Ein Name für die literarische Figur – Nomen est omen.

Vor einiger Zeit standen mein Mann und ich vor einer wichtigen Entscheidung: wie werden wir unsere ungeborene Tochter nennen? Immerhin muss sie ihr Leben lang diesen Namen tragen. Wir hatten die Qual der Wahl. Die Bedeutung, der Klang, der Rhythmus des Namens waren wichtige Indikatoren bei der Namenssuche. Außerdem sollte sie aufgrund ihres Namens nicht sofort „in eine Schublade gesteckt“ werden können. Schließlich heißt es bei den Lateinern: Nomen est omen – Namen setzen Assoziationen in unserem Unterbewusstsein in Gang.

Nomen est omen – Assoziationen wecken

Genauso wichtig wie die Namenswahl für zukünftige Eltern ist, ist sie für Schriftsteller. Denn der Name einer Figur ist in der Regel das Erste, womit ein Leser in einem Roman oder in einer Kurzgeschichte konfrontiert wird. Geht bei der Suche nach einem Namen für eure Figur deshalb genauso sorgfältig vor wie ihr den Namen eures Kindes auswählen würdet.

Namen können dem Leser verraten, woher eine Figur stammt, aus welcher Schicht er kommt und aus welcher Generation (vgl. Links). Wenn ihr den Charakter eurer Figur bereits entwickelt habt, solltet ihr deshalb unbedingt darauf achten, dass der Name zu dem Wesen der literarischen Figur passt.

Übung: Suche im Telefonbuch einige Namen heraus. Überlege dann stichpunktartig, welche Person hinter diesem Namen stecken könnte.  Denke außerdem über

  •  einen möglichen Beruf,
  •  die mögliche Herkunft,
  •  evtl. die Schichtzugehörigkeit nach.

Linktipps:

Die Verbreitung von Nachnamen in Deutschland könnt ihr beispielsweise auf der Seite verwandt.de nachprüfen. Hier werden weitere Projekte aufgelistet, die Einblicke in die Namensverteilung in anderen Ländern geben.

Die Häufigkeit von Vornamen und deren regionale Verteilung können Sie sich bei beliebte-vornamen.de (20. Jahrhundert) oder bei Genevolu (Stand 1998) anzeigen lassen.

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Das Internet bietet gerade für Schreibanfänger tolle Inspirationen und Hilfestellungen. Heute habe ich ein schönes Beispiel gefunden, wie der fiktive Lebenslauf einer Figur aussehen könnte: Auf der Homepage des Tatort-Fundus finden Sie zwei kurze Lebensläufe der ehemaligen Tatortkommissare Kappl und Deininger. An solchen Beispielen können Sie sich bei der Beschreibung Ihrer Figuren orientieren. Im Netz gibt es natürlich noch zahlreiche weitere Seiten, auf denen die Charaktere bzw. die Lebensläufe der Figuren von Fernsehsendungen oder auch Romanen ausführlich beschrieben werden.

Zitat: Sol Stein über die Sätze in Dialogen

„Ein Dialogsatz sollte relativ kurz sein, möglichst nicht länger als drei Sätze.“

Sol Stein (2001): Über das Schreiben. Zweitausendeins

Ganz so genau muss man diese Aussage als Schriftsteller natürlich nicht nehmen – doch eines ist sicher: kurzweilige Dialoge entstehen nur dann, wenn der Redebeitrag einer oder mehrerer Figuren nicht übertrieben lang ist. Sollte bei einer Figur doch einmal mehrere Dialogsätze nötig sein, sollten Sie diese durch eine kleine Unterbrechung oder durch eine Bemerkung auflockern.

Zitat: Elisabeth George über literarische Figuren

„Eine literarische Figur ohne innere Landschaft kann leicht stereotyp wirken oder sogar blass und farblos. Die innere Landschaft verleiht ihr menschliche Würde. Sie trägt auch zur Tiefe des Romans bei, weil ein Charakter umso lebendiger wirkt, je gründlicher man ihn erforscht.“

Elisatbeth George: Wort für Wort. Goldmann-Verlag, S. 57

In diesem Sinne: lernen Sie Ihre Figuren kennen!