DIY: Stehpult selbst bauen für unter 35 Euro

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Es gibt mittlerweile zahlreiche Studien, die zeigen, dass das Arbeiten an einem Stehpult positive Auswirkungen auf den Körper und auf den Geist haben. Dabei geht es gar nicht darum, ausschließlich im Stehen zu arbeiten: vielmehr ist es der Wechsel „Stehen-Sitzen“, durch den ein gesünderes Arbeitsleben ermöglicht wird.

Einige Vorteile eines Stehpults:

  • Bewegung durch Steh-Sitz-Dynamik im Büroalltag
  • Entlastung der Bandscheiben
  • Verbesserung der Konzentration
  • Verbesserung der Durchblutung des Körpers

Mittlerweile gibt die Stehtische sogar in günstigen Ausführungen, doch selbst günstig ist nicht immer günstig genug. In meinem Schreibprogramm „Schreib täglich“ empfehle ich, das Schreiben im Stehen erst einmal an einem Bügelbrett auszuprobieren. Das ist wahrlich die günstigste Alternative, denn die Dinger gibt es ja schon für ein paar Euro. 🙂 Ich habe es recht lange genutzt, aber irgendwann war ich es leid, im Büro ständig ein Bügelbrett stehen zu haben. Ich habe mir dann ein Stehpult aus einem Billyregal und einem Brett gebastelt. Das war ganz gut, aber zu hoch. Zwischenzeitlich hatte ich mir ein Stehpult gebraucht gekauft, weil mir die Idee, die ich euch heute vorstellen möchte, erst vor ein paar Tagen kam, als ich den alten Lernturm meiner Tochter entsorgen wollte. Wer von euch kleine Kinder hat, wird den ikea Hack kennen: den selbstgebauten Lernturm nach Montessori.IMG_4769 Meine Tochter ist mittlerweile vier und lange aus dem Alter heraus. Als mein Mann den Sperrmüll wegbrachte, wollte ich ihn schnell auseinanderbauen, um ihm das Geländer mitzugeben und den Hocker zu behalten. Und just in diesem Moment kam mir die Idee, ein Stehpult daraus zu bauen: für dieses musste ich nur die Latten austauschen und ein noch vorhandenes Schrankbrett draufschrauben. Einfacher gehts ja nicht 🙂 Gesagt, getan. Und siehe da: nach wenigen Arbeitsschritten war mein neuer Stehpult fertig. Aber auch, wenn ihr keinen Lernturm zu Hause habt, seid ihr relativ schnell fertig mit dem Aufbau.

Ihr benötigt:

1 ikea Tritthocker Bekväm 12,99 Euro
1 lange, vierkantige Latte/Vierkantholz (die Maße meiner Latte waren: 34 x 34 mm, 2,70 m) aus dem Baumarkt
Holzlatte, ca. 1,50 m, 100 mm breit, 20 mm stark
Arbeitsplatte (meine hat folgende Maße: 80 x 45 x 1,5 cm; es handelt sich um einen Regalboden aus meinem alten Schrank :-))
Säge, falls euer Baumarkt nicht so nett ist, alles zu schneiden
Holzschrauben
Akku-Schraubbohrer + passende
Schleifpapier, wenn nötig
Farbe, wer mag

Vorarbeiten:

  1. Das Vierkantholz wird in vier gleichlange Stücke gesägt. Ich hatte mir zuvor überlegt, wie hoch der Tisch sein sollte und auf den Lernturm Styroporplatten übereinandergestapelt. Als ich die optimale Höhe gefunden hatte, habe ich die Höhe ausgerechnet: Höhe der Arbeitsplatte – Bekvämhöhe = Lattenlänge
    Da ich etwas über 1,70 m bin, brauchte ich eine Lattenlänge von 50 cm. => 4 x 50 cm
    (Alternative: Ihr orientiert euch an den Maßen von anderen Stehtischen.)
  2. Sägt die Holzlatte in vier Teile: 2 à 40 cm, 2 à 24 cm

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Anleitung: Aus Lernturm wird Stehpult

Wenn ihr den Lernturm bereits habt, tauscht ihr einfach die Latten aus und schraubt alles wie gehabt zusammen. Danach wird nur noch die Arbeitsplatte befestigt. Ich habe dazu einfach Schrauben von oben eingedreht. Aber es geht natürlich noch eleganter, von unten. Aber ich bin eher praktisch und pragmatisch veranlagt. Reichte also 🙂

Anleitung: Aus Bekväm wird Stehpult

  1. Nachdem die Vorarbeiten abgeschlossen sind, schraubt ihr den Tritthocker ohne die Trittfläche zusammen.
  2. Ermittelt von allen Vierkanthölzern die Mitte, indem ihr ein Kreuz einzeichnet: von einer Ecke zur nächsten.
  3. Bohrt in die Mitte ein Loch.
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  4. In jede Ecke der Trittfläche des Tritthockers wird nun ein Vierkantholz angeschraubt. Schön bündig.
  5. Anschließend befestigt ihr die Holzlatten, damit die Vierkanthölzer miteinander verbunden werden können. Nun bekommt euer Konstrukt Stabilität.
  6. Im nächsten Schritt wird die Trittfläche an das Unterteil von Bekväm geschraubt.
  7. Endlich kann die Arbeitsfläche befestigt werden. Ich habe einfach die Schrauben von oben in die Vierkanthölzer eingeschraubt. Wer es eleganter mag, kann Winkel von unten befestigen.
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  8. Wer nun noch Lust hat, kann den Stehtisch abschleifen und/oder streichen. Ich selbst habe ihn erst einmal so gelassen 🙂

Einfach, oder?

Viel Spaß beim Nachbauen!

Liebe Grüße,

Denise



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Werde selbstbewusster! 7 Schritte, um dein Selbstbewusstsein als Autor zu steigern

Selbstzweifel begleiten wohl die meisten Schreibenden in ihrer Laufbahn als Autoren. Bin ich gut genug? Kann ich das wirklich so schreiben? Die Angst vor Kritik ist beherrschend und führt nicht selten zu übermäßigem Perfektionismus. Viele hadern mit sich und ihrem Traum vom Schreiben, manche geben auf.
Um aus dem Fangnetz der Selbstzweifel zu kommen, hilft es, selbstbewusster zu werden. Selbstbewusste Autoren sind optimistischer, sie sind mutiger darin, etwas zu veröffentlichen, was noch nicht perfekt ist. Sie glauben an sich und können deshalb auch ohne lange Veröffentlichungsliste von sich sagen: „Ich bin Autor.“ (oder Autorin, natürlich). Der Glaube an sich selbst ist ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zum Erfolg, wobei ein zu großes Selbstbewusstsein wiederum schadet: beispielsweise, wenn man Kritik vollkommen ignoriert und Vorschläge von Verlagslektoren kategorisch ablehnt. Soweit darf es nicht kommen. Die gesunde Mischung macht es.

Mit den folgenden sieben Schritten können selbstzweifelnde Autoren ihr Selbstbewusstsein steigern:

Schreibe regelmäßig, am besten täglich!

Ich denke, es ist klar: Wenn man nicht regelmäßig schreibt, wird es schwer, sich selbst in der Rolle des Autors beziehungsweise der Autorin zu sehen. Versuche deshalb möglichst täglich ein paar Zeilen zu schreiben. Wenn du noch keine tägliche Schreibpraxis hast, beginne noch heute damit, eine zu etablieren! Dazu musst du nicht einmal an einem bestimmten Schreibprojekt arbeiten: Schreibaufgaben, Schreibanregungen, ein morgendliches Freewriting oder ein Blogpost sind mögliche Alternativen, um die Schreibpraxis zu entwickeln. Je mehr du schreibst, desto selbstbewusster wirst du dir selbst und deinen Texten gegenüber.

„Ich bin nicht gut genug …“

Denkst du diesen Satz wirklich? Mit wem vergleichst du dich denn? Ich fürchte, mit erfahrenen Autoren. Aber du bist nicht Elisabeth George, Charlotte Link oder gar Stephen King. Du bist du! Denke außerdem daran, dass viele, wirklich sehr viele Bestsellerautoren ihre Karriere nicht als solche gestartet haben. Lies einmal die ältesten Publikationen von populären Autoren und vergleiche sie mit ihren jüngsten. Du wirst sehen, dass es einen riesigen Entwicklungsschritt gegeben hat. Man lernt als Autor mit jedem Text hinzu.
Aber noch einmal zurück zu dem Satz „Ich bin nicht gut genug …“ Erlaube dir diesen Selbstzweifel nicht. Denke positiv und arbeite daran, besser zu werden. Streiche diesen Satz am besten aus deinem Gedächtnis, um deine Zweifel an dir nicht noch zu nähren. Oder nutze Affirmationen, also positive Glaubenssätze, um dich selbst zu stärken.

Lerne von anderen!

Lies möglichst viele Bücher über das Schreiben oder besuche Schreibkurse, um das Handwerk zu lernen und zu beherrschen. Du musst das Rad nicht neu erfinden und bei Null starten. Mittlerweile gibt es zahlreiche tolle Ratgeber und Kurse, die dir das Schreibhandwerk theoretisch wie praktisch vermitteln. Je mehr du weißt, desto sicherer fühlst du dich als Autor oder Autorin.

Tausch dich aus!

Sei mutig und stell deine Texte der Kritik Dritter! Nutze Autoren- und Buchplattformen, um dich mit anderen Autoren auszutauschen und ehrliches Feedback von Lesern zu erhalten. Du lernst auf solchen Plattformen nicht nur, dich der Kritik zu stellen, sondern auch, besser zu werden: die Kommentare der Leser helfen dir, herauszufinden, woran du besonders arbeiten musst. Aber auch Schreibkurse bieten dir eine großartige Gelegenheit, als Autor zu wachsen.

Überarbeite deine Texte!

Natürlich solltest du die Rohfassung bereits überarbeitet haben, um deinen Lesern einen Text mit zusammenhängenden Gedanken und möglichst wenigen Rechtschreibfehlern zu liefern und ihnen damit Spaß beim Lesen zu bieten. Du wirst dich auch selbst besser fühlen, wenn du deine Rohfassung bereits überarbeitet hast, bevor sie von Dritten gelesen wird.

Erwarte Kritik

Wenn du deine Texte Dritten gibst, werden sie möglicherweise auseinandergenommen und negativ bewertet. Nicht jeder ist so nett wie deine Familie! Lerne, mit Kritik umzugehen. Es wird Zurückweisungen geben. Aber diese solltest du als Anlass nehmen, um noch besser zu werden! Etwas leichter fällt es, wenn du folgendermaßen vorgehst: Kommuniziere mit deinen Testlesern, dass sie dich durchaus kritisieren dürfen, dabei aber zusätzlich auch etwas Positives zu ihrem Text sagen sollen. Auf diese Weise wirst du die Kritik möglicherweise besser annehmen können.

Schreibe deine Erfolge auf!

Hast du schon einmal von einem Erfolgstagebuch gehört? Viele Sportler und Unternehmer nutzen dieses, um sich an ihre persönlichen Erfolge zu erinnern und ihr Vertrauen in sich selbst zu stärken. Das kannst du auch: Feiere deine kleinen wie großen Erfolge als Autor/in, indem du dich am Ende des Tages hinsetzt und diese in ein separates Notizbuch schreibst. Was hast du erreicht? Was ist dir besonders gut gelungen? Wurdest du gelobt? Warum? Notiere drei bis fünf Erfolge, die du an diesem Tag im Zusammenhang mit dem Schreiben gemacht hast. Du wirst bereits nach wenigen Tagen bemerken, wie viel optimistischer, positiver und selbstbewusster du geworden bist! Damit es wirkt, musst du das Erfolgstagebuch jedoch möglichst täglich über einen längeren Zeitraum führen!

Dieser Artikel wurde bereits in leicht abgewandelter Form in der QWERTZ 02/2016 veröffentlicht.

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10 interessante, spannende, inspirierende Links rund ums Thema Schreiben

Heute habe ich meinen neuen Newsletter versendet. Jeden Monat stelle ich in meinem Newsletter 10 interessante, spannende, inspirierende Links rund ums Thema Schreiben vor, die mir bei meinen Rechercheaufenthalten 😉 im WWW auffallen und die ich gern mit meinen Lesern teilen möchte.

Hier findet ihr die Links, die ich in der Januar-Ausgabe vorgestellt habe:

Literaturfestival Berlin
Alle reden von den Buchmessen in Frankfurt oder Leipzig, doch auch das weniger bekannte Internationale Literaturfestival Berlin ist einen Besuch wert! Vom 07- bis 17.09. 2016 präsentiert die 16. ilb Autoren von „Weltruhm“, spannende Neuentdeckungen und Literaturevents. Merkt euch den Termin im September vor! Der Spätsommer ist übrigens auch toll für einen Ausflug in unsere Hauptstadt!

Rette die Katze! Das ultimative Buch übers Drehbuchschreiben
Die Rezension folgt später, aber wenn ihr euch für das Drehbuchschreiben interessiert, dann schaut euch doch jetzt schon einmal das Buch von Blake Snyder an. Empfehlenswert, wie ich finde!

Autoreninterview: S. Polmans
Schon ein älterer Artikel, aber gefunden habe ich ihn erst in dieser Woche: ein Interview mit „Autoren-Jungstar“ Sebastian Polmans. Ich lese Autoreninterviews immer gern, deshalb werdet ihr hier zukünftig häufiger Links zu spannenden Interviews lesen. 🙂

Kinderbücher „Junge Autoren haben keine Chance!“
Kinderbuchautoren haben es schwer, wie dieser Artikel wieder einmal deutlich zeigt … Schade.

Schreibwettbewerb: Aphorismen
Was es alles gibt! Von einem Deutschen Aphorismus Archiv habe ich zum ersten Mal durch diesen Schreibwettbewerb erfahren. Ein spannender Wettbewerb des Hattinger Fördervereins, wie ich finde! Ihr dürft bis zum 15. Februar drei Aphorismen einreichen. Thema des Schreibwettbewerbs ist: „Positionen des Aphorismus. Weisheit – Kritik – Impuls.“ (Leider schon vorbei …)

Wunderschöne Schreibhefte
Von Zeit zu Zeit gönne ich mir ein neues Schreibheft. Bisher habe ich es in einem kleinen Wolfhager Buchladen gekauft. Da ich aber seit unserem Umzug nur noch selten dorthin fahre, musste ich ausweichen. Bei dawanda habe ich den Verkäufer „maplepaper: Papier und Design“ gefunden. Dieses schöne kirschrote Heft hat es mir angetan. Ich denke, ich werde es bestellen 😀

Self-Publisher Studie 2016
Veröffentlichst du deine Bücher selbst? Dann mach mit bei der diesjährigen Self-Publisher Studie 2016 und gewinne einen von drei tolino E-Readern!

Bloggst du? Ein Blogplaner zum Download
Wenn du noch kein System hast, wie du deine Blogartikel planst, kannst du ja hier einmal reinschauen: Bei Infarrantly Creative habe ich einen kostenlosen Blogplaner gefunden. Ich liebe Pläne, erwähnte ich das bereits?! 😉

Was deine Handschrift über dich aussagt …
Die eigene Handschrift kann viel mehr über uns verraten als wir denken. Graphologen können darin Persönlichkeitsmerkmale entdecken. In diesem Artikel erfährst du ein paar Basics.

Leselupe: Austausch mit anderen Autoren
Kennst du das Leselupe-Forum? Hier kannst du beispielsweise deine Kurzgeschichten vorstellen und von anderen kommentieren lassen. Es gibt aber noch mehr auf der Seite zu entdecken: Lyrik-Foren, Werke des Monats, Empfehlungen und Diskussionsforen.

Haben dir meine Tipps gefallen? Dann bestell dir doch auch den kostenlosen Newsletter! kontakt@denisefritsch.de

Wie man mit Hilfe der Prämisse eine Kurzgeschichte entwickeln kann

Umstritten ist sie, die Prämisse: Im Internet finden sich sowohl zahlreiche Gegner wie auch Befürworter der Prämisse. Während die Gegner eine reine Zeitverschwendung in der Prämisse sehen, fühlen sich andere während ihres Schreibprozesses von einer Prämisse unterstützt: Die Prämisse kann ein wertvolles Hilfsmittel für Autoren seit, da sie die Story wie ein Kompass auf Kurs hält, um einmal ein Bild von Otto Kruse aufzugreifen (2001: 235).

Was aber versteht man unter einer Prämisse?

Nun, eine einheitliche Definition gibt es nicht, aber zumindest verschiedene Definitionsansätze: Auf der einen Seite wird die Prämisse als eine Botschaft betrachtet, die der Autor durch seine Geschichte transportieren will. Von Fabeln kennen Sie sicher das Sprichwort: „Und die Moral von der Geschicht‘ …“. Es steht am Ende der Geschichte und fasst die Botschaft der Geschichte zusammen, die mit der Story bewiesen wurde. Bei der Prämisse ist es ähnlich, allerdings wird der Leser sie in der Geschichte nicht ausgeschrieben finden: die Botschaft steht zwischen den Zeilen.

Eine zweiter Ansatz, der unter anderem von James N. Frey angeregt wurde, geht davon aus, dass die Prämisse eine Feststellung über das Ergebnis ist, was mit den Figuren am Ende des Hauptkonflikts geschieht.

Die Prämisse besteht aus nur einem Satz und fasst in einer Kurzformel die Erkenntnis der Hauptfigur zusammen, die diese durch eine Veränderung in ihrem Leben erhält bzw. beschreibt, wie die Figur durch einen Konflikt die Lösung findet.

Zielgerichtet zur Kurzgeschichte

Ich halte die Entwicklung einer Prämisse für das Schreiben von Kurzgeschichten  für nützlich:

Die beiden wesentlichen Merkmale einer Kurzgeschichte sind die Verdichtung des Geschehens sowie eine Aussage, eine Botschaft, eine Weisheit, die der Autor durch seine Geschichte vermitteln will. Dabei wird etwas Alltägliches als etwas Besonderes herausgestellt.  Die Figuren, die Handlung, der Zeitrahmen – bei einer Kurzgeschichte wird alles komprimiert. Im weiteren Verlauf der Geschichte ist die Handlung meist linear, klar und auf das Wesentliche ausgerichtet.

Anders als ein Roman hat die Kurzgeschichte in ihrer üblichen Form also eine lineare Handlung und ist komprimiert auf allen Ebenen. Abschweifen, sich verzetteln, Sprünge machen – bei einer Kurzgeschichte fallen solche handwerklichen Fauxpas sofort auf. Warum also nicht mit einer Prämisse arbeiten und diese als Hilfsmittel für die Geschichte nutzen? Nicht nur das zielgerichtetere Schreiben ist ein Vorteil einer Prämisse: auch das Überarbeiten fällt leichter, denn durch seine Prämisse kennt der Autor immer sein Ziel. Überflüssiges ist schnell gestrichen.

Wie kann man die Prämisse für die Kurzgeschichtenentwicklung nutzen?

Eine Möglichkeit ist diese:

Um zu einer Prämisse für Ihre Kurzgeschichte zu gelangen, kann man schrittweise vorgehen.

1.) Überlege dir eine Hauptfigur und stell dir Fragen zu ihr (Was ist mit der Figur? Welche Ziele hat sie? Was will sie?)

2.) Schreibe anschließend auf, wie die Geschichte endet und was dies für Auswirkungen auf die Figur hat (Wie endet die Geschichte? Was passiert mit der Figur? Wie entwickelt sie sich?). Hier kannst du zunächst auch mehrere Varianten aufschreiben und später die beste Möglichkeit auswählen.

3.) Anschließend denkst du darüber nach, wer/was das Ende herbeigeführt hat: Was hat das  die Entwicklung der Figur ausgelöst? Welchen Konflikt musste sie überwinden? Fasse dieses Ergebnis in wenigen Worten zusammen.

Schauen wir uns ein Beispiel an:

Hauptfigur: Ein Mann liebt zwei Frauen und fühlt sich schlecht/innerlich zerrissen/etc. dabei.

Es muss nun etwas passieren, damit es für den Leser interessant ist. Die Figur hat das Problem, dass er zwei Frauen liebt. Schauen wir nun auf das Ende der Geschichte:

Möglichkeit 1: Er entscheidet sich für beide.
Möglichkeit 2: Er entscheidet sich für keine. bzw. Er bekommt keine.
Möglichkeit 3: Er entscheidet sich für eine.

Möglichkeit Nummer 3 ist naheliegend und wahrscheinlich am spannendsten für eine Geschichte: Fragen Sie sich nun, wie es der Figur mit ihrer Entscheidung geht.

Wie fühlt sich die Figur nun? Erleichtert? Stabil? Glücklich?

=> Erleichterung

Nun überlegst du: Wie ist es dazu gekommen? Was hat sich verändert?
Hier ist es naheliegend: Er hat sich für eine Frau entschieden.

=> Entscheidung

Jetzt müssen die Erkenntnisse noch in eine Kurzformel gebracht werden:

Wer sich entscheidet, ist am Ende erleichtert.

Die Formel ist noch nicht aussagekräftig genug. Hier könntest du beispielsweise noch ergänzen: Was hat die Figur zur Entscheidung bewogen? Vielleicht wahre Liebe?

Wer sich aus wahrer Liebe für jemanden entscheidet, ist am Ende erleichtert.

Wenn du mit deiner Prämisse zufrieden bist, kannst du direkt loslegen und weitere Ideen für deine Kurzgeschichte sammeln. Liste dazu beispielsweise chronologisch die Ereignisse auf, die zu deiner Prämisse passen. Nutze den Plot, um deine Kurzgeschichte zu schreiben.
Verwendete Literatur:

Kruse, Otto 2001: Kunst und Technik des Erzählens. Zweitausendeins.
Frey, James N. 1997; „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“. Emons-Verlag.

 

KW 41 – Schreibanregungen für jeden Tag

Nach einigen Wochen ohne Schreibanregungen geht es heute hoffentlich wieder los! Sorry, die letzten Wochen waren schon wieder  irgendwie so vollgestopft mit (Abgabe-)Terminen, dass ich es nicht geschafft habe, zu bloggen. Nun aber zu den Schreibanregungen!

Verbessere deinen Schreibstil, erweitere dein Schreibhandwerk, indem du wieder jeden Tag ein paar Minuten trainierst. Meine Übungen geben dir Raum für Kreativität! Probier es aus!

Manche Aufgaben erscheinen auf zunächst vielleicht etwas merkwürdig. Vielleicht befürchtest du, dass dir zu der einen oder anderen Schreibanregung nichts einfallen wird. Aber keine Sorge: das wird garantiert nicht passieren! Schreib einfach drauflos! Und mache dir keine Gedanken darüber, ob die Schreibanregung nun sinnvoll und verwertbar ist, oder nicht. Die Schreibanregungen verhelfen dir zu einer täglichen Schreibroutine. Alles andere kommt später!

Mach es dir bequem und nimm dir für jede Aufgabe etwa fünf bis fünfzehn Minuten Zeit.

Wortfinder – Nimm einen Roman deiner Wahl zur Hand und schlage es an irgendeiner Stelle auf. Fahre mit dem Finger, ohne auf den Text zu schauen, durch die aufgeschlagenen Seiten und zähle bis sechs. Bei „sechs“ stoppst du. Nimm das Wort, auf das dein Finger zeigt, als heutige Schreibanregung und schreibe einen Dialog, der dieses Wort enthält. (5 Minuten)

Dialog mit Gegenstand – Lasse deinen Blick durch den Raum schweifen und zähle bis zehn. Nimm den Gegenstand, an dem dein Blick nach der Auszählung haften geblieben ist, und beginne damit, dich schriftlich mit ihm zu unterhalten. Frage ihn beispielsweise, wie es ihm geht oder was er/sie/es vor seiner Zeit bei dir so getrieben hat.

Assoziationen – Clustere heute das Wort „Gelb“. Schreibe dazu „ Gelb “ in die Mitte deines Blattes, umkreise es und lass deinen Gedanken freien Lauf. Assoziiere von diesem zentralen Wort aus einzelne Wörter oder Phrasen, die dir in den Sinn kommen, wenn du an diese Farbe denkst. Jede Idee wird separat umkreist und mit dem zentralen Wort verbunden. Das Cluster ist ein ideales Instrument, um in den Schreibprozess einzusteigen und Ideen zu brainstormen. Anschließend schaust du dir dein Cluster an und schreibst einen kurzen Text zu einem Strang, der dich besonders anspricht.

Schauplatz – Suche mit Hilfe einer Suchmaschine Informationen zu „Herkules“, „Orangerie“, „Bergpark Kassel“ oder „Löwenburg“. Lies dir die Informationen zu einem der Schauplätze durch und schreibe anschließend in einem Freewriting (5 bis 10 Minuten, Timer stellen), in welchem Zusammenhang du diesen Schauplatz literarisch nutzen könntest. Könnte hier ein Mord passiert sein? Oder entwickelt sich hier eine Liebesgeschichte? Entwickle Anfänge einer Geschichte/Szene bereits in diesem Freewriting.

Charakterbeschreibung – Charakterisiere in 200 bis 300 Wörtern einen jungen Mann im Alter von 37 Jahren, der nicht bereit ist, aus dem Elternhaus auszuziehen.

Schlagzeile – Die besten Geschichten schreibt das wahre Leben. In diesem Sinne werden wir unser Thema heute in einer (Online-)Zeitung aufspüren. Gehe z. B. auf bild.de und wähle eine beliebige Schlagzeile aus dem Newsticker aus. Schreibe anschließend einen inneren Monolog einer der beteiligten Personen – vor, während oder nach dem Geschehen.

Song – Wähle einen Song aus, den du sehr gerne magst. Schließe während der Song läuft deine Augen und lass die Stimmung auf dich einwirken. Schreibe anschließend eine kurze Geschichte, in der du Bilder oder Themen, die in dem Song vorkommen, aufgreifst.

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Schreibanregungen für jeden Tag


Schreibanregungen durch Bilder/Fotos


Freewriting

Schreibstimuli für mehr Kreativität: Schreiben mit der schwächeren Hand

Schreiben mit schreibungewohnter Hand

Schreiben mit schreibungewohnter Hand

Wenn man an manchen Tagen nicht mit dem Schreiben vorankommt, sind sogenannte Schreibstimuli, Schreibimpulse oder Schreibanregungen kleine Helferlein, die die Kreativität wieder anregen. Regelmäßig stelle ich in meinem Blog Methoden vor, die vor Blockaden bewahren und neue, kreative Ideen entstehen lassen. Die wöchentlichen Schreibanregungen sind ein Beispiel dafür. In meinen Seminaren schlage ich den Teilnehmern aber auch gern körperbetontere Methoden vor, wie das Schreiben mit der schwächeren, schreibungewohnten Hand – ein Schreibstimuli, das sich mit ungeahnten Kräften auf unsere Wahrnehmung auswirkt. (Kleine Notiz am Rande: Für den Rechtshänder ist die schreibungewohnte Hand die linke, für den Linkshänder die rechte Hand ;-)).


Die Methode: Das Schreiben mit der schreibungewohnten Hand

Wenn der Ideenfluss plötzlich stockt, nichts mehr weiterzugehen scheint oder du unkonzentriert bist, nimm dir einfach ein Blatt Papier und einen Stift und schreibe alles auf, was dir zu dem Thema, an du gerade arbeitest, einfällt. Allerdings nimmst du den Stift nicht in die Hand, mit der du normalerweise schreibst – sondern in die andere. Nun fängst du an zu schreiben. Ja, es geht langsam voran. Aber das ist ok. Lass deinen Ideen freien Lauf und schreibe all deine Eingebungen ohne Zensur auf das Blatt; mögen die Worte und Formulierungen noch so seltsam oder unbrauchbar klingen – schreibe sie einfach auf.

Was passiert?

Indem du mit deiner schwächeren Hand schreibst, regst du die Koordination deiner beiden Hirnhälften – und damit deine Kreativität – an.

Warum? Unser Gehirn ist in zwei Hemisphären, Hälften geteilt. Beide Seiten haben spezielle Aufgaben und Fähigkeiten: während die linke Seite insbesondere für das rationelle Denken und die Logik zuständig ist, ist die Aufgabe der rechten Hirnhälfte komplexer. Sie denkt in Bildern und Farben, intuitiv und ganzheitlich. Obwohl natürlich beide Gehirnhälften benutzet werden, gibt es bei jedem Menschen eine Seite, die bevorzugt und damit stärker eingesetzt wird.

Für das Schreiben bedeutet das: Da Hände und Hirnhälften überkreuz koordiniert werden, wird bei Rechtshändern die linke Hemisphäre mehr beansprucht als die rechte und vice versa. Wenn wir bei dieser Übung dazu übergehen, mit unserer schreibungewohnten Hand zu schreiben, sorgen wir dafür, dass die bisher vernachlässigte Hirnhälfte mehr genutzt wird. Oft entstehen auf diese Weise ganz neue, ungeahnte Ideen und Bilder.

Darüber hinaus geschieht das Schreiben mit der schwächeren Hand langsamer als das Schreiben mit der gewohnten Hand. Für die Bilder und Ideen, die in unseren Gedanken entstehen, bedeutet diese aufgezwungene Langsamkeit, dass sie Zeit haben, sich zu entfalten. Die Kreativität ist wieder im Fluss. Wer möchte, kann bei einem sich aufdrängenden Bilder- und Ideenstrom wieder zur schreibgewohnten Hand wechseln, um alle Einfälle in einem freien Schreiben schneller auf Papier bannen zu können.

Literaturquellen:
Werder, von/Schulte-Steinicke 2008: Schreiben von Tag zu Tag. Düsseldorf: Patmos-Verlag.

Seiwert, Lothar J. 2011: Wenn du es eilig hast, gehe langsam. 15. durchgesehene Auflage, Frankfurt/Main: Campus Verlag.

Die Werkzeuge des Autors – Überzeugen Sie Ihren Leser durch Details

Um die Aufmerksamkeit Ihres Lesers zu erhalten, müssen Sie ihm das Gefühl geben, dass die Story, die Sie geschrieben haben, wirklich passiert sein könnte. Nur so bleibt er dran, legt das Buch nicht beiseite. Dies gelingt beispielsweise, indem Sie Details nicht abstrakt beschreiben, sondern sie in ihrer individuellen Art benennen: schreiben Sie nicht Obst, wenn Sie Bananen meinen, nicht Blumen, wenn Sie Rosen meinen. Schreiben Sie nicht „der große Hund“, sondern benennen Sie seine Rasse, sein Aussehen. Wenn Sie mit physischen Details arbeiten, wird Ihr Leser „sehen“, Sie regen seine Fantasie an: In seinem Inneren werden Bilder erzeugt.

Erstellen Sie Wortlisten!

Um einen Gegenstand, einen Schauplatz oder Gefühle besser erfassen zu können, bietet es sich an, Wortlisten zu erstellen. Mit diesen Wortlisten sammeln Sie „Material“ für Ihre Geschichten. In einer Wortliste werden alle Assoziationen zu einem bestimmten Wort aufgeschrieben. Lassen Sie dabei Ihrer Kreativität freien Lauf. Wenn Sie anschließend über einen Schauplatz schreiben, können Sie die Elemente aus der Liste aufnehmen. Probieren Sie es aus und lassen Sie sich überraschen, wie überzeugend Sie plötzlich schreiben werden.

Schreibanregung – Wortlisten schreiben

  1. Schreiben Sie eine Wortliste zu dem Wort Neid und listen Sie dabei alles auf, was Ihnen zu diesem Begriff einfällt. Vielleicht denken Sie an eine bestimmte Farbe, wenn Sie an Neid denken – dann listen Sie sie auf! Oder Sie bringen ein bestimmtes Erlebnis, eine Person, einen Gesichtsausdruck mit Neid in Verbindung – listen Sie alles auf! Anschließend wählen Sie vier bis fünf Assoziationen aus und schreiben einen kurzen Text.
  2. Listen Sie mindestens vier Orte auf, an denen Sie sich wirklich wohl fühlen. Wählen Sie nun einen Ort aus und schreiben Sie eine weitere Wortliste mit mindestens 10 Assoziationen zu diesem Ort. Anschließend wählen Sie vier bis fünf Assoziationen aus und schreiben einen kurzen Text.

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