schreiben, mit mehr Platz und Gelegenheit, die Welt des Gregory Lows anschaulich zu schildern. Daraus wurde dann ,Stadt der Geister‘.
Zu der langen Version gehört noch, das ich schon immer den klassischen Krimi mochte, von A. C. Doyle oder A. Christie. Vor allem Geschichten, wo der Fall eigentlich nicht so wichtig ist, sondern die Personen und das Setting, der Ort und die Atmosphäre.

Kannst du meinen Lesern erzählen, wie du bei der Recherche vorgegangen bist? Wie hast du dich in dieser längst vergangenen Zeit zurechtgefunden?

Bei einem Roman, der in der Vergangenheit spielt und dazu in einem anderen Land, muss man natürlich einiges recherchieren, wenn man halbwegs realistisch sein will. Obwohl ich eine alternative Vergangenheit gewählt habe, um die Welt von Gregory Low zu schildern, wollte ich es trotzdem so echt wie möglich machen. Als erstes habe ich zwei alte Romane von Raymond Chandler und Dashiel Hammet gelesen, um mich an die Zeit damals heranzutasten. Wie hat man damals geredet? Welche Redewendungen waren modern, was hat man gegessen oder getrunken, wie ging man miteinander rum? Außerdem durchforstete ich hunderte von Fotos, um Gebäude, Straßen und Geschäfte kennen zu lernen. Pinterest war eine große Hilfe, ich habe dazu auch eine Galerie angelegt, mit passenden Bildern zum Roman. Auch der Energieversorger L. A. Water and Power und die L. A. Pulic Library waren sehr hilfreich, dank frei zugänglicher Bildarchive. Ich fand dort auch alte Stadtkarten, Adressverzeichnisse und Speisekarten, Werbeplakate und Zeitungsmeldungen. Seitdem liebe ich auch Art Déco.
Ich habe versucht, soviel wie möglich davon in meinem Buch einzubauen, um es echt wirken zu lassen. Alle Straßen und öffentliche Gebäude, die ich erwähne, gibt es wirklich. Auch die Cafés und Lokale, gab es oder gibt es heute noch. Vielleicht schreibe ich irgendwann einen historischen Reiseführer…

Wow, das war eine Menge Arbeit! Wie lange hat es von der Planung bis zur Versenden des Manuskripts an Midnight/Ullstein gedauert, bist du „Stadt der Geister“ abschließen konntest?

Das ist eine gute Frage. Denn es gibt zwei Schritte bei der Entstehung dieses Buches. Die erste Version brauchte vom ersten Satz bis zur letzten Korrektur sechs Monate. Ich schreibe nach Feierabend oder unterwegs, daher hat es recht lange gedauert. Dann schickte ich mein Manuskript ein, damit begann Schritt zwei: Nachdem der Verlag mein Manuskript annahm, brauchte ich nochmal rund sechs Wochen, denn meiner Lektorin war das Buch zu kurz! Meine Aufgabe bestand dann bis Weihnachten 2015, das Ganze noch um ein Drittel zu verlängern. Das war gar nicht mal so einfach, da das Buch ja eigentlich abgeschlossen war, dann neue Protagonisten und Kapitel in eine bestehende Handlung einzufügen, ohne alles zu zerstören, war eine echte Herausforderung. Aber es ging dann doch schneller, als gedacht, so dass ich noch vor dem Abgabetermin am 21.12. fertig wurde.

Du hast mir mal erzählt, dass du dein Manuskript teilweise auf dem Handy geschrieben hast. Für mich ist das immer noch unvorstellbar, aber es funktioniert ganz offensichtlich wunderbar. Du kannst also immer und überall schreiben? Wo hast du geschrieben?

Eigentlich kann ich überall schreiben, habe ich festgestellt. Da ich nur in meiner Freizeit schreiben kann, nutze ich jede Gelegenheit, die sich bietet. Ich schreibe erstmal sehr altmodisch mit Füller in Notizbücher. Das ist für mich kreativer. Aber dadurch entsteht das Problem: Wer tippt das alles in ein Schreibprogramm? Da außer mir niemand meine Schrift lesen kann, habe ich zuerst versucht, meine Notizen zu Hause am PC abzutippen. Das dauerte mir aber zu lange. Ich fahre jeden Tag 2 Stunden mit der Bahn zur Arbeit, diese Zeit bot sich an, sie für das Schreiben und Tippen zu nutzen. Aber immer ein Laptop herumschleppen wollte ich auch nicht. Daher fand ich für mich eine Lösung: Ich nutze mein Smartphone mit 5“ Bildschirm und eine kompakte Bluetooth-Tastatur. Das Handy hat man eh ständig dabei, dank mobiler Apps wie Google Docs und Word Mobil kann ich meinen Text unterwegs in eine Cloud übertragen und zu Hause weiterbearbeiten. Das einzige was ich tragen muss, ist eine Tastatur mit ein paar Hundert Gramm, deren Akku einen Monat reicht und mein Smartphone. Damit schreibe ich in der Bahn, im Café oder Restaurant, im Stehen, im Sitzen, überall. Sogar im Gehen, dann aber tippe ich direkt über den Display ein. So schaffe ich das Doppelte an Schreibzeit.

Geniale Lösung, um die Zeit produktiv zu nutzen. Aber wie gelingt es dir, die Umweltreize auszublenden?

Das geht sehr gut, momentan sitze ich direkt neben einem Presslufthammer, der grade ein Stück Straße zerlegt. Nein, natürlich nicht, Scherz beiseite. Normalerweise gelingt mir das ausblenden sehr gut. Ich tippe in der vollen Bahn oder im Café oder Restaurant. Nur wenn pausenlos jemand redet, dann nervt mich das, weil es meine innere Stimme übertönt. Zu Hause habe ich gerne Musik oder absolute Ruhe, je nach Stimmung. Darum schreibe ich auch gerne nachts, weil alles etwas ruhiger ist.

Was war dein größter Lerneffekt während des Schreibens? Gibt es etwas, was du heute im Nachhinein anders machen würdest?

Gelernt habe ich viel über Stil. Dieses Buch ist auch einer personalen Perspektive geschrieben, die ich normalerweise nicht mag. Heute ist es ja modern, den Leser in eine Person quasi hineinzuschießen, ihn direkt alle Gedanken, Sorgen und Hoffnungen miterleben zu lassen – was mir persönlich nicht gefällt. Mir gefiel aber der Stil in klassischen Krimi, wie z. B. bei Raymond Chandler, der zwar auch diese Ich-Perspektive verwendet, aber in einer eher distanzierten Form. Der Detektiv verrät selten etwas von sich, erzählt im Grunde nur noch, kommentiert, gibt zynische Statements, aber er offenbart kaum wahre Gefühle oder Gedanken. So ist der Leser zwar am Helden dran, aber so dicht, dass er den ganzen Raum einnimmt. Das mir diese Art zu schreiben auch liegt, war überraschend für mich. Das nächste Buch würde ich auch von Anfang an länger gestalten. Und es hat mir großen Spaß gemacht, kleine Anspielungen einzubauen, z. B. haben befreundete Autoren kleine Nebenrollen bekommen, das werde ich auch weiter beibehalten.

Morgen geht es mit dem zweiten Teil und einem tollen Gewinnspiel weiter! Hier könnt ihr bereits mehr über Michael erfahren:

Webseite: http://michaelschaeferasb.wix.com/schreibtischtaeter
Link zum Buch: http://midnight.ullstein.de/ebook/stadt-der-geister/
facebook: https://www.facebook.com/Schreibtischtaeter-1568225070095412/
twitter: @MichaelSchfer71
Pinterest: https://de.pinterest.com/michaels1699/die-gregory-low-serie/

 

Interview mit dem Autor Martin Halotta, Teil 1

Martin Halotta © Thomas Stelzmann

Martin Halotta © Thomas Stelzmann

Martin Halotta wurde in Polen geboren, tingelte schon früh durch die Welt, lebte dann in Deutschland, bis er eine Zeit lang nach China ging, wo er ein ganz anderes Leben führte als jetzt. Und aus all diesen Aspekten und Erfahrungen möchte er Romane kreieren. Nun lebt er in Düsseldorf und engagiert sich unter anderem als stellvertretender Vorstandssprecher im Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. (BVjA). Derzeit arbeitet er an seinem Debütroman.

Martin, worum geht es in deinem Debütroman?

Die Geschichte spielt in Schanghai, wo ich einige Zeit gelebt habe. Es geht um einen westlichen Abenteurer, der in die Stadt kommt, um dort sein Glück zu finden und über ungewöhnliche Wege zu einer Berühmtheit wird.

Bisher hast du vor allem Kurzprosa veröffentlicht. Was ist deine Lieblingsgeschichte? Worum geht es?

Ich weiß gar nicht, ob ich sagen kann, dass eine meiner Geschichten meine Lieblingsgeschichte ist. Ich mag sie alle und freue mich über jede, die es zu einer Veröffentlichung geschafft hat.

Was inspiriert dich zu deinen Geschichten?

Das kann vieles sein. Von der Beobachtung einer alltäglichen Situation, über einen Artikel, den ich irgendwo lese, bis hin zu einem Geräusch, das ich zufällig höre. Also vermutlich das, was viele Leute zu etwas inspiriert. Allerdings ist es dann so, dass mir ein Satz zu diesem Eindruck einfällt, der sich in meinen Gedanken festbeißt. Dies kann der Titel der Geschichte sein oder ein Satz, der von einer Figur gesprochen wird, oder auch nur ein Leitsatz, unter dem die Geschichte steht. Dieser Satz bleibt dann während des ganzen Schreibprozesses und treibt mich an.

Wie gehst du beim Schreiben einer Geschichte vor? Planst du oder schreibst du einfach drauflos?

Ich bin der planerische Schreiber. Einfach drauflos schreiben könnte ich nicht, da mich dies sonst wo hinbringen würde. Eine Orientierung für das, was ich schreiben möchte, ist für mich sehr wichtig. Dabei folge ich aber keiner starren Struktur, keinem vorgegebenen Plan oder einer Checkliste. Ich überlege mir im Vorfeld, wie die Szenen, Dialoge oder der Handlungsverlauf aussehen können, spiele alles im Kopf durch, stelle vielleicht sogar manches szenisch nach und folge dann dieser Vorstellung. Abweichungen inbegriffen.

Wie schaffst du es, das Schreiben mit deinem Vollzeitjob vereinbaren?

Vermutlich so wie jeder, der neben dem Brotberuf schreibt: zu selten, so wie man es eigentlich will.

Wie viele Stunden schreibst du täglich bzw. in der Woche?

Ich versuche schon, täglich mindestens zwei Stunden zu schreiben. Unter der Woche meistens erst ab 21 Uhr bis Mitternacht oder später. Da ist die Ablenkung am geringsten und die Belastung des Tages schon von einem abgefallen. Dabei kommt es mir sehr entgegen, dass ich zu den Menschen gehöre, die sehr wenig Schlaf brauchen.

Wie beginnst du deine Schreibphase?

Ehrlich gesagt habe ich gar kein Ritual für den direkten Beginn. Meistens lese ich mir das durch, was ich zuletzt geschrieben habe und schreibe dann weiter. Wenn man aber etwas weiter vor den Beginn der eigentlichen Schreibphase geht, dann gehe ich joggen, um mich der Geschichte zu nähern. Während des Laufens, das quasi automatisch läuft, weil ich immer die gleiche Strecke laufe, denke ich viel über meine aktuelle Geschichte nach und versuche Handlungsstränge weiter zu entwickeln.

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews!

Interview mit der Autorin Carina Bartsch, Teil 2

Welche drei Schreibtipps kannst du unerfahrenen Autoren mit auf den Weg geben?

  1. Schreiben, schreiben, schreiben – lesen, lesen, lesen! Schreiben ist ein Handwerk, das man lernen muss. Talent ist die wichtigste Voraussetzung, der Rest ist harte Arbeit. Kein Meister ist vom Himmel gefallen, man braucht viel Geduld mit sich selbst und stets die Bereitschaft, sich verbessern zu wollen.
  2. Ruhen lassen! Mir hat die Erfahrung gezeigt, dass es sehr wichtig ist, eine fertige Geschichte mehrere Wochen ruhen zu lassen. Solange man keinen Abstand zu der Geschichte hat, ist man in dem „wie will ich es umsetzen“-Modus, kennt jeden Satz in- und auswendig und leidet unter Betriebsblindheit. Um herauszufinden, wie die Geschichte aber tatsächlich wirkt, muss man neutraler werden, und das schafft man dadurch, in dem man sich eine Weile gedanklich von dem Geschriebenen distanziert. Am besten macht man etwas komplett anderes in dieser Zeit. Je mehr Abstand, desto besser.
  3. Natürlich ist es wichtig, sich über das Schreiben zu informieren, Ratgeber zu lesen, Workshops zu besuchen, Schreibgruppen beizutreten und sich mit dem Thema Literatur auseinanderzusetzen. Ich habe jedoch für mich herausgefunden, dass man sich sehr schnell in diesen Dingen verrennen kann. Man will es schließlich „richtig“ machen, alle Regeln und Richtlinien beachten und ein guter Autor sein. Je mehr man sich aber auf die Theorie des Schreibens versteift, desto weniger bleibt im Schreibstil am Ende von einem selbst, von der eigenen Person übrig. Kreativität muss fließen, die kann man nicht in Ketten sperren. Deswegen würde ich jedem angehenden Autor raten, eine Mischung aus „wie sollte man es machen“ und „wie will ich es eigentlich machen“ zu finden. Vergesst euch selbst nicht beim Schreiben, das wäre mein wichtigster Tipp. Bücher brauchen eine Seele, und die kann ihm nur der Autor geben.

Fast 900 amazon-Rezensionen bei „Kirschroter Sommer“, über 700 bei „Türkisgrüner Winter“! Herzlichen Glückwunsch! Das ist wahnsinnig viel! Verrätst du uns ein wenig von deiner offenbar sehr erfolgreichen Marketingstrategie? 😉

Ja, das ist tatsächlich wahnsinnig viel, mich zumindest erschlagen diese Zahlen. Kirschroter Sommer hat inzwischen sogar die 1000er Marke überschritten.
Eine richtige Strategie, oder zumindest das, was man unter einer richtigen Strategie versteht, hatte ich nie. Schreiben ist meine Leidenschaft, mir war es nicht möglich, eiskalt durchkalkuliert und berechnend an die Sache heranzugehen. Ich habe Marketing weniger strategisch, als vielmehr intuitiv und ehrlich betrieben.
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder Weg nur einmal funktioniert. Ich habe mich weniger auf das „wie machen es die anderen“ konzentriert, sondern stattdessen versucht, meinen eigenen Weg zu finden. Das ist auch genau das, was ich jedem empfehlen kann. Bleibt euch selbst treu und zieht euer eigenes Ding durch.

Du bist nicht nur Autorin, sondern auch Verlegerin. Wie kam es dazu?

Mir wird inzwischen ein bisschen die J. K. Rowling Geschichte angedichtet. Wir waren beide zuvor nicht unbedingt das, was man erfolgreich nennt, haben uns auf brotlose Kunst konzentriert und ein Manuskript geschrieben, das kein Verlag haben wollte. Bei der Frau Rowling hat es mit dem Verlag doch noch irgendwann geklappt, bei mir zogen sich die Absagen resolut bis zum Ende durch. Ich habe damals sehr lange überlegt, was ich tun soll. Ganz tief in meinem Herzen habe ich irgendwo immer an Kirschroter Sommer und Türkisgrüner Winter geglaubt, auch wenn die Verlage etwas anderes sagten. Mir stellte sich die Frage, ob ein Buch bei einem Verlag zu veröffentlichen überhaupt meine Welt wäre, auf mich wirkte es so, als ginge es kein bisschen um die Leidenschaft beim Schreiben, sondern lediglich um „Namen“ oder „Kontakte“. Ich setzte mich mit der Idee auseinander, meinen eigenen Verlag zu gründen. Die Vorstellung, alles selbst zu machen, die absolute Freiheit zu haben, und aktiv an meinem Lebenstraum zu arbeiten, gefiel mir mehr und mehr. Nur der Mut fehlte mir noch ein bisschen. Letztendlich habe ich mich aber überwunden, begann im Bereich Verlagswesen zu recherchieren, setzte mich mit dieser neuen Welt auseinander, arbeitete mich autodidaktisch ein und gründete schließlich 2011 den Schandtaten Verlag. Mir ging es darum, dass Menschen meine Bücher lesen, und dieses Ziel war so viel schneller erreicht, als ich gedacht hätte. Dass 2012, ein Jahr nach der Veröffentlichung, so ein großer Erfolg eintritt, hätte ich mir nicht mal in den naivsten Träumereien ausgemalt. Meine eBooks wurden zu Bestsellern und ich habe die besten Leser der Welt bekommen.

Arbeitest du derzeit schon an einem neuen Buch?

Ja, das tue ich.

Worum geht es? Wann wird es erscheinen?

Als nächstes, am 8.8.13, werde ich erst mal eine Ansammlung von kleinen Geschichten von mir veröffentlichen. Veröffentlichungen sind nichts für meinen Nerven; auch wenn es kein ganzer Roman ist, liegen meine Nerven jetzt schon blank. Der Titel lautet „Dreimal Liebe“ und der Klappentext steht auch bereits:

»Liebe ist nicht nur rosa Zuckerguss oder eine dramatische Trennung. Liebe ist Entscheidungen treffen, auch wenn sie einem das Genick brechen; Liebe ist der Moment, den man auf den ersten Blick nicht sieht, weil er in dunklen Gassen verborgen in einer kalten Nacht beginnt; Liebe ist die Welt in ihrer vollen Farbenpracht wahrnehmen zu können, obwohl die Augen verbunden sind.
Liebe verändert dich. Liebe ist nicht immer gleich. Sie ist überraschend und dankbar, wunderschön und melancholisch zugleich.
Dreimal Leben. 3x Liebe.«

Parallel schreibe ich an einem neuen Roman. Worum es geht, kann ich natürlich noch nicht verraten, aber es wird ebenfalls eine Liebesgeschichte sein. Da ich das Projekt noch nicht beendet und noch viel Arbeit vor mir habe, kann ich zu dem genauen Veröffentlichungstermin noch nichts sagen, ich gebe aber mein Bestes.

Herzlichen Dank, Carina!

Hier geht es zurück zum ersten Teil des Interviews! Und hier zu Carinas Homepage!

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Interview mit der Autorin Carina Bartsch, Teil 1

"Dreimal Liebe" © Carina Bartsch

„Dreimal Liebe“ © Carina Bartsch

Carina Bartsch wurde 1985 im fränkischen Erlangen geboren und lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe ihrer Geburtsstadt. Sie brach die Realschule, dann die Wirtschaftsschule und eine Lehre ab. Erst nach diversen Kleinjobs fand sie mit Anfang zwanzig ihre wahre Bestimmung: das Schreiben. Mit ersten Kurzgeschichten gewann sie mehrere Schreibwettbewerbe. Dann wagte sie sich 2008 an ihr Romandebüt, «Kirschroter Sommer», mit dem sie 2012 zur erfolgreichsten deutschen Liebesromanautorin im Netz wurde. Auch der Nachfolgeband «Türkisgrüner Winter» avancierte zum E-Book-Bestseller.

Carina, worum geht es in deinem Roman „Türkisgrüner Winter“?

„Türkisgrüner Winter“ ist die Fortsetzung von „Kirschroter Sommer“. In den Büchern geht es darum, dass Emely nach sieben Jahren wieder auf ihre erste große Liebe Elyas Schwarz trifft – eine Begegnung, auf die sie bestens hätte verzichten können. Damals nahm es kein gutes Ende zwischen den beiden, und die Verletzung sitzt immer noch tief.

Was hat dich zu der Geschichte um Emely und Elyas inspiriert?

Liebe ist ein wunderschönes Thema, leider gab es aber bisher sehr wenige Liebesromane, die mich für sich begeistern konnten. Ich möchte nicht nur lesen, dass sich zwei Menschen ineinander verlieben (weil das eben gerade so ist und sie schließlich die Hauptprotagonisten des Buches sind), sondern ich möchte wissen, warum das so ist, und noch viel wichtiger: Ich möchte es spüren. Liebe wird in Büchern viel zu wenig durch Persönlichkeit erklärt, stattdessen wird die Begründung „Liebe auf den ersten Blick“ eingeworfen, und damit konnte ich mich als Leser einfach nie abfinden. Das hat mich dazu motiviert, selbst einen Liebesroman zu schreiben.

Wie hat es sich angefühlt, als du deinen Debütroman „Kirschroter Sommer“ das erste Mal in den Händen gehalten hast?

Der Moment war sehr bewegend. Ich hatte ein Jahr an der Verlagsgründung und der Veröffentlichung gearbeitet (Schreiben der Geschichte nicht inklusive), und hielt zum ersten Mal ein handfestes Resultat in den Händen. Das Buch lag so schwer in meiner Hand, als würde es zehn Kilo wiegen. In diesem Moment ist mein Lebenstraum, Schriftsteller zu sein, zum ersten Mal greifbar geworden.

Wie lange arbeitest du durchschnittlich an einem Roman – von der Idee bis zum Druck?

Das ist bei mir sehr unterschiedlich. Im kompletten Schreibwahn und akutem Schlafmangel habe ich auch schon Geschichten innerhalb von fünf Monaten beendet, an anderen wiederum schreibe ich mehrere Jahre. Für „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ brauchte ich zum Schreiben ca. 12 Monate. Von der Entstehung (2008) dauerte es bis zur Veröffentlichung (2011) drei Jahre. So lange wird es bei meinem nächsten Buch aber nicht mehr dauern.

Wie gehst du beim Schreiben eines neuen Romans vor?

Dass eine Idee es wert ist, sie zu nieder zu schreiben, merke ich daran, dass ich Anfangs in einen euphorischen Schreibwahn verfalle. Schlafen? Privatleben? Tz, wer braucht das schon! Mein Umfeld erklärt mich in diesen Zeiten gerne für verrückt. Ich nutze wirklich jede freie Minute, an der Geschichte weiterzuschreiben – auch wenn die Zeit nur für zwei Sätze reicht. Ich kann in dieser Phase einfach nicht anders; all das, was ich mir ausgedacht habe und was ich für die Geschichte spüre, muss verbalisiert werden und aufs Papier. Diesen Flow versuche ich so lange es geht mitzunehmen, meistens hält er über die Länge von ca. sechs bis acht Kapiteln an. Dann kommt in der Regel leider immer der Punkt, an dem ich die ganze Geschichte komplett in Frage stelle. Selbstzweifel sind eine bekannte Autorenkrankheit, und ich bin ebenfalls davon betroffen. Die Zweifel sorgen dafür, dass die Euphorie einen langsamen, qualvollen Tod stirbt, und es folgt eine lange Zeit von Unsicherheit, Frust, immer wieder gegenlesen, überarbeiten, noch mehr Unsicherheit, Blockiertheit … und so weiter. Es ist nicht leicht, diese Krisen zu überwinden. Bei manchen Geschichten habe ich sie bis heute nicht überwunden, sie liegen in der Schublade und es ist unklar, ob ich sie jemals beenden werde.

Planst du deinen Roman oder schreibst du einfach drauflos? Wie sieht deine Planung aus?

Ich muss beim Schreiben wissen, worauf ich am Ende – und auch zwischendrin – hinauswill – deswegen muss eine gewisse Planung definitiv sein. Das brauche ich, um Logikfehler zu vermeiden und einen durchgehenden roten Faden zu schaffen. Allerdings plane ich nicht bis ins kleinste Detail, das würde mir den Spaß nehmen und fast schon in Richtung Bürokratie gehen. Ich plane das gesamte Gerüst, und beim Schreiben selbst baue ich die kleinen Backsteine aufeinander, bis die Fassade komplett ist. Schreiben hat für mich sehr viel mit „fühlen“ zu tun, und einen straff durchorganisierten Plan kann man einfach nicht fühlen.

Wie viele Stunden schreibst du täglich bzw. in der Woche?

Das ist sehr unterschiedlich. Immer dann, wenn es mich überkommt und ich den Kopf frei habe, mich in die Geschichte und die Charaktere einzufühlen. Das können manchmal sechzig Stunden in der Woche sein, oder, wenn es blöd läuft, dreißig Minuten. Ich habe inzwischen eingesehen, dass ich das Schreiben nicht erzwingen kann. Versuche ich es doch, kommt am Ende nichts dabei heraus, mit dem ich zufrieden wäre.

Führst du ein besonderes Ritual aus, bevor du schreibst? Oder kannst du sofort mit dem Schreiben starten?

Ein richtiges Ritual habe ich nicht. Ich lese die letzten Absätze durch, versuche mich wieder in die Köpfe der Charaktere einzudenken, die Geschichte zu fühlen, und dann … Dann kommt es ganz darauf an. An dem einem Tag geht es sofort los, meine Finger gleiten nur so über die Tastatur, und an dem anderen Tag sitze ich drei Stunden später immer noch am zweiten Satz und starre auf das leere Blatt auf dem Bildschirm.

Hast du Testleser, die deinen Roman vorab lesen dürfen?

Glücklicherweise ja. Ich habe jahrelang Geschichten im Internet veröffentlicht und dadurch eine kleine Gruppe von Autoren kennengelernt, davon zählen einige inzwischen zu meinen Freunden. Von ihnen bekomme ich Kritik par excellence.

In welcher Phase dürfen deine Testleser das erste Mal dein Manuskript lesen?

Wenn ich frustriert bis auf die Knochen bin und das Ding am liebsten aus dem Fenster werfen würde.

Hier geht es weiter zum zweiten Teil des Interviews, in dem Carina Bartsch u. a. drei hilfreiche Schreibtipps nennt und von ihrem Weg zur Verlegerin erzählt.