Organisiert, reflektiert und motiviert mit einem Schreibjournal

Artikel aus der aktuellen QWERTZ 1/2017

Organisiert, reflektiert und motiviert mit einem Schreibjournal

Zu Beginn meiner Ausbildung zur Schreibberaterin hat uns der Professor aufgefordert, ein Lernjournal zu führen. Darin sollten wir unsere Erkenntnisse, Erfahrungen, Beobachtungen hinsichtlich der Ausbildung notieren sowie Ideen und Texte sammeln. Es war das erste Mal, dass ich davon hörte. Seitdem nutze ich das Journal bei jedem neuen Schreibprojekt. Ein Journal ist eine Art Tagebuch, in dem Gedanken zu einem bestimmten Projekt festgehalten werden.

Es ist ein großartiger Ort, um zu experimentieren und zu reflektieren. Viele berühmte Autoren haben Journale geführt, unter anderem Franz Kafka, Hermann Hesse, Virginia Woolf oder Hanns-Josef Ortheil.

Der Nutzen eines Schreibjournals

Das Schreiben eines Romans oder eines Ratgebers ist ein langwieriger Schreibprozess, bei dem der Schreibende immer wieder Rückschläge einstecken muss. Mit dem regelmäßigen Schreiben eines Journals lassen sich diese besser verkraften. Man ist organisierter, reflektiert seine Arbeitsschritte, seine Gedanken und Ideen. Erfolge werden ebenso notiert wie Schreibvorhaben. Durch diese Praxis schafft man sich selbst eine Motivationsgrundlage.

Viele Schriftsteller nutzen das Journalschreiben außerdem als Möglichkeit, um ihre Schreibstimme zu entwickeln. Sie geben sich innerhalb des Journals den Raum, schreibend zu experimentieren, Schreibimpulse auszuprobieren und somit Texte zu schreiben, die sie zwar nicht verwenden, die aber dennoch das Schreibprojekt beflügeln. Zudem nimmt das tägliche Journalschreiben die Hürde, mit dem Schreiben überhaupt zu beginnen: vor dem Schreiben nutzt man das Journal, um sich über den vergangenen Arbeitsprozess zu informieren, das Arbeitsvorhaben zu überdenken etc.

Wie führt man ein Schreibjournal?

Für ein Schreibjournals gibt es keine Vorgaben. Sie können skizzieren, schwafeln, zeichnen, Listen machen, Dialoge führen – es ist Ihre Entscheidung, wie Sie vorgehen. In meinem eigenen Schreibjournal gibt es einen vorgegebenen Rahmen, der mir hilft, das tägliche Schreiben zu dokumentieren, meine Gefühle zu reflektieren und zu vermerken, was gut funktioniert hat und wobei ich Schwierigkeiten hatte. Zusätzlich schreibe ich auf, was die nächsten Schritte innerhalb meines Projektes sein sollen.

Das Journal kann beispielsweise folgende Funktionen erfüllen:

– Dokumentation, was an einem (Schreib-)Tag passiert ist – Ideenmanagement
– Analyse und Bewertung von Fremdtexten
– Schreibbegleiter
– Reflexionsinstrument
– Experimentierfeld für Textfragmente – Methodendokumentation

Schauen wir uns die einzelnen Punkte etwas genauer an:

Dokumentieren: In Ihrem Journal können Sie Ihre eigene Arbeitsweise dokumentieren und diese rückblickend analysieren. Wie habe ich mich heute beim Schreiben gefühlt? War ich konzentriert? Woran hat es gelegen, dass ich nicht ins Schreiben kam? Was habe ich heute besonders gut gekonnt? Wie bin ich eingestiegen?

Ideenmanagement: Sie können Ideen festhalten, die Sie im Verlauf Ihrer Geschichte umsetzen wollen. So bekommen Sie die Gedanken aus dem Kopf und können sich wieder auf die Stelle konzentrieren, an der Sie gegenwärtig arbeiten.

Bewerten und Analysieren: Sie können das Journal nutzen, um beispielsweise die Einstiege von Romanen oder Kurzgeschichten anderer Kollegen zu bewerten. Dazu schreiben Sie einfach den Anfang heraus und schreiben Ihre Gedanken nieder. Was hat mir gefallen? Was nicht? War der Einstieg spannend? Warum habe ich ihn spannend empfunden?

Reflektieren: Ihre Journaleinträge sind Ihre späteren Reflexionsinstrumente. Mit Hilfe eines Journals erkennen Sie, welche Gedanken Sie sich wann zu welchen Themen gemacht haben. Sie können die Einträge nutzen, um zu reflektieren, wie Sie zukünftig effektiver arbeiten können bzw. welche Arbeitsschritte und Methoden Sie tatsächlich zu den erwünschten Erfolgen geführt haben.

Experimentieren: Oder Sie nutzen das Journal, um vor Ihrer eigentlichen Arbeit an Ihrem Roman oder an Ihrer Kurzgeschichte eine kreative Schreibübung auszuprobieren. Dadurch entstehen wiederum neue Ideen, die Sie als Schriftsteller in Ihrem Roman umsetzen können.

Wie schreiben andere? Interview mit Ursula Hahnenberg

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich euch in meinem aktuellen Interview eine sympathische Autorin vorstellen, auf die ich durch eine gemeinsame Bekannte aufmerksam geworden bin. Ich lese gerade ihr aktuelles Buch „Wolfstanz“, das am 17. April ganz frisch im Goldmann-Verlag erschienen ist.

In ihrem Buch ermittelt die Försterin Julia Sommer. Eine Försterin, die ermittelt? Ja. Und zwar richtig gut! Warum sich Ursula Hahnenberg für eine Försterin als Protagonistin entschieden hat und wie sie beim Schreiben vorgeht, erfahrt ihr in meinem Interview mit ihr. Dieses Interview gehört zur Reihe „Wie schreiben andere?“.

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Ursula Hahnenberg, Jahrgang 1974, lebt mit Mann, zwei Jungs und zwei Katzen in einem kleinen Dorf in der Nähe von München. Sie studierte Forstwissenschaften, arbeitete bei einer Baumaschinenfirma, einem Autohersteller und einer Unternehmensberatung, hatte einen Laden für Modelleisenbahnen und einen für Kinderbekleidung. Heute ist sie als freie Autorin tätig und schreibt neben Büchern auch Artikel und Kolumnen. Außerdem korrigiert und lektoriert sie Texte.

Liebe Uschi, wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich habe schon als Kind viel gelesen und als Jugendliche angefangen zu schreiben. Aber ich habe mich damals nicht wirklich getraut, das jemand anderem zu lesen zu geben. Erst viele Jahre später habe ich meinen Traum wahrgemacht, habe eine einjährige Belletristikausbildung absolviert und (wieder) angefangen zu schreiben.

Gibt es einen Autor, eine Autorin, der/die dich inspiriert?

Es gibt viele AutorInnen, die mich beeindruckt haben, aber in diesem Zusammenhang würde ich gerne Zoë Beck nennen. Ihre Kriminalromane sind spannend, toll recherchiert und brandaktuell.

Du arbeitest heute als freie Autorin und Lektorin. Was gefällt dir besonders gut an deiner Arbeit?

Am besten gefällt mir, dass ich mich den ganzen Tag mit Schreiben und Lesen, mit Geschichten beschäftigen darf. Das sind meine absolut liebsten Tätigkeiten: meinen eigenen und den Geschichten anderer AutorInnen ans Licht helfen.

Dein erster Krimi „Teufelsritt: Ein Fall für Julia Sommer“ erschien 2016. Was hat sich seitdem für dich verändert?

Ich schreibe mehr und zielgerichteter. Ich lese Rezensionen. Manchmal treffe ich Leute, die mein Buch gelesen haben. Aber die größte Veränderung ist wohl, dass ich meine Scheu, vor Publikum vorzulesen überwunden habe und es jetzt sogar richtig gerne mache.

Wie bist du auf die Idee zu dieser Geschichte gekommen?

Die Kernfrage war für mich: Was passiert, wenn eine Frau beschuldigt wird, ihren Chef ermordet zu haben. Und dann war mir recht schnell klar, dass die Hauptfigur Försterin sein soll. Also eine Frau, die sich in einem „Männerberuf“ durchsetzt. Die eine Waffe bedienen kann, obwohl sie keine Polizistin ist.

Wer ist deine Protagonistin Julia Sommer? Kannst du sie kurz beschreiben?

Julia ist Mitte dreißig, sie arbeitet als Försterin im Privatwald. Zusammen mit ihrer Großmutter und ihrem Sohn wohnt sie im Forsthaus. Julia hat früh ihre Eltern durch einen Autounfall verloren und ist dadurch sehr selbstständig und manchmal ein bisschen eigensinnig. Gerechtigkeit ist ihr wichtig, genauso wie der Wald und die Achtung vor der Natur. Aber an erster Stelle stehen ihr Sohn Florian und ihre Großmutter.

IMG_1913.JPGAm 17. April ist mit „Wolfstanz“ dein zweiter Julia-Sommer-Fall erschienen. Worum geht es darin?

Im „Wolfstanz“ verschwindet ein Mädchen beim Joggen. Zeitgleich taucht ein Wolf im Wald auf und die Menschen fragen sich, ob ein Zusammenhang besteht.

Wie gehst du beim Schreiben einer Geschichte vor? Planst du oder schreibst du einfach drauf los?

Ich plane sehr genau, mit Plot und Kapitelplan. Ich halte das gerade beim Krimi für sehr wichtig, um die verschiedenen Fäden nicht zu verlieren, sondern zu einem möglichst spannendem Ganzen zu verflechten. Aber auch bei Kurzgeschichten steht der Handlungsablauf vorher zumindest im Kopf schon fest.

Wie viele Stunden schreibst du täglich oder pro Woche? Hast du feste Schreibzeiten?

Wenn ich eine Schreibphase habe, nehme ich mir täglich eine bestimmte Anzahl von Seiten vor, das dauert an einem Tag mal länger, an anderen etwas kürzer. Insgesamt versuche ich, jeden Tag, auch wenn ich in andere Projekte eingespannt bin, mindestens eine Seite zu schreiben.

Und wie beginnst du eine Schreibphase?

Ich recherchiere. Meist gestalte ich ein Notizbuch für das Projekt, in dem notiere ich passende Namen, Orte, mache Skizzen oder klebe Zeitungsausschnitte ein. Damit finde ich mich in meine Figuren und in die Geschichte ein. Wenn ich zwischendurch ins Stocken gerate, nehme ich das Notizbuch wieder zur Hand.

Was hast du während des Schreibens deiner beiden Krimis über dich als Autorin gelernt?

Schreiben lernt man nur dadurch, dass man es tut. In meinem Fall heißt das auch, dass ich mich immer wieder gegen meine innere Kritikerin durchsetzen muss. Die Erkenntnis, dass ich auch als Lektorin tauge, hilft mir dabei, auch wenn ich damit nicht sagen will, dass man die eigenen Texte lektorieren könnte.

Du wirst durch eine Verlagsagentur vertreten. Wie lange hat die Suche nach einer passenden Agentur gedauert und wie bist du vorgegangen.

Ich habe mich bei der Agentur gemeldet und mit Leseprobe und Exposé beworben. Beides hat gefallen und nachdem die Agentin den ganzen Roman gelesen hat, haben wir einen Vertrag abgeschlossen. Das dauerte insgesamt ein paar Monate.

Was ist dein nächstes Projekt?

Zuallererst werde ich jetzt eine Kurzgeschichte schreiben, die ich bei einem Wettbewerb einreichen möchte. Danach werde ich mich entweder um den dritten Band um Julia Sommer kümmern oder einen Stand-Alone Thriller schreiben. Und dazwischen möchte ich mich noch um die Veröffentlichung einer Sammlung von Kolumnen, die ich in den vergangen Jahren für eine Zeitschrift geschrieben habe, kümmern. Und natürlich werde ich jetzt anfangen, für die anstehenden Lesungen zu üben.

Vielen lieben Dank für deine Fragen! Das Interview hat mir großen Spaß gemacht

Weitere Informationen zu Ursula Hahnenberg findet ihr auf ihrer Homepage!

 

 



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Du möchtest auch endlich dein Buch veröffentlichen, findest aber nicht in den Schreibflow? Mein aktueller Schreibratgeber „Schreib täglich!“ hilft dir auf die Sprünge! Oder möchtest du dich etwas unter Druck setzen lassen? 🙂 Kein Problem! Mein neues E-Mail-Seminar „SCHREIB DEINEN ROMAN! – Ein etwas anderer E-Mailkurs“ beginnt am 13. Mai.

Neuer Romanschreibkurs im Oktober: Roman schreiben – Von der Idee zum Schreibprozess

Ich will einen Roman schreiben – doch wie fange ich an? Wie wird aus einer Idee ein packender Roman? In diesem Wochenendseminar wird der Weg von der Idee zum Schreibprozess Schritt für Schritt beleuchtet. Erfahren Sie, wie Sie Ihren Schreibprozess, Ihre Recherchen, Ihren Plot etc. strategisch und wirkungsvoll planen und umsetzen. Praktische, kreative Übungen sowie Beispiele aus der Literatur begleiten uns durch das Schreibwochenende. Tipps und nützliche Hinweise zu verschiedenen Themen aus der Schreibforschung runden das Seminar ab.

Mehr Infos gibt es in einem meiner nächsten Newsletter und auf meinem Blog! Fragen können natürlich jederzeit gestellt werden.

Termine: ausgebucht
Anmeldeschluss:
Kosten:  199 Euro bzw. 179 Euro (bei Buchung bis 30.8.2013)
Ort: Kassel