Eine ganze Weile …

… habe ich mich nicht zu Wort gemeldet. Ohne einen Hinweis darauf, ob es mit Schreibretreat weitergeht oder nicht. Ohne Worte des Abschieds. Eigentlich wollte ich mir auch nur eine kleine Auszeit nehmen, vielleicht eine oder zwei Wochen. Doch dann wurden daraus mehrere Monate. Die Wochen vergingen schneller als mir lieb war. Ich sag nur: Aufschieberitis! (Kennt ihr sicher, oder?)

Mir blieb einfach zu wenig Zeit, um den Blog weiterzuführen, obwohl es mir immer so viel Spaß gemacht hat. Aber es ging nicht: Meine Tochter ist mit zunehmendem Babyalter tagsüber immer aktiver geworden (aktiver als ich je vermutet habe …), so dass mir letztendlich nur noch die Abendstunden blieben, um zu schreiben/arbeiten. Doch an manchen Abenden war ich so k.o. vom Tag, dass ich den Abend hab Abend sein lassen. Die Couch war einfach anziehender als der Schreibtisch! Also wurde aus der kleinen Auszeit eine Art Elternzeit … Schreibretreat rückte von Tag zu Tag in immer weitere Ferne. Aber das ist jetzt vorbei! Das Tochterkind ist zwar keineswegs inaktiver geworden, doch mittlerweile haben sich mein Körper und mein Geist daran gewöhnt, tagsüber die Straßen unsicher zu machen, die Natur zu erkunden, hinter einer lachenden Räuberin hinterherzurennen, und abends die Gedanken zu ordnen und wenigstens ein paar Zeilen zu schreiben. Mein Akku ist wieder aufgeladen. 🙂

Ich war in den letzten Monaten jedoch nicht untätig gewesen:

  • Ich habe an einem Manuskript geschrieben, das nun in der Rohfassung fertig ist und im Juni Lust auf ein paar Testleser hat 🙂
  • Ich habe mir Gedanken über einen neuen Schwerpunkt meines Blogs gemacht. So viel sei schon gesagt: es wird um die Themen leicht-entspannt-erfolgreich gehen. Übrigens: Es wird nun regelmäßig Gewinnspiele geben :-D.
  • Der Blog soll bunter werden! Es wird also von Zeit zu Zeit hoffentlich inspirierende Fotos geben, die
  • Mein aktueller Kurzgeschichten-E-Mail-Kurs wird im Spätsommer interaktiver. Wir werden dank meiner Kollegin Petra Winkler von schreibhelden.com auf der Plattform Moodle zusammenarbeiten können! So findet ein Austausch unter allen Teilnehmern statt!
  • Bereits Anfang Juli wird ein E-Book von mir auf amazon erhältlich sein!

Freut euch also auf Gewinnspiele, neue Artikel, neue Prompts und vieles mehr! Nächste Woche Montag geht es wieder los!

Bis dahin wünsche ich euch ein schönes Wochenende und viel Sonne (auch wenn es zumindest hier in Nordhessen gerade

nicht danach aussieht. Aber der Sommer kommt wieder!

 

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Bis bald, Denise

Interview mit der Autorin Hilke-Gesa Bußmann, Teil 2

Wie beginnst du eine Schreibphase?

Ich habe eine ganz eigene Angewohnheit, die viele abschreckt. Wenn ich wirklich konzentriert schreiben möchte, schiebe ich eine meiner „Schreib-DvDs“ in das Macbook und lasse die DvD auf dem zweiten Bildschirm laufen. Zu den Schreib-DvDs gehören: Twilight von 1-4.2, Inception, Star Wars, Harry Potter. Warum? Es ist wie antrainiert: Sobald einer dieser Filme (am besten funktioniert es bei Twilight), bin ich in meinem Schreibmodus und ich kann konzentriert schreiben. Vor allem Twilight als Film mag ich überhaupt nicht, aber solange ich dabei in meinem „Modus“ bin, in dem ich wirklich konzentriert arbeiten kann … Was solls? 
Ganz klassisch schreibe ich meist nachts. Nach 21 Uhr ist meine Zeit, in der ich arbeiten kann. Leider fällt nicht nur das Schreiben in diese Zeit, sondern auch einige andere Arbeiten. Aber so ab 23 Uhr gehöre ich meiner literarischen Welt.

Hast du Testleser, die deinen Roman vorab lesen dürfen?

Ja! Testleser sind sehr, sehr wichtig. Ich versuche, meinen Testlesern immer schon zwischendurch kleine Passagen zu schicken, um frühzeitig beurteilen zu können, ob der Text funktioniert. Dabei sind schon die spannendsten Ideen entstanden.

In welcher Phase dürfen deine Testleser das erste Mal dein Manuskript lesen?

Testleser, die ich wirklich, wirklich gut kenne und denen ich vertraue: In der absoluten Rohfassung sogar in kleinen Portionen. Ansonsten nach der ersten Überarbeitung im Gesamten.

Wie vereinbarst du das Schreiben mit deinem Studium?

Das geht Hand in Hand. Natürlich ist das Studium, gerade jetzt in der Abschlussphase, oftmals sehr zeitraubend, aber ich sehe es nicht als „Leid“ an, sondern freue mich über diese Herausforderung. Ich habe es ja auch im Studium mit Literatur zu tun und von daher bekomme ich in den langweiligsten Seminaren oftmals die besten Ideen!

Hast du drei Tipps, die du unerfahrenen Autoren mit auf den Weg geben kannst?

Ich werde oft von unerfahrenen Autoren gefragt, was ich ihnen rate und ich sage immer das Gleiche: Schreiben. Schreiben. Schreiben. Lesen. Lesen. Lesen. Überarbeiten. Überarbeiten. Überarbeiten.
Momentan mache ich eine Beobachtung, die das Self-Publishing leider hervorbringt. Autoren, die noch nicht so weit sind, um zu veröffentlichen, nutzen die Unabhängigkeit von Verlagen, um beispielsweise ihre ersten Werke zu veröffentlichen. Sie sind blutige Schreibanfänger, die Texte voller Fehler und Stilbrüchen und können nicht mit Kritik umgehen. Als Autor tut man sich keinen Gefallen, wenn man zu früh veröffentlicht. Deswegen sage ich immer: Die ersten Romane sind für die Schublade (bei mir waren es in 9 Jahren 5 Romane), irgendwann hat man so etwas wie seinen Stil gefunden und dann ist man bereit, rauszugehen. Vor allem sollte man sich nicht von „befreundeten“ Testlesern täuschen lassen. Freunde und Familie finden alles klasse, was man schreibt. Lieber jemanden Fremden fragen, um ein wirklich kritisches Urteil zu bekommen.

Die Suche © Hilke-Gesa Bußmann

Die Suche © Hilke-Gesa Bußmann

Arbeitest du derzeit an einem neuen Buch?

Ich arbeite derzeit an mehreren Projekten:

  • Die Veröffentlichung von Weltentaucher Teil 2 „Die Suche“ steht in wenigen Wochen an (Anmerkung D. F.: jetzt bei amazon erhältlich!).
  • Ich schreibe gerade am dritten Teil der Weltentaucher-Legenden mit dem Titel „Der Gefühlsverrat“
  • Zudem schreibe ich an der Rohfassung zum Hauptwerk „Dämonentraum“
  • An einem Schottland-Reisebuch und an meiner Magisterarbeit.

Viele Projekte, ja, aber die Abwechslung motiviert mich!

Wann wird „Die Suche“ erscheinen?

„Die Legenden der Weltentaucher – Die Suche“ wird am 10.7. erscheinen. Bei Dämonentraum und dem Schottland-Reisebuch kann ich leider noch kein Veröffentlichungsdatum nennen, da diese Projekte erst am Anfang stehen. Teil 3 der Weltentaucher-Legende soll noch dieses Jahr erscheinen.

Du hast das Projekt Weltentaucher-Literaturfreunde, eine Gemeinschaft aus Lesern, Autoren, Bloggern und Künstlern ins Leben gerufen. Literaturfreunde können live bei der Entstehung deiner Fantasy E-Book-Serie „Die Legenden der Weltentaucher“ dabei sein. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Ich beschäftige mich wissenschaftlich mit der Digitalisierung von Literatur und mir war klar: Ich möchte nicht nur ein Werk schreiben, sondern gleich ein ganzes Projekt starten, an dem mehrere Künstler beteiligt sind und alle davon profitieren. Mittlerweile sind über fünfzehn Künstler und Blogger involviert und arbeiten an verschiedenen Projekten. Claudia Kociucki hat jetzt am 30.6. die erste Weltentaucher-Geschichte in der Reihe „Weltentaucher-Spin-Off“ veröffentlicht. Wir realisieren beispielsweise aber auch momentan ein Spiel, einen Webroman … Verschiedene Kunstwerke und Fotobücher. Es bleibt also spannend.
Wichtig ist: Jeder Künstler kann an dem Projekt mitarbeiten. Ich gebe (fast) keine Vorgaben, sodass der Kreativität keine Grenzen gesetzt werden!

Hier geht es weiter zu Teil 1 des Interviews!

Weitere Informationen und Neuigkeiten über Hilke-Gesa Bußmann findet ihr auf ihrer Homepage! Ihr wollt Hilke-Gesa Bußmann bei der Entstehung ihrer Fantasie-Serie begleiten? Hier geht es zum Projekt Weltentaucher Literaturfreunde!

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Hilfreiches Feedback – mit einem Fragebogen für Testleser

Gestern habe ich das Thema „Testleser“ aufgegriffen. Heute möchte ich darauf eingehen, wie man als Autor ein möglichst wertvolles Feedback erhält: Bitten Sie jeden Testleser, einen Fragebogen auszufüllen!

In diesem Fragebogen sollten sämtliche Fragen enthalten sein, die Ihnen für die weitere Bearbeitung Ihres Textes wichtig sind. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass ein Testleser sich tatsächlich inhaltlich mit dem Werk auseinandersetzt, anstatt das Manuskript nach Rechtschreibfehlern abzusuchen oder Sie mit allgemeinen, wenig hilfreichen Aussagen wie „mir hat das Buch insgesamt gut gefallen“, „die Dialoge fand ich zu langweilig“ oder „die Figuren sind ganz gut/weniger gut gelungen“ abspeisen. Mit einem Fragebogen kann Ihr Testleser in die Tiefe gehen, seine Aussagen werden präziser und damit hilfreicher für Sie als Autor.

Geben Sie Ihrem Testleser neben dem Fragebogen auch ein Exposé Ihres Buches mit, damit er weiß, worum es geht. Stellen Sie Ihre Figuren darin vor und erzählen Sie kurz und knapp den Inhalt. Wenn Ihnen unbekannte Testleser bereit sind, Ihr Manuskript zu lesen, ist es zudem sinnvoll, eine Art Verschwiegenheitserklärung unterschreiben zu lassen. Sicher ist sicher.

Wie könnte ein Testleser-Fragebogen aussehen?

Damit Sie von dem Feedback Ihrer Testleser profitieren, sollten Sie Ihren Fragebogen individuell gestalten. Notieren Sie sich in einem Brainstorming Fragen, die Sie für die Überarbeitung Ihres Buches für wichtig erachten. Stellen Sie Fragen zu verschiedenen Themenbereichen, z. B.

Sprache
Figuren
Aufbau der Szenen (zu lang, zu kurz, zu ausführlich, …)
Spannung (
Konflikte
etc.

Kombinieren Sie in Ihrem Fragebogen verschiedene Fragetypen:

  • Offene Fragen sind sehr nützlich, um in einzelnen Bereichen in die Tiefe zu gehen.
  • Stellen Sie geschlossene Multiple-Choice-Fragen und geben Sie mehrere Antwortmöglichkeiten vor.
  • Skalierungsfragen sind hilfreich, um abzufragen, wie der Leser das Buch als Ganzes bewertet. Aus der Summe der Einzelbewertungen Ihrer Testleser können Sie den Durchschnittswert bilden und sich somit ein Bild davon machen, wie Ihr Manuskript bei Ihren Testlesern im Vergleich ankam.

Wenn sich nur wenige Testleser gemeldet haben, sollten Sie diesen einen ausführlichen Fragebögen zu umfangreichen Themenbereichen mitgeben. Wenn Sie jedoch das Glück haben, dass mehrere Personen ( > 10) Interesse daran haben, Ihr Manuskript zu lesen und zu bewerten, sollten Sie die Fragebögen aufsplitten: Jeweils drei bis fünf Testleser sollen sich mit ein bis zwei Themenbereichen beschäftigen. Die Angaben zur Person und allgemeinen Fragen zum Buch sollte jeder Testleser beantworten.

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Hilfreiche Kritik: Feedback von Testlesern

Hilfreiche Kritik: Feedback von Testlesern

Wenn Sie einen Roman, eine Kurzgeschichte oder ein Sachbuch geschrieben haben, sollten Sie Ihr Manuskript einem, besser mehreren Testlesern vorstellen. Ein Testleser gibt Ihnen ein Feedback zu Ihrem Manuskript und kann auf diese Weise dazu beitragen, Ihr zukünftiges Buch zu verbessern. Denn als Autor ist man nach langer Schreibarbeit in der Regel nicht mehr in der Lage, um selbst einschätzen zu können, ob der Plot spannend oder die Figuren rund sind.
Positive wie negative Kritik und Verbesserungsvorschläge von Dritten helfen dagegen, überflüssige Szenen, unstimmige Figuren und unverständliche Formulierungen zu erkennen.

Die Auswahl der Testleser

Testleser kann prinzipiell jeder werden, der Spaß am Lesen hat. Der ideale Testleser ist jedoch derjenige, der sich mit dem Genre Ihres Buches auskennt und darin bereits Leseerfahrungen gesammelt hat. Durch seine Erfahrungen weiß er, was ein gutes Buch in dem jeweiligen Genre ausmacht. Er kann vergleichen und Ihnen dadurch wertvolle Tipps geben. Bedenken Sie: Ein Krimileser achtet auf andere Details als ein Fantasyromanfan, d. h. was der Krimileser als langweilig und überzogen empfindet, kann für einen Fantasyromanleser durchaus spannend sein. Achten Sie deshalb bei der Auswahl Ihrer Testleser darauf, dass mehrere Testleser aus Ihrer Zielgruppe dabei sind.

Wählen Sie jedoch nur Personen aus, die bereit sind, sich konstruktiv und sachlich zu Ihrem Buch zu äußern. Bei unbekannten Testlesern wird diese Auswahl natürlich schwieriger sein. Wenn Sie jedoch wissen, dass jemand aus Ihrem Bekannten- oder Verwandtenkreis ein notorischer Besserwisser oder Nörgler ist, sollten Sie diesen umgehen. Alles andere wäre Zeitverschwendung.

Manuskript nicht zu früh abgeben

Ich persönlich empfehle, den Testlesern das Manuskript nicht vor der überarbeiteten Rohfassung zu geben. Oftmals entstehen Schreibblockaden, wenn ein unfertiges Manuskript der Kritik ausgesetzt wird. Überarbeiten Sie Ihre Rohfassung solange, bis Sie das Gefühl haben, dass Sie es einer Kritik Ihrer Testleser aussetzen können.

Überfordern Sie Ihre Testleser nicht!

Damit Sie Ihre Testleser nicht überfordern, sollten Sie je nach Umfang des Manuskripts mehrere Testleser auswählen und jedem Testleser unterschiedliche Kapitel aus Ihrem Buch mitgeben. Schrecken Sie Ihre Testleser nicht sofort mit einem kompletten Manuskript ab! Denken Sie daran: Ihr Testleser stellt seine Lesezeit freiwillig und kostenlos zur Verfügung – doch auch seine Zeit ist nicht unbegrenzt. 15 bis 20 Seiten reichen für einen ersten Eindruck Ihre Manuskripts aus, bei 40 bis 100 Seiten kann der Testleser in die Tiefe gehen. Natürlich ist es auch möglich, Testlesern ein komplettes Manuskript zu überreichen. Fragen Sie am besten jeden einzelnen Testleser vorher, wie viel er zu lesen bereit ist.

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Interview mit der Autorin Carmen Mayer, Teil 2

Wie gehst du beim Schreiben eines neuen historischen Romans vor?

Zuerst ist da ein Schlüsselwort, das mich fasziniert, und um das herum ich mir einen Plot ausdenke. Dann suche ich im Internet oder in Büchern nach Informationen dazu, und stoße meistens auf so viele interessante Nebenbereiche, dass ich beginne, mich gründlich mit der entsprechenden Zeit, politischen Zusammenhängen, religiösen Hintergründen, aber auch ganz profanen Dingen zu beschäftigen. Dazu gehören Kleidung, Haartracht, Lebensweisen, Essen, Getränke, Tagesabläufe oder gesellschaftliche Eigenarten ebenso, wie die Möglichkeit oder Unmöglichkeit für Mädchen, lesen und schreiben zu lernen, oder für Jungen Medizin studieren zu können oder einfacher Bauer zu bleiben.

Du schreibst auch Krimis. Wie gehst du beim Schreiben eines neuen Romans deiner Krimibuchreihe mit Kommissar Braunagel vor?

Ich merke ziemlich oft, dass mich ganz bestimmte Verbrechen, von denen ich in den Medien gehört oder gelesen habe, tagelang beschäftigen. Dabei überlege ich mir, was wohl einen potenziellen Täter dazu veranlasst haben mag, beispielsweise einen Mord zu begehen. Die Abgründe, die sich dabei vor mir auftun, sind der Anfang für Recherchen, bei denen ich immer beide Seiten im Auge behalte: Täter/Opfer und die Aufklärung des Verbrechens durch Hauptkommissar Braunagel. Sobald ich den Rohentwurf fertig habe, für den ich durchaus auch vor Ort nach Möglichkeiten suche, die zu meinem Roman passen könnten, bespreche ich mich mit meinem Berater aus dem Polizeipräsidium in Ingolstadt. Er hilft mir dabei, die Ermittlungsarbeiten von Kommissar Braunagel so realitätsnah wie möglich zu beschreiben. Dann arbeite ich den Rohentwurf aus und sitze bestimmt noch mehrere Wochen über der Endfassung.

Du gehst für deine Bücher auf Recherchereise. Hast du demnächst eine neue Reise geplant? Wohin geht es?

Ja, habe ich. Im Mai möchte ich zusammen mit meinem Mann den gedachten Weg meines Hauptprotagonisten ab der österreichisch-bayerischen Grenze über Passau/Regensburg bis Nürnberg entlangfahren. Ich möchte mich in den Städten entlang unserer Route eingehend über die Zeit des Dreißigjährigen Krieges informieren, während der mein Roman hauptsächlich spielt. Vor zwei Jahren sind wir auf den Spuren meines Protagonisten von Graz aus über Hieflau und das Ennstal entlang bis Enns/Linz  und weiter nach Griesbach und dann zur Grenze gefahren. Wir haben erstaunlich viele Leute kennengelernt, die uns bereitwillig Informationen über jene Zeit gegeben haben. So etwas erhoffe ich mir von unserer Reise im Mai auch und freue mich darauf, Einblicke in eine Zeit zu bekommen, die mein Protagonist durchleben wird.

Sprichst du gezielt Menschen an, d. h. suchst du schon vorab nach Interviewpartnern? Oder lässt du die Begegnungen einfach auf dich zukommen?

Die Gespräche mit meinen Interviewpartnern haben sich alle ohne vorherige Absprache ergeben. Wir sind in den besuchten Orten entlang unserer Route in Museen, Ausstellungen oder Touristenbüros gegangen und haben gefragt, wer Auskunft über eine bestimmte Zeit, ein bestimmtes Ereignis oder die Geschichte des Landstrichs geben kann, die für mein Buch von Interesse waren. Es hat mich jedes Mal überrascht, wie begeistert meine Ansprechpartner über das gesprochen haben, was sie zu ihren speziellen Themen wussten. Sie telefonierten teilweise noch mit anderen Leuten, von denen sie wussten, dass sie noch mehr erzählen konnten, und gaben mir dann deren Adressen. So wird es bei der geplanten Reise im Mai auch werden. Spannend.

Wie bereitest du dich auf eine Recherchereise vor?

Ich suche mir die Strecke auf Landkarten und im Internet heraus, die ich kennenlernen möchte, mache mir Notizen zu historischen Begebenheiten in unmittelbarer Nähe, lege fest, welche Landstriche und Städte ich unbedingt ansehen möchte. Dann überlasse ich es meinem Mann, die teilweise recht abenteuerlichen Wege zu finden, auf denen meine Protagonisten gewandelt sein mochten.

Hast du Testleser, die deinen Roman vorab lesen dürfen?

Schon, ja. Wobei es sich meistens um das Lesen einzelner Passagen handelt, bei denen ich mir nicht im Klaren darüber bin, wie sie beim Leser ankommen oder wie ich sie ausarbeiten soll. Außerdem hab ich dich …

In welcher Phase dürfen deine Testleser das erste Mal dein Manuskript lesen?

Das ist unterschiedlich, da ich meine Texte meistens Leuten zum Lesen gebe, die sich mit dem einen oder anderen Thema besonders gut auskennen. Ich habe einen Testleser, der in Fragen zum Mittelalter sehr bewandert ist, und dem ich von der ‚Rose‘ fortlaufend zwanzig, dreißig Seiten geschickt habe, wie sie gerade fertig wurden. Oder dann eben bei meinen Krimis mein Ingolstädter Kommissar: Er bekommt die Passagen zu lesen, in denen Polizeiarbeit im Vordergrund steht. Mein Mann liest das Roh-Manuskript um herauszufinden, ob sich alles logisch aufbaut und keine Patzer drin sind. Das ganze Buch wollen aber alle erst haben, wenn sie es gedruckt in der Hand halten können.

Welche drei Tipps würdest du unerfahrenen Autoren mit auf den Weg geben?

(1) Erst einmal alles schreiben, was und wie es einem in den Kopf kommt. Herausstreichen und ändern kann man später noch. Gedachtes ist oft ganz schnell weg, wenn es nicht zeitnah notiert wird.
(2) Dann unbedingt darauf achten, dass die Rechtschreibung stimmt und Normseiten eingehalten werden – das ist für die Einsendung an Verlage absolutes Muss. Lektoren haben keine Lust, sich durch grammatikalische Ungereimtheiten und unübersichtliche Seitenaufteilungen zu wühlen und lehnen solche Arbeiten meistens generell ab.
(3) Und ganz wichtig: Das Baby auf gar keinen Fall einem Zuschussverlag in die Hände geben! Wenn Manuskripte abgelehnt werden, ist das zwar enttäuschend, sollte aber nicht entmutigend sein. Zuschussverlage kümmern sich nicht um die Vermarktung der Bücher ihrer Autoren, sie sind ausschließlich an ihrem Geld interessiert.

Arbeitest du derzeit schon an einem neuen Buch?

Ich möchte in diesem Jahr noch meinen zweiten historischen Roman fertig schreiben, auf dessen Spuren ich mich im Mai befinde, und dann meinen angedachten vierten Band um Hauptkommissar Braunagel in Angriff nehmen.

Herzlichen Dank für das Interview!

Carmen Mayer liest … aktuelle Termine für Lesungen finden Sie auf ihrer Homepage.

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.

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