Fundgrube: Fiktiver Lebenslauf einer literarischen Figur

Das Internet bietet gerade für Schreibanfänger tolle Inspirationen und Hilfestellungen. Heute habe ich ein schönes Beispiel gefunden, wie der fiktive Lebenslauf einer Figur aussehen könnte: Auf der Homepage des Tatort-Fundus finden Sie zwei kurze Lebensläufe der ehemaligen Tatortkommissare Kappl und Deininger. An solchen Beispielen können Sie sich bei der Beschreibung Ihrer Figuren orientieren. Im Netz gibt es natürlich noch zahlreiche weitere Seiten, auf denen die Charaktere bzw. die Lebensläufe der Figuren von Fernsehsendungen oder auch Romanen ausführlich beschrieben werden.

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Zitat: Elisabeth George über literarische Figuren

„Eine literarische Figur ohne innere Landschaft kann leicht stereotyp wirken oder sogar blass und farblos. Die innere Landschaft verleiht ihr menschliche Würde. Sie trägt auch zur Tiefe des Romans bei, weil ein Charakter umso lebendiger wirkt, je gründlicher man ihn erforscht.“

Elisatbeth George: Wort für Wort. Goldmann-Verlag, S. 57

In diesem Sinne: lernen Sie Ihre Figuren kennen!

Figuren charakterisieren – mit dem Eisberg-Prinzip

Charakterisierung von Figuren

Eisberg-Prinzip bei Romanfiguren (c) D. Fritsch

Es gibt viele Wege, um eine literarische Figur zu beschreiben. Doch gerade unerfahrene Autoren machen oft den Fehler, ihre Figuren seitenlang zu skizzieren. Ein Hauptaugenmerk legen Sie dabei auf die umfangreiche Beschreibung des Äußeren. Hier versprüht der angehende Autor Langeweile pur! Kaum ein Leser wird an einem Buch dranbleiben, in dem haargenau geschildert wird, wie eine Figur aussieht!

Weniger ist mehr

Das ausführliche Skizzieren des äußeren Erscheinungsbildes ist auch gar nicht notwendig, wie Michael Ende schreibt: „Charakterisieren ist (…) die Kunst, durch einen kleinen Teil das Ganze zu zeigen.“
In der Praxis bedeutet dies, dass ein Autor seine Figur durch unscheinbare Gesten, durch Mimik, durch sein Wesen darstellen sollte, um sie authentisch und glaubhaft erscheinen zu lassen. Das heißt nicht, dass körperliche Eigenschaften wie die Form der Augen, die Statur oder die Gesichtszüge gar nicht eingebracht werden dürften, um eine Figur zu beschreiben. Sie dürfen – aber nur, wenn das Äußere für Ihre Geschichte tatsächlich eine Rolle spielt. Das Aussehen kann zur Entwicklung einer Liebesgeschichte zwischen zwei Charakteren beitragen, die Körpergröße bei einer Kampfszene. Merken Sie sich jedoch: Weniger ist bei der Figurencharakterisierung mehr!

Charakterisieren Sie nach dem Eisberg-Prinzip

Wenn Sie Ihre Figur charakterisieren, können Sie das Eisberg-Prinzip anwenden. Das Eisberg-Prinzip ist ein beliebtes Modell, das in verschiedenen Disziplinen (z. B. Psychologie, Ökonomie, Pädagogik etc.) angewendet wird. Übertragen auf die Figurencharakterisierung bedeutet das Prinzip: Wie bei einem Eisberg wird nur ein kleiner Teil der Figur (10 Prozent)  sichtbar, während mindestens 90 Prozent von ihr unter der Wasseroberfläche verborgen bleibt.
Als Autor sollten Sie Ihre Figur jedoch zu 100 Prozent kennen, um die 90 Prozent Ihrer Figur subtil in Ihre Geschichte einfließen zu lassen. 

Sie müssen lernen, zu entscheiden, welche Eigenschaften einer Figur für Ihre Geschichte wirklich wichtig ist. Entwickeln Sie ein Fingerspitzengefühl dafür, wie viel Sie von einer Figur preisgeben.

Wollen Sie mehr über die Charakterisierung von Figuren erfahren? Sprechen Sie mich an oder nehmen Sie an einem meiner Kurse teil!

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