Hilfreiches Feedback – mit einem Fragebogen für Testleser

Gestern habe ich das Thema „Testleser“ aufgegriffen. Heute möchte ich darauf eingehen, wie man als Autor ein möglichst wertvolles Feedback erhält: Bitten Sie jeden Testleser, einen Fragebogen auszufüllen!

In diesem Fragebogen sollten sämtliche Fragen enthalten sein, die Ihnen für die weitere Bearbeitung Ihres Textes wichtig sind. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass ein Testleser sich tatsächlich inhaltlich mit dem Werk auseinandersetzt, anstatt das Manuskript nach Rechtschreibfehlern abzusuchen oder Sie mit allgemeinen, wenig hilfreichen Aussagen wie „mir hat das Buch insgesamt gut gefallen“, „die Dialoge fand ich zu langweilig“ oder „die Figuren sind ganz gut/weniger gut gelungen“ abspeisen. Mit einem Fragebogen kann Ihr Testleser in die Tiefe gehen, seine Aussagen werden präziser und damit hilfreicher für Sie als Autor.

Geben Sie Ihrem Testleser neben dem Fragebogen auch ein Exposé Ihres Buches mit, damit er weiß, worum es geht. Stellen Sie Ihre Figuren darin vor und erzählen Sie kurz und knapp den Inhalt. Wenn Ihnen unbekannte Testleser bereit sind, Ihr Manuskript zu lesen, ist es zudem sinnvoll, eine Art Verschwiegenheitserklärung unterschreiben zu lassen. Sicher ist sicher.

Wie könnte ein Testleser-Fragebogen aussehen?

Damit Sie von dem Feedback Ihrer Testleser profitieren, sollten Sie Ihren Fragebogen individuell gestalten. Notieren Sie sich in einem Brainstorming Fragen, die Sie für die Überarbeitung Ihres Buches für wichtig erachten. Stellen Sie Fragen zu verschiedenen Themenbereichen, z. B.

Sprache
Figuren
Aufbau der Szenen (zu lang, zu kurz, zu ausführlich, …)
Spannung (
Konflikte
etc.

Kombinieren Sie in Ihrem Fragebogen verschiedene Fragetypen:

  • Offene Fragen sind sehr nützlich, um in einzelnen Bereichen in die Tiefe zu gehen.
  • Stellen Sie geschlossene Multiple-Choice-Fragen und geben Sie mehrere Antwortmöglichkeiten vor.
  • Skalierungsfragen sind hilfreich, um abzufragen, wie der Leser das Buch als Ganzes bewertet. Aus der Summe der Einzelbewertungen Ihrer Testleser können Sie den Durchschnittswert bilden und sich somit ein Bild davon machen, wie Ihr Manuskript bei Ihren Testlesern im Vergleich ankam.

Wenn sich nur wenige Testleser gemeldet haben, sollten Sie diesen einen ausführlichen Fragebögen zu umfangreichen Themenbereichen mitgeben. Wenn Sie jedoch das Glück haben, dass mehrere Personen ( > 10) Interesse daran haben, Ihr Manuskript zu lesen und zu bewerten, sollten Sie die Fragebögen aufsplitten: Jeweils drei bis fünf Testleser sollen sich mit ein bis zwei Themenbereichen beschäftigen. Die Angaben zur Person und allgemeinen Fragen zum Buch sollte jeder Testleser beantworten.

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Hilfreiche Kritik: Feedback von Testlesern

Hilfreiche Kritik: Feedback von Testlesern

Wenn Sie einen Roman, eine Kurzgeschichte oder ein Sachbuch geschrieben haben, sollten Sie Ihr Manuskript einem, besser mehreren Testlesern vorstellen. Ein Testleser gibt Ihnen ein Feedback zu Ihrem Manuskript und kann auf diese Weise dazu beitragen, Ihr zukünftiges Buch zu verbessern. Denn als Autor ist man nach langer Schreibarbeit in der Regel nicht mehr in der Lage, um selbst einschätzen zu können, ob der Plot spannend oder die Figuren rund sind.
Positive wie negative Kritik und Verbesserungsvorschläge von Dritten helfen dagegen, überflüssige Szenen, unstimmige Figuren und unverständliche Formulierungen zu erkennen.

Die Auswahl der Testleser

Testleser kann prinzipiell jeder werden, der Spaß am Lesen hat. Der ideale Testleser ist jedoch derjenige, der sich mit dem Genre Ihres Buches auskennt und darin bereits Leseerfahrungen gesammelt hat. Durch seine Erfahrungen weiß er, was ein gutes Buch in dem jeweiligen Genre ausmacht. Er kann vergleichen und Ihnen dadurch wertvolle Tipps geben. Bedenken Sie: Ein Krimileser achtet auf andere Details als ein Fantasyromanfan, d. h. was der Krimileser als langweilig und überzogen empfindet, kann für einen Fantasyromanleser durchaus spannend sein. Achten Sie deshalb bei der Auswahl Ihrer Testleser darauf, dass mehrere Testleser aus Ihrer Zielgruppe dabei sind.

Wählen Sie jedoch nur Personen aus, die bereit sind, sich konstruktiv und sachlich zu Ihrem Buch zu äußern. Bei unbekannten Testlesern wird diese Auswahl natürlich schwieriger sein. Wenn Sie jedoch wissen, dass jemand aus Ihrem Bekannten- oder Verwandtenkreis ein notorischer Besserwisser oder Nörgler ist, sollten Sie diesen umgehen. Alles andere wäre Zeitverschwendung.

Manuskript nicht zu früh abgeben

Ich persönlich empfehle, den Testlesern das Manuskript nicht vor der überarbeiteten Rohfassung zu geben. Oftmals entstehen Schreibblockaden, wenn ein unfertiges Manuskript der Kritik ausgesetzt wird. Überarbeiten Sie Ihre Rohfassung solange, bis Sie das Gefühl haben, dass Sie es einer Kritik Ihrer Testleser aussetzen können.

Überfordern Sie Ihre Testleser nicht!

Damit Sie Ihre Testleser nicht überfordern, sollten Sie je nach Umfang des Manuskripts mehrere Testleser auswählen und jedem Testleser unterschiedliche Kapitel aus Ihrem Buch mitgeben. Schrecken Sie Ihre Testleser nicht sofort mit einem kompletten Manuskript ab! Denken Sie daran: Ihr Testleser stellt seine Lesezeit freiwillig und kostenlos zur Verfügung – doch auch seine Zeit ist nicht unbegrenzt. 15 bis 20 Seiten reichen für einen ersten Eindruck Ihre Manuskripts aus, bei 40 bis 100 Seiten kann der Testleser in die Tiefe gehen. Natürlich ist es auch möglich, Testlesern ein komplettes Manuskript zu überreichen. Fragen Sie am besten jeden einzelnen Testleser vorher, wie viel er zu lesen bereit ist.

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Texte überarbeiten – Mit Distanz zum Erfolg

Schreibprobleme können entstehen, wenn ein Autor die Schreib- mit der Korrekturphase im Schreibprozess zusammenfallen lässt: Wenn er während des Schreibens darin verfällt, seine Wörter oder Sätze immer wieder querzulesen und zu korrigieren, stört es den Schreibfluss – und stärkt seinen inneren Kritiker. Unerfahrene Autoren machen diesen Fehler sehr häufig und wundern sich, wenn ihre Motivation schwindet. Erfahrene Autoren dagegen schreiben ihre Erstfassung erst einmal runter und beginnen dann mit der schrittweisen Revision ihres Textes. Trennen Sie deshalb die Überarbeitungsphase von der Schreibphase!

Eine der wichtigsten Regeln im Überarbeitungsprozess ist, Distanz zum eigenen Text zu schaffen. Statt mitten im oder direkt nach dem Schreiben mit der inhaltlichen Korrektur zu beginnen, sollten Sie Ihren Text etwa drei bis fünf Tage liegenlassen. Sie erhalten emotionalen Abstand zu Ihrem Text und finden weder alles gut, noch alles schlecht, sondern sind wesentlich empfänglicher für tatsächliche Fehler und Disharmonien. Sie sind befreiter und können Figuren, Wörter, Sätze, ganze Szenen loslassen, die nicht mehr in Ihren Roman passen.

Distanz schaffen – Lassen Sie Ihren Text nach dem Schreiben ruhen!

Kennen Sie folgende Situationen?

Nachdem Sie Ihren Text endlich fertiggestellt haben, sind Sie erleichtert und freuen sich über den Teilerfolg. Damit Sie Ihre Arbeit vollständig beenden können, beginnen Sie auch sofort mit der Überarbeitung. Spätestens jetzt stellt sich bei vielen unerfahrenen Autoren Ernüchterung ein. Wenn Sie ihren Text lesen, denken möglicherweise „Was habe ich da geschrieben? Das hört sich furchtbar an! Wer soll das lesen?“ Sie werden frustriert sein und im schlimmsten Fall Ihren Text nicht mehr ansehen.
Vielleicht gefällt Ihnen Ihr Text aber auch richtig gut. Eine Überarbeitung ist Ihrer Meinung nur an wenigen Stellen nötig. Ihr Testleser dagegen scheint den Rotstift gar nicht mehr abgesetzt zu haben. Sie sind entsetzt: Was hat er nur an Ihrem Text auszusetzen? Wut, Enttäuschung, Frustrationen sind typische Reaktionen auf ein vernichtendes Urteil eines Testlesers.

Beide Situationen treten bei Autoren dann auf, wenn sie eine wichtige Regel des Schreibens nicht beachtet haben: Nach der Schreibphase kommt die Ruhephase. Lassen Sie Ihren Text eine Weile, mindestens einen Tag, liegen. So erhalten Sie ausreichend Abstand zu Ihrem Text und überarbeiten professioneller. Sie sind weniger emotional und entwickeln einen anderen Bezug zu Ihrem Geschriebenen. Ihnen gelingt es viel eher, Sätze oder Wörter loszulassen bzw. Gutes anzuerkennen. Mit der nötigen Distanz wird Ihr Text noch besser. Probieren Sie es aus!

Die Werkzeuge des Autors: der innere Monolog

Im Gegensatz zum Bewusstseinsstrom spricht sich eine Figur im inneren Monolog selbst an; einen Gesprächspartner gibt es nicht. Die Selbstansprache findet in der Regel gedanklich statt, kann aber durchaus auch laut geschehen. Häufig stellt sich eine Figur im inneren Monolog Fragen, macht sich Vorwürfe oder schmiedet Pläne. Dabei wird sie nicht von einer dritten Person oder dem Erzähler unterbrochen. Der Leser hat das Gefühl, direkt an der Gedankenwelt der Figur teilzuhaben.

Wann kann der innere Monolog eingesetzt werden?

Der innere Monolog hat sich in Konflikt- und Entscheidungssituationen bewährt. Es kann beispielsweise darum gehen, Probleme zu analysieren oder Entscheidungen abzuwägen.

Was muss ich beim beim inneren Monolog beachten?

  • Der innere Monolog beginnt unmittelbar und wird nicht durch „sagte er zu sich“ oder „dachte sie“ eingeleitet.
  • Gedankensprünge sind in einem inneren Monolog erlaubt, jedoch werden sie nicht so extrem genutzt wie bei der Methode des Bewusstseinsstroms.
  • Der innere Monolog wird im Präsens verfasst.

Beispiel: Arthur Schnitzlers „Leutnant Gustl“

Ein Beispiel für einen gelungenen inneren Monolog ist der Anfang der Erzählung „Leutnant Gustl“ (Arthur Schnitzler, 1901):

„Wie lang‘ wird denn das noch dauern? Ich muss auf die Uhr schauen … schickt sich wahrscheinlich nicht in einem so ernsten Konzert. Aber wer sieht’s denn? Wenn’s einer sieht, so passt er gerade so wenig auf wie ich, und vor dem brauch‘ ich mich nicht zu genieren … Erst viertel auf zehn? … Mir kommt’s vor, ich sitz‘ schon drei Stunden in dem Konzert. Ich bin’s halt nicht gewohnt … Was ist es denn eigentlich? Ich muss das Programm anschauen … Ja, richtig: Oratorium! Ich hab‘ gemeint: Messe. Solche Sachen gehören doch nur in die Kirche! Die Kirche hat auch das Gute, dass man jeden Augenblick fortgehen kann …“