„Ich habe zwei Wochen Tagebuch geschrieben – aus der Sicht des Mörders.“ – Interview mit der Autorin Barbara Steuten

_dsc8367Hallo ihr Lieben,

heute darf ich euch in einem Interview Barbara Steuten vorstellen, deren Krimi-Debüt „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“ in am 17. November im edition Oberkassel Verlag in Düsseldorf erscheint!

Wie ihr wisst, geht es in meinen Interviews mit Autorinnen und Autoren (Kategorie: Wie schreiben andere?) immer um die Frage, wie der Schreibprozess gestaltet wurde. Ebenso interessiert es mich, wie sie das Schreiben in den Alltag integrieren. Ich finde es furchtbar spannend, wie andere arbeiten, wie sie es schaffen, den normalen Familienalltag mit dem Schreiballtag zu vereinbaren. Denn daraus kann man selbst so viel mitnehmen! Und wie unterschiedlich die Ideen und Herangehensweisen sind! Das ist doch toll, oder?

Auch Barbara Steuten hat mir in dem folgenden Interview davon erzählt, wie sie bei ihrem Krimi vorgegangen ist, wie sie recherchiert hat und wie die Verlagssuche lief. Außerdem gibt sie Einblicke, wie sie ihre Protagonistin Kati Küppers entwickelt hat. Und natürlich fehlen auch keine Schreibtipps! Ich bin mir sicher, dass ihr nach dem Lesen des Interviews wie ich auch Lust habt, ihren Krimi „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“ zu lesen. 🙂

Hier findet ihr Barbara Steuten übrigens im Internet: www.barbara-steuten.de. Schaut doch mal bei ihr rein – aber lest erst das Interview, in Ordnung? Danke! 🙂

Liebe Grüße,

Denise

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(c) Barbara Steuten

„Ich habe zwei Wochen Tagebuch geschrieben – aus der Sicht des Mörders.“ – Interview mit der Autorin Barbara Steuten

Barbara, seit wann schreibst du?

Ich habe schon als Kind gerne Geschichten und Berichte geschrieben. Als Jugendliche habe ich die Geduld meiner Freunde mit Gedichten strapaziert. Aber als freie Autorin schreibe ich seit 2010.

Du hast drei Kinder, wie alt sind sie? Ab wann war etwa der Zeitpunkt, als du als Mutter wieder mehr Zeit zum Schreiben hattest?

Die Älteste wird 20, studiert bereits und wohnt daher in Düsseldorf. Der Mittlere wird dieses Jahr 18 und der Jüngste ist 11 Jahre alt.
Den Zeitpunkt suche ich immer noch. Nein, im Ernst. Dass ich Schriftstellerin werden wollte, habe ich erst realisiert, als unser Jüngster bereits in den Kindergarten ging. Da hatte ich übrigens mehr und verlässlicher Zeit zum Schreiben, als später in der Schulzeit. Und Mutter bleibe ich mein Leben lang. Auch wenn ich jetzt keine Windeln mehr wechseln muss, ist es mir wichtig, bei Problemen in der Schule, an der Uni, mit den Freunden, im Sport … ansprechbar zu sein. Krank sind Kinder auch, wenn sie fast volljährig sind.

Am 17. November erscheint unter dem Titel „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“ im edition oberkassel Verlag, Düsseldorf, dein Debüt-Roman. Worum geht es?

Im idyllischen Niederbroich, einem typischen (aber fiktiven) Dorf im Rheinland, düst die Küsterin Kati Küppers mit ihrem apfelsinenfarbenen Hollandrad zwischen Kirche und Kapelle hin und her und verwandelt das Pfarrzentrum auch schon mal in eine Disco für die Jugend. Hier ist die Welt noch in Ordnung, bis eines Tages der Kaplan die Kirchenkellertreppe hinunterstürzt und Kati Küppers plötzlich unter Mordverdacht steht. Mit der Unterstützung ihres Enkels und diverser Heiliger macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder.

Wie ist die Idee zu deiner letzten Geschichte entstanden?

Elke Pistor (schreibt vor allem Eifel-Krimis) stellte uns im Seminar „Von Anfangen bis Zuspitzen – wie man plottet“ die Aufgabe, eine Figur zu beschreiben, die lange vor ihrem Wecker aufwacht … und so wurde Kati Küppers „geboren“.

Erzähl mir ein wenig von deiner Protagonistin Kathi Küppers. Wer ist sie und wie bist du vorgegangen, um sie zu entwickeln?

Kati Küppers hat den Spürsinn einer Miss Marple, den Humor eines Don Camillos und die Neugier einer Pippi Langstrumpf. Ursprünglich hieß sie Katharina, wurde schnell zu Käthe, was sie aber zu alt machte. Mittlerweile schreibt sie sich sogar ohne H. Ich habe sie, ihr Äußeres und ihr Handeln in verschiedenen Szenen beschrieben und diese Szenen drei Freundinnen vorgestellt. Die deckten schonungslos Widersprüche und Ungereimtheiten auf. Gemeinsam legten wir Verhaltensweisen fest, bis Kati Küppers die Ermittlerin war, die ich haben wollte. Als ich mir die Haare abschneiden ließ, musste sich Kati noch ein bisschen mehr verändern, damit keiner auf die Idee kommt, Figur und Autorin zu verwechseln oder irgendwelche autobiografischen Vermutungen anzustellen.

Kannst du beschreiben, wie du beim Planen deines letzten Romans vorgegangen bist? Planst du oder schreibst du deine Romane einfach drauflos?

Vom Kurzgeschichten- zum Roman-Schreiben war für mich ein großer Schritt. Denn die Kurzgeschichten schreibe ich aus dem Bauch heraus, aus einem Gefühl. Das funktioniert beim Roman nicht gut und beim Krimi kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen.

Ich habe mir einen groben Plan gemacht: Wer ist der Mörder? Was ist sein Motiv? Am Ende muss Kati den Mörder überführen. Wie macht sie das? Dann habe ich zwei Wochen Tagebuch geschrieben aus der Sicht des Mörders – und mehr erfahren, als mir lieb war. Doch wusste ich jetzt, wie der Mörder tickt. Als nächstes hab ich mir das Opfer vorgeknöpft, allerdings nicht ganz so ausführlich wie den Mörder. Jetzt brauchte ich noch ein ganzes Dorf voller Verdächtiger und eine Polizei, die aber nicht tumb daher kommen sollte. Dabei entstanden automatisch Szenen in meinem Kopf, die ich unbedingt zu Papier bringen wollte. Das war der Moment, in dem ich vom Planen zum Schreiben wechselte. Den groben Plan im Kopf bzw. im Ordner, durfte ich meine Fantasien davon galoppieren lassen. Bis sie sich lahm gelaufen hatten. Dann kehrte ich zum Planen zurück.

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Dazu hängt in meinem Arbeitszimmer ein Whiteboard, auf dem ich beispielsweise Szene für Szene in Stichpunkten notiert habe. Ich habe geschoben und neu gegliedert und hatte doch den ganzen Roman im Blick.

Schließlich wanderte der Szenenplan in einen Ordner, in dem ich immer wieder nachschlagen konnte, wie es weitergehen sollte, wenn die Fantasie erlahmte. Ich hatte also eine Reiseroute für meinen Krimi.

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(c) Barbara Steuten

Welche Vorteile hat das Planen für dich?

Das Planen hilft mir, mich nicht zu verrennen und nach 80 Seiten das Manuskript in die Ecke zu pfeffern, weil ich in einer Sackgasse stecke.

Und das Nicht-Planen?

Das Drauf-los-schreiben entfesselt die Kreativität in mir und wenn es läuft, schwebe ich in anderen Sphären. Aus Spaß an der Freud verlasse ich dann schon mal die geplante Reiseroute und klettere den Berg hoch, um die Aussicht zu genießen, oder raste im Schatten eines Baumes und schaue den Bienen bei der Arbeit zu. Dabei muss die Szene jedoch einen Sinn haben: sie zeigt die Figur bei einer Tätigkeit, lässt den Leser tiefer in die Atmosphäre eintauchen oder führt direkt zum nächsten Konflikt.

Kannst du den Lesern einen Einblick in deinen Rechercheprozess geben? Recherchierst du vor oder während des Schreibens?

Der Rechercheprozess ist bei mir nie abgeschlossen. Da stehe ich mir mit meinem Perfektionismus leider manchmal selber im Wege. Ich hatte bei meinem Krimi von Anfang an die Idee, dass der Messwein vergiftet sein sollte. Doch womit? Darüber habe ich mich mit der Apothekerin aus meiner Gemeinde beraten – bei der Organisation des Weihnachtsbasars. Allerdings führte das dazu, dass der ein oder andere Bedenken hatte, an meinem Stand Plätzchen zu kaufen.

Außerdem findet sich in meinem Bücherregal neben Schreibratgebern auch Bücher über Polizeiarbeit, Verhörtechniken und Psychologische Abhandlungen. Wenn mir beim Schreiben nicht klar ist, wie etwas funktioniert, schlage ich dort nach. Bringt mich das nicht weiter, suche ich mir einen Experten.

Manche Rechercheergebnisse muss man aber auch wieder streichen. Ich weiß zwar, dass Kriminaltechniker die Spuren am Tatort sichern, aber ich nenne sie weiterhin „Spurensicherung“ oder „Spusi“. Das ist dem Krimileser vertraut.

Wann schreibst du? Zu welchen Tageszeiten? Täglich? Wöchentlich? Wie viele Stunden?

Während des Roman-Projektes habe ich täglich geschrieben. Vorzugsweise morgens, wenn alle aus dem Haus waren. Das Schreibprogramm Papyrus Autor, mit dem ich gearbeitet habe, zeigte mir jeden Tag an, ob ich mein bewusst niedrig gehaltenes Soll erfüllt hatte und wie viel Zeit mir bis zur Fertigstellung blieb.

Hast du mentale Unterstützung während des Schreibens? Von wem?

Ich habe einigen guten Freundinnen und Kollegen von meinem Roman-Projekt erzählt und sie sogar gebeten, mich ab und zu nach den Fortschritten zu fragen. Das hat mir geholfen, selber das Projekt ernst zu nehmen und dran zu bleiben. Die Gefahr ist groß, dass Wäscheberge, dreckiges Geschirr und dringende Termine die Zeit zum Schreiben auffressen. Aber wenn ab und zu mal jemand anruft und nachhakt, muss ich mich rechtfertigen, warum ich lieber Wäsche falte als schreibe.

Kennst du von dir Schreibblockaden? Wie gehst du vor, wenn du eine Blockade hast? Hast du Strategien entwickelt?

Ich nenne es nicht gerne Blockade, vielleicht, weil sie mir dann zu mächtig erscheint. Aber es gibt durchaus Zeiten, in denen ich nicht schreiben kann. Anfangs lag es daran, dass ich mich selbst unter Druck gesetzt und von meinen Rohtexten bereits literarische Brillanz erwartet habe. Mittlerweile bin ich gelassener und weiß, wie man überarbeitet bis es glänzt.

Aber es gibt auch Momente im Leben, in denen ich mir zugestehe, nicht zu schreiben. Seit November habe ich bewusst so viel Zeit wie möglich mit der weltallerbesten Schwiegermutter verbracht, weil sich der Krebs mehr Raum verschaffte, als ihm zustand. Als sie im Frühjahr starb, brauchte ich Zeit zum Trauern und Kraft, die Familie zusammenzuhalten. Ich habe in dieser Zeit viel gelesen und bin ganz bewusst zur Leipziger Buchmesse oder zum Nürnberger Autorentreffen gefahren, um mich mit KollegInnen und Verlegern auszutauschen, in der Hoffnung, die Freude am Schreiben wiederzufinden. Es hat funktioniert. Auch wenn ich noch nicht, wie ursprünglich geplant, mitten im nächsten Roman-Projekt stecke.

Wie lief die Verlagssuche? Wie viele Verlage hast du angeschrieben?

Ich habe mir im Vorfeld lange Gedanken gemacht, ob ich mein Manuskript in einem großen Verlag unterbringen will. Doch als unbekannte Autorin habe ich mich schließlich für einen kleinen Verlag aus Düsseldorf entschieden. Zum einen passt mein Krimi gut in sein Programm und spielt in der Region. Zum anderen habe ich nach vielen Gesprächen mit KollegInnen auf mein Bauchgefühl gehört. Ich kenne den Verleger persönlich, stehe mit meinen Kurzgeschichten bereits in mehreren Anthologien, die die edition oberkassel herausgebracht hat und saß auch schon für Anthologie-Ausschreibungen des Verlages in der Jury. Ich habe ihn also gefragt, ob er an meinem Manuskript interessiert ist, es ihm geschickt und hatte keine vier Wochen später den Vertrag im Briefkasten.

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(C) Barbara Steuten

Wie ich weiß, besuchst du Schreibworkshops, um dich stetig zu verbessern. Welcher Schreibkurs hat dich besonders beeindruckt und warum?

Es sind sehr viele Kurse und Seminare, die alle ein Stück mein Schreiben beeinflusst haben. Ein ganz besonderer Kurs war das „Figurenensemble stellen“ mit Bestseller-Autorin Nina George. Diese tolle Schriftstellerin hautnah zu erleben war spannend. Die Arbeit mit ihr und den teilnehmenden Profi-Autoren (u. a. Jutta Profijt, Sabine Klewe und Martin Conrath) war für mich ein Glücksfall, der schließlich dazu führte, dass ich jetzt Krimis schreibe. Obwohl ich das nie wollte, weil es schon so viele tolle Krimi-AutorInnen gibt.

Bist du in Schriftstellerverbänden? Was bringt dir die Mitgliedschaft persönlich?

Ich bin im Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. – kurz BVjA und habe darüber u.a. meinen Verleger kennengelernt. Ich schätze am BVjA vor allem die hervorragende Lobbyarbeit, die der Vorstand mit viel Engagement leistet. Der Fairlag-Vertrag trägt seine Handschrift. Er bietet tolle Seminare zu bezahlbaren Konditionen und trumpft mit Ideen wie dem Speed-Dating zwischen Autor und Verlag auf der Leipziger Buchmesse. Mit anderen Mitgliedern kommt man schnell in Kontakt, lernt sich kennen und schätzen. Denn wer heute nicht netzwerkt, hängt durch.

Hast du immer daran geglaubt, dass du es schaffen wirst, deine Bücher zu veröffentlichen?

Als ich 2010 mit dem Schreiben von Kurzgeschichten angefangen habe, habe ich nicht einmal geglaubt, dass ich überhaupt ein ganzes Buch selbst schreiben könnte. Deshalb habe ich mir 2012 einen Coach gesucht, der mich bei der Konzept-Erstellung meines ersten Roman-Projekts unterstützte. Rainer Wekwerth hat dies mit viel Lob, Wohlwollen und Charme getan. Dabei hat er mir das nötige Rüstzeug an die Hand gegeben, mit dem nach zwölf Schreibaufgaben ein Romankonzept stand, bei dem ich wusste, was in jedem Kapitel vorkommen soll und mich so von einem Kapitel zum anderen hangeln konnte. Dieses Gerüst lässt sich auf jedes neue Projekt anwenden.

Doch mit der Veröffentlichung ist die Arbeit eines Schriftstellers noch lange nicht getan. Heute muss man sich selbst um Lesungen kümmern und Ideen entwickeln, wie man auf angenehme Weise auf sein Buch aufmerksam machen kann.

Welche Tipps kannst du Schreibenden, die einen Vollzeitjob und/oder Kinder haben, mit auf den Weg geben kannst?

  • Nimm dir Zeit für eine Kosten-Nutzen-Aufstellung. Was bist du bereit zu investieren (Zeit, Nerven und Geld), um Autor zu werden? Worauf wirst du unter keinen Umständen verzichten?
  • Wenn du erst Schreiben kannst, wenn das Haus perfekt aufgeräumt ist, wenn die Kinder mit selbstgemachter Vollwertkost versorgt und bei den Hausaufgaben unterstützt worden sind, wenn das Abendbüffet für die Doppelkopfrunde hausgemacht ist … dann schreibe lieber Postkarten an deine Freunde aus dem Urlaub.
  • Wenn du weißt, dass du das Schreiben brauchst, um deinen Alltag zu meistern oder deine Gedanken zu sortieren, wirst du größere Anstrengungen auf dich nehmen, um Zeit dafür zu finden. Schicke das schlechte Gewissen in die Wüste, dass deine Kinder Fast-Food essen und ein paar Tage auf ihr Lieblings-T-Shirt warten müssen, weil du schreibst. Mache dir bewusst, dass das dein (zweiter) Beruf ist. Nimm ihn ernst. Dann schaffst du es auch, dich an Tagen zum Schreiben zu motivieren, an denen du nichts Brauchbares aufs Papier zu bekommen scheinst.
  • Ich habe bereits viele getroffen, die vom eigenen Buch träumen, aber nicht die Disziplin aufbringen, ihr Projekt konsequent durchzuziehen. Als Autor musst du dich immer wieder selbst motivieren und antreiben. Dennoch bleibt es ein Spagat zwischen leben und arbeiten.

Barbara, ich danke dir für dieses ausführliche, wunderbare Interview!

coverkatik01Wollt ihr noch mehr von Barbara Steuten wissen? Besucht sie auf ihrer Homepage: www.barbara-steuten.de oder besorgt euch den Krimi „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“, der am 17. November im Handel erscheint.

Interview mit der Autorin Hilke-Gesa Bußmann, Teil 2

Wie beginnst du eine Schreibphase?

Ich habe eine ganz eigene Angewohnheit, die viele abschreckt. Wenn ich wirklich konzentriert schreiben möchte, schiebe ich eine meiner „Schreib-DvDs“ in das Macbook und lasse die DvD auf dem zweiten Bildschirm laufen. Zu den Schreib-DvDs gehören: Twilight von 1-4.2, Inception, Star Wars, Harry Potter. Warum? Es ist wie antrainiert: Sobald einer dieser Filme (am besten funktioniert es bei Twilight), bin ich in meinem Schreibmodus und ich kann konzentriert schreiben. Vor allem Twilight als Film mag ich überhaupt nicht, aber solange ich dabei in meinem „Modus“ bin, in dem ich wirklich konzentriert arbeiten kann … Was solls? 
Ganz klassisch schreibe ich meist nachts. Nach 21 Uhr ist meine Zeit, in der ich arbeiten kann. Leider fällt nicht nur das Schreiben in diese Zeit, sondern auch einige andere Arbeiten. Aber so ab 23 Uhr gehöre ich meiner literarischen Welt.

Hast du Testleser, die deinen Roman vorab lesen dürfen?

Ja! Testleser sind sehr, sehr wichtig. Ich versuche, meinen Testlesern immer schon zwischendurch kleine Passagen zu schicken, um frühzeitig beurteilen zu können, ob der Text funktioniert. Dabei sind schon die spannendsten Ideen entstanden.

In welcher Phase dürfen deine Testleser das erste Mal dein Manuskript lesen?

Testleser, die ich wirklich, wirklich gut kenne und denen ich vertraue: In der absoluten Rohfassung sogar in kleinen Portionen. Ansonsten nach der ersten Überarbeitung im Gesamten.

Wie vereinbarst du das Schreiben mit deinem Studium?

Das geht Hand in Hand. Natürlich ist das Studium, gerade jetzt in der Abschlussphase, oftmals sehr zeitraubend, aber ich sehe es nicht als „Leid“ an, sondern freue mich über diese Herausforderung. Ich habe es ja auch im Studium mit Literatur zu tun und von daher bekomme ich in den langweiligsten Seminaren oftmals die besten Ideen!

Hast du drei Tipps, die du unerfahrenen Autoren mit auf den Weg geben kannst?

Ich werde oft von unerfahrenen Autoren gefragt, was ich ihnen rate und ich sage immer das Gleiche: Schreiben. Schreiben. Schreiben. Lesen. Lesen. Lesen. Überarbeiten. Überarbeiten. Überarbeiten.
Momentan mache ich eine Beobachtung, die das Self-Publishing leider hervorbringt. Autoren, die noch nicht so weit sind, um zu veröffentlichen, nutzen die Unabhängigkeit von Verlagen, um beispielsweise ihre ersten Werke zu veröffentlichen. Sie sind blutige Schreibanfänger, die Texte voller Fehler und Stilbrüchen und können nicht mit Kritik umgehen. Als Autor tut man sich keinen Gefallen, wenn man zu früh veröffentlicht. Deswegen sage ich immer: Die ersten Romane sind für die Schublade (bei mir waren es in 9 Jahren 5 Romane), irgendwann hat man so etwas wie seinen Stil gefunden und dann ist man bereit, rauszugehen. Vor allem sollte man sich nicht von „befreundeten“ Testlesern täuschen lassen. Freunde und Familie finden alles klasse, was man schreibt. Lieber jemanden Fremden fragen, um ein wirklich kritisches Urteil zu bekommen.

Die Suche © Hilke-Gesa Bußmann

Die Suche © Hilke-Gesa Bußmann

Arbeitest du derzeit an einem neuen Buch?

Ich arbeite derzeit an mehreren Projekten:

  • Die Veröffentlichung von Weltentaucher Teil 2 „Die Suche“ steht in wenigen Wochen an (Anmerkung D. F.: jetzt bei amazon erhältlich!).
  • Ich schreibe gerade am dritten Teil der Weltentaucher-Legenden mit dem Titel „Der Gefühlsverrat“
  • Zudem schreibe ich an der Rohfassung zum Hauptwerk „Dämonentraum“
  • An einem Schottland-Reisebuch und an meiner Magisterarbeit.

Viele Projekte, ja, aber die Abwechslung motiviert mich!

Wann wird „Die Suche“ erscheinen?

„Die Legenden der Weltentaucher – Die Suche“ wird am 10.7. erscheinen. Bei Dämonentraum und dem Schottland-Reisebuch kann ich leider noch kein Veröffentlichungsdatum nennen, da diese Projekte erst am Anfang stehen. Teil 3 der Weltentaucher-Legende soll noch dieses Jahr erscheinen.

Du hast das Projekt Weltentaucher-Literaturfreunde, eine Gemeinschaft aus Lesern, Autoren, Bloggern und Künstlern ins Leben gerufen. Literaturfreunde können live bei der Entstehung deiner Fantasy E-Book-Serie „Die Legenden der Weltentaucher“ dabei sein. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Ich beschäftige mich wissenschaftlich mit der Digitalisierung von Literatur und mir war klar: Ich möchte nicht nur ein Werk schreiben, sondern gleich ein ganzes Projekt starten, an dem mehrere Künstler beteiligt sind und alle davon profitieren. Mittlerweile sind über fünfzehn Künstler und Blogger involviert und arbeiten an verschiedenen Projekten. Claudia Kociucki hat jetzt am 30.6. die erste Weltentaucher-Geschichte in der Reihe „Weltentaucher-Spin-Off“ veröffentlicht. Wir realisieren beispielsweise aber auch momentan ein Spiel, einen Webroman … Verschiedene Kunstwerke und Fotobücher. Es bleibt also spannend.
Wichtig ist: Jeder Künstler kann an dem Projekt mitarbeiten. Ich gebe (fast) keine Vorgaben, sodass der Kreativität keine Grenzen gesetzt werden!

Hier geht es weiter zu Teil 1 des Interviews!

Weitere Informationen und Neuigkeiten über Hilke-Gesa Bußmann findet ihr auf ihrer Homepage! Ihr wollt Hilke-Gesa Bußmann bei der Entstehung ihrer Fantasie-Serie begleiten? Hier geht es zum Projekt Weltentaucher Literaturfreunde!

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Möchtest du noch mehr spannende Autoreninterviews lesen? Hier findest du weitere Interviews.

Interview mit der Autorin Hilke-Gesa Bußmann, Teil 1

Der Aufbruch © Hilke-Gesa Bußmann

Der Aufbruch © Hilke-Gesa Bußmann

Hilke-Gesa Bußmann lebt in Offenbach am Main. Seit 2009 studiert sie an der Goethe-Universität in Frankfurt Germanistik und Theater-, Film- und Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Digitalisierung von Literatur. Ihr Debütroman „Lieb mich!“ erschien 2011 im AAVAA-Verlag. An dem multimedialen Großprojekt „Die Legenden der Weltentaucher“ sowie „Weltentaucher-Literaturfreunde“ arbeitet sie seit Februar 2012.

Hilke, erzähl uns, worum es in deinem aktuellen Roman Die Legenden der Weltentaucher – Der Aufbruch geht?

„Die Legenden der Weltentaucher – Der Aufbruch“ ist der Auftakt einer Fantasy-Serie, die ich im Self-Publishing herausbringe. Im ersten Teil begleiten wir Acadius, einen jungen Alchemisten aus Atlantis, bei seinen Versuchen, den Trank der Weltentaucher zu brauen, um auf die „alte“ Welt zurückzukehren. Leider ist das Brauen des Tranks nicht allzu einfach, Acadius braucht eine Alternative für eine Pflanze, die nicht mehr auf ihrer Welt wächst und muss zudem eine weitere Pflanze aus einem Sicherheitstrakt seiner Universität stehlen. Zudem findet sein Professor Phobos heraus, was er versucht und ist alles andere als erfreut darüber. Acadius muss also eine Menge Schwierigkeiten lösen und Herausforderung überstehen. Und ob er am Ende überhaupt den Trank brauen kann?

Wie kam dir die Idee dazu? Was hat dich inspiriert?

Ich arbeite seit einer Weile an einem Fantasyroman mit dem Arbeitstitel „Dämonentraum“. Dort kommen einige Figuren vor, die in gewisser Weise nur eine Nebenrolle spielen, mir aber so sehr gefallen haben, dass ich „mehr“ aus ihnen machen wollte. Begonnen hat alles bei Acadius. Im „Dämonentraum“ (Der spätere Titel wird auch irgendwas mit „Weltentaucher…“ lauten ;-)) gibt es eine Figur namens Ben, die ich seit den ersten Worten liebe. Irgendwann habe ich mich gefragt, was Ben in seiner Vergangenheit gemacht hat. Und in diesem Moment wurde die Ideen zum Weltentaucher-Universum geboren. Generell werden in der Serie „Die Legenden der Weltentaucher“ Geschichten von den Figuren erzählt, die im späteren Roman vorkommen. Mittlerweile ist die Serie so breit ausgelegt, dass nicht mehr alle Figuren auch im Roman vorkommen können, aber: Der Roman löst einige der Probleme, die in der Serie dargestellt werden! Das Weltentauchen an sich wird im Roman thematisiert und die Frage, ob es gut oder schlecht ist, wenn Wesen von Welt zu Welt reisen können. Und warum ist es eigentlich möglich?

Kannst du kurz skizzieren, wie du deinen Protagonisten Acadius entwickelt hast?

Acadius existierte erst als „Ben Jäger“ und existiert immer noch unter diesem Namen. Nur heißt Ben eben in seiner „Vergangenheit“ Acadius. Nachdem feststand, dass Acadius nicht von dieser Welt stammte, benötigte sich eine Welt, von der er stammt. Da ich Mythologien und Antike generell liebe, bot sich Atlantis an. Die Geschichte einer versunkenen Stadt – einfach perfekt für meine Zwecke. Ich erfand eine historische Version auf Platons Grundlage, wieso Atlantis versunken ist und charakterisierte Acadius als jungen Alchemisten, der unbedingt in die „alte“ Welt, aus der sie verschwunden sind, zurückkehren möchte. Im ersten Teil ist er sehr strebsam, oft unsympathisch. Er denkt nur an sich, möchte sein Ziel unbedingt erreichen. Man könnte meinen, er geht dafür über Leichen. Im zweiten Teil „Die Suche“ wird er allerdings schon wesentlich umgänglicher, weil er merkt, dass sein Egoismus ihn nicht weiterbringt. In der Romanreihe „Dämonentraum“ zeigt er sich uns dann als umgänglicher Mensch, der gelernt hat, zu verzichten. Aber seinen Träumen geht er immer noch nach.

Ehrlich gesagt: Acadius ist kein typischer Charakter. Er hat sich mehr beim Schreiben entwickelt als geplant, was bei mir sehr sehr selten der Fall ist, da ich zu den strengen Plot-Autoren gehöre. Aber vielleicht macht Acadius das am Ende doch wieder sympathisch. Ich bin gespannt, wohin er mich noch begleitet.

Wie lange arbeitest du durchschnittlich an einem Roman – von der Idee bis zum Druck?

Für den ersten Teil der Weltentaucher-Legende habe ich gut ein Dreivierteljahr gebraucht, wobei ein Vierteil davon Lektorat, Konzeption und Korrektorat war. Bei Teil zwei der Weltentaucher-Legenden sah das ganz anders aus: Über ein neun Monate habe ich jetzt an dem Text geschrieben und befinde mich momentan in der Abschlussphase des Korrektorats. In zwei Wochen soll die Publikation stattfinden. Da ich neben dem Schreiben momentan noch studiere und viele wissenschaftliche Texte schreiben musste, hat sich alles etwas gezogen. Aber es zeigt eins: Auch Autoren sind nur menschlich. Und da ich meinen Lesern nur beste Qualität liefern möchte, habe ich lieber zwei Monate länger gebraucht!

Wie gehst du beim Schreiben eines neuen Romans vor?

Ich finde, die ersten Worte sind immer die schwierigsten. Ich brauche eine Weile, bis ich mich bereit für einen neuen Roman fühle und zermürbe dann oft in Selbstzweifeln, ob die ersten Worte gut oder nicht gut sind. Ich bin ein Autor, der vorher sehr viel über den Text nachdenkt, manchmal tatsächlich zu Lasten der Spontanität. Ich warte oft auf dem Moment, in dem ich mich bereit fühle, anzufangen, doch leider verfliegt der, bevor ich das Dokument öffnen konnte. Irgendwann nehme ich mir vor, einfach loszuschreiben. Und dann klappt es auch.

Planst du deinen Roman oder schreibst du einfach drauflos?

Meine Autorenkollegen nennen mich die „Alles-Planerin“. Zum Weltentaucher-Universum führe ich nicht wie jeder normale Autor mehrere Notizbücher sondern ein ganzes Wikipedia. Ich liebe Plots, das Schreiben und Ausarbeiten der Plots macht mir fast mehr Spaß als das Schreiben selbst. Von daher sind meine Romane vorher schon sehr ausgearbeitet. Aber: Ich versuche momentan mir abzugewöhnen, so viel zu plotten, um ein bisschen mehr Kreativität reinzubringen. Ich hoffe, das gelingt mir!

Wie viele Stunden schreibst du täglich bzw. in der Woche?

Ich versuche täglich 1500 Worte zu schreiben. In den letzten Wochen ist mir das nicht gelungen, weil die Universität viel Zeit von mir verlangt hat. Aber durchschnittlich versuche ich mich tatsächlich, daran zu halten. Da ich meist an mehreren Projekten arbeite, ist der Fortschritt je nach Text aber dann nur gering.

Hier geht es weiter zu Teil 2 des Interviews, in dem Hilke-Gesa Bußmann noch mehr aus ihrer eigenen Schreibpraxis erzählt.

Interview mit der Autorin Katharina V. Haderer, Teil 2

Katharina V. Haderer: Notizbücher © privat

Katharina V. Haderer: Notizbücher © privat

Wie ich auf deiner Facebook-Seite sehen konnte, zeichnest du deine Charaktere. Du hast somit deine Charaktere nicht nur im Geiste vor Augen. Wie sehr helfen dir diese Bilder beim Schreiben?

Zeichnen heißt für mich abschalten. Wenn  mir die Gedanken flirren vor lauter Korrekturlesen, kann ich irgendwann nicht mehr. Vor allem in der Korrekturphase zeichne und male ich dann recht viel. Es ist eine Art Entspannungsprozess.

In welcher Phase dürfen deine Testleser das erste Mal dein Manuskript lesen?

Zuvorderst bekommt das Buch mal meine Schwester, meistens in Teilen, je nachdem wie viel und schnell ich schreibe. Sie ist die Einzige, der ich das Buch relativ roh und in Erstfassung gebe.
Wenn ich das Buch fertig habe, bekommen es vielleicht ein, zwei weitere ausgewählte Personen, aber meistens arbeite ich es zuerst einmal durch und teile es dann an TestleserInnen aus. Es macht  nicht viel Sinn, ein unfertiges Buch an TestleserInnen auszugeben, wenn sie das Gefühl haben, ihre Kritik macht ohnehin keinen Sinn, da noch „alles anders“ wird.

Arbeitest du derzeit an einem neuen Buch? Wie lautet der Titel?

„Das Herz im Glas“ wartet noch auf etwaige Korrekturvorschläge, ist aber relativ fertig. Zwischenzeitig, um das Warten zu überbrücken, habe ich ein neues Buch begonnen. Arbeitstitel: „Wüstenrennen“, aber bei dem wird es sicher nicht bleiben.

Worum geht es in „Das Herz im Glas“?

„Das Herz im Glas“ ist ein mittelalterlicher Fantasy-Thriller, der die Protagonisten in die Felsenstadt Terra Talioni führt, wo sie sich auf die Suche nach dem Schlächter eines menschlichen Herzens machen, ohne zu ahnen, dass sie sich in die Intrigen dieses Stadtstaats verwickeln.

Wann wird es erscheinen?

Das Erscheinungsdatum ist noch unklar, aber ich werde es sicher laut rausposaunen, sollte es dann so weit sein.

Du bietest deine Bücher privat an. Warum wählst du diesen Weg? Wäre Books on demand keine Option für dich?

Um ehrlich zu sein – abgesehen davon, dass ich einfach feige bin – war ich einfach nicht bereit, meine Bücher an die breite Öffentlichkeit preiszugeben. Bis zu einem gewissen Grad hat es etwas Exhibitionistisches an sich, man entblößt sich und kann dadurch verletzt werden. „Das Herz im Glas“ habe ich geschrieben, um es dezidiert an Verlage anzubieten, falls das nichts wird, werde ich es auf offiziellem Wege selbst verlegen.

 Hast du drei Tipps, die du unerfahrenen Autoren mit auf den Weg geben kannst?

1. Üben. 2. Üben. 3. Üben. Das heißt, sowohl lesen als auch schreiben. Viel schreiben. Noch mehr schreiben.
Ich treffe immer wieder auf Leute (auch AutorInnen), die glauben, „Schreiben ist ein Talent!“ und Punkt. Das ist es nicht. Schreiben bedeutet Leidenschaft, ja, aber ab einem gewissen Grad ist es nur noch Handwerk. Stell dich ins Büchergeschäft und suche einen Autoren unter 30 Jahren. Warum gibt es so wenige? Weil alle, die veröffentlicht werden, so viel üben mussten, um so zu schreiben können, wie sie es jetzt tun.

Vielen Dank für das Interview!

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.


Katharinas bisherige Bücher:

2009: Familiengeheimnisse (Fünf Bände): Nicht erhältlich.
2011: Simulacrum (Drei Teile): Band 1 + 2 vergriffen (Privatdruck), Band 3 erhältlich (Privatdruck)
2012: Göttertod (Zwei Teile in einem Band): Momentan vergriffen, weiterer Druck in Planung
2013 (?): Das Herz im Glas: Eben fertiggestellt, Veröffentlichung in Planung.

Katharina sucht TestleserInnen! Wer Lust hat, kann ihr über ihre Facebookseite eine Nachricht schicken.

Weitere Informationen und Neuigkeiten über Katharina V. Haderer finden Sie in ihrem lesens- und sehenswerten Blog.

Interview mit der Autorin Katharina V. Haderer, Teil 1

Katharina V. Haderer: Göttertod © privat

Katharina V. Haderer: Göttertod © privat

Katharina V. Haderer hat Germanistik studiert und lebt ohne Katze in Bad Vöslau bei Wien. Sie schreibt Fantasy-Bücher in allen Epochen und wird nicht so schnell damit aufhören. 2012 hat sie „Göttertod“ (momentan vergriffen) veröffentlicht.

Katharina, worum geht es in deinem aktuellen Roman „Göttertod“?

„Göttertod“ ist eigentlich ein Doppelband und besteht aus zwei Einzelbüchern, das erste heißt „Die versunkene Stadt“ und das zweite „Der ertrunkene Gott“. Hier eine kurze Zusammenfassung:
Als plötzlich zwei Halbgötter die Polizeiorganisation Avis Nivea stürmen und das gesamte Sekretariat entführen, wird schnell klar – eine  gefallene Gottheit ist zurückgekehrt. Auf den Ruinen der Stadt, über der einst ein Götterkrieg getobt hat, will der Gefallene zurück in den Götterhimmel steigen. Nur was hat das alles mit der obersten Chefsekretärin Alexandra Manzini zu tun, nach der die Fremden suchen? Und woher soll Alexandra die göttliche Unterstützung bekommen, die es benötigt, um diesen rachsüchtigen Gott aufzuhalten?

Wie kam dir die Idee dazu? Was hat dich inspiriert?
Ich habe nicht wirklich „die Inspiration“, sondern mehrere. Eine Szene hier, eine Szene da, die ich dann zu einem größeren Ganzen zusammenstückele.

Ein Beispiel: Eine meiner Freundinnen ist ein wahnsinniger Vampire-Diaries-Fan und erzählte mir, dass die beiden Haupthelden Damon und Stefan die Hauptheldin Elena bereits in ihren vorigen Leben gekannt und geliebt hatten. Oberflächlich mag das ziemlich romantisch erscheinen, folgt dir jemand doch in dein neues Leben um mit dir zusammen zu sein, aber unwillkürlich drängt sich doch die Frage auf –  wie viel Freiraum für eigene – neue – Entscheidungen besitzt der Verfolgte dadurch? Inwieweit ist es dann noch möglich, selbst zu wählen? Wird man nicht wiederholte Male in dieselbe Rolle gedrängt? Was, wenn der Unsterbliche nicht verrät, dass er dich bereits unzählige Male zuvor kennengelernt hat? Dass er dich kennt, all deine Tugenden und Macken, während für dich jeder erste Kuss ein wirklich erster ist?
Ich fand diese Konstellation problematisch, vor allem, weil sie im Fantasy-Genre wiederholt und überaus romantifiziert angewendet wird. Ich habe diese Situation für einen Charakter übernommen (welchen, verrate ich natürlich nicht) und ihn diese Fragen stellen lassen. Es ist wichtig, dass solche Fragen gestellt werden, auch oder gerade in Fantast-Büchern.

Deine bisherigen 4 Bücher spielen alle in der selben Fantasy-Welt. Wie gelingt es dir, den Überblick zu behalten?

Mein erstes Buch, dass ich tatsächlich als „Buch“ beschreiben würde hat bereits in der Welt gespielt, in der ich noch immer schreibe, egal in welcher Zeit ich mich gerade bewege. Meine Welt ist nicht statisch. Mit jedem Buch, das ich schreibe wächst sie weiter. Mittlerweile könnte ich mir nicht mehr vorstellen, außerhalb dieser Welt zu schreiben – sie ist in den letzten sechs Jahren doch stark gewachsen. Das ganze Rundherum von vorne aufzubauen hält einen ziemlich auf beim Schreiben.
Außerdem habe ich auch das Feedback von meinen LeserInnen, dass sie sich freuen, Parallelen zu entdecken, selbst wenn es nur ein Familienname ist, der die Jahrtausende überdauert hat.

Wie lange arbeitest du durchschnittlich an einem Roman – von der Idee bis zum Druck?

In den letzten Jahren bin ich schneller geworden. An dem Roman, den ich momentan beendet habe („Das Herz im Glas“), habe ich aktiv ein halbes Jahr geschrieben, mit den Korrekturen 10 Monate.

Wie viele Stunden schreibst du täglich bzw. in der Woche?

Das ist schwer zu sagen. Momentan habe ich einen neuen Job angenommen, da ist es wieder weniger. Ich habe überhaupt eher „Schreibphasen“, wo ich wie wild in die Tasten hacke und 10-20 Seiten schreibe, dann wieder ein paar Tage nichts, weil einfach keine Zeit dafür ist.

Wie vereinbarst du das Schreiben mit deinem Beruf?

Ich arbeite momentan 23h/Woche und hoffe, dass mir das genügend Zeit gibt, um weiter zu schreiben.

Planst du deinen Roman oder schreibst du einfach drauflos?

Ich plane meinen Roman. Mittlerweile beginne ich ein Buch nicht mehr, ohne zu wissen, worauf es hinausläuft. Ein Buch zu beginnen, ohne dessen Ende zu wissen, ist ein wenig wie kochen, ohne zu wissen, was man nachher essen möchte. Manchen Leuten mag das gelingen –  Thomas Raab, bei dessen Lesung ich letzte Woche war, macht das zum Beispiel so – ich kann ihnen für dieses Talent nur gratulieren.
Ich habe aber bereits einmal ein Buch nicht beenden können, weil ich mich in eine Sackgasse geschrieben hatte. Das Ende ist „nicht einfach gekommen“, wie ich mir das erhofft hatte. Das ist schade.
Ich konzipiere daher die Handlung, schreibe mir eine Zusammenfassung, klebe das in mein Notizbuch, notiere mir die Charaktere, suche Namen dafür und erweitere dieses Notizbuch während der Arbeiten an dem Roman.

Hier geht es weiter zu Teil 2 des Interviews, in dem Katharina V. Haderer noch mehr aus ihrer eigenen Schreibpraxis erzählt.