Perfektionismus adé – Sehen Sie Ihren ersten Entwurf als Rohfassung an

Kennen Sie das Gefühl: Sie beginnen mit dem Schreiben, doch währenddessen bemerken Sie, dass Ihre Figuren oberflächlich wirken oder die Handlung nicht harmonisch ist? Denken Sie ständig darüber nach, wie schlecht sich ihr Text doch anhört – und überarbeiten ihn deshalb ständig? Ärgern Sie sich darüber, dass Sie nicht den richtigen Ausdruck finden? Blockieren Sie sich selbst und halten Sie Ihre gesetzten Ziele nicht mehr ein?

Dieses Verhalten ist typisch für Perfektionisten: Sie ändern ihren Text unentwegt – und zwar während des Schreibens: das soeben geschriebene Wort, ein Satz oder ganze Passagen. Manche von ihnen können solange nicht weiterschreiben, bis die unerwünschte Textstelle „perfekt“ ist.

Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Text behindert Perfektionisten, flüssig zu schreiben.

Nehmen Sie sich den Druck, einen perfekten Erstentwurf schreiben zu müssen, indem Sie

  1. den Text als das betrachten, was er ist: als Entwurf, als Rohtext;
  2. lernen, Ihren Korrekturimpuls während des Schreibens zu unterdrücken (Trennung von Schreib- und Überarbeitungsphase!);
  3. sich mit Ihrem inneren Kritiker auseinandersetzen.

Das Ziel muss sein: In der Schreibphase flüssig „drauflosschreiben“ zu können:

Schreiben Sie schnell und und vor allem vorläufig: Das, was Sie just in diesem Moment schreiben, ist nicht für immer in Ihrem Dokument eingebrannt. Sie können es jederzeit umschreiben oder löschen – aber erst, wenn die Zeit dafür gekommen ist (in der Überarbeitungsphase!)

In der Rohfassung, im ersten Entwurf, geht es nicht um die Qualität Ihres Textes, sondern darum, dass Sie flüssig schreiben, was Sie zu sagen haben. Bewerten Sie Ihren Text nicht, überarbeiten Sie ihn nicht. Wenn Ihnen bestimmte Worte während des Schreibens nicht einfallen, setzen Sie einfach eine Klammer oder schreiben Sie *fehlt*. Die Ergänzungen erfolgen erst später

In dieser Phase des Schreibprozesses läuft es also ganz ähnlich ab wie beim Freewriting:

Sie schreiben schnell drauflos.
Sie achten nicht auf die Qualität Ihres Textes.
Sie zensieren sich nicht.

Wenn Sie Ihren Text als Rohfassung betrachten, bleiben Sie im Schreibfluss und beenden ihn erfolgreich.

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Freewriting – Vom Ballast befreien

Ein Freewriting ist ein idealer Einstieg in den Schreibprozess. Mit dieser Lockerungsübung schreiben Sie sich „frei“ und befreien sich von Ihrem  Alltagsballast, bevor Sie sich Ihrem Manuskript widmen. Der amerikanische Schreibforscher Peter Elbow empfiehlt, dass man für einen begrenzten Zeitraum (ca. fünf bis zehn Minuten) vollkommen unzensiert, themen- und ziellos seine eigenen Gedanken niederschreibt – ohne dabei die Hand abzusetzen. Das unzensierte Schreiben bewirkt, dass Sie erst einmal unbefangen in den Schreibprozess einsteigen können, bevor Sie wieder strukturiert schreiben „müssen“. Der Vorteil: Beim Freewriting ist alles erlaubt, Sie dürfen chaotisch schreiben, Sie dürfen Halbsätze niederschreiben, Sie dürfen Wörter wiederholen.

Nicht denken, schreiben!

Die wichtigste Regel beim Freewriting lautet: Denken Sie nicht darüber nach, was Sie schreiben. Wenn Sie in Ihren Gedanken hängen bleiben, können Sie auch ein blablabla oder ich weiß nicht, was ich jetzt schreiben soll schreiben. Lassen Sie Ihre Gedanken aufs Papier fließen und schreiben Sie ohne Hemmung, ohne inneren Zensor. Machen Sie sich bewusst, dass alles, was Sie in diesem Moment aufschreiben, nur Ihnen gehört! Sie können es später jemandem zeigen, müssen es aber nicht. Machen Sie sich auch keine Gedanken über die Rechtschreibung oder die Zeichensetzung! Auch diese sind vollkommen nebensächlich beim freien Schreiben.

Timer an und los!

Stellen Sie Ihren Timer auf fünf oder zehn Minuten und legen Sie los. Wenn es schließlich klingelt, legen Sie sofort den Stift beiseite. Atmen Sie einmal tief durch, laufen Sie eine Runde durch Ihr Zimmer und legen Sie anschließend mit Ihrem Schreibprojekt los. Ich empfehle Ihnen, das Freewriting mit Papier und Bleistift durchzuführen. Probieren Sie es aus, Sie werden den Unterschied zum Tastaturschreiben bestimmt bemerken!

Was bringt das Freewriting?

  • Wenn Sie sich vor Beginn Ihres eigentlichen Schreibprojektes bereits von den Gedanken, die Sie gerade beschäftigen, befreit haben, in dem Sie sie aufgeschrieben haben, findet diese Auseinandersetzung nicht mehr während der Arbeit an einem wichtigen Text statt.
  • Mit der Zeit gelingt es Ihnen, Ihren inneren Zensor besser zu kontrollieren.
  • Sie lernen, schneller in den Schreibprozess einzusteigen.
  • Schreibblockaden können mit dem regelmäßigen Freewriting verhindert werden.

Tipp: Meine wöchentlichen Schreibanregungen funktionieren ebenfalls nach dem Prinzip des Freewritings. Hier schreiben Sie zwar nicht ziel- und themenlos, aber dennoch frei.

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Erste-Hilfe-Maßnahme, um im Schreibfluss zu bleiben

Wenn Ihr innerer Kritiker Sie wieder einmal vom Schreiben abhält, indem er Ihren Schreibstil permanent abfällig kommentiert, sollten Sie ihn sofort unterbrechen. Der sogenannte „Gedankenstopp“ ist eine Methode aus der Verhaltenstherapie, die in den 1950er Jahren entwickelt wurde. Unerwünschte Gedanken werden dabei durch ein selbstbewusstes „Stopp“ unterbunden. Wer den „Gedankenstopp“ einmal verinnerlicht hat, verfügt über eine effektive Erste-Hilfe-Maßnahme, die dabei hilft, im Schreibfluss zu bleiben.

Beispiel:

Sie schreiben an einer schwierigen Szene für Ihren Roman. Vielleicht handelt es sich um die Abschiedsszene zwischen einem Mann und einer Frau, die Sie bereits seit Tagen aufgeschoben haben. Sie haben es geschafft, in die Szene einzusteigen und schreiben drauflos. Doch wie aus dem Nichts nehmen Sie plötzlich die Stimme Ihres inneren Kritikers wahr:

Innerer Kritiker: „Das ist romantischer Mist. Das ist ja peinlich … wenn das jemand liest! Was soll er von mir/dir denken? So kann man das doch nicht schreiben!“

Wenn Sie diese negative Aussage nun nicht sofort stoppen, folgen weitere unerwünschte Kommentare. Nach und nach werden Sie sich unsicherer fühlen, bis Sie schließlich „den Stift aus der Hand“ legen, um das Schreiben dieser Szene erneut zu verschieben.

Damit Sie weiterhin im Schreibfluss bleiben, wenden Sie also die Methode des Gedankenstopps an und sagen Sie unverzüglich, in Gedanken oder laut, „Stopp“:

Sie: Stopp!

Geübte Anwender dieser Methode werden danach weiter an ihrem Schreibprojekt arbeiten können. Für Anfänger hat es sich bewährt, sofort nach dem Stopp-Sagen, etwas Positives hervorzuheben. Somit fallen Sie dem inneren Kritiker ins Wort, bevor er Sie erneut mit seinen geringschätzigen Kommentaren anfängt. Sagen Sie beispielsweise, dass Sie Ihren Text schon gut gelungen finden würden und er ohnehin später überarbeitet würde. Viel Erfolg!

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Den inneren Kritiker bezwingen

Schreibblockaden entstehen oft, wenn der Autor beim Schreiben der Rohfassung permanent durch die übermäßige Missbilligung und Anfeindung seines inneren Kritikers behindert wird. Der innere Kritiker ist ein unangenehmer Zeitgenosse. Er macht sich durch kritische Gedanken in unserem Kopf bemerkbar: „Wie kann man nur so einen Blödsinn schreiben?“ „Lass es besser sein; aus dir wird ohnehin kein Schriftsteller!“  Kennen Sie auch diese aufdringlichen Gedanken beim Schreiben? Unser innerer Kritiker vermittelt uns immer wieder, dass wir beispielsweise nicht gut genug sind, kein Talent zum Schreiben hätten oder dass wir uns nicht ausreichend anstrengen.

Der Antrieb des inneren Kritikers ist unsere Angst

Angetrieben wird unser innerer Kritiker durch unsere Angst. Unsere Angst vor der Reaktion der Leser, unsere Angst, etwas Sinnloses zu schreiben, unsere Angst, das Buch nie zu Ende zu schreiben … Die aufdringliche Stimme stichelt uns also nicht wahllos: unser Kritiker weiß genau, wo unsere Schwachpunkte sind – und genau dort schreitet er zur Tat. Er überschüttet uns gnadenlos mit negativen Gedanken.
Überkritische Gedanken nehmen vielen Schreibenden den Mut, ihre Story, wirklich aufzuschreiben oder zu beenden. Das Handeln wird blockiert, der Schreibende wird unzufrieden und kommt nicht voran.

Methode: Der Dialog mit dem inneren Kritiker

Der innere Kritiker kann jedoch gezähmt werden! Dazu müssen wir uns bewusst machen, welche kritischen Gedanken uns tatsächlich belasten und immer wieder auftauchen. Die Methode „Dialog mit dem inneren Kritiker“ ist eine sinnvolle Maßnahme, um sich zukünftig vor dem negativen Gedankenstrom zu schützen. Imaginieren Sie Ihren inneren Kritiker und treten Sie mit ihm schreibend in einen Dialog: nehmen Sie ihn als Gesprächspartner war, stellen Sie ihm Fragen und lassen Sie ihn antworten. Das dialogische Schreiben hilft dabei, Problemzusammenhänge zu erkennen und wahrzunehmen.

Treten Sie mit Ihrem inneren Kritiker in einen Dialog, in dem Sie beispielsweise mit der Frage „Wovor habe ich Angst?“ beginnen. Oder probieren Sie es mit dem direkten Einstieg: „Lieber Kritiker, ich möchte, dass du mich in Ruhe lässt – ich will endlich schreiben!“ Fragen Sie ihn, warum er Sie ständig kritisiert, was er damit bezweckt. Bitten Sie ihn, Ihnen zukünftig mit positiv formulierten Aussagen zu helfen. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen in den Sinn kommt, und lassen Sie den Dialog einfach fließen. Mit den Erkenntnissen aus den Antworten Ihres inneren Kritikers, arbeiten Sie anschließend weiter. Sie können die Aussagen umwandeln und Ihren Nutzen daraus ziehen oder Sie nehmen die Aussagen einfach an und greifen sie später auf.

Umwandlung der negativen Gedanken

Es gibt Studien, die zeigen, dass positive Gedanken das Handeln erleichtern, während negative Gedanken Erfolge behindern. Um Erfolg im Schreiben zu haben, sollten die negativen Gedanken Ihres inneren Kritikers also verbannt werden. Eine mögliche Methode ist die Umwandlung der negativen in positive Gedanken: Wie Sie Ihre negativen Gedanken abstellen, können Sie hier nachlesen.

Weitere Methoden, wie Sie Ihrem inneren Kritiker begegnen können, lernen Sie in einem individuellen Schreibcoaching. Ich zeigen Ihnen, wie Ihr innerer Kritiker zu Ihrem Helfer und Freund wird, anstatt Sie zu blockieren.

Denken Sie daran: Um zukünftig negative Handlungsmuster zu vermeiden, ist es wichtig, dass Sie in die Offensive gehen und sich nicht blockieren lassen. Verbünden Sie sich mit Ihrem inneren Kritiker!