30. April. Wettbewerbsbeitrag: Michael

30. April

Heute ist ein guter Tag, denn bald ist es soweit. Es wird mich befreien, die Last von mir nehmen, da bin ich mir endlich gewiss. Wenn das Opfer einmal gebracht ist – und es kein Zurück mehr gibt! Ich spüre es in jeder Faser meines Körpers und wünsche mir sehnlichst, der Mord wäre schon morgen möglich … oder jetzt sofort? Aber Geduld ist die Tugend des Jägers, oder nicht? Ich muss mehr wie meine Katze denken: Lauern, das Opfer in Sicherheit wiegen – und dann zuschlagen. Ja, dieser Gedanke erregt mich. Ich könnte laut darüber lachen: Sei die Katze! Vielleicht spiele ich sogar mit dem Opfer? Mietz, Mietz, komm heraus kleines Mäuschen! Katzen spielen auch mit ihrer Beute, oder nicht? Sicher schon seit vielen Jahrtausenden. In der Natur ja hat alles seinen Sinn, nichts ist überflüssig. Also ist das Spiel mit der Beute mehr als nur Adrenalinabbau? Ein Ritual? Um der Welt zu zeigen: He, ich bin dir überlegen, du elende Maus. Ich habe es nicht nötig, dich gleich zu töten. Ich kann jederzeit fressen, jederzeit auslöschen, wenn ich es will. Du bist als Opfer dazu bestimmt, mir zu dienen. Ja, so wird es sicher sein. Es gibt niemals ein Entrinnen. Die Natur hat es vorherbestimmt, die Rollen zwischen Jäger und Beute sind fest verteilt. Selbst wenn die Beute einmal entkommen sollte, so kann sie trotzdem Gewiss sein: Eines Tages ist ihre Zeit um. Es gibt keine Hoffnung – es gibt nur den Tod, und ich bin nun sein erster Jünger! Ich werde sein wie eine Katze, oh ja. Sie werden sich noch wundern, die dort draußen. Ganz großes Kino, die blutgeilen Medien werden sich darauf stürzen, mir einen einprägsamen Titel verleihen und auf Twitter wird es eigene Hashtags über mich geben. Schauriger Ruhm einer dekadenten Brot-und Spiele-Gesellschaft. Aber sie spielen mir in die Hände, oh ja. Und wenn das erste Opfer erstmal gebracht ist, werden die weiteren ein leichtes sein. Vor allem, wenn die dummen Behörden versuchen, das Unheil zu verhindern. Sie werden die Zahl der Gräber nur erhöhen. Ganz von selbst. Und ich bekomme endlich, was mir zusteht. Ach könnte ich die Zeit doch beschleunigen … aber ich darf den Plan nicht gefährden. Nur weil ich ungeduldig bin. Ich kann es mir nicht leisten, durch einen Anfängerfehler alles zu ruinieren.  Wenn der morgige Tag vorbei ist, werde ich mit einem goldenen Stift weiterschreiben. Um es gebührend zu feiern. Sollte ich wirklich einen Künstlernamen verwenden, wenn ich mich an die Medien wende? So wie damals Jack the Ripper? Der gute Jack wusste damals schon, wie nützlich Pressearbeit ist. Vielleicht Death Cat? Ich werde darüber nachdenken. Aber jetzt habe ich genug gekritzelt. Ich habe Hunger und werde mir ein paar Burger reinziehen. Einen vorgezogenen Leichenschmaus, sozusagen. An dieser Stelle sollte ich vielleicht irre kichern, aber mein Magen brummt. Aber das mit dem Kichern habe ich noch nicht so drauf, ich bin ja als Mörder und Bestie noch ein Anfänger. LOL, wie man so schön sagt. Aber nun auf zum Essen, gehabt euch wohl, liebes Tagebuch. Wer weiß, wann ich wieder einen gute Burger genießen kann. Wenn erst mal ganz Hamburg ausgelöscht ist, wird es sicher kompliziert. Aber das kommt ja erst später! Guten Appetit.

Dieser Wettbewerbsbeitrag stammt von Michael Schäfer.

IMG_20160119_172140-1
Michael Schäfer wurde in Troisdorf bei Bonn geboren und lebt zur Zeit in Sankt Augustin. Nach Jobs im KFZ-Handel, Umzugsunternehmen und der Unterhaltungselektronik arbeitet er heute im Vertrieb eines Fliesenherstellers. Schon als Kind konnte er tagelang in die Welt der Bücher abtauchen. Ein Seminar für kreatives Schreiben gab 2012 den Anstoß, seinen Traum zu verwirklichen und Autor zu werden. Bisher sind mehrere Kurzgeschichten von ihm erschienen, vor kurzem auch sein Debütroman.

Hier könnt ihr mehr über Michael erfahren:

Webseite: http://michaelschaeferasb.wix.com/schreibtischtaeter
Link zum Buch: http://midnight.ullstein.de/ebook/stadt-der-geister/
facebook: https://www.facebook.com/Schreibtischtaeter-1568225070095412/
twitter: @MichaelSchfer71
Pinterest: https://de.pinterest.com/michaels1699/die-gregory-low-serie/

ABSTIMMUNG! Welcher Beitrag gefällt euch am besten?

Ab heute, 23. Mai.2016, folgt die Abstimmung: der Artikel mit den meisten „Gefällt mir“ (Button unter dem Artikel) bis zum 01. Juni gewinnt den ersten Preis. Die nachfolgenden beiden Texte gewinnen den zweiten beziehungsweise dritten Preis. Ihr dürft den Link zu euren Texten gern teilen. Wer nicht auf dem Blog abstimmen kann, darf mir gern per Mail seinen Favoriten mitteilen! Oder ihr klickt auf Twitter auf euren Favoritenbeitrag! Ich fasse am 02. Juni alles zusammen und werde euch die Reihenfolge der Gewinner mitteilen. Denn das Tolle ist: jeder Teilnehmer erhält einen Preis 😀 Bei gleicher Stimmenanzahl entscheidet das Los.

 

Gewinnspiel zu „Stadt der Geister“

Es ist wieder Zeit für ein Gewinnspiel! Ich freue mich sehr, dass uns Michael Schäfer, mit dem ich ein tolles Autoreninterview geführt habe, ein E-Book seines Debütromans „Stadt der Geister“ zur Verfügung stellt! Außerdem könnt ihr ein ausgedrucktes Exemplar meines E-Books „Schreib täglich“ gewinnen.

Gewinnen könnt ihr also:

 

1. Preis: „Stadt der Geister“ im Mobi- oder Epub-Format
2. Preis: „Schreib täglich“, ausgedruckt, zum Anfassen 🙂

Was müsst ihr tun, um am Gewinnspiel teilzunehmen?

1. Addiert:

Addiert die Dateigrößen von „Stadt der Geister“ und „Schreib täglich“ und schickt das Ergebnis an kontakt@denisefritsch.de

(Tipp: Schaut mal in die Produktinformationen, Stichwort „Dateigröße“, bei den Onlinebuchhändlern :-))

Teilnehmen könnt ihr bis einschließlich 28. Februar 2016. Die beiden Gewinner werden am 29. Februar per Mail benachrichtigt und im Blog bekannt gegeben.

Wir freuen uns, wenn ihr uns auf Twitter folgt!
Michael Schäfer: @MichaelSchfer71
Schreibretreat: @Schreibretreat

 

Michael Schäfer: Der „Stadt der Geister“-Autor im Interview (2/2)

IMG_20160119_172140-1Wie versprochen, folgt heute der zweite Teil des Interviews mit Michael Schäfer. Ihr erfahrt darin, wie er zum Schreiben gekommen ist und wie sein Schreiballtag aussieht. Ich wünsche euch viel Spaß! (Hier geht es noch einmal zum ersten Teil …)

Nun würde ich gern noch etwas über dich als Autor erfahren. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Viel Fantasie hatte ich schon immer, das drückte sich zuerst in Schulaufsätzen auf, die sehr fantasievoll waren, aber meist am Thema vorbeigingen. Ab und an habe ich dann Kurzgeschichten geschrieben, ganz früh sogar noch auf einer Schreibmaschine, die Älteren werden sich an diese Geräte erinnern, dann auf meinem ersten PC mit Windows 3.1., den ich mir vom ersten Lehrlingsgehalt kaufte.

Ich habe aber selten etwas zu Ende gebracht, da ich oft nur Ideen für eine Szene hatte, und keine Ausdauer. Dann gingen viele Jahre ins Land, durch Beruf und Familie verlagerten sich die Interessen, ich las sehr viel und schrieb gar nicht mehr. Dann las ich ich vor ein paar Jahren den Roman ,Kriegsklingen‘ von Joe Abercrombie. Er hatte einen ganz neuen Stil, eine harte, schmutzige Art, Fantasy zu schreiben. Das löste irgendwas in mir aus, jedenfalls bekam ich plötzlich eine Idee zu einer Geschichte. Ich schrieb einige Kapitel, mit einem sarkastischem Helden wie Abercrombie, aber diesmal wollte ich mich nicht damit zufriedengeben, es nur anzufangen und wieder wegzulegen.
Die Geschichte arbeitete in meinem Kopf und ich dachte: Vielleicht fehlt mir nur das nötige Handwerk, um richtig zu schreiben. Daher buchte aus Zeitgründen einen Onlinekurs bei der Akademie für modernes Schreiben. Der lief drei Monate und war sehr nützlich: Ich lerne erste Techniken für die Planung, wie z. B. das Clustern, oder was ein Spannungsbogen ist. Dazwischen nahm mein Romanprojekt, das nun ,Lothus´ Weg‘ heißt, immer mehr Gestalt an.
Ich las einige Schreibratgeber und buchte dann im September 2012 ein Seminar für kreatives Schreiben. Es fand in der Eiffel in einem alten Kloster statt und dort „zwang“ man mich, ein Exposé für mein Projekt zu schreiben. Plötzlich hatte ich eine Geschichte mit Anfang und Ende, dazu bekam ich dort positives Feedback zu meinen bereits fertigen Kapiteln. Das alles motivierte mich, endlich einen wirklichen Roman zu schreiben – und es schaffen zu können! Inzwischen änderte ich nach einer Lesung mit dem Autor Klaus-Peter Wolf auch meine Schreibtechnik. Er schreibt seine Krimis mit Füller in Collegeblöcke. Das probierte ich aus und merkte, das liegt mir.
Auf der Buchmesse 2014 lernte ich das Lyx-Storyboard des Egmont-Verlages kennen, dort kann man seine Texte auf eine Plattform stellen und von anderen Lesern/Autoren beurteilen lassen. Ich hatte inzwischen gut dreihundert Seiten, stellte die ersten Kapitel dort online und wartete ab, was passierte. Bald bekam ich erste Anmerkungen über Schreibfehler – aber auch Reaktionen der Begeisterung. Die Leute dort mochten meinen Text und ich schrieb weiter. So motiviert versuchte ich nebenbei auch andere Geschichten zu schreiben und dort einzustellen – und bekam ebenfalls sehr konstruktive Kritik. Inzwischen ist ,Lothus´ Weg‘ ziemlich angewachsen und wird bei ca. 800 Seiten beendet werden – in diesem oder im nächsten Jahr.

Kannst du dich noch an deine erste Veröffentlichung erinnern?

Oh ja, ich probierte vor zwei Jahren verschiedene Selfpublisher-Plattformen aus, u. a. Bookrix. Um zu testen, wie man dort veröffentlicht, nahm ich eine alte Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte von mir und schickte diese in die Welt. Sie ist harmlos und nichts Besonderes, aber ausversehen haben sie sogar ein paar Leute gekauft.

Was motiviert dich zum Schreiben?

Ich möchte einfach Geschichten erzählen, und zwar so viele wie möglich. Und sie nicht mehr für mich behalten, sondern veröffentlichen. Ich versuche zu lernen und besser zu werden, um noch besser schreiben zu können. Befreundete Autoren sagen zu mir, ich hätte einen besonderen Stil, und normalerweise glaube ich sowas nicht. Aber wenn dem so ist, will ich das nutzen, um die Dinge zu schreiben, die ich selber gerne lesen möchte. Da ich mich für sehr vieles interessiere (ich bin wohl eine Scanner-Persönlichkeit), habe ich Ideen für Science-Fiction, Dark Fantasy, Historische Fantasy, Jugend- und Kinderbücher, Frauenunterhaltung und Krimis in der Schublade. Ich möchte jedes Genre einmal ausprobieren und herausfinden, ob ich es kann, dort eine gute Story abzuliefern. In Fantasy bin ich bereits dabei, mit meinem historischen Krimi habe ich es schon geschafft. Aber inzwischen lasse ich keine Idee mehr ungenutzt – ich habe in früheren Jahren schon zu viele verschwendet.

Wie schreibst du? Kannst du etwas aus deinem Schreiballtag erzählen? Schreibst du drauf los oder planst du?

Planen – argh. Ich bin auf keinem Fall ein Plotter. Wenn ich eine Geschichte anfange, dann habe ich immer Anfang und Ende im Kopf. Dazwischen gibt es einen Roten Faden, mit Wegepunkten, die erreicht werden müssen. Alles andere kommt einfach. Ich denke dabei szenisch, ich stelle mir Szenen vor – die müssen nicht in der Reihenfolge sein, wie sie später in der Geschichte auftauchen – schreibe sie in mein Projekt-Notizbuch und später dann per Hand in das eigentliche Buch. Meist nutze ich A5-Ringblöcke mit achtzig Blatt und neunzig Gramm Papier. Nur kleine Kurzgeschichten tippe ich direkt in den PC oder das Handy über Word Mobil. Ich habe schon mal den Fehler gemacht, etwas ganz genau zu planen – ich hatte plötzlich keine Lust mehr, die Geschichte zu schreiben, denn für mich war sie damit bereits erzählt! Ich brauche den roten Faden und das Ende, das Ziel der Geschichte, dieses zu erreichen motiviert mich.
Aber ein wenig Organisation gibt es schon. Für ,Lothus´ Weg‘ habe ich z. B. eine Pinnwand benutzt, um mir die einzelnen Stationen der Geschichte zu visualisieren, außerdem habe ich mir Landkarten gezeichnet, um zu wissen, wo ich mit den Figuren bin. Allerdings ist es bei Fantasy eh etwas komplexer, da man hier neue Welten erfinden, bei Stadt der Geister habe ich so etwas nicht gemacht, die Welt dort ist überschaubarer. Bei Schreibblockaden schreibe ich oft mit etwas anderem weiter, oder fange etwas ganz Neues an, in einem anderen Gerne, das bringt mich auf andere Gedanken und bald wieder auf die Geschichte zurück, bei der es nicht weitergehen wollte. Aber das sind alles Dinge, die man nach und nach lernt. Man lernt sich selbst als Autor besser kennen, schließlich fällt man, entgegen landläufiger Annahme, nicht als fertiger Schriftsteller vom Himmel.

Wie viel Zeit nimmst du dir zum Schreiben?

Dazu muss ich sagen, das reine Schreiben und die Zeit, die man Drumherum als Schreibzeit braucht, etwas Unterschiedliches sind. Ich versuche jeden Tag mindestens eine Stunde intensiv zu schreiben oder abzutippen. Die restliche Zeit, die man als Autor braucht, geht meist für anderes drauf. Die wenigsten Autoren, die ich kenne, setzen sich einfach hin und schreiben sofort. Man braucht immer eine gewisse Rüstzeit, um in die Geschichte reinzukommen, um die richtigen Szenen abzurufen, die passende Stimmung zu finden. Dazu muss man oft viel recherchieren oder man hat Fragen zur Grammatik oder Rechtschreibung und tauscht sich mit anderen Autoren aus. Wenn man sich abends hinsetzt und hat vier Stunden Zeit, gehen davon oft drei nur für anderes drauf. Das ist auch ein Grund für mich gewesen, mobil von unterwegs zu schreiben, um wenigstens Tipparbeit oder Korrekturzeit einzusparen. Manchmal sitzt man auch einfach nur rum – und arbeitet, was Angehörige oft irritiert, die denken „der macht doch gar nix“! Aber man überlegt und ruft die Szenen ab, die wie ein Film vor dem inneren Auge ablaufen. Diese dann genau zu beschreiben, ist dann der eigentliche Schreibprozess.

Was ist dein nächstes Projekt?

Ich schreibe zurzeit am nächsten Band der Reihe „Ein Fall für Gregory Low“, außerdem einer Dark-Fantasy-Geschichte mit Dämonen und einer Rockband und einem humorvollen Hexen-Krimi mit mehreren Teilen. Und natürlich wartet mein erster Fantasy-Roman noch auf Vollendung.

Michael, ich danke dir für deine Zeit und für das tolle Interview! Viel Erfolg weiterhin beim Schreiben!

Gewinnt ein E-Book von „Stadt der Geister“! Bis zum 28. Februar 2016 könnt ihr noch mitmachen. Hier geht es zum Gewinnspiel!

Lesung: Wenn ihr Michael persönlich kennenlernen wollt, habt ihr am 17. April 2016 die Gelegenheit dazu. Im Café Voyager in Bonn liest er aus „Stadt der Geister“. Mit dabei ist auch die Autorin Tatjana Flade, die aus ihrem Thriller „Herz im Fadenkreuz“ liest. Der Eintritt ist frei! www.voyager-bonn.de

Mehr über Michael Schäfer erfahrt ihr hier:

Webseite: http://michaelschaeferasb.wix.com/schreibtischtaeter
Link zum Buch: http://midnight.ullstein.de/ebook/stadt-der-geister/
facebook: https://www.facebook.com/Schreibtischtaeter-1568225070095412/
twitter: @MichaelSchfer71
Pinterest: https://de.pinterest.com/michaels1699/die-gregory-low-serie/

Michael Schäfer: Der „Stadt der Geister“-Autor im Interview (1/2)

IMG_20160119_172140-1Michael Schäfer wurde in Troisdorf bei Bonn geboren und lebt zur Zeit in Sankt Augustin. Nach Jobs im KFZ-Handel, Umzugsunternehmen und der Unterhaltungselektronik arbeitet er heute im Vertrieb eines Fliesenherstellers. Schon als Kind konnte er tagelang in die Welt der Bücher abtauchen. Ein Seminar für kreatives Schreiben gab 2012 den Anstoß, seinen Traum zu verwirklichen und Autor zu werden. Bisher sind mehrere Kurzgeschichten von ihm erschienen, vor kurzem auch sein Debütroman.

 

 

Ich freue mich, euch heute den ersten Teil des Autoreninterviews mit Michael Schäfer vorstellen zu dürfen. Meine Interviews, die ich mit Autorinnen und Autoren führe, haben immer das Ziel, einen Einblick in deren persönliches Vorgehen zu bekommen. Ich finde es selbst unheimlich inspirierend, wie andere beim Schreiben vorgehen und wie sie es geschafft haben, ihr Buch auf den Markt zu bringen. Michael hat sich extra viel Zeit genommen, um meine Fragen zu beantworten. Das Interview besteht aus zwei Teilen. Im heutigen ersten Teil erfahrt ihr, wie sein Debütroman entstanden ist. Ich wünsche euch viel Spaß! Lasst euch inspirieren!

Zunächst möchte ich dir zu deiner neuen Buchveröffentlichung gratulieren! „Stadt der Geister. Ein Fall für Gregory Low“ ist am 12. Februar bei Midnight/Ullstein erschienen. Wie fühlst du dich, jetzt, nachdem es endlich auf dem Markt ist?

Vielen Dank! Ich bin erstmal erleichtert. Selbst mit einem Verlag im Rücken ist es nicht ganz einfach, ein Buch herauszubringen. Es gibt Termine, die einzuhalten sind, man muss sich mit dem Lektorat absprechen, es müssen Entscheidungen über das Cover oder den Titel getroffen werden… das alles kostet Zeit und Nerven.
Vor allem wenn man es in seiner Freizeit regeln muss, da ich ja kein Vollzeit-Autor bin und einen normalen Beruf habe. Die Zusammenarbeit mit Ullstein ist aber ausgesprochen gut und konstruktiv. Nach dem Korrektorat wurde es ruhiger und ich konnte mich um erste Werbemaßnahmen kümmern, diese sind jetzt größtenteils abgeschlossen. Jetzt dominiert die Erleichterung, das mein Buch endlich erschienen ist und langsam kommt die Angst hoch, die jeder Autor kennt: Wird mein Buch gefallen? Wie kommt es beim Leser an? Wird man mich in der Luft zerreißen? Aber ich denke, das ist normal (hoffe ich).

Ja, diese Angst kennt sicherlich jeder Autor. Deine Romanfigur Gregory Low ist ein Privatdetektiv im Los Angeles der 1940er Jahre. Wer hat dich zu dieser Figur inspiriert?

Die kurze Fassung ist, ich wurde auf eine Anthologie-Ausschreibung des Art-Skript-Verlages aufmerksam, der Kurzgeschichten suchte, in denen Fantasy, Film Noir und Krimi miteinander kombiniert werden. Das inspirierte mich zu einem klassischen Film-Noir-Detektiv, der mit Geistern zu tun haben sollte. Eine Art Sam Spade oder Philip Marlowe wie in den alten Filmen aus den 40er/50er Jahren, kombiniert mit modernen Fantasy- und Mystery-Elementen, wie man sie aus TV-Serien wie Supernatural, Grimm oder den Büchern von Jim Butcher kennt.
Leider wurde meine Kurzgeschichte nicht angenommen, die Beschränkung auf 20 Seiten tat dem Ganzen eben auch nicht gut, daher fing ich an, eine zweite, längere Geschichte zu schreiben, mit mehr Platz und Gelegenheit, die Welt des Gregory Lows anschaulich zu schildern. Daraus wurde dann ,Stadt der Geister‘.
Zu der langen Version gehört noch, das ich schon immer den klassischen Krimi mochte, von A. C. Doyle oder A. Christie. Vor allem Geschichten, wo der Fall eigentlich nicht so wichtig ist, sondern die Personen und das Setting, der Ort und die Atmosphäre.

Kannst du meinen Lesern erzählen, wie du bei der Recherche vorgegangen bist? Wie hast du dich in dieser längst vergangenen Zeit zurechtgefunden?

Bei einem Roman, der in der Vergangenheit spielt und dazu in einem anderen Land, muss man natürlich einiges recherchieren, wenn man halbwegs realistisch sein will. Obwohl ich eine alternative Vergangenheit gewählt habe, um die Welt von Gregory Low zu schildern, wollte ich es trotzdem so echt wie möglich machen. Als erstes habe ich zwei alte Romane von Raymond Chandler und Dashiel Hammet gelesen, um mich an die Zeit damals heranzutasten. Wie hat man damals geredet? Welche Redewendungen waren modern, was hat man gegessen oder getrunken, wie ging man miteinander rum? Außerdem durchforstete ich hunderte von Fotos, um Gebäude, Straßen und Geschäfte kennen zu lernen. Pinterest war eine große Hilfe, ich habe dazu auch eine Galerie angelegt, mit passenden Bildern zum Roman. Auch der Energieversorger L. A. Water and Power und die L. A. Pulic Library waren sehr hilfreich, dank frei zugänglicher Bildarchive. Ich fand dort auch alte Stadtkarten, Adressverzeichnisse und Speisekarten, Werbeplakate und Zeitungsmeldungen. Seitdem liebe ich auch Art Déco.
Ich habe versucht, soviel wie möglich davon in meinem Buch einzubauen, um es echt wirken zu lassen. Alle Straßen und öffentliche Gebäude, die ich erwähne, gibt es wirklich. Auch die Cafés und Lokale, gab es oder gibt es heute noch. Vielleicht schreibe ich irgendwann einen historischen Reiseführer…

Wow, das war eine Menge Arbeit! Wie lange hat es von der Planung bis zur Versenden des Manuskripts an Midnight/Ullstein gedauert, bist du „Stadt der Geister“ abschließen konntest?

Das ist eine gute Frage. Denn es gibt zwei Schritte bei der Entstehung dieses Buches. Die erste Version brauchte vom ersten Satz bis zur letzten Korrektur sechs Monate. Ich schreibe nach Feierabend oder unterwegs, daher hat es recht lange gedauert. Dann schickte ich mein Manuskript ein, damit begann Schritt zwei: Nachdem der Verlag mein Manuskript annahm, brauchte ich nochmal rund sechs Wochen, denn meiner Lektorin war das Buch zu kurz! Meine Aufgabe bestand dann bis Weihnachten 2015, das Ganze noch um ein Drittel zu verlängern. Das war gar nicht mal so einfach, da das Buch ja eigentlich abgeschlossen war, dann neue Protagonisten und Kapitel in eine bestehende Handlung einzufügen, ohne alles zu zerstören, war eine echte Herausforderung. Aber es ging dann doch schneller, als gedacht, so dass ich noch vor dem Abgabetermin am 21.12. fertig wurde.

Du hast mir mal erzählt, dass du dein Manuskript teilweise auf dem Handy geschrieben hast. Für mich ist das immer noch unvorstellbar, aber es funktioniert ganz offensichtlich wunderbar. Du kannst also immer und überall schreiben? Wo hast du geschrieben?

Eigentlich kann ich überall schreiben, habe ich festgestellt. Da ich nur in meiner Freizeit schreiben kann, nutze ich jede Gelegenheit, die sich bietet. Ich schreibe erstmal sehr altmodisch mit Füller in Notizbücher. Das ist für mich kreativer. Aber dadurch entsteht das Problem: Wer tippt das alles in ein Schreibprogramm? Da außer mir niemand meine Schrift lesen kann, habe ich zuerst versucht, meine Notizen zu Hause am PC abzutippen. Das dauerte mir aber zu lange. Ich fahre jeden Tag 2 Stunden mit der Bahn zur Arbeit, diese Zeit bot sich an, sie für das Schreiben und Tippen zu nutzen. Aber immer ein Laptop herumschleppen wollte ich auch nicht. Daher fand ich für mich eine Lösung: Ich nutze mein Smartphone mit 5“ Bildschirm und eine kompakte Bluetooth-Tastatur. Das Handy hat man eh ständig dabei, dank mobiler Apps wie Google Docs und Word Mobil kann ich meinen Text unterwegs in eine Cloud übertragen und zu Hause weiterbearbeiten. Das einzige was ich tragen muss, ist eine Tastatur mit ein paar Hundert Gramm, deren Akku einen Monat reicht und mein Smartphone. Damit schreibe ich in der Bahn, im Café oder Restaurant, im Stehen, im Sitzen, überall. Sogar im Gehen, dann aber tippe ich direkt über den Display ein. So schaffe ich das Doppelte an Schreibzeit.

Geniale Lösung, um die Zeit produktiv zu nutzen. Aber wie gelingt es dir, die Umweltreize auszublenden?

Das geht sehr gut, momentan sitze ich direkt neben einem Presslufthammer, der grade ein Stück Straße zerlegt. Nein, natürlich nicht, Scherz beiseite. Normalerweise gelingt mir das ausblenden sehr gut. Ich tippe in der vollen Bahn oder im Café oder Restaurant. Nur wenn pausenlos jemand redet, dann nervt mich das, weil es meine innere Stimme übertönt. Zu Hause habe ich gerne Musik oder absolute Ruhe, je nach Stimmung. Darum schreibe ich auch gerne nachts, weil alles etwas ruhiger ist.

Was war dein größter Lerneffekt während des Schreibens? Gibt es etwas, was du heute im Nachhinein anders machen würdest?

Gelernt habe ich viel über Stil. Dieses Buch ist auch einer personalen Perspektive geschrieben, die ich normalerweise nicht mag. Heute ist es ja modern, den Leser in eine Person quasi hineinzuschießen, ihn direkt alle Gedanken, Sorgen und Hoffnungen miterleben zu lassen – was mir persönlich nicht gefällt. Mir gefiel aber der Stil in klassischen Krimi, wie z. B. bei Raymond Chandler, der zwar auch diese Ich-Perspektive verwendet, aber in einer eher distanzierten Form. Der Detektiv verrät selten etwas von sich, erzählt im Grunde nur noch, kommentiert, gibt zynische Statements, aber er offenbart kaum wahre Gefühle oder Gedanken. So ist der Leser zwar am Helden dran, aber so dicht, dass er den ganzen Raum einnimmt. Das mir diese Art zu schreiben auch liegt, war überraschend für mich. Das nächste Buch würde ich auch von Anfang an länger gestalten. Und es hat mir großen Spaß gemacht, kleine Anspielungen einzubauen, z. B. haben befreundete Autoren kleine Nebenrollen bekommen, das werde ich auch weiter beibehalten.

Morgen geht es mit dem zweiten Teil und einem tollen Gewinnspiel weiter! Hier könnt ihr bereits mehr über Michael erfahren:

Webseite: http://michaelschaeferasb.wix.com/schreibtischtaeter
Link zum Buch: http://midnight.ullstein.de/ebook/stadt-der-geister/
facebook: https://www.facebook.com/Schreibtischtaeter-1568225070095412/
twitter: @MichaelSchfer71
Pinterest: https://de.pinterest.com/michaels1699/die-gregory-low-serie/