„Ich habe zwei Wochen Tagebuch geschrieben – aus der Sicht des Mörders.“ – Interview mit der Autorin Barbara Steuten

_dsc8367Hallo ihr Lieben,

heute darf ich euch in einem Interview Barbara Steuten vorstellen, deren Krimi-Debüt „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“ in am 17. November im edition Oberkassel Verlag in Düsseldorf erscheint!

Wie ihr wisst, geht es in meinen Interviews mit Autorinnen und Autoren (Kategorie: Wie schreiben andere?) immer um die Frage, wie der Schreibprozess gestaltet wurde. Ebenso interessiert es mich, wie sie das Schreiben in den Alltag integrieren. Ich finde es furchtbar spannend, wie andere arbeiten, wie sie es schaffen, den normalen Familienalltag mit dem Schreiballtag zu vereinbaren. Denn daraus kann man selbst so viel mitnehmen! Und wie unterschiedlich die Ideen und Herangehensweisen sind! Das ist doch toll, oder?

Auch Barbara Steuten hat mir in dem folgenden Interview davon erzählt, wie sie bei ihrem Krimi vorgegangen ist, wie sie recherchiert hat und wie die Verlagssuche lief. Außerdem gibt sie Einblicke, wie sie ihre Protagonistin Kati Küppers entwickelt hat. Und natürlich fehlen auch keine Schreibtipps! Ich bin mir sicher, dass ihr nach dem Lesen des Interviews wie ich auch Lust habt, ihren Krimi „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“ zu lesen. 🙂

Hier findet ihr Barbara Steuten übrigens im Internet: www.barbara-steuten.de. Schaut doch mal bei ihr rein – aber lest erst das Interview, in Ordnung? Danke! 🙂

Liebe Grüße,

Denise

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(c) Barbara Steuten

„Ich habe zwei Wochen Tagebuch geschrieben – aus der Sicht des Mörders.“ – Interview mit der Autorin Barbara Steuten

Barbara, seit wann schreibst du?

Ich habe schon als Kind gerne Geschichten und Berichte geschrieben. Als Jugendliche habe ich die Geduld meiner Freunde mit Gedichten strapaziert. Aber als freie Autorin schreibe ich seit 2010.

Du hast drei Kinder, wie alt sind sie? Ab wann war etwa der Zeitpunkt, als du als Mutter wieder mehr Zeit zum Schreiben hattest?

Die Älteste wird 20, studiert bereits und wohnt daher in Düsseldorf. Der Mittlere wird dieses Jahr 18 und der Jüngste ist 11 Jahre alt.
Den Zeitpunkt suche ich immer noch. Nein, im Ernst. Dass ich Schriftstellerin werden wollte, habe ich erst realisiert, als unser Jüngster bereits in den Kindergarten ging. Da hatte ich übrigens mehr und verlässlicher Zeit zum Schreiben, als später in der Schulzeit. Und Mutter bleibe ich mein Leben lang. Auch wenn ich jetzt keine Windeln mehr wechseln muss, ist es mir wichtig, bei Problemen in der Schule, an der Uni, mit den Freunden, im Sport … ansprechbar zu sein. Krank sind Kinder auch, wenn sie fast volljährig sind.

Am 17. November erscheint unter dem Titel „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“ im edition oberkassel Verlag, Düsseldorf, dein Debüt-Roman. Worum geht es?

Im idyllischen Niederbroich, einem typischen (aber fiktiven) Dorf im Rheinland, düst die Küsterin Kati Küppers mit ihrem apfelsinenfarbenen Hollandrad zwischen Kirche und Kapelle hin und her und verwandelt das Pfarrzentrum auch schon mal in eine Disco für die Jugend. Hier ist die Welt noch in Ordnung, bis eines Tages der Kaplan die Kirchenkellertreppe hinunterstürzt und Kati Küppers plötzlich unter Mordverdacht steht. Mit der Unterstützung ihres Enkels und diverser Heiliger macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder.

Wie ist die Idee zu deiner letzten Geschichte entstanden?

Elke Pistor (schreibt vor allem Eifel-Krimis) stellte uns im Seminar „Von Anfangen bis Zuspitzen – wie man plottet“ die Aufgabe, eine Figur zu beschreiben, die lange vor ihrem Wecker aufwacht … und so wurde Kati Küppers „geboren“.

Erzähl mir ein wenig von deiner Protagonistin Kathi Küppers. Wer ist sie und wie bist du vorgegangen, um sie zu entwickeln?

Kati Küppers hat den Spürsinn einer Miss Marple, den Humor eines Don Camillos und die Neugier einer Pippi Langstrumpf. Ursprünglich hieß sie Katharina, wurde schnell zu Käthe, was sie aber zu alt machte. Mittlerweile schreibt sie sich sogar ohne H. Ich habe sie, ihr Äußeres und ihr Handeln in verschiedenen Szenen beschrieben und diese Szenen drei Freundinnen vorgestellt. Die deckten schonungslos Widersprüche und Ungereimtheiten auf. Gemeinsam legten wir Verhaltensweisen fest, bis Kati Küppers die Ermittlerin war, die ich haben wollte. Als ich mir die Haare abschneiden ließ, musste sich Kati noch ein bisschen mehr verändern, damit keiner auf die Idee kommt, Figur und Autorin zu verwechseln oder irgendwelche autobiografischen Vermutungen anzustellen.

Kannst du beschreiben, wie du beim Planen deines letzten Romans vorgegangen bist? Planst du oder schreibst du deine Romane einfach drauflos?

Vom Kurzgeschichten- zum Roman-Schreiben war für mich ein großer Schritt. Denn die Kurzgeschichten schreibe ich aus dem Bauch heraus, aus einem Gefühl. Das funktioniert beim Roman nicht gut und beim Krimi kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen.

Ich habe mir einen groben Plan gemacht: Wer ist der Mörder? Was ist sein Motiv? Am Ende muss Kati den Mörder überführen. Wie macht sie das? Dann habe ich zwei Wochen Tagebuch geschrieben aus der Sicht des Mörders – und mehr erfahren, als mir lieb war. Doch wusste ich jetzt, wie der Mörder tickt. Als nächstes hab ich mir das Opfer vorgeknöpft, allerdings nicht ganz so ausführlich wie den Mörder. Jetzt brauchte ich noch ein ganzes Dorf voller Verdächtiger und eine Polizei, die aber nicht tumb daher kommen sollte. Dabei entstanden automatisch Szenen in meinem Kopf, die ich unbedingt zu Papier bringen wollte. Das war der Moment, in dem ich vom Planen zum Schreiben wechselte. Den groben Plan im Kopf bzw. im Ordner, durfte ich meine Fantasien davon galoppieren lassen. Bis sie sich lahm gelaufen hatten. Dann kehrte ich zum Planen zurück.

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Dazu hängt in meinem Arbeitszimmer ein Whiteboard, auf dem ich beispielsweise Szene für Szene in Stichpunkten notiert habe. Ich habe geschoben und neu gegliedert und hatte doch den ganzen Roman im Blick.

Schließlich wanderte der Szenenplan in einen Ordner, in dem ich immer wieder nachschlagen konnte, wie es weitergehen sollte, wenn die Fantasie erlahmte. Ich hatte also eine Reiseroute für meinen Krimi.

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(c) Barbara Steuten

Welche Vorteile hat das Planen für dich?

Das Planen hilft mir, mich nicht zu verrennen und nach 80 Seiten das Manuskript in die Ecke zu pfeffern, weil ich in einer Sackgasse stecke.

Und das Nicht-Planen?

Das Drauf-los-schreiben entfesselt die Kreativität in mir und wenn es läuft, schwebe ich in anderen Sphären. Aus Spaß an der Freud verlasse ich dann schon mal die geplante Reiseroute und klettere den Berg hoch, um die Aussicht zu genießen, oder raste im Schatten eines Baumes und schaue den Bienen bei der Arbeit zu. Dabei muss die Szene jedoch einen Sinn haben: sie zeigt die Figur bei einer Tätigkeit, lässt den Leser tiefer in die Atmosphäre eintauchen oder führt direkt zum nächsten Konflikt.

Kannst du den Lesern einen Einblick in deinen Rechercheprozess geben? Recherchierst du vor oder während des Schreibens?

Der Rechercheprozess ist bei mir nie abgeschlossen. Da stehe ich mir mit meinem Perfektionismus leider manchmal selber im Wege. Ich hatte bei meinem Krimi von Anfang an die Idee, dass der Messwein vergiftet sein sollte. Doch womit? Darüber habe ich mich mit der Apothekerin aus meiner Gemeinde beraten – bei der Organisation des Weihnachtsbasars. Allerdings führte das dazu, dass der ein oder andere Bedenken hatte, an meinem Stand Plätzchen zu kaufen.

Außerdem findet sich in meinem Bücherregal neben Schreibratgebern auch Bücher über Polizeiarbeit, Verhörtechniken und Psychologische Abhandlungen. Wenn mir beim Schreiben nicht klar ist, wie etwas funktioniert, schlage ich dort nach. Bringt mich das nicht weiter, suche ich mir einen Experten.

Manche Rechercheergebnisse muss man aber auch wieder streichen. Ich weiß zwar, dass Kriminaltechniker die Spuren am Tatort sichern, aber ich nenne sie weiterhin „Spurensicherung“ oder „Spusi“. Das ist dem Krimileser vertraut.

Wann schreibst du? Zu welchen Tageszeiten? Täglich? Wöchentlich? Wie viele Stunden?

Während des Roman-Projektes habe ich täglich geschrieben. Vorzugsweise morgens, wenn alle aus dem Haus waren. Das Schreibprogramm Papyrus Autor, mit dem ich gearbeitet habe, zeigte mir jeden Tag an, ob ich mein bewusst niedrig gehaltenes Soll erfüllt hatte und wie viel Zeit mir bis zur Fertigstellung blieb.

Hast du mentale Unterstützung während des Schreibens? Von wem?

Ich habe einigen guten Freundinnen und Kollegen von meinem Roman-Projekt erzählt und sie sogar gebeten, mich ab und zu nach den Fortschritten zu fragen. Das hat mir geholfen, selber das Projekt ernst zu nehmen und dran zu bleiben. Die Gefahr ist groß, dass Wäscheberge, dreckiges Geschirr und dringende Termine die Zeit zum Schreiben auffressen. Aber wenn ab und zu mal jemand anruft und nachhakt, muss ich mich rechtfertigen, warum ich lieber Wäsche falte als schreibe.

Kennst du von dir Schreibblockaden? Wie gehst du vor, wenn du eine Blockade hast? Hast du Strategien entwickelt?

Ich nenne es nicht gerne Blockade, vielleicht, weil sie mir dann zu mächtig erscheint. Aber es gibt durchaus Zeiten, in denen ich nicht schreiben kann. Anfangs lag es daran, dass ich mich selbst unter Druck gesetzt und von meinen Rohtexten bereits literarische Brillanz erwartet habe. Mittlerweile bin ich gelassener und weiß, wie man überarbeitet bis es glänzt.

Aber es gibt auch Momente im Leben, in denen ich mir zugestehe, nicht zu schreiben. Seit November habe ich bewusst so viel Zeit wie möglich mit der weltallerbesten Schwiegermutter verbracht, weil sich der Krebs mehr Raum verschaffte, als ihm zustand. Als sie im Frühjahr starb, brauchte ich Zeit zum Trauern und Kraft, die Familie zusammenzuhalten. Ich habe in dieser Zeit viel gelesen und bin ganz bewusst zur Leipziger Buchmesse oder zum Nürnberger Autorentreffen gefahren, um mich mit KollegInnen und Verlegern auszutauschen, in der Hoffnung, die Freude am Schreiben wiederzufinden. Es hat funktioniert. Auch wenn ich noch nicht, wie ursprünglich geplant, mitten im nächsten Roman-Projekt stecke.

Wie lief die Verlagssuche? Wie viele Verlage hast du angeschrieben?

Ich habe mir im Vorfeld lange Gedanken gemacht, ob ich mein Manuskript in einem großen Verlag unterbringen will. Doch als unbekannte Autorin habe ich mich schließlich für einen kleinen Verlag aus Düsseldorf entschieden. Zum einen passt mein Krimi gut in sein Programm und spielt in der Region. Zum anderen habe ich nach vielen Gesprächen mit KollegInnen auf mein Bauchgefühl gehört. Ich kenne den Verleger persönlich, stehe mit meinen Kurzgeschichten bereits in mehreren Anthologien, die die edition oberkassel herausgebracht hat und saß auch schon für Anthologie-Ausschreibungen des Verlages in der Jury. Ich habe ihn also gefragt, ob er an meinem Manuskript interessiert ist, es ihm geschickt und hatte keine vier Wochen später den Vertrag im Briefkasten.

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(C) Barbara Steuten

Wie ich weiß, besuchst du Schreibworkshops, um dich stetig zu verbessern. Welcher Schreibkurs hat dich besonders beeindruckt und warum?

Es sind sehr viele Kurse und Seminare, die alle ein Stück mein Schreiben beeinflusst haben. Ein ganz besonderer Kurs war das „Figurenensemble stellen“ mit Bestseller-Autorin Nina George. Diese tolle Schriftstellerin hautnah zu erleben war spannend. Die Arbeit mit ihr und den teilnehmenden Profi-Autoren (u. a. Jutta Profijt, Sabine Klewe und Martin Conrath) war für mich ein Glücksfall, der schließlich dazu führte, dass ich jetzt Krimis schreibe. Obwohl ich das nie wollte, weil es schon so viele tolle Krimi-AutorInnen gibt.

Bist du in Schriftstellerverbänden? Was bringt dir die Mitgliedschaft persönlich?

Ich bin im Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. – kurz BVjA und habe darüber u.a. meinen Verleger kennengelernt. Ich schätze am BVjA vor allem die hervorragende Lobbyarbeit, die der Vorstand mit viel Engagement leistet. Der Fairlag-Vertrag trägt seine Handschrift. Er bietet tolle Seminare zu bezahlbaren Konditionen und trumpft mit Ideen wie dem Speed-Dating zwischen Autor und Verlag auf der Leipziger Buchmesse. Mit anderen Mitgliedern kommt man schnell in Kontakt, lernt sich kennen und schätzen. Denn wer heute nicht netzwerkt, hängt durch.

Hast du immer daran geglaubt, dass du es schaffen wirst, deine Bücher zu veröffentlichen?

Als ich 2010 mit dem Schreiben von Kurzgeschichten angefangen habe, habe ich nicht einmal geglaubt, dass ich überhaupt ein ganzes Buch selbst schreiben könnte. Deshalb habe ich mir 2012 einen Coach gesucht, der mich bei der Konzept-Erstellung meines ersten Roman-Projekts unterstützte. Rainer Wekwerth hat dies mit viel Lob, Wohlwollen und Charme getan. Dabei hat er mir das nötige Rüstzeug an die Hand gegeben, mit dem nach zwölf Schreibaufgaben ein Romankonzept stand, bei dem ich wusste, was in jedem Kapitel vorkommen soll und mich so von einem Kapitel zum anderen hangeln konnte. Dieses Gerüst lässt sich auf jedes neue Projekt anwenden.

Doch mit der Veröffentlichung ist die Arbeit eines Schriftstellers noch lange nicht getan. Heute muss man sich selbst um Lesungen kümmern und Ideen entwickeln, wie man auf angenehme Weise auf sein Buch aufmerksam machen kann.

Welche Tipps kannst du Schreibenden, die einen Vollzeitjob und/oder Kinder haben, mit auf den Weg geben kannst?

  • Nimm dir Zeit für eine Kosten-Nutzen-Aufstellung. Was bist du bereit zu investieren (Zeit, Nerven und Geld), um Autor zu werden? Worauf wirst du unter keinen Umständen verzichten?
  • Wenn du erst Schreiben kannst, wenn das Haus perfekt aufgeräumt ist, wenn die Kinder mit selbstgemachter Vollwertkost versorgt und bei den Hausaufgaben unterstützt worden sind, wenn das Abendbüffet für die Doppelkopfrunde hausgemacht ist … dann schreibe lieber Postkarten an deine Freunde aus dem Urlaub.
  • Wenn du weißt, dass du das Schreiben brauchst, um deinen Alltag zu meistern oder deine Gedanken zu sortieren, wirst du größere Anstrengungen auf dich nehmen, um Zeit dafür zu finden. Schicke das schlechte Gewissen in die Wüste, dass deine Kinder Fast-Food essen und ein paar Tage auf ihr Lieblings-T-Shirt warten müssen, weil du schreibst. Mache dir bewusst, dass das dein (zweiter) Beruf ist. Nimm ihn ernst. Dann schaffst du es auch, dich an Tagen zum Schreiben zu motivieren, an denen du nichts Brauchbares aufs Papier zu bekommen scheinst.
  • Ich habe bereits viele getroffen, die vom eigenen Buch träumen, aber nicht die Disziplin aufbringen, ihr Projekt konsequent durchzuziehen. Als Autor musst du dich immer wieder selbst motivieren und antreiben. Dennoch bleibt es ein Spagat zwischen leben und arbeiten.

Barbara, ich danke dir für dieses ausführliche, wunderbare Interview!

coverkatik01Wollt ihr noch mehr von Barbara Steuten wissen? Besucht sie auf ihrer Homepage: www.barbara-steuten.de oder besorgt euch den Krimi „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“, der am 17. November im Handel erscheint.

Interview mit der Autorin Carina Bartsch, Teil 2

Welche drei Schreibtipps kannst du unerfahrenen Autoren mit auf den Weg geben?

  1. Schreiben, schreiben, schreiben – lesen, lesen, lesen! Schreiben ist ein Handwerk, das man lernen muss. Talent ist die wichtigste Voraussetzung, der Rest ist harte Arbeit. Kein Meister ist vom Himmel gefallen, man braucht viel Geduld mit sich selbst und stets die Bereitschaft, sich verbessern zu wollen.
  2. Ruhen lassen! Mir hat die Erfahrung gezeigt, dass es sehr wichtig ist, eine fertige Geschichte mehrere Wochen ruhen zu lassen. Solange man keinen Abstand zu der Geschichte hat, ist man in dem „wie will ich es umsetzen“-Modus, kennt jeden Satz in- und auswendig und leidet unter Betriebsblindheit. Um herauszufinden, wie die Geschichte aber tatsächlich wirkt, muss man neutraler werden, und das schafft man dadurch, in dem man sich eine Weile gedanklich von dem Geschriebenen distanziert. Am besten macht man etwas komplett anderes in dieser Zeit. Je mehr Abstand, desto besser.
  3. Natürlich ist es wichtig, sich über das Schreiben zu informieren, Ratgeber zu lesen, Workshops zu besuchen, Schreibgruppen beizutreten und sich mit dem Thema Literatur auseinanderzusetzen. Ich habe jedoch für mich herausgefunden, dass man sich sehr schnell in diesen Dingen verrennen kann. Man will es schließlich „richtig“ machen, alle Regeln und Richtlinien beachten und ein guter Autor sein. Je mehr man sich aber auf die Theorie des Schreibens versteift, desto weniger bleibt im Schreibstil am Ende von einem selbst, von der eigenen Person übrig. Kreativität muss fließen, die kann man nicht in Ketten sperren. Deswegen würde ich jedem angehenden Autor raten, eine Mischung aus „wie sollte man es machen“ und „wie will ich es eigentlich machen“ zu finden. Vergesst euch selbst nicht beim Schreiben, das wäre mein wichtigster Tipp. Bücher brauchen eine Seele, und die kann ihm nur der Autor geben.

Fast 900 amazon-Rezensionen bei „Kirschroter Sommer“, über 700 bei „Türkisgrüner Winter“! Herzlichen Glückwunsch! Das ist wahnsinnig viel! Verrätst du uns ein wenig von deiner offenbar sehr erfolgreichen Marketingstrategie? 😉

Ja, das ist tatsächlich wahnsinnig viel, mich zumindest erschlagen diese Zahlen. Kirschroter Sommer hat inzwischen sogar die 1000er Marke überschritten.
Eine richtige Strategie, oder zumindest das, was man unter einer richtigen Strategie versteht, hatte ich nie. Schreiben ist meine Leidenschaft, mir war es nicht möglich, eiskalt durchkalkuliert und berechnend an die Sache heranzugehen. Ich habe Marketing weniger strategisch, als vielmehr intuitiv und ehrlich betrieben.
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder Weg nur einmal funktioniert. Ich habe mich weniger auf das „wie machen es die anderen“ konzentriert, sondern stattdessen versucht, meinen eigenen Weg zu finden. Das ist auch genau das, was ich jedem empfehlen kann. Bleibt euch selbst treu und zieht euer eigenes Ding durch.

Du bist nicht nur Autorin, sondern auch Verlegerin. Wie kam es dazu?

Mir wird inzwischen ein bisschen die J. K. Rowling Geschichte angedichtet. Wir waren beide zuvor nicht unbedingt das, was man erfolgreich nennt, haben uns auf brotlose Kunst konzentriert und ein Manuskript geschrieben, das kein Verlag haben wollte. Bei der Frau Rowling hat es mit dem Verlag doch noch irgendwann geklappt, bei mir zogen sich die Absagen resolut bis zum Ende durch. Ich habe damals sehr lange überlegt, was ich tun soll. Ganz tief in meinem Herzen habe ich irgendwo immer an Kirschroter Sommer und Türkisgrüner Winter geglaubt, auch wenn die Verlage etwas anderes sagten. Mir stellte sich die Frage, ob ein Buch bei einem Verlag zu veröffentlichen überhaupt meine Welt wäre, auf mich wirkte es so, als ginge es kein bisschen um die Leidenschaft beim Schreiben, sondern lediglich um „Namen“ oder „Kontakte“. Ich setzte mich mit der Idee auseinander, meinen eigenen Verlag zu gründen. Die Vorstellung, alles selbst zu machen, die absolute Freiheit zu haben, und aktiv an meinem Lebenstraum zu arbeiten, gefiel mir mehr und mehr. Nur der Mut fehlte mir noch ein bisschen. Letztendlich habe ich mich aber überwunden, begann im Bereich Verlagswesen zu recherchieren, setzte mich mit dieser neuen Welt auseinander, arbeitete mich autodidaktisch ein und gründete schließlich 2011 den Schandtaten Verlag. Mir ging es darum, dass Menschen meine Bücher lesen, und dieses Ziel war so viel schneller erreicht, als ich gedacht hätte. Dass 2012, ein Jahr nach der Veröffentlichung, so ein großer Erfolg eintritt, hätte ich mir nicht mal in den naivsten Träumereien ausgemalt. Meine eBooks wurden zu Bestsellern und ich habe die besten Leser der Welt bekommen.

Arbeitest du derzeit schon an einem neuen Buch?

Ja, das tue ich.

Worum geht es? Wann wird es erscheinen?

Als nächstes, am 8.8.13, werde ich erst mal eine Ansammlung von kleinen Geschichten von mir veröffentlichen. Veröffentlichungen sind nichts für meinen Nerven; auch wenn es kein ganzer Roman ist, liegen meine Nerven jetzt schon blank. Der Titel lautet „Dreimal Liebe“ und der Klappentext steht auch bereits:

»Liebe ist nicht nur rosa Zuckerguss oder eine dramatische Trennung. Liebe ist Entscheidungen treffen, auch wenn sie einem das Genick brechen; Liebe ist der Moment, den man auf den ersten Blick nicht sieht, weil er in dunklen Gassen verborgen in einer kalten Nacht beginnt; Liebe ist die Welt in ihrer vollen Farbenpracht wahrnehmen zu können, obwohl die Augen verbunden sind.
Liebe verändert dich. Liebe ist nicht immer gleich. Sie ist überraschend und dankbar, wunderschön und melancholisch zugleich.
Dreimal Leben. 3x Liebe.«

Parallel schreibe ich an einem neuen Roman. Worum es geht, kann ich natürlich noch nicht verraten, aber es wird ebenfalls eine Liebesgeschichte sein. Da ich das Projekt noch nicht beendet und noch viel Arbeit vor mir habe, kann ich zu dem genauen Veröffentlichungstermin noch nichts sagen, ich gebe aber mein Bestes.

Herzlichen Dank, Carina!

Hier geht es zurück zum ersten Teil des Interviews! Und hier zu Carinas Homepage!

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Interview mit der Autorin Carina Bartsch, Teil 1

"Dreimal Liebe" © Carina Bartsch

„Dreimal Liebe“ © Carina Bartsch

Carina Bartsch wurde 1985 im fränkischen Erlangen geboren und lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe ihrer Geburtsstadt. Sie brach die Realschule, dann die Wirtschaftsschule und eine Lehre ab. Erst nach diversen Kleinjobs fand sie mit Anfang zwanzig ihre wahre Bestimmung: das Schreiben. Mit ersten Kurzgeschichten gewann sie mehrere Schreibwettbewerbe. Dann wagte sie sich 2008 an ihr Romandebüt, «Kirschroter Sommer», mit dem sie 2012 zur erfolgreichsten deutschen Liebesromanautorin im Netz wurde. Auch der Nachfolgeband «Türkisgrüner Winter» avancierte zum E-Book-Bestseller.

Carina, worum geht es in deinem Roman „Türkisgrüner Winter“?

„Türkisgrüner Winter“ ist die Fortsetzung von „Kirschroter Sommer“. In den Büchern geht es darum, dass Emely nach sieben Jahren wieder auf ihre erste große Liebe Elyas Schwarz trifft – eine Begegnung, auf die sie bestens hätte verzichten können. Damals nahm es kein gutes Ende zwischen den beiden, und die Verletzung sitzt immer noch tief.

Was hat dich zu der Geschichte um Emely und Elyas inspiriert?

Liebe ist ein wunderschönes Thema, leider gab es aber bisher sehr wenige Liebesromane, die mich für sich begeistern konnten. Ich möchte nicht nur lesen, dass sich zwei Menschen ineinander verlieben (weil das eben gerade so ist und sie schließlich die Hauptprotagonisten des Buches sind), sondern ich möchte wissen, warum das so ist, und noch viel wichtiger: Ich möchte es spüren. Liebe wird in Büchern viel zu wenig durch Persönlichkeit erklärt, stattdessen wird die Begründung „Liebe auf den ersten Blick“ eingeworfen, und damit konnte ich mich als Leser einfach nie abfinden. Das hat mich dazu motiviert, selbst einen Liebesroman zu schreiben.

Wie hat es sich angefühlt, als du deinen Debütroman „Kirschroter Sommer“ das erste Mal in den Händen gehalten hast?

Der Moment war sehr bewegend. Ich hatte ein Jahr an der Verlagsgründung und der Veröffentlichung gearbeitet (Schreiben der Geschichte nicht inklusive), und hielt zum ersten Mal ein handfestes Resultat in den Händen. Das Buch lag so schwer in meiner Hand, als würde es zehn Kilo wiegen. In diesem Moment ist mein Lebenstraum, Schriftsteller zu sein, zum ersten Mal greifbar geworden.

Wie lange arbeitest du durchschnittlich an einem Roman – von der Idee bis zum Druck?

Das ist bei mir sehr unterschiedlich. Im kompletten Schreibwahn und akutem Schlafmangel habe ich auch schon Geschichten innerhalb von fünf Monaten beendet, an anderen wiederum schreibe ich mehrere Jahre. Für „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ brauchte ich zum Schreiben ca. 12 Monate. Von der Entstehung (2008) dauerte es bis zur Veröffentlichung (2011) drei Jahre. So lange wird es bei meinem nächsten Buch aber nicht mehr dauern.

Wie gehst du beim Schreiben eines neuen Romans vor?

Dass eine Idee es wert ist, sie zu nieder zu schreiben, merke ich daran, dass ich Anfangs in einen euphorischen Schreibwahn verfalle. Schlafen? Privatleben? Tz, wer braucht das schon! Mein Umfeld erklärt mich in diesen Zeiten gerne für verrückt. Ich nutze wirklich jede freie Minute, an der Geschichte weiterzuschreiben – auch wenn die Zeit nur für zwei Sätze reicht. Ich kann in dieser Phase einfach nicht anders; all das, was ich mir ausgedacht habe und was ich für die Geschichte spüre, muss verbalisiert werden und aufs Papier. Diesen Flow versuche ich so lange es geht mitzunehmen, meistens hält er über die Länge von ca. sechs bis acht Kapiteln an. Dann kommt in der Regel leider immer der Punkt, an dem ich die ganze Geschichte komplett in Frage stelle. Selbstzweifel sind eine bekannte Autorenkrankheit, und ich bin ebenfalls davon betroffen. Die Zweifel sorgen dafür, dass die Euphorie einen langsamen, qualvollen Tod stirbt, und es folgt eine lange Zeit von Unsicherheit, Frust, immer wieder gegenlesen, überarbeiten, noch mehr Unsicherheit, Blockiertheit … und so weiter. Es ist nicht leicht, diese Krisen zu überwinden. Bei manchen Geschichten habe ich sie bis heute nicht überwunden, sie liegen in der Schublade und es ist unklar, ob ich sie jemals beenden werde.

Planst du deinen Roman oder schreibst du einfach drauflos? Wie sieht deine Planung aus?

Ich muss beim Schreiben wissen, worauf ich am Ende – und auch zwischendrin – hinauswill – deswegen muss eine gewisse Planung definitiv sein. Das brauche ich, um Logikfehler zu vermeiden und einen durchgehenden roten Faden zu schaffen. Allerdings plane ich nicht bis ins kleinste Detail, das würde mir den Spaß nehmen und fast schon in Richtung Bürokratie gehen. Ich plane das gesamte Gerüst, und beim Schreiben selbst baue ich die kleinen Backsteine aufeinander, bis die Fassade komplett ist. Schreiben hat für mich sehr viel mit „fühlen“ zu tun, und einen straff durchorganisierten Plan kann man einfach nicht fühlen.

Wie viele Stunden schreibst du täglich bzw. in der Woche?

Das ist sehr unterschiedlich. Immer dann, wenn es mich überkommt und ich den Kopf frei habe, mich in die Geschichte und die Charaktere einzufühlen. Das können manchmal sechzig Stunden in der Woche sein, oder, wenn es blöd läuft, dreißig Minuten. Ich habe inzwischen eingesehen, dass ich das Schreiben nicht erzwingen kann. Versuche ich es doch, kommt am Ende nichts dabei heraus, mit dem ich zufrieden wäre.

Führst du ein besonderes Ritual aus, bevor du schreibst? Oder kannst du sofort mit dem Schreiben starten?

Ein richtiges Ritual habe ich nicht. Ich lese die letzten Absätze durch, versuche mich wieder in die Köpfe der Charaktere einzudenken, die Geschichte zu fühlen, und dann … Dann kommt es ganz darauf an. An dem einem Tag geht es sofort los, meine Finger gleiten nur so über die Tastatur, und an dem anderen Tag sitze ich drei Stunden später immer noch am zweiten Satz und starre auf das leere Blatt auf dem Bildschirm.

Hast du Testleser, die deinen Roman vorab lesen dürfen?

Glücklicherweise ja. Ich habe jahrelang Geschichten im Internet veröffentlicht und dadurch eine kleine Gruppe von Autoren kennengelernt, davon zählen einige inzwischen zu meinen Freunden. Von ihnen bekomme ich Kritik par excellence.

In welcher Phase dürfen deine Testleser das erste Mal dein Manuskript lesen?

Wenn ich frustriert bis auf die Knochen bin und das Ding am liebsten aus dem Fenster werfen würde.

Hier geht es weiter zum zweiten Teil des Interviews, in dem Carina Bartsch u. a. drei hilfreiche Schreibtipps nennt und von ihrem Weg zur Verlegerin erzählt.

Interview mit der Autorin Katharina V. Haderer, Teil 2

Katharina V. Haderer: Notizbücher © privat

Katharina V. Haderer: Notizbücher © privat

Wie ich auf deiner Facebook-Seite sehen konnte, zeichnest du deine Charaktere. Du hast somit deine Charaktere nicht nur im Geiste vor Augen. Wie sehr helfen dir diese Bilder beim Schreiben?

Zeichnen heißt für mich abschalten. Wenn  mir die Gedanken flirren vor lauter Korrekturlesen, kann ich irgendwann nicht mehr. Vor allem in der Korrekturphase zeichne und male ich dann recht viel. Es ist eine Art Entspannungsprozess.

In welcher Phase dürfen deine Testleser das erste Mal dein Manuskript lesen?

Zuvorderst bekommt das Buch mal meine Schwester, meistens in Teilen, je nachdem wie viel und schnell ich schreibe. Sie ist die Einzige, der ich das Buch relativ roh und in Erstfassung gebe.
Wenn ich das Buch fertig habe, bekommen es vielleicht ein, zwei weitere ausgewählte Personen, aber meistens arbeite ich es zuerst einmal durch und teile es dann an TestleserInnen aus. Es macht  nicht viel Sinn, ein unfertiges Buch an TestleserInnen auszugeben, wenn sie das Gefühl haben, ihre Kritik macht ohnehin keinen Sinn, da noch „alles anders“ wird.

Arbeitest du derzeit an einem neuen Buch? Wie lautet der Titel?

„Das Herz im Glas“ wartet noch auf etwaige Korrekturvorschläge, ist aber relativ fertig. Zwischenzeitig, um das Warten zu überbrücken, habe ich ein neues Buch begonnen. Arbeitstitel: „Wüstenrennen“, aber bei dem wird es sicher nicht bleiben.

Worum geht es in „Das Herz im Glas“?

„Das Herz im Glas“ ist ein mittelalterlicher Fantasy-Thriller, der die Protagonisten in die Felsenstadt Terra Talioni führt, wo sie sich auf die Suche nach dem Schlächter eines menschlichen Herzens machen, ohne zu ahnen, dass sie sich in die Intrigen dieses Stadtstaats verwickeln.

Wann wird es erscheinen?

Das Erscheinungsdatum ist noch unklar, aber ich werde es sicher laut rausposaunen, sollte es dann so weit sein.

Du bietest deine Bücher privat an. Warum wählst du diesen Weg? Wäre Books on demand keine Option für dich?

Um ehrlich zu sein – abgesehen davon, dass ich einfach feige bin – war ich einfach nicht bereit, meine Bücher an die breite Öffentlichkeit preiszugeben. Bis zu einem gewissen Grad hat es etwas Exhibitionistisches an sich, man entblößt sich und kann dadurch verletzt werden. „Das Herz im Glas“ habe ich geschrieben, um es dezidiert an Verlage anzubieten, falls das nichts wird, werde ich es auf offiziellem Wege selbst verlegen.

 Hast du drei Tipps, die du unerfahrenen Autoren mit auf den Weg geben kannst?

1. Üben. 2. Üben. 3. Üben. Das heißt, sowohl lesen als auch schreiben. Viel schreiben. Noch mehr schreiben.
Ich treffe immer wieder auf Leute (auch AutorInnen), die glauben, „Schreiben ist ein Talent!“ und Punkt. Das ist es nicht. Schreiben bedeutet Leidenschaft, ja, aber ab einem gewissen Grad ist es nur noch Handwerk. Stell dich ins Büchergeschäft und suche einen Autoren unter 30 Jahren. Warum gibt es so wenige? Weil alle, die veröffentlicht werden, so viel üben mussten, um so zu schreiben können, wie sie es jetzt tun.

Vielen Dank für das Interview!

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.


Katharinas bisherige Bücher:

2009: Familiengeheimnisse (Fünf Bände): Nicht erhältlich.
2011: Simulacrum (Drei Teile): Band 1 + 2 vergriffen (Privatdruck), Band 3 erhältlich (Privatdruck)
2012: Göttertod (Zwei Teile in einem Band): Momentan vergriffen, weiterer Druck in Planung
2013 (?): Das Herz im Glas: Eben fertiggestellt, Veröffentlichung in Planung.

Katharina sucht TestleserInnen! Wer Lust hat, kann ihr über ihre Facebookseite eine Nachricht schicken.

Weitere Informationen und Neuigkeiten über Katharina V. Haderer finden Sie in ihrem lesens- und sehenswerten Blog.